BMCR 2009.02.13, Arthur M. Eckstein, Rome Enters the Greek East

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Arthur M. Eckstein, Rome Enters the Greek East: From Anarchy to
Hierarchy in the Hellenistic Mediterranean, 230-170 BC.  Malden,
MA/Oxford:  Blackwell Publishing, 2008.  Pp. xii, 444.  ISBN
9781405160728.  $119.95; L60.00.

Reviewed by Andre/ Heller, Otto-Friedrich-Universitaet Bamberg
([email protected])
Word count:  2433 words
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Table of Contents
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Schon der griechische Historiker Polybios sah in den 53 Jahren zwischen
220 und 167 sich jene entscheidenden Ereignisse abspielen, die zur
Ausbildung der roemischen Herrschaft ueber die hellenistische
Staatenwelt fuehrten.[[1]] An dieser Einschaetzung hat sich bis heute
nichts geaendert; dennoch erfreut sich dieser, so der Verfasser,
"well-trodden ground" (3) weiterhin grosser Beliebtheit. Umstritten
bleiben die Intentionen und Handlungen, mit denen Rom zu diesem Ziel
gelangte: Welche Motivationen lagen dem roemischen Eingreifen zugrunde?
Wie aufrichtig war die "Freiheitserklaerung" des Flamininus an den
Isthmischen Spielen? Zerstoerte Roms Intervention das Gleichgewicht der
hellenistischen Maechte? Arthur M. Eckstein (E.) gehoert zu jenen,
deren Arbeiten das Bild der roemischen Expansion in den Osten in den
letzten Jahren wesentlich mitpraegten.[[2]] Das vorliegende Buch
gliedert sich in drei Teile, die wiederum je drei Kapitel enthalten.
Die Untersuchung beginnt mit dem roemischen Eingreifen in Illyrien 230
v. Chr. und endet im Vorfeld des Dritten Makedonischen Kriegs
(171-168). Den Schwerpunkt der Arbeit verraet bereits das
Inhaltsverzeichnis: Der zweite Teil, in dem die Jahre zwischen 207 und
200 behandelt werden, umfasst 160 Seiten, waehrend die beiden anderen
Teile zusammen auf 190 Seiten kommen.

Den Auftakt des ersten Teils "Rome in Contact with the Greek East,
230-205 BC" bildet das Kapitel "Roman expansion and the pressures of
anarchy"(3-28), das als Einleitung und Ueberblick zu den im Buch
entwickelten Thesen fungiert. Am Anfang widmet sich E. den
verschiedenen "Schulen" innerhalb der Alten Geschichte: Zu Beginn des
20. Jahrhunderts war es besonders Maurice Holleaux, der von einem
wachsenden Interesse Roms am Osten erst in den Jahren ab 201/200
ausging. Von entscheidender Bedeutung sei der Geheimvertrag zwischen
Philipp V. und Antiochos III. zur Aufteilung des Ptolemaeerreichs
,[[3]] an dessen Existenz immer wieder Zweifel geaeussert wurden (4),
was E. im vierten Kapitel ausfuehrlich behandelt. Laut E. wurden
Holleaux' Thesen aber nie entscheidend widerlegt. In der Sicht von
William Harris war Roms Ostpolitik schon seit dem 1. Illyrischen Krieg,
so E., "voraciously imperalist" und das dortige Eingreifen als Ausdruck
von "inherently brutal imperialism and ferocious bellicosity of Roman
society" (4f.) zu verstehen.[[4]] Erich Gruens Versuch, wieder die
griechischen Staaten als die entscheidenden Faktoren ins Spiel zu
bringen,[[5]] sei meist zugunsten des Modells von Harris uebergangen
worden. E. selbst fuehlt sich den Thesen Holleaux' verpflichtet, deren
Richtigkeit er unter Einbeziehung moderner Theorien zu den
internationalen Beziehungen zu verteidigen sucht. E. argumentiert oft
anhand der von dem amerikanischen Politologen Kenneth Waltz
begruendeten Theorie des "strukturellen Realismus". Die hellenistische
Staatenwelt sei eine Anarchie gewesen, die nur auf zweierlei Arten
haette ueberwunden werden koennen: Durch die Schaffung einer von allen
Staaten anerkannten internationalen Gesetzgebung oder durch eine klar
ausgepraegte Hierarchie unter den Staaten, die wiederum nur gewaltsam
erreicht werden koenne, wodurch Unipolaritaet, Hierarchie oder
Reichsbildung entstuenden (8). Diese auf Kosten der anderen Staaten
erfolgende Ausdehnung sei daher weniger von Gier als vielmehr von
Furcht gepraegt. Krieg sei somit der Grundzustand (9). Hinzu komme,
dass die antike Diplomatie eher primitiven Charakter besessen habe und
Gesandtschaften nur in Krisenzeiten hin- und her- geschickt worden
seien. Beschwerden ueber andere Staaten seien nur dann vorgebracht
worden, wenn die Situation schon massiv zugespitzt gewesen sei
("compellence diplomacy") (12-15). Zu Recht weist E. darauf hin, dass
Rom zwar ein bis an die Zaehne bewaffnetes Gemeinwesen gewesen sei,
sich aber darin nicht von den hellenistischen Maechten unterschieden
habe (15-19). Wichtig sei zudem, dass die hellenistische Staatenwelt
des dritten Jahrhunderts tripolar gewesen sei, so dass die Krise der
Ptolemaeer ab dem Jahr 207 sich negativ habe auswirken muessen. Die
Problematik verdeutlicht E. durch Verweise auf die Zeit vor dem Ersten
Weltkrieg und die Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion (21f.).
Als Publikum, an das sich das Buch richte, sieht E. eher neuzeitliche
Historiker, aber auch Altertumswissenschaftler: "I hope to use
international relations theory to clarify and provide a new vocabulary
for what occured in the eastern Mediterranean in the crucial
half-century under discussion, whereas for political scientists I hope
this study will offer a new case study of systematic transformation for
them to ponder and analyse" (27f.).

