[TC/KR] Klimaforscher: Netto-Null-Konzept ist gefähr liche Falle
"Greenhouse Infopool Mika Latuschek" <[email protected]> Tue, 29 Jun 2021 22:00:42 +0200
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The Conversation/Krautreporter https://krautreporter.de/3930-technik-wird-die-klimakrise-nicht-losen 10. Juni 2021 Technik wird die Klimakrise nicht l=F6sen Jetzt verbrennen, sp=E4ter bezahlen: So stellen sich viele das = CO2-Budget vor, das uns noch bleibt. Diese Utopie hat uns aber kostbare Zeit im Kampf = gegen den Klimawandel gekostet JAMES DYKE, ROBERT WATSON UND WOLFGANG KNORR Manchmal kommt die Erkenntnis blitzschnell. Verschwommene Umrisse nehmen Gestalt an, pl=F6tzlich ergibt alles einen Sinn. Aber dem voraus geht = oft ein viel langsamerer Abw=E4gungsprozess: Im Unterbewusstsein wachsen die = Zweifel, ob die Dinge zusammenpassen. Bis etwas klick macht und stimmt - oder vielleicht zerbricht. Zusammengenommen haben wir drei Autoren dieses Artikels wohl mehr als 80 Jahre damit verbracht, =FCber den Klimawandel nachzudenken. Warum also = hat es so lange gedauert, bis wir uns zu den offensichtlichen Gefahren des = Konzepts der Klimaneutralit=E4t - Netto-Null genannt - zu Wort melden? Zu unserer Verteidigung: Die Grundannahme von Netto-Null ist einfach, t=E4uschend = einfach - und wir geben zu, dass sie selbst uns in die Irre gef=FChrt hat. Der Klimawandel ist eine direkte Folge davon, dass sich zu viel Treibhausgase, in erster Linie Kohlendioxid (CO2), in der Atmosph=E4re befinden. Daraus folgt: Wir m=FCssen aufh=F6ren, mehr davon = auszusto=DFen, und sogar CO2 entfernen. Diese CO2-Entfernung ist zentraler Bestandteil des aktuellen Plans, eine Katastrophe auf der Erde zu verhindern. F=FCr die Umsetzung gibt es = viele Vorschl=E4ge, von der massenhaften Anpflanzung von B=E4umen bis hin zu Hightech-Ger=E4ten, die Kohlendioxid aus der Luft absaugen. Derzeit herrscht Einigkeit dar=FCber, dass wir die globale Erw=E4rmung = schneller stoppen k=F6nnen, wenn wir Kohlendioxid mit bestimmten Techniken = entfernen und gleichzeitig die Nutzung von Brennstoffen wie Kohle, Erd=F6l und Gas reduzieren. So werden wir hoffentlich um die Mitte dieses Jahrhunderts = die =84Netto-Null=93, also die Klimaneutralit=E4t erreichen. Das ist der = Punkt, an dem alle verbleibenden Emissionen von Treibhausgasen durch Technologien ausgeglichen werden, die diese aus der Atmosph=E4re entfernen. Theoretisch ist das eine tolle Idee. Leider tr=E4gt sie in der Praxis = dazu bei, den Glauben an eine technologische L=F6sung aufrechtzuerhalten. Die Dringlichkeit nimmt ab, die Emissionen jetzt einzud=E4mmen. Wir glauben, dass die Idee der Netto-Null-Emissionen einen = r=FCcksichtslosen, leichtfertigen Ansatz zugelassen hat nach dem Motto: =84Jetzt = verbrennen, sp=E4ter bezahlen.=93 Mit der Folge, dass der CO2-Aussto=DF weiter = angestiegen ist. Diese Idee hat auch die Zerst=F6rung der Natur durch st=E4ndig = steigende Abholzung beschleunigt und das Risiko erh=F6ht, dass diese Zerst=F6rung = in der Zukunft weitergeht. Um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass die Menschheit ihre Zivilisation auf der Basis von Versprechen k=FCnftiger L=F6sungen aufs = Spiel gesetzt hat, m=FCssen wir in die sp=E4ten 1980er Jahre zur=FCckkehren. = Damals war auf internationaler B=FChne erstmals vom Klimawandel die Rede. 1988 h=E4tten die Menschen die Klimakrise noch verhindern k=F6nnen Im Juni 1988 hatte James Hansen als Leiter des Goddard-Instituts f=FCr Weltraumstudien der NASA eine prestigetr=E4chtige Position. Doch = au=DFerhalb der akademischen Welt war der US-Amerikaner weitgehend unbekannt. Am Nachmittag des 23. Juni war er auf dem besten Weg, der ber=FChmteste Klimaforscher der Welt zu werden. Denn in seiner Aussage vor dem = US-Kongress lieferte er Beweise, dass sich das Erdklima erw=E4rmt und der Mensch die Hauptursache daf=FCr ist: =84Der Treibhauseffekt ist nachgewiesen und er ver=E4ndert jetzt unser Klima.=93 Wenn wir damals nach Hansens Aussage gehandelt h=E4tten, w=E4ren wir in = der Lage gewesen, unsere Wirtschaftsweise so umzustellen, dass pro Jahr etwa zwei Prozent weniger Kohlendioxid freigesetzt werden. Dann h=E4tten wir etwa = eine Zwei-Drittel-Chance gehabt, die Erw=E4rmung auf nicht mehr als 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Es w=E4re eine riesige Herausforderung gewesen, = aber die Hauptaufgabe h=E4tte lediglich darin bestanden, die zunehmende Nutzung fossiler Brennstoffe zu stoppen und gleichzeitig die k=FCnftigen = Emissionen fair zu verteilen. Vier Jahre sp=E4ter gab es einen Hoffnungsschimmer, dass dies m=F6glich = sein w=FCrde. Auf dem Erdgipfel in Rio 1992 einigten sich alle Nationen = darauf, die Konzentrationen von Treibhausgasen zu stabilisieren, um sicherzustellen, dass sie keine gef=E4hrlichen Auswirkungen auf das Klima haben. Der Kyoto-Gipfel 1997 versuchte, dieses Ziel in die Tat umzusetzen. Doch im Laufe der Jahre wurde die Aufgabe immer schwieriger, da immer mehr = fossile Brennstoffe genutzt wurden. Etwa zu dieser Zeit entwickelten Forscher die ersten Computermodelle, = die die Treibhausgasemissionen mit den Auswirkungen auf verschiedene Wirtschaftssektoren verbanden. Diese hybriden Klima- und = Wirtschaftsmodelle erm=F6glichten es den Modellierern, wirtschaftliche Aktivit=E4ten mit = dem Klima zu verkn=FCpfen. Sie untersuchten zum Beispiel, wie Ver=E4nderungen von Investitionen und von Technologie zu Ver=E4nderungen der Treibhausgasemissionen f=FChren k=F6nnten. Diese Modelle schienen wie ein Wunder: Man konnte Ma=DFnahmen am Computerbildschirm ausprobieren, bevor man sie umsetzte, was der = Menschheit kostspielige Experimente ersparte. Sie entwickelten sich schnell zu = einer wichtigen Orientierungshilfe f=FCr die Klimapolitik. Diese = Vorrangstellung behielten sie bis zum heutigen Tag bei. Leider haben sie auch die Notwendigkeit f=FCr tiefgreifendes kritisches = Denken beseitigt. Solche Modelle stellen die Gesellschaft als ein Netz von idealtypischen, emotionslosen K=E4ufern und Verk=E4ufern dar und = ignorieren damit komplexe soziale und politische Realit=E4ten oder sogar die = Auswirkungen des Klimawandels selbst. Sie gehen davon aus, dass marktbasierte = Ans=E4tze immer funktionieren werden. Folglich beschr=E4nkten sich die = Diskussionen =FCber politische Ma=DFnahmen auf das, was f=FCr die Politiker am bequemsten = war: Sie =E4nderten schrittweise Gesetze und Steuern. Ungef=E4hr zu der Zeit, als die Modelle entwickelt wurden, gab es Bestrebungen, die USA zu Klimaschutzma=DFnahmen zu bewegen, indem man = ihnen erlaubte, die Kohlenstoffsenken der W=E4lder ihres Landes anzurechnen. = Das Argument der USA war: Bei guter Bewirtschaftung der W=E4lder sind sie in = der Lage, eine gro=DFe Menge an Kohlenstoff in B=E4umen und B=F6den zu = speichern. Diese Menge sollte von ihren CO2-Einsparzielen abgezogen werden. Letztendlich setzten die USA ihren Willen weitgehend durch. = Ironischerweise waren die Zugest=E4ndnisse alle vergeblich, da der US-Senat das = entsprechende Abkommen nie ratifiziert hat. Wer eine Zukunft mit mehr B=E4umen postuliert, k=F6nnte die Verbrennung = von Kohle, =D6l und Gas in der Gegenwart ausgleichen. Da Modelle leicht = Zahlen ausspucken konnten, die den Kohlendioxidgehalt so weit sinken lie=DFen, = wie man wollte, konnten immer ausgefeiltere Szenarien erforscht werden. Gleichzeitig nahm die wahrgenommene Dringlichkeit ab, den Verbrauch = fossiler Brennstoffe zu reduzieren. Durch die Einbeziehung von