BMCR 2009.07.11: Schuetze on Burrer, Kriegskosten und Kriegsfinanzierung in der Antike
Bryn Mawr Classical Review <[email protected]> Mon, 6 Jul 2009 10:24:46 -0400 (EDT)
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Friedrich Burrer, Holger Mueller (ed.), Kriegskosten und Kriegsfinanzierung in der Antike. Darmstadt: WBG, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2008. Pp. 336. ISBN 9783534209209. EUR 79.90. Reviewed by Andrea Schuetze, Ludwig-Maximilians Universitaet, Muenchen ([email protected]) Word count: 2566 words ------------------------------- To read a print-formatted version of this review, see http://bmcr.brynmawr.edu/2009/2009-07-11.html To comment on this review, see http://www.bmcreview.org/2009/07/20090711.html ------------------------------- Der Anfang dieses Jahrtausends hat im Zusammenhang mit den militaerischen Operationen im Irak gezeigt, dass Krieg--im Unterschied zu frueheren Epochen--einen weit ueber die eigene unmittelbare Betroffenheit hinausreichenden Sachverhalt bildet und geeignet ist, intensiv gefuehrte Diskussionen und globale Demonstrationen zu entfachen. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Krisen erlangen ausser den juristischen und ethischen Fragen jene nach den Kriegskosten und der Finanzierung militaerischer Unternehmungen (im wahrsten Sinne des Wortes) entscheidende Bedeutung. Schon seit alters her und nicht nur in Zeiten klammer Staatskassen war diese Frage eine zentrale, wenn nicht sogar die Frage vor, waehrend und nach dem Kriegsgeschehen. Geld regiert nicht nur die Welt, sondern bestimmt ganz wesentlich auch den Ausgang militaerischer Konflikte. Dabei besitzt Krieg nicht nur eine vernichtende Komponente, sondern vermag teils auch zum Erhalt, zur Bewahrung und Foerderung ziviler Systeme beizutragen,[[1]] was angesichts der Kriegsgrausamkeit zu akzeptieren oft schwer faellt. Dementsprechend ist Krieg und seine Finanzierung auch eine Frage, die fuer den Zivilisten von zwiefachem Interesse sein darf. Ein entsprechendes Interesse, das sicherlich ueber die Grenzen des fachlich Spezialisierten hinausgeht, darf auch fuer das von Friedrich Burrer und Holger Mueller herausgegebene Werk "Kriegskosten und Kriegsfinanzierung in der Antike" erwartet werden. Der vorliegende Band verdankt seine Entstehung dem DFG-Projekt "Antike Kriegskosten"[[2]] und der 2007 in Mannheim veranstalteten Tagung "Kriegskosten und Kriegsfinanzierung von der Antike bis zur Neuzeit" (16.-18. Februar 2007), die sich in 16 Beitraegen widerspiegelt und Impulse fuer weitere Forschungsarbeiten lieferte. Die Herausgeber Friedrich Burrer und Holger Mueller sehen das Projekt noch "in der Auswertungsphase" (S. 11), so dass die vorgelegte Publikation eher als eine Zwischenstandsaufnahme zu sehen ist, weisen sie doch zusaetzlich darauf hin, vorliegender Band vermoege unmoeglich einen Forschungsueberblick, sondern vielmehr eine Momentaufnahme der aktuellen Forschungslage zu bieten. Entsprechend richtet sich hier vorgetragene Kritik nicht gegen das Projekt und die Qualitaet der Beitraege als solche, denn ganz zu Recht betonen die Herausgeber ein dringendes Forschungsdesiderat fuer die Antike, "als im antiken . . . Leben der Krieg eine ueberragende Rolle gespielt hat" (S. 10). Kritik verdient die Praesentation dieses interessanten Themas und der lesenswerten Beitraege. Die Herausgeber gehen scheinbar vom projektinvolvierten Leser bzw. dem Teilnehmer der Tagung aus. Dafuer spricht ein unstrukturiertes Inhaltsverzeichnis, das dem Leser den Umgang erschwert, und in der Einleitung angefuehrte, aber schliesslich dann doch fehlende Beitraege (A. Chaniotis und Ph. de Souza) oder umgekehrt in der Einleitung unerwaehnte Beitraege (J. Nowosadtko). Gleiches gilt fuer den Beitrag von W. Szaivert, der dem zweiten Abschnitt angehoert, allerdings bei den Beitraegen des dritten Abschnitts steht, fuer die umgekehrte Chronologie im dritten Abschnitt zwischen den Beitraegen von H. van Wees und K. Brodersen, und schliesslich fuer eine uneinheitliche und teils leseunfreundliche Formatierung der Literaturverzeichnisse. Das Werk anhand dieser formalen Schoenheitsfehler zu bewerten waere unfair, da es wesentlich auf den Inhalt ankommt, der ein deutlich besseres Urteil verdient hat, aber diese Kritik darf und muss den Herausgebern auf die Schwelle gelegt werden. Ein klares und konsequent verfolgtes Raster haette eher ein Ganzes als die Summe seiner Teile zu schaffen vermocht. Es werden vier Themenkreise behandelt: (1) Kosten einzelner