Dem zweimaligen Eingreifen Roms jenseits der Adria ist das zweite
Kapitel "Rome and Illyria, ca. 230-217 BC" (29-76) gewidmet.[[6]] In
der Forschung ist umstritten, ob der Krieg mit der Koenigin Teuta die
Einrichtung eines roemischen Protektorats oder nur amicitiae mit
einigen Staedten zur Folge hatte. Mit Nachdruck weist E. die
Interpretation einer fragmentarischen Inschrift als Abschluss eines
Buendnisvertrages zwischen Rom und Pharos zurueck (45-51): Rom habe mit
seinem Vorgehen nur gezeigt, dass es zur Wahrung eigener Interessen
konsequent und schnell zu handeln im Stande sei. Territorialgewinne
habe Rom weder im Ersten noch im Zweiten Illyrischen Krieg intendiert.
Dennoch kam es im Anschluss an den ersten Krieg zu einer roemischen
Gesandtschaft, die in Athen und Korinth Station machte, die E. aber
nicht ueberbewerten moechte (41. 74).

Im dritten Kapitel "Rome, the Greek States, and Macedon, 217-205 BC"
(77-118) betont E., Polybios folgend, Philipp V. habe mit dem
Aitolerbund unter dem Eindruck des Sieges Hannibals am Trasimenischen
See Frieden geschlossen, da er jetzt die Chance gesehen habe, Illyrien
unter seine Kontrolle zu bringen. Die Folge war laut Polybios die
Verknuepfung von West und Ost, die <greek>sumplokh/</greek> eben. Roms
Buendnis mit den Aitolern sei als Reaktion auf den Vertrag zwischen
Hannibal und Philipp die logische Wahl gewesen, da die Aitoler als
Makedonenfeinde bekannt gewesen seien (88-91). Dies verraet gute
Kenntnis der Verhaeltnisse, was angesichts des bisherigen Desinteresses
eigentlich erstaunlich waere. Wenngleich Rom im Ersten Makedonischen
Krieg direkt mit griechischen Staaten in Beruehrung kam, so haetten
sich diese so verhalten, als habe es sich um eine rein griechische
Angelegenheit gehandelt. Dies zeige sich in den mehrfachen Bemuehungen
von 209 bis 206, zwischen Philipp und den Aitolern Frieden zu
vermitteln. Roemische Gesandte haetten dabei entweder gefehlt oder
keine entscheidende Rolle gespielt. Dabei kam es nach Livius, Polybios
und Appian mehrfach zu deutlich antiroemischen Reden. Schliesslich
gelang 206 der Abschluss eines Separatfriedens der Aitoler mit Philipp
V., der gegen den ausdruecklichen Wunsch Roms zu Stande gekommen sei,
die erst ein Jahr spaeter im Frieden von Phoinike mit dem Makedonen
eine Einigung erzielten. Dennoch aber wandten sich schon kurz darauf
Staaten wie Pergamon und Rhodos an Rom. Diesem doch erstaunlichen
Umstand geht E. im folgenden Teil, "The Power-Transition Crisis in the
Greek Mediterranean, 207-200 BC", nach (119-270).

Der zweite Teil beginnt mit dem Kapitel "The Pact between the Kings and
the Crisis in the Eastern Mediterranean State-System, 207-200 BC"
(121-180), in dessen Zentrum der umstrittene Pakt der Koenige Philipp
V. und Antiochos III. zur Aufteilung des ptolemaeischen Aegypten steht.
E. spricht sich zu Recht unter Widerlegung der wichtigsten
Gegenpositionen deutlich fuer dessen Historizitaet aus; auch eine
rhodische Faelschung sei nicht anzunehmen. Zentral ist die
Zurueckweisung einer sich in vielen Textausgaben und Uebersetzungen von
Pol. III 2,8 findenden Emendation des in allen Codices ueberlieferten
<greek>toi=s kat' *Ai)/gaion</greek> zu <greek>toi=s kat'
*Ai)gu/pton</greek>, gegen die sich schon Holleaux und Walbank in
seinem Polybios-Kommentar ausgesprochen hatten (139-150). E. weist
unter Bezug auf neu gefundene Inschriften nach, dass Philipp gezielt
gegen ptolemaeische Besitzungen im Aegaeisraum (u. a. Samos, Milet,
Bargylia) vorging. Ferner widerlegt er die Auffassung, Polybios habe
ein lokales Buendnis zwischen dem seleukidischen Vizekoenig Zeuxis und
Philipp V. als Geheimvertrag zwischen beiden Koenigen missverstanden,
da Philipp schon allein wegen seiner Stellung nicht mit einem
Untergebenem des Antiochos einen Vertrag geschlossen haette (170-174).
Dass das Buendnis bei Livius anders als bei Polybios keine grosse Rolle
spielt, erklaert E. aus der Benutzung einer annalistischen Quelle.

Die Kapitel fuenf und sechs, "Reaction: Diplomatic Revolution in the
Mediterranean, 203/02-200 BC" (181-229) und "Diplomatic Revolution in
the Mediterranean, II: The Roman Decision to Intervene, 201/200 BC"
(230-270), schildern ausfuehrlich, auf welche Weise Rom immer staerker
in die Geschehnisse des hellenistischen Ostens einbezogen wurde und wie
es schliesslich zur Entscheidung Roms kam, militaerisch zu
intervenieren. Ursaechlich dafuer sei die "power-transition crisis",
die durch die Reduktion vom tripolaren zu einem bipolaren Maechtesystem
ausgeloest wurde, nachdem "the most vulnerable significant actor" (so
der Politologe Thomas Christensen) ausgeschieden war. Die direkt von
diesen Kaempfen ("hegemonic wars") betroffenen Staaten, wie Pergamon
und Rhodos, wandten sich Hilfe suchend an Rom und versuchten sich nicht
als Mitlaeufer der Koenige Philipp und Antiochos ("bandwagoning"). Erst
durch diese Gesandtschaften sah sich Rom zum Eingreifen veranlasst. Der
Kriegsbeschluss gegen Philipp ging allerdings nicht ohne Probleme bei
den Comitien durch, da das Volk die Notwendigkeit fuer einen erneuten
Krieg kurz nach Beendigung des Ringens mit Hannibal nicht sah.
Schliesslich konnte sich jedoch die Meinung durchsetzen, dass ein
Praeventivschlag gegen Philipp zur Wahrung der eigenen Sicherheit
notwendig sei.

Der dritte Teil, "From Hegemonic War to Hierarchy, 200-170 BC",
behandelt jene Jahrzehnte, in denen Rom mit den hellenistischen
Monarchien in militaerischen Konflikt geriet. Im siebten Kapitel,
"Hegemonic War I: Rome and Macedon, 200-196 BC" (273-305), fehlt
bedauerlicherweise die Beruecksichtigung der im Jahr 2005 erschienenen
Monographie Rene Pfeilschifters zu Flamininus und dessen
Griechenlandpolitik.[[7]] Laut E. habe Rom noch waehrend des Krieges
lediglich an der Spitze einer antimakedonischen Koalition gestanden,
wirkliche Akzeptanz sei aber bis dahin nicht zu beobachten. Der Erfolg
gegen Philipp sei hauptsaechlich auf dessen mangelhafte Ressourcen
zurueckzufuehren. Das Konzept der Freiheit jedoch lasse sich bei den
Roemern weder vor noch waehrend des Krieges erkennen. Entschieden tritt
E. der Auffassung entgegen, die Freiheitserklaerung habe in Wahrheit
die Herrschaft Roms ueber die Griechen verkuendet (292ff.). Dagegen
spraechen neben dem positiven Echo bei Polybios auch inschriftliche
Belege. Der Grund, warum Rom Griechenland nicht in eine provincia
verwandelt habe, liegt nach E.s Ueberzeugung darin, dass man in Rom mit
der Schwaechung Makedoniens die Krise beendet glaubte (301). Ziel sei
die Etablierung eines von roemischen amici bevoelkerten Griechenlands
gewesen (305).

Gegenstand des achten Kapitels, "Hegemonic War, II: Rome and Antiochus
the Great, 200-188 BC" (306-341)[[8]], ist das Entstehen des Konflikts
zwischen Rom und Antiochos III., der nach einer Niederlage des Koenigs
mit dem Frieden von Apameia endete. Nach E. unterliess Antiochos im
Jahr 200 den eigentlich logischen Angriff auf Aegypten auf
ausdruecklichen Wunsch einer roemischen Gesandtschaft und wurde dafuer
zum amicus populi Romani. Konsens besteht innerhalb der Forschung, dass
der Abzug aller roemischen Soldaten 194 ein entscheidender Fehler war,
den letztendlich T. Quinctius Flamininus zu verantworten hat. E.
betont, dass es die souveraene Entscheidung des Grosskoenigs gewesen
sei, nach Griechenland ueberzusetzen, wenngleich die Initiative von den
Aitolern ausgegangen sei. Dies erklaert in der Tat viel besser das
spaete Landungsdatum des Seleukiden im Oktober 192, der gerade dadurch
roemisches Eingreifen zu verhindern suchte. Nach E. sei die fast
gleichzeitige Landung des M. Baebius Tamphilus in Apollonia und die des
Antiochos in Demetrias das Resultat von "mutual opacity" oder
"out-of-date and poor information" (327). Man koennte auch von guter
roemischer Antizipation sprechen, denn die Kriegserklaerung erfolgte
ebenfalls noch ohne Wissen um die reale Situation. Die Plaene fuer eine
Invasion Italiens durch den bei Antiochos untergekommenen Hannibal
lassen sich, anders als dies E. und andere meinen, eben nicht durch
roemische Verteidigungsmassnahmen in Sueditalien beweisen (328). Dies
zeigt nur, dass die Roemer mit einer solchen rechneten, nicht aber,
dass exakte Plaene existierten. Ob tatsaechlich der Verzicht auf die
Landung in Griechenland gute Beziehungen zwischen beiden Reichen und
eine relativ stabile bipolare Struktur zur Folge gehabt haette (326f.),
ist reine Spekulation. Denn die roemische Forderung, dass sich
Antiochos aus Europa zurueckziehen solle, haette weiter im Raum
gestanden; dieser wiederum erhob erbliche Ansprueche auf Thrakien.[[9]]
Die Niederlage bei Magnesia und der Frieden von Apameia fuehrten laut
E. zu einem "unified unipolar system under Rome's predomination,
stretching from Spain to Syria" (340).

Das neunte Kapitel, "Hierarchy and Unipolarity, ca. 188-170 BC"
(342-381), ersetzt gewissermassen die fehlende Zusammenfassung. E.
betont zu Recht, dass Rom nach dem Sieg ueber Antiochos keineswegs
Asien beherrscht habe; selbst in Griechenland agierten Staaten wie der
Achaiische Bund weiterhin, ohne Rom zu fragen. Die von Rom durch den
Sieg ueber Antiochos erzielte "unipolarity" musste nun gegen das
"counterbalancing" der anderen griechischen Staaten verteidigt werden
(361). Als Parallele zu diesem von dem amerikanischen Politologen Waltz
entwickelten Modell fuehrt E. die Stellung der USA nach dem
Zusammenbruch der Sowjetunion an, die jetzt durch den Irakkrieg wieder
ins Wanken zu geraten drohe (356f.). Doch nach 188 sei es den
griechischen Staaten eben nicht gelungen, eine gemeinsame Linie zu
finden, wenngleich dies in der Vergangenheit vielfach vorgekommen war.
Rom sei es mittels "off-shore" bzw. "long-distance balancing" gelungen,
die Entstehung eines "obvious peer-competitor" zu verhindern. (363)
Dies zeige sich allein daran, dass Rom zwischen 188 und 150 nur einen
einzigen Krieg im Osten zu fuehren hatte, diesen allerdings
bezeichnenderweise gegen das wieder erstarkte Makedonien unter Perseus.
Erst dieser Krieg, so Polybios, habe die Situation entscheidend
veraendert, da durch die Vernichtung Makedoniens die "balance of
powers" nicht mehr gegeben war. Von nun an sei auch das Verhalten Roms
brutaler und fordernder geworden (380f.).

Das Buch beschliessen ein Literaturverzeichnis und ein ausfuehrlicher
Index.[[10]] Dass E. jedes Kapitel mit einer "conclusion" beendet,
erleichtert die Benutzung fuer den Nicht-Althistoriker erheblich, da
dieser schnell einen Ueberblick zu den wesentlichen Aussagen erlangen
kann, ohne die einzelnen Argumentationsstraenge verfolgen zu muessen.
Leider finden sich zahllose Tippfehler in den Zitaten lateinischer und
griechischer Textstellen.[[11]] Dies ist um so bemerkenswerter, da
einige der vorgebrachten Argumente E.s auf genauer philologischer
Analyse beruhen. Das bereits angesprochene Fehlen neuerer deutscher
Forschungsliteratur ist ebenfalls ein Manko. Die genannten Maengel
wiegen zwar schwer, aendern aber nichts an der Wichtigkeit der Arbeit
und der Originalitaet der Aussagen. Anders als von Harris und seiner
Nachfolgern postuliert, war es nach E. nicht Rom, das selbst das Heft
des Handelns in Bezug auf den hellenistischen Osten in die Hand nahm,
sondern die Initiative ging von den griechischen Staaten aus. Die
entscheidende Voraussetzung hierfuer schuf die so genannte
"power-transition crisis", die durch das Ausscheiden Aegyptens als
Machtfaktor seit 207 ausgeloest wurde. Hinzu sei Roms eigene Furcht vor
einer Invasion Italiens seitens Philipps V. und spaeter des Antiochos
getreten. Direkte Herrschaft habe Rom auch nach dem Sieg von Magnesia
im Osten nicht ausgeuebt; gleichzeitig aber sei es auch keinem anderen
griechischen Staat geglueckt, die jetzt vorherrschende Unipolaritaet
umzukehren. Die E.s Modell innewohnende Logik aehnelt stark der
Zeichnung von der roemischen Reichsbildung, welche sich bei Polybios
findet, und hier liegt auch das eigentliche Risiko: Sobald wir naemlich
dessen Darstellung folgen, akzeptieren wir gleichsam auch sein Modell.
Den eigentlichen Handlungsmotiven koennen wir uns so aber nur punktuell
annaehern. So wirkt auch E.s Modell des roemischen Ausgreifens auf den
Osten logisch und der Ablauf oft alternativlos. Die eingangs
ausgedrueckte Hoffnung, die Ereignisse durch Zuhilfenahme moderner
Theorien zu den internationalen Beziehungen zu erklaeren, erfuellt E.
durchaus. Ob dies aber auch einem aussenstehenden Beobachter des
damaligen Zeitgeschehens, der noch nicht um den Ausgang wusste, so
erscheinen musste, moechte ich auch nach der Lektuere dieses Buches
bezweifeln.[[12]] Die sicherlich lebhaften und kontroversen Reaktionen
auf das vorliegende Buch koennen den Forschungen ueber jene so wichtige
Periode nur zutraeglich sein.


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Notes:


1.   Pol. III 4,2.

2.   Zu nennen waeren hier u.a.: Senate and General. Individual
Decision Making and Roman Foreign Relations, 264-194 B.C. Berkeley/Los
Angeles/London 1987, und vor allem: Mediterranean Anarchy, Interstate
War, and the Rise of Rome (Hellenistic Culture and Society 48).
Berkeley/Los Angeles 2006, in dem schon einige der hier vorgetragenen
Thesen vorweggenommen sind.

3.   Rome, la Gre\ce et les monarchies helle/nistiques au IIIe sie\cle
avant J.-C. (273-205). Paris 1921. So schon Th. Mommsen, Roemische
Geschichte. Bd. 1. Berlin 1903 (9. Aufl.), 696-701.

4.   W. V. Harris, War and Imperialism in Republican Rome. 327-70 BC.
Oxford 1979.

5.   E. S. Gruen, The Hellenistic World and the Coming of Rome. 2 Bdd.
Berkeley 1984.

6.   Unerwaehnt bleibt D. Vollmer, Symploke. Das Uebergreifen der
roemischen Expansion auf den griechischen Osten (Hermes-ES 54).
Stuttgart 1990, nach dem Polybios' Sicht auf die Ereignisgeschichte
fehlerhaft ist und der ein Desinteresse Roms an Griechenland vor dem 2.
Makedonischen Krieg entschieden  bestreitet.

7.   R. Pfeilschifter, Titus Quinctius Flamininus. Untersuchungen zur
roemischen Griechenlandpolitik (Hypomnemata 162). Goettingen 2005.

8.   Dazu jetzt B. Dreyer, Die roemische Nobilitaetsherrschaft und
Antiochos III. (205 bis 188 v. Chr.) (FAB 11). Hennef 2007, den E. --
vielleicht wegen des Erscheinungsdatums -- nicht beruecksichtigt.

9.   Erstaunlicherweise erwaehnt E. niemals das Konzept des
"speergewonnenen Landes", dazu A. Mehl, Doriktetos chora. Kritische
Bemerkungen zum "Speererwerb" in Politik und Voelkerrecht der
hellenistischen Epoche, in: AncSoc 11/12, 1980/81, 173-212.

10.   Bedauerlicherweise sind beim Zitieren deutschsprachiger Literatur
viele Fehler zu bemaengeln: Umlaute fehlen oft, daneben fallen
zahlreiche Buchstabendreher auf; so wird das gesamte Buch hindurch der
Althistoriker Jakob Seibert als Siebert geschrieben. Der Finne Anssi
Lampela erscheint sowohl mit der Schreibung Ampela als auch Lampela.

11.   Es wird hier darauf verzichtet, diese im Einzelnen zu nennen; der
Leser mit Kenntnis der Alten Sprachen findet sie zweifelsohne selbst.
Verwiesen sei nur auf 48-51, wo konsequent in dicio populi Romani statt
korrektem in dicione geschrieben wird. Belege fuer eine Verwendung von
dicio im Nominativ existieren zudem im Lateinischen nicht.

12.   Treffend Pfeilschifter (wie Anm. 7) 23: "Vielmehr sind meine
Ueberlegungen angeregt von dem Zweifel, ob es ueberhaupt eine
grundsaetzliche Linie der Ostpolitik gegeben hat. Vielleicht vermag ja
deshalb kein Modell die ueberaus dynamischen Konstellationen des
fruehen zweiten Jahrhunderts halbwegs befriedigend zu erklaeren."
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