Kohlenstoffsenken = in klima=F6konomische Modelle wurde die B=FCchse der Pandora ge=F6ffnet. An dieser Stelle entstand die heutige Netto-Null-Politik. --Es war f=FCr mich ein echter Schock zu erkennen, dass ich = pers=F6nlich zur Netto-Null-Falle beigetragen haben muss. Im Jahr 2008 ver=F6ffentlichte = ich einige Berechnungen, die ich eigens durchgef=FChrt hatte, um die = Notwendigkeit von Netto-Null auf lange Sicht zu zeigen. Ich stellte fest, dass alle verbleibenden Kohlendioxid-Emissionen als Folge menschlicher = Aktivit=E4ten durch eine k=FCnstliche Senke ausgeglichen werden m=FCssten. Aber da = keiner der Co-Autoren unserer Studie ein Experte war, haben wir nicht = ber=FCcksichtigt, wie viele dieser k=FCnstlichen Senken n=F6tig w=E4ren, um unser = Wirtschaftssystem aufrechtzuerhalten oder ob es =FCberhaupt technisch m=F6glich w=E4re, = sie zu schaffen.-- Wolfgang Knorr, leitender Wissenschaftler f=FCr Physische Geografie = und =D6kosystem-Wissenschaften an der Universit=E4t Lund, Schweden Mitte der 1990er Jahre lag das Hauptaugenmerk jedoch auf der Steigerung = der Energieeffizienz und der Umstellung auf andere Energietr=E4ger (zum = Beispiel der Umstieg von Kohle auf Gas) sowie auf dem Potenzial der Atomenergie, gro=DFe Mengen an kohlenstofffreiem Strom zu liefern. Solche = Innovationen w=FCrden hoffentlich den Anstieg der Emissionen fossiler Brennstoffe = schnell umkehren. Doch um die Jahrtausendwende zeigte sich: Diese Hoffnungen waren = vergeblich. Angesichts der Kernannahme eines stufenweisen Wandels wurde es f=FCr =F6konomische Klimamodelle immer schwieriger, gangbare Wege zu finden, = um einen gef=E4hrlichen Klimawandel zu vermeiden. Als Reaktion darauf = begannen die Modellierer, immer mehr Beispiele f=FCr die Abscheidung und = Speicherung von Kohlendioxid einzubeziehen. CO2 sollte aus Kohlekraftwerken = aufgefangen und dann tief unter der Erde f=FCr unbestimmte Zeit gespeichert werden. Dass dies grunds=E4tzlich m=F6glich ist, zeigte eine Reihe von Projekten = seit den 1970er Jahren. Dabei wurde komprimiertes Kohlendioxid von fossilem = Gas getrennt und dann in den Untergrund gepresst. Ziel dieser =84Enhanced = Oil Recovery=93-Programme war eigentlich, Gase =FCber Bohrl=F6cher = einzuspeisen, damit das =D6l zu den Bohrt=FCrmen gedr=FCckt wird und so mehr gef=F6rdert = werden kann - =D6l, das sp=E4ter verbrannt wird, wodurch noch mehr Kohlendioxid in die Atmosph=E4re gelangt. Die Weiterentwicklung =84Carbon Capture and Storage=93 (CCS) bot den = Dreh, das Kohlendioxid nicht mehr zur F=F6rderung von =D6l zu verwenden, sondern = im Untergrund zu belassen und es aus der Atmosph=E4re zu entfernen. Diese angeblich bahnbrechende Technologie sollte klimafreundliche Kohle und = damit die weitere Nutzung dieses fossilen Brennstoffs erm=F6glichen. Doch = lange bevor die Welt Zeuge eines solchen Vorhabens wurde, war der = hypothetische Prozess bereits in klima=F6konomische Modelle eingeflossen. Am Ende bot = die blo=DFe Aussicht auf Kohlenstoffabscheidung und -speicherung den = politischen Entscheidungstr=E4gern einen Ausweg, die dringend ben=F6tigte = Verminderung des Treibhausgasaussto=DFes zu verschieben. Der Aufstieg der Netto-Null (oder: 2009 sollte Biomasse als =84Senke=93 = das Klima retten) Als sich die internationale Klimagemeinschaft 2009 in Kopenhagen traf, = war klar: Kohlenstoffabscheidung und -speicherung w=FCrde aus mehreren = Gr=FCnden nicht ausreichen. Niemand hatte Anlagen zur Abscheidung und Speicherung = von Kohlendioxid in einem Kohlekraftwerk in Betrieb. Es war auch nicht abzusehen, dass diese Technologie in naher Zukunft irgendeinen Einfluss = auf die steigenden Emissionen aus der zunehmenden Nutzung von Kohle haben = w=FCrde. Das gr=F6=DFte Hindernis f=FCr