Kriege, (2) einzelne Kostenarten, (3) Kriegsfinanzierung in verschiedenen Epochen, (4) einzelne Finanzierungsarten. Der in den Fokus genommene Zeitrahmen erstreckt sich von 478/477 bis 27 v. Chr. Als etwas ungluecklich erscheint es dann allerdings, dass von den Autoren gerade die ausgesparte roemische Kaiserzeit als Argument fuer die Bedeutung von Kriegskosten innerhalb des Staatshaushalts angefuehrt wird (S. 9). Abgesehen von diesen Kritikpunkten darf die Einfuehrung zu dieser Thematik als durchaus gelungen betrachtet werden. Hervorzuheben ist besonders die gute Quellenkritik in Text und Bild. Sie vermittelt einen Eindruck von der im Projekt geleisteten umfangreichen und differenzierten Aufarbeitung antiker Quellenbelege ueber antike Kriegskosten. Diese koennen ueber eine Datenbank auf der Homepage des Projekts weiter erschlossen werden. Neben einem umfangreichen Literaturverzeichnis, das jedem Beitrag angefuegt ist, gestaltet sich der Hinweis auf eine weitere, gleichfalls auf der Homepage einsehbare, umfangreiche Literaturliste als sehr positiv. Ein Sach- und Namensindex erleichtern zudem eine konkrete Suche. Entgegen der Betitelung des ersten Abschnitts als "Kosten einzelner Kriege" widmet sich dieser konkret eigentlich nur einem, dem Peloponnesischen Krieg, der in zwei Beitraegen besprochen wird. Dies erscheint etwas bedauerlich, denn beide Beitraege ueberlagern sich nicht nur ein wenig, sondern vermitteln mit ihrem Schwerpunkt auf der Seekriegsfuehrung ein einseitiges Bild, das die ueberwiegende Masse der an Land gefuehrten Kriegsoperationen nicht fuer ein Vergleichsmomentum erschliesst. Klaus Meisters Beitrag (Die finanzielle Ausgangssituation Athens zu Beginn des Peloponnesischen Krieges, S. 19-27) korrigiert das von Thukydides (Rede des Archidamos) vermittelte Bild vom uebermaechtigen Athen hin zu einem Athen, das bereits in der Anfangsphase des Krieges enorm belastet gewesen sein muss. Nach Juergen Malitz (Der Preis des Krieges. Thukydides und die Finanzen Athens, S. 28-45) sind Kriegskosten bei Thukydides (anders als bei Herodot) "ein wichtiges Element seiner Darstellung" (S. 28) und somit fuer Malitz Indiz auf den in seiner Bedeutung gestiegenen Kostenfaktor, bedingt durch eine intensive waffentechnische Modernisierung der Seekriegsfuehrung (Trieren). Demzufolge habe auch die Finanzmacht des Perserkoenigs diesen zum entscheidenden Faktor im gesamten Kriegsgeschehen werden lassen. Fuer Malitz erfaehrt Krieg durch die hoehere Bewertung des Kosten- bzw. Geldfaktors eine Qualitaetsveraenderung dahingehend, dass hier nicht mehr ein "patriotisch" (S. 37) gefuehrter Krieg, sondern ein im Wesentlichen durch die dahinterstehende Finanzpotenz der beteiligten Parteien bestimmte Materialschlacht stattfand. Ob die gewandelte Kriegsqualitaet allein aus dem Kostenfaktor und nicht auch aus einer veraenderten Gegnerkonstellation begruendet gewesen sein koennte, darf gefragt werden. Der zweite Abschnitt thematisiert "Einzelne Kostenarten", vorgetragen in vier Beitraegen. Der wohl rahmengebende Beitrag von Philipp de Souza, der einen Ueberblick zur Seekriegsfinanzierung von der Archaik bis zur roemischen Kaiserzeit haette bieten sollen, fehlt aus von den Herausgebern nicht zu vertretenden Gruenden. Vincent Gabrielsen (Die Kosten der athenischen Flotte in klassischer Zeit, S. 46--73) kehrt in seinem Beitrag die Kostenintensivierung der Kriegsfuehrung in klassischer Zeit hervor, die -- bedingt durch gestiegene Ansprueche im Bereich der Seekriegsfuehrung -- nicht nur zu einem proportionalen, sondern aequivalenten Bedeutungs-Verhaeltnis zwischen Kriegswaffen und Finanzen fuehrte, weil "der Zusammenhang zwischen Geld und Seekriegfuehrung so stark geworden war, dass Geld oder Reichtum allein schon als Waffe betrachtet wurde" (S.61). Friedrich Burrer (Sold und Verpflegungsgeld in klassischer und hellenistischer Zeit, S. 74-90) behandelt die Entwicklung und Modalitaeten der Entlohnung von Soldaten. Holger Mueller (Gesandtschaftsgeschenke im Kontakt kriegerischer Auseinandersetzungen im Altertum, S. 91-105) erweitert das Betrachtungsspektrum von den unmittelbaren hin zu den mittelbaren Kriegskosten und beschaeftigt sich mit der diplomatisch-politischen Seite des Krieges. Livius, dem Mueller hohen Quellenwert beimisst, berichtet hinsichtlich des Umgangs mit Gesandtschaften von der Herausbildung eines Einheits- und zugleich fein abgestuften Rangsystems hinsichtlich des betriebenen Aufwandes. Wolfgang Szaivert (Kriegskosten--eine Spurensuche in der antