Re: Von einem Schwaben, der das Leberlein gefressen.
Guenther Fischer <[email protected]> Sat, 23 May 2026 12:43:56 +0200
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| Message-ID | <[email protected]> |
Also, sell Gschicht isch wonderbar. A Schwob ond dr Herrgott - des ka edd guad ganga. Mir isch drbei klar worda, dass des a kadolischer Schwob sei kennd genao so wia a Evangelischer. Dia Korntaler hedd i do drbei edd ausgnomma - dia heddad dui Gschicht aber edd weider verzehlt: Do wär uss ma Pietischt schnell a Papischd worda. I hedd des Leberle wohl ao gessa ond hedd no gmoind: Guad war s, aber halt arg kloi. Für zwoi hedd des nedd glangd! On 22. May 2026, Jürgen Dollinger wrote (in article <[email protected]>): > Aus em Vincent Klink seim Tagebuch: > > Von einem Schwaben, der das Leberlein gefressen. > > Als unser lieber Herrgott noch von einer Stadt zur andern auf Erden > gewandelt, das Evangelium gepredigt und viel Zeichen getan hat, > ist einmal ein guter einfältiger Schwab zu ihm kommen und hat ihn > gefragt: »Mein lieber Gesell, wo willst du hin?« Hat unser Herrgott > ihm geantwortet: »Ich ziehe umher und mache die Leute selig.« Sagte > der Schwabe: »Mein lieber Gesell, willst mich mit dir lassen?« – > »Gern,« sagte unser Herrgott, »wann du fromm sein willst und gerne > beten.« – »Ja,« sagte der Schwab. Nun als sie miteinander gingen, > kamen sie zwischen zwei Dörfer, darinnen man läutete. Da der Schwab > gerne schwatzte, fragte er unsern Herrgott: »Mein lieber Gesell, > was läutet man da?« Unser Herrgott, der alle Dinge weiß, sagte: > »In dem einen Dorf läutet man zur Hochzeit, in dem andern zu einem > Begräbnis.« – »Geh’ du zum Begräbnis, so will ich zur Hochzeit > gehen,« sagte der Schwabe. Unser Herrgott ging in das Dorf und machte > den Toten wieder lebendig. Man schenkte man ihm 100 Gulden. Der Schwabe > machte auf der Hochzeit den Einschenker, und als die Hochzeit aus war, > schenkten sie ihm einen Kreuzer. Des war der Schwabe wohl zufrieden; > er machte sich auf den Weg und kam wieder zu unserm Herrgott. Als > der Schwabe unseren Herrgott von weitem kommen sah, hob er sein > Kreuzerlein in die Höhe und schrie: »Lueg, mein lieber Gesell! Ich > habe Geld. Was hast du?« Machte also viel Aufhebens von wegen seines > Kreuzerleins. Unser Herrgott lachte ihn aus und sagte: »Ich hab’ > wohl mehr als du.« Er machte den Sack auf und ließ den Schwaben > die hundert Gulden sehen. Der Schwabe, nicht faul, warf sein armes > Kreuzerlein unter die hundert Gulden und rief: »Gemein! gemein! Wir > wollen gemein miteinander haben!« Das ließ unser Herrgott gut sein > und sich gefallen und teilte also mit dem Schwaben. > > Als sie nun so miteinander gingen, begab es sich, daß sie zu einer > Herde von Schafen kamen. Da sagte unser Herrgott zum Schwaben: > »Geh’ zu dem Hirten, Schwab, sag’ er soll’ uns ein Lämmlein > geben, und koch uns das Gelüng’ zum Mittagessen.« – »Ja,« > sagte der Schwab, ging zum Hirten, ließ sich ein Lämmlein geben, > zog’s ab und bereitete das Gelüng’ zum Essen. Und da er es sott, > schwamm das Leberlein stets oben. Der Schwab drückte es mit dem > Löffel wieder hinunter; es wollte aber nicht unten bleiben. Das > verdroß den Schwaben sehr; er nahm ein Messer, schnitt die Leber > voneinander und aß sie auf. Als nun das Essen auf den Tisch kam, > fragte unser Herrgott, wo denn das Leberein hingekommen sei. Der > Schwabe antwortete ihm: Es hat keins gehabt.« – »Ei,« sagte unser > Herrott, »wie wollt’ es gelebt haben, wenn es kein Leberlein gehabt > hätte!« – »Es hat bei allen Heiligen keins gehabt!