die Umsetzung waren im Wesentlichen die = Kosten. Der Anreiz, riesige Mengen an Kohle zu verbrennen, liegt in der Erzeugung = von relativ billigem Strom. Die Nachr=FCstung der bestehenden Kraftwerke mit Kohlenstoffabscheidern, der Aufbau der Infrastruktur f=FCr den Transport = des abgetrennten Kohlendioxids und die Entwicklung geeigneter geologischer Lagerst=E4tten erforderten riesige Geldsummen. Folglich ist die einzige Anwendung der Kohlenstoffabscheidung in der Praxis damals - und heute -, = das abgetrennte Gas in verbesserten Programmen zur =D6lgewinnung zu = verwenden. Abgesehen von einem einzigen Demonstrationsprojekt hat es nie eine Abscheidung von Kohlendioxid aus dem Schornstein eines Kohlekraftwerks = mit anschlie=DFender unterirdischer Lagerung gegeben. Genauso wichtig ist, dass 2009 immer deutlicher wurde, dass es nicht = einmal m=F6glich sein w=FCrde, die von den politischen Entscheidungstr=E4gern = geforderten schrittweisen Reduktionen zu erreichen. Noch nicht einmal, wenn die Kohlendioxidabscheidung und -speicherung funktionieren w=FCrden. Die = Menge an CO2, die jedes Jahr in die Atmosph=E4re freigesetzt wurde, belegte, dass = der Menschheit zusehends die Zeit davonlief. Da die Hoffnungen auf eine L=F6sung der Klimakrise wieder schwanden, war = ein weiteres Wundermittel gefragt. Es musste eine Technologie her, die den Anstieg der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosph=E4re nicht nur verlangsamt, sondern sogar umkehrt. Folglich griffen die = klima=F6konomischen Modellierer - die bereits in der Lage waren, pflanzliche = Kohlenstoffsenken und geologische Kohlenstoffspeicher in ihre Modelle einzubeziehen - zunehmend auf die =84L=F6sung=93 zur=FCck, diese beiden Auswege aus der = CO2-Misere zu kombinieren. So wurde die Bioenergie-Kohlenstoffabscheidung und -speicherung = (Bioenergy Carbon Capture and Storage, BECCS) schnell zur neuen = Rettungstechnologie. Indem man =84austauschbare=93 Biomasse wie Holz, Feldfr=FCchte und landwirtschaftliche Abf=E4lle anstelle von Kohle in Kraftwerken = verbrennt und dann das Kohlendioxid aus dem Schornstein des Kraftwerks abf=E4ngt und unterirdisch speichert, k=F6nnte BECCS Strom erzeugen und gleichzeitig Kohlendioxid aus der Atmosph=E4re entfernen. Denn wenn Biomasse wie ein = Baum w=E4chst, saugt sie Kohlendioxid aus der Atmosph=E4re. Durch das = Pflanzen von B=E4umen und anderen Biomassepflanzen und die Speicherung des = Kohlendioxids, das bei ihrer Verbrennung freigesetzt wird, k=F6nnte mehr Kohlenstoff = aus der Atmosph=E4re entfernt, als eingebracht werden. Mit dieser neuen L=F6sung in der Hand gruppierte sich die internationale Gemeinschaft nach wiederholten Misserfolgen neu, um einen weiteren = Versuch zu starten, unsere gef=E4hrlichen Eingriffe in das Klima einzud=E4mmen. = Die B=FChne war bereitet f=FCr die entscheidende Klimakonferenz 2015 in = Paris. Im Jahr 2015 kommen Zweifel an den Fantasiewelten auf Als der Generalsekret=E4r die 21. Konferenz der Vereinten Nationen = =FCber den Klimawandel beendete, ert=F6nte Jubel. Menschen sprangen auf, Fremde = umarmten sich, Tr=E4nen quollen aus vom Schlafmangel ger=F6teten Augen. Die Emotionen vom 13. Dezember 2015 waren nicht nur f=FCr die Kameras bestimmt. Nach wochenlangen, zerm=FCrbenden Verhandlungen auf h=F6chster = Ebene war in Paris endlich ein Durchbruch erzielt worden. Wider Erwarten hatte sich die internationale Gemeinschaft nach Jahrzehnten der Fehlstarts und Misserfolge endlich darauf geeinigt, das N=F6tige zu tun, um die globale Erw=E4rmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius, am besten auf h=F6chstens = 1,5 Grad Celsius gegen=FCber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Das Pariser Abkommen war ein =FCberw=E4ltigender