Re: Welches Dateisystem für Cluster ?
"Niels Dettenbach" <[email protected]>
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> ich meine mit Linux mit BSD-Kernel sowas wie zum Beispiel kFreeBSD für
> Debian 6.
Ahhh,
dann ist es ein *BSD bzw. FreeBSD Klon - kein "Linux". Z.B. verwenden die meisten NetBSD User wohl das pkgsrc "Repository" als Paketmanagement, weil es ebenfalls auf Quellen agiert - aber auch Binärpakete kennt. Pkgsrc lässt sich aber ebenso auch auf Linux (distributionsunabhängig), Mac OS uva. (*nix/POSIX)-Systemen als alternatives bzw. paralleles Paketsystem einsetzen. In ähnlicher Form gibt es wiederum Gentoos Portage auf *BSD usw.
Wie weit das Debian Repository auf *BSD gepflegt wird, kann ich nicht sagen. Ganz ohne nennenswerte Nutzergemeinde scheint es für produktive Applikationen nur bedingt geeignet, da es ganz ohne systemspezifische Patches produktiv nicht geht (und die natürlich gepflegt sein wollen). Meine Erfahrungen mit dem dpkg-basierten build System waren bisher nicht die besten (wenngleich ich es als Paketmanagement sehr schätze) - mit ist es selten bzw. nie gelungen ein laufendes System einfach mal in einem Rutsch aus Quellen neu zu erzeugen, schon gar nicht mit eigenen Vorgaben zur Feature-Ausstattung usw. Mag sein das das heute etwas besser funktioniert. Die Sourcen-Unterstützung scheint mir nicht so agil wie von *BSDs oder Gentoo gewohnt.
Einer der Vorteile der *BSDs ist ja, Software("-Pakete") komplett aus Quellen erzeugen und/oder installoeren zu können - inkl. Anpassungen der Binaries per Flags, Maschinen- und Anwendungsoptimierung usw. Allerdings soll es auch genug BSD-Anwender geben, die quasi ausschließlich mit den Binärpaketen herumhantieren.
M.E. wird man mit den FreeBSD eigenen ports bzw. pkgsrc auf NetBSD in den allermeisten Fällen am besten fahren. Die Bedienlogik ist eingängig schnell erlernbar. Native Linux-Anwendungen können auch per RPM oder dpkg verwendet werden (wenn tatsächlich mal nötig). Da man unter den *BSDs aber eh mit Quellen hantiert, lassen sich auch nicht im Repository befindliche Softwarequellen vergleichsweise leicht und wenn nötig auch konsistent pflegen.
Mein (ggf. subjektiver) Eindruck ist, das insbesondere NetBSD recht ressourcensparend, performant und robust an seine Aufgaben herangeht und ein "gutes Arbeitspferd" stellt. Klar liesse sich dies auch ähnlich mit Linux realisieren, aber der Wartungsaufwand / Handarbeit ist dann m.E. vergleichsweise hoch. Dennoch muß Linux da nicht hinterherhängen.
Die wichtigsten Konfigurationen finden sich unter BSD (auch Gentoo) in wenigen Dateien wieder, was gerade den Betrieb größerer Zahlen installationen vereinfacht.
Wie schon gesagt ist auch Gentoo Linux vom Handling recht "nah dran" an der "BSD-Philosophie" und erfreut sich zudem umfangreicher, transparenter Doku im Netz. In Gentoo arbeitet man mit dem "portage" als Repository, welches zudem Slots, USE Flags usw. bietet. Auch Gentoo kann mit Quellen wie Binärpaketen umgehen, wobei Quellen wohl der häufigere Ansatz sein dürften. Man kann recht einfach seine eigene Distribution pflegen, warten und über seine Systeme "deployen" - selbst für verschiedene Architekturen parallel.
Mein Eindruck ist auch, das sich eigene "Ebuilds" unter Gentoo portage leichter erstellen lassen als z.B. Debian Pakete - z.B. wenn man eigene Software dauerhaft sauber einpflegen will. Aber auch per Hand übersetzte Quellen außerhalb des Repositories lassen sich immer noch recht gut handhaben - nicht nur bei Anwendungssoftware. Da man Software i.d.R. aus Quellen übersetzt, ergeben sich üblicherweise binärtypische Probleme wie erforderliche Backports und penible Versionsabstimmungen. Mit Tools wie distcc, portage, rsync, eselect, glsa-update, sandbox und ccache sind eigene Distris für ganze Cluster (selbst bei Mischarchitekturen) relativ einfach, effizient/schnell und transparent aus den Quellen handhabbar - ohne große Handstände. Aber auch Binärinstallationen lassen sich mit diesen "Boardmitteln" effizient ausrollen. Selbst kritische remote Installationen sind machbar - notfalls auch von einer anderen remote laufenden Distribution aus..
Die Tools greifen recht transparent und automatisch ineinander. Manuals und Howtos finden sich dazu zuhauf und sind i.d.R. schnell durchgearbeitet.
Während die Erstinstallation von NetBSD in ihrer Einfachheit kaum zu unterbieten ist, wird man für Gentoo einmal ggf. Stunden "investieren" müssen und das Install-Manual am Stück für die erste Installation durcharbeiten. Alternativ verwendet man den neueren Installer und arbeitet sich in das fertig installierte System ein, was m.E. aufwendiger sein dürfte.
Welches System Du einsetzen kannst, hängt also von Einsatzzweck und Umgebung ab. Möchtest Du z.B. performant paravirtualisieren, wirst Du unter den BSDs wohl auf NetBSD gehen müssen (auf HV wie Gast) - FreeBSD wie Solaris sind zwar auch in der Mache, bisher aber afaik nicht produktiv verwendbar.
Ohne Virtualisierung - also ein BSD direkt auf dem (Halb-)Metall - solltest Du die Hardware-/Treiberunterstützung zuvor genauer anschauen. Auch die Lizenzen können ggf. ausschlaggebend sein, da BSD "mehr Kommerzialität" erlaubt.
Wir fahren (im Serverbereich) hauptsächlich mit den Doubles:
XEN / Gentoo -> NetBSD
XEN / Gentoo -> Gentoo
recht gut.
Einige Anwendungen werden auch mit:
XEN / NetBSD -> NetBSD
gefahren.
> Ich hatte zuerst auch an DRBD gedacht, aber es werden ja nur zwei Nodes
> unterstützt. Und bis die Neuner Version kommt, sollte das Projekt schon
> lange online sein.
Glücklicherweise haben wir auf FS-Ebene bisher nicht mehr gebraucht und wo nötig Clustering bzw. Lock-Management usw. auf anderen Ebenen realisieren können (SAN etc.). Deshalb interessiere ich mich auch für CEPH u.a. Clusterdateisysteme und würde mich über praktische Berichte / Tips auch sehr freuen.
Cheers,
Niels.
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