« schwur der > Schwabe. Was wollte unser Herrgott tun? Wollte er haben, daß Friede > war, mußte er sich mit dieser Antwort zufrieden stellen. > > Nun begab es sich, daß sie wiederum miteinander spazierten. Da > läutete man abermals in zwei Dörfern. Der Schwabe fragte: »Lieber, > was läutet man da?« – »In dem einen Dorf läutet man zum > Begräbnis, in dem andern zur Hochzeit,« sagte unser Herrgott. »Ja,« > sagte der Schwabe, »geh’ du zur Hochzeit, so will ich dem Toten > gehen.« Er meinte nämlich, er könne dabei auch hundert Gulden > verdienen. Er fragte ihn weiter: »Lieber, wie hast du es gemacht, daß > du den Toten auferwecken konntest?« – »Ja,« sagte unser Herrgott, > »ich sagte zu ihm: ›Steh’ auf im Namen des Vaters, des Sohnes und > des heiligen Geistes!‹ da stund er auf!« – »Ist gut, ist gut,« > sagte der Schwabe, »ich weiß wohl, wie man’s macht.« Er zog hin > und kam zum Dorfe, gerade als man den Toten heraustrug. Als das der > Schwabe sah, schrie er mit heller Stimme: »Haltet, haltet! Ich will > ihn lebendig machen! Und wenn ich ihn nicht lebendig mache, so sollt > ihr mich ohne Urteil und Recht aufhenken!« Die guten Leute waren froh, > verhießen ihm hundert Gulden und setzten den Sarg, darin der Tote > lag, auf die Erde nieder. Der Schwabe machte den Sarg auf und rief: > »Steh’ auf im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen > Geistes!« Der Tote wollte aber nicht aufstehen. Dem guten Schwaben > wurde es angst und bang, und er sprach seinen Segen zum zweitenmal und > zum drittenmal. Und als da der Tote noch immer nicht aufstehen wollte, > sagte er: »Ei, so bleib’ liegen in tausend Teufels Namen!« Als > nun die Leute sahen, daß sie von dem Schwaben betrogen worden waren, > ließen sie den Sarg stehen, eilten mit ihm zum nächsten Galgen, > legten die Leiter an und führten den armen Schelmen hinauf. – Unser > Herrgott zog aber alsgemach dem Schwaben nach; denn er wußte wohl, > wie es diesem gehen werde, und er wollte nur sehen, wie er sich dazu > stellen würde. Er kam gerade zum Hochgericht und sprach: »O guter > Geselle, was hast du denn getan? In was für einer Gestalt sehe ich > dich denn da?« Der Schwabe fing an zu schelten und sagte, er hätte > ihn nicht recht belehrt. »Ich habe dich recht belehrt,« sprach > unser Herrgott, »du hast es aber nicht recht gemacht. Dem sei aber, > wie es wolle; willst du mir sagen, wo das Leberlein hingekommen ist, > so will ich dich deiner Bande entledigen.« – »Ach,« sagte der > Schwab, »es hat wahrlich keines gehabt. Warum zeihst du’s mich?« > – »Ei, du willst es also nicht sagen? Wohlan, sag’s doch, dann > will ich den Toten wieder lebendig und dich ledig machen.« Der Schwab > fing an zu schreien: »Henket mich nur! Henket mich! Der will mich des > Leberleins zeihen und hört wohl, daß es keines gehabt hat. Henket > mich nur flugs!« Wie solches unser Herrgott hört, daß er sich > eher wollt’ henken lassen, als die Wahrheit bekennen, befahl er, > ihn herabzulassen, und machte selbst den Toten lebendig. Nun zogen sie > miteinander heim. Da sagte unser Herrgott zum Schwaben: »Komm her, > wir wollen miteinander das gewonnene Geld teilen. > > Er nahm die zweihundert Gulden und teilte sie in drei Teile. Als dies > der Schwabe sah, sagte er: »Ei, Lieber, warum machst du denn drei > Teile? Wir sind doch nur zu zwei!« – »Ja,« sagte unser lieber > Herrgott, »der eine ist mein, der andere dein, und der dritte ist > dessen, der das Leberlein gefressen hat.« Als solches der Schwab > hört, sagt er: »So hab ich’s wahrlich bei Gott und allen Heiligen > gegessen.« Wollte sich also der Schwabe eher henken lassen, als > bekennen; da er aber das Geld sah, bekannte er’s freiwillig.