Sieg f=FCr diejenigen, = die am meisten vom Klimawandel bedroht sind. Zwar trifft der globale Temperaturanstieg auch zunehmend die reichen Industrienationen. Aber es = sind die tief liegenden Inselstaaten wie die Malediven und die = Marshallinseln, die wegen des steigenden Meeresspiegels unmittelbar in ihrer Existenz bedroht sind. Doch wer ein wenig tiefer gr=E4bt, k=F6nnte eine weitere Emotion finden, = die am 13. Dezember die Delegierten umtrieb. Zweifel. Es f=E4llt uns schwer, = einen einzigen Klimawissenschaftler zu nennen, der das Pariser Abkommen zu = diesem Zeitpunkt f=FCr umsetzbar hielt. Inzwischen haben uns einige = Wissenschaftler gesagt, das Pariser Abkommen sei =84nat=FCrlich wichtig f=FCr die Klimagerechtigkeit, aber nicht umsetzbar=93 und =84ein kompletter = Schock, niemand hielt eine Begrenzung auf 1,5 Grad Celsius f=FCr m=F6glich.=93 = Anstatt die Erw=E4rmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, kam ein hochrangiger Wissenschaftler, der am IPCC beteiligt war, zu dem Schluss, dass wir bis = zum Ende dieses Jahrhunderts auf =FCber 3 Grad Celsius zusteuern. Anstatt uns unseren Zweifeln zu stellen, beschlossen wir = Wissenschaftler, immer aufw=E4ndigere Fantasiewelten zu konstruieren, in denen wir sicher w=E4ren. Der Preis f=FCr unsere Feigheit: Wir m=FCssen den Mund halten = =FCber die immer gr=F6=DFer werdende Absurdit=E4t der geforderten = Kohlendioxid-Entfernung im Weltma=DFstab. --Sich auf ungetestete Mechanismen zur Beseitigung von Kohlendioxid zu verlassen, um die Ziele von Paris zu erreichen, obwohl wir die = Technologien haben, um heute von fossilen Brennstoffen wegzukommen, ist schlichtweg falsch und leichtsinnig.-- Robert Watson, emeritierter Professor f=FCr Umweltwissenschaften, Universit=E4t von East Anglia, Gro=DFbritannien Im Mittelpunkt stand BECCS, weil zu diesem Zeitpunkt nur so = klima=F6konomische Modellierer Szenarien finden konnten, die mit dem Pariser Abkommen = vereinbar waren. Denn anstatt sich zu stabilisieren, waren die globalen Kohlendioxid-Emissionen seit 1992 um etwa 60 Prozent gestiegen. Leider war BECCS, wie alle bisherigen L=F6sungen, zu sch=F6n, um wahr zu = sein. In den vom Weltklimarat erstellten Szenarien mit einer 66-prozentigen = oder besseren Chance, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu = begrenzen, m=FCsste BECCS jedes Jahr 12 Milliarden Tonnen Kohlendioxid entfernen. = BECCS in diesem Umfang w=FCrde massive Anpflanzungsprogramme f=FCr B=E4ume und Bioenergiepflanzen erfordern. Sicher, die Erde braucht mehr B=E4ume. Seit Beginn der Landwirtschaft = vor etwa 13.000 Jahren hat die Menschheit etwa drei Billionen B=E4ume gef=E4llt. = Aber anstatt den =D6kosystemen die M=F6glichkeit zu geben, sich von den = menschlichen Einfl=FCssen zu erholen und W=E4lder nachwachsen zu lassen, bezieht sich = BECCS meist auf spezielle Plantagen im industriellen Ma=DFstab, die = regelm=E4=DFig f=FCr Bioenergie geerntet werden, anstatt den Kohlenstoff in W=E4ldern in = St=E4mmen, Wurzeln und B=F6den zu speichern. Derzeit sind die beiden effizientesten Biokraftstoffe Zuckerrohr f=FCr Bioethanol und Palm=F6l f=FCr Biodiesel - beide werden in den Tropen = angebaut. Endlose Reihen solcher schnell wachsenden Monokulturen von B=E4umen oder anderen Bioenergiepflanzen, die in kurzen Abst=E4nden geerntet werden, zerst=F6ren die Artenvielfalt. Man sch=E4tzt, dass BECCS zwischen 0,4 und 1,2 Milliarden Hektar Land ben=F6tigen w=FCrde. Das sind 25 bis 80 Prozent aller derzeit = bewirtschafteten Fl=E4chen. Wie wollen wir das erreichen, wenn wir gleichzeitig 8 bis 10 Milliarden Menschen in der Mitte des Jahrhunderts ern=E4hren wollen? = Wie, ohne die einheimische Vegetation und Artenvielfalt zu zerst=F6ren? Der Anbau von Milliarden von B=E4umen w=FCrde riesige Mengen an Wasser verbrauchen - teilweise an Orten, an denen die Menschen bereits durstig sind. Eine zunehmende Walddecke in h=F6heren Breitengraden kann mehr = Erw=E4rmung bedeuten, weil die Landoberfl=E4che dunkler wird, wenn Grasland oder = Felder durch W=E4lder ersetzt werden. Dieses dunklere Land absorbiert mehr Sonnenenergie, die Temperaturen steigen. Und wer den Schwerpunkt auf die Entwicklung riesiger Plantagen in =E4rmeren tropischen L=E4ndern legt, = riskiert, dass Menschen von ihrem Land vertrieben werden. --Der Vorl=E4ufer von Netto-Null wurde und wird immer noch = Kompensation genannt. Einst war ich voller Hoffnung, dass Kohlenstoff-Kompensationsprogramme das Kunstst=FCck vollbringen = k=F6nnten, intakte Wald=F6kosysteme vor der fast sicheren Zerst=F6rung durch wirtschaftliche Entwicklung zu retten. Doch heute erschrecken mich die Folgen von Netto-Null fast mehr als die der Klimaerw=E4rmung.-- Wolfgang Knorr Au=DFerdem wird oft vergessen, dass die B=E4ume und das Land im = Allgemeinen bereits gro=DFe Mengen an Kohlenstoff aufnehmen und speichern - die = sogenannte nat=FCrliche terrestrische Kohlenstoffsenke. Eingriffe in dieses System k=F6nnten sowohl diesen Vorgang st=F6ren als auch zu doppelter = Bilanzierung f=FChren. Weil diese Auswirkungen immer besser verstanden werden, hat die Aufbruchstimmung rund um BECCS abgenommen. Neue Trugbilder ersetzen fehlgeschlagene technische L=F6sungen Als die Erkenntnis d=E4mmerte, wie schwierig die Umsetzung von Paris angesichts der st=E4ndig steigenden Emissionen und des begrenzten = Potenzials von BECCS sein w=FCrde, entstand in Politikerkreisen ein neues = Schlagwort: das =84=DCberschreitungsszenario=93. Danach d=FCrfen die Temperaturen = kurzfristig =FCber 1,5 Grad Celsius steigen, m=FCssen dann aber bis zum Ende des = Jahrhunderts durch eine Reihe von Ma=DFnahmen zur Kohlendioxid-Entfernung gesenkt = werden. Dies hei=DFt, dass Netto-Null eigentlich Kohlenstoff-negativ bedeutet. Innerhalb weniger Jahrzehnte m=FCssen wir unsere Zivilisation von einer Wirtschaftsweise, die derzeit j=E4hrlich 40 Milliarden Tonnen = Kohlendioxid in die Atmosph=E4re pumpt, auf eine umstellen, die netto 10 Milliarden = Tonnen entfernt. Massenhaft B=E4ume anzupflanzen f=FCr Bioenergie oder als Versuch des Ausgleichs, war die j=FCngste Bem=FChung, den Verbrauch fossiler = Brennstoffe zu drosseln. Aber der immer gr=F6=DFer werdende Bedarf an = Kohlenstoffentfernung verlangt nach mehr. Deshalb hat sich die Idee der direkten = Luftabscheidung durchgesetzt, die jetzt von einigen als die vielversprechendste = Technologie angepriesen wird, die es gibt. Sie ist generell schonender f=FCr die =D6kosysteme, weil sie deutlich weniger Land f=FCr den Betrieb = ben=F6tigt als BECCS, einschlie=DFlich des Landes, das f=FCr die Energieversorgung mit = Wind- oder Sonnenkollektoren ben=F6tigt wird. Leider wird weithin angenommen, dass die direkte Luftabscheidung = aufgrund ihrer exorbitanten Kosten und ihres Energiebedarfs, falls sie jemals in gro=DFem Ma=DFstab eingesetzt werden kann, nicht mit BECCS konkurrieren = kann, trotz dessen uners=E4ttlichen Appetits auf erstklassige = landwirtschaftliche Fl=E4chen. Es sollte nun klar werden, wohin die Reise geht. Wenn die Trugbilder = einer magischen technischen L=F6sung verschwinden, taucht eine andere, ebenso untaugliche Alternative auf, um ihren Platz einzunehmen. Die n=E4chste = ist bereits am Horizont zu sehen - und sie ist sogar noch grauenhafter. = Sobald wir erkennen, dass Netto-Null nicht rechtzeitig oder =FCberhaupt nicht erreicht werden kann, wird wahrscheinlich Geo-Engineering - der = absichtliche und gro=DFfl=E4chige Eingriff in das Klimasystem der Erde - beschworen = werden als L=F6sung, um den Temperaturanstieg zu begrenzen. Eine der am meisten erforschten Geoengineering-Ideen ist die = Beeinflussung der Sonneneinstrahlung - die Injektion von Millionen Tonnen = Schwefels=E4ure in die Stratosph=E4re, die einen Teil der Sonnenenergie von der Erde = abstrahlen soll. Es ist eine verr=FCckte Idee, aber einige Akademiker und Politiker meinen es todernst, trotz erheblicher Risiken. Die US National Academies = of Sciences zum Beispiel haben empfohlen, in den n=E4chsten f=FCnf Jahren = bis zu 200 Millionen US-Dollar bereitzustellen, um zu erforschen, wie Geo-Engineering eingesetzt und reguliert werden kann. Die Finanzierung = und Forschung in diesem Bereich wird sicherlich deutlich zunehmen. --Es ist erstaunlich, wie die andauernde Abwesenheit einer = glaubw=FCrdigen Technologie zur Kohlenstoffentfernung die Netto-Null-Politik nicht zu beeinflussen scheint. Mittlerweile habe ich erkannt, dass wir alle einer Form von Verarschung aufgesessen sind.-- James Dyke, Senior Lecturer f=FCr Globale Systeme, Universit=E4t von = Exeter, Gro=DFbritannien Schwierige Wahrheiten (oder: Netto-Null-Politik taugt nicht zur = Begrenzung der Erderw=E4rmung) Im Prinzip gibt es nichts Falsches oder Gef=E4hrliches an Vorschl=E4gen = zur Kohlenstoffentfernung. In der Tat kann es sich ungeheuer aufregend = anf=FChlen, M=F6glichkeiten zur Reduzierung der Kohlendioxidkonzentration zu = entwickeln. Du setzt Wissenschaft und Technik ein, um die Menschheit vor einer Katastrophe zu bewahren. Was man tut, ist wichtig. Es gibt auch die Erkenntnis, dass die Entfernung von CO2 notwendig sein wird, um einen = Teil der Emissionen aus Sektoren wie der Luftfahrt und der Zementproduktion aufzufangen. Deshalb wird es eine kleine Rolle f=FCr eine Reihe von verschiedenen Ans=E4tzen zur Kohlendioxidentfernung geben. Problematisch wird es erst, wenn davon ausgegangen wird, dass diese Vorschl=E4ge in gro=DFem Ma=DFstab eingesetzt werden k=F6nnen. Damit = wird praktisch ein Blankoscheck f=FCr die weitere Verbrennung fossiler Brennstoffe und = die zunehmende Zerst=F6rung von Lebensr=E4umen ausgestellt. Die Technologien zur Kohlenstoffreduzierung und das Geoengineering = sollten als eine Art Schleudersitz gesehen werden, der die Menschheit vor = raschen und katastrophalen Umweltver=E4nderungen bewahren k=F6nnte. Genau wie = ein Schleudersitz in einem D=FCsenflugzeug sollte er nur als allerletztes = Mittel eingesetzt werden. Politik und Wirtschaft scheinen es jedoch durchaus = ernst zu meinen mit dem Einsatz hochspekulativer Technologien als Mittel, um unsere Zivilisation auf einen nachhaltigen Weg zu bringen. Tats=E4chlich handelt es sich dabei um nichts mehr als M=E4rchen. Der einzige Weg, die Menschheit zu sch=FCtzen, ist die sofortige und nachhaltige radikale Senkung der Treibhausgasemissionen auf sozial = gerechte Weise. Gew=F6hnlich sehen sich Akademiker als Diener der Gesellschaft. In der = Tat sind viele als Beamte angestellt. Diejenigen, die an der Schnittstelle = von Klimawissenschaften und Politik arbeiten, k=E4mpfen verzweifelt mit = einem zunehmend schwierigen Problem, dem Klimawandel. In =E4hnlicher Weise = arbeiten auch diejenigen mit den besten Absichten, die sich f=FCr das = Netto-Null-Ziel einsetzen. Die Trag=F6die ist, dass sie mit ihren kollektiven Bem=FChungen nie in = der Lage waren, einen klimapolitischen Prozess wirksam zu hinterfragen, der nur = die Untersuchung von wenigen Szenarien zul=E4sst. Den meisten Akademikern ist es ausgesprochen unangenehm, die unsichtbare Linie zu =FCberschreiten, die ihren Tagesjob von umfassenderen sozialen = und politischen Belangen trennt. Sie bef=FCrchten, dass es ihre = Unabh=E4ngigkeit gef=E4hrden k=F6nnte, wenn sie als Bef=FCrworter oder Gegner bestimmter = Themen gesehen werden. Wissenschaftler gelten als eine der = vertrauensw=FCrdigsten Berufsgruppen. Vertrauen ist sehr schwer aufzubauen und leicht zu = zerst=F6ren. Aber es gibt noch eine andere unsichtbare Linie, die die Wahrung der akademischen Integrit=E4t von der Selbstzensur trennt. Als = Wissenschaftlern wird uns beigebracht, skeptisch zu sein, Hypothesen gr=FCndlich zu = testen und zu hinterfragen. Aber wenn es um die vielleicht gr=F6=DFte = Herausforderung f=FCr die Menschheit geht, zeigen wir oft einen gef=E4hrlichen Mangel an = kritischer Analyse. Im privaten Bereich =E4u=DFern Wissenschaftler erhebliche Skepsis = gegen=FCber dem Pariser Abkommen, BECCS, Kompensationsma=DFnahmen, Geoengineering und Netto-Null. Von einigen l=F6blichen Ausnahmen abgesehen, gehen wir in = der =D6ffentlichkeit ruhig unserer Arbeit nach, beantragen F=F6rdermittel, ver=F6ffentlichen Publikationen und lehren. Der Weg zu einem = katastrophalen Klimawandel ist mit Machbarkeitsstudien und Folgenabsch=E4tzungen = gepflastert. Anstatt den Ernst unserer Lage anzuerkennen, beteiligen wir uns weiter = an der Utopie von Netto-Null. Was werden wir tun, wenn die Realit=E4t uns einholt? Was werden wir unseren Freunden und Angeh=F6rigen =FCber das = Vers=E4umnis sagen, uns jetzt zu Wort zu melden? Es ist an der Zeit, unsere =C4ngste auszusprechen und gegen=FCber der Allgemeinheit ehrlich zu sein. Die aktuelle Netto-Null-Politik wird die Erw=E4rmung nicht auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, weil sie nie dazu = gedacht war. Sie wurde und wird immer noch von der Notwendigkeit angetrieben, Business as usual zu sch=FCtzen, nicht das Klima. Wenn wir die Menschen sch=FCtzen wollen, dann m=FCssen wir die Kohlenstoffemissionen jetzt = stark und nachhaltig reduzieren. Das ist der ganz einfache H=E4rtetest, der auf = alle klimapolitischen Ma=DFnahmen angewendet werden muss. F=FCr Wunschdenken = ist es zu sp=E4t. JAMES DYKE ist Senior Lecturer f=FCr Globale Systeme an der = Universit=E4t Exeter in Gro=DFbritannien. ROBERT WATSON ist emeritierter Professor f=FCr Umweltwissenschaften an = der Universit=E4t von East Anglia in Gro=DFbritannien. WOLFGANG KNORR ist leitender Wissenschaftler f=FCr Physische Geografie = und =D6kosystem-Wissenschaften an der Universit=E4t Lund in Schweden. Ihren Artikel ver=F6ffentlichten sie auf Englisch bei The Conversation:=20 https://theconversation.com/--157368=20 =DCbersetzung: Vera Fr=F6hlich; Redaktion: Rico Grimm; Schlussredaktion: = Susan M=FCcke; Bildredaktion: Till Rimmele; Audioversion: Iris Hochberger =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 = =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 Ende der weitergeleiteten Nachricht. Alle Rechte bei den AutorInnen. Unverlangte und doppelte Zusendungen bitte ich zu entschuldigen! Das gelegentliche Versenden von E-Mails durch mich ist eine rein private und pers=F6nliche - und niemals berufliche oder wirtschaftliche - = T=E4tigkeit. Ich nutze Ihre E-Mail-Adresse f=FCr keine anderen Zwecke und speichere keine weiteren Daten au=DFer dem zugeh=F6rigen Namen/Organisation. Ich gebe niemals Daten weiter und l=F6sche auf jede Bitte sofort. Adresse l=F6schen: mailto:[email protected]?subject=3Dunsubscribe =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 = =B0 =B0 =B0 =B0 =B0 Mika Latuschek [email protected] Twitter, RSS-Feed, Mailingliste*: http://twitter.com/greenhouse_info http://tinyurl.com/rssfeed-greenhouse ... und filtern ("atom", "meer", "wald", ...) mit www.feedrinse.com/tour http://listen.jpberlin.de/mailman/listinfo/greenhouse-info Hosted by the political provider JPBerlin of Heinlein-Support www.jpberlin.de * Datenschutz nach DSGVO bei JPBerlin: www.heinlein-support.de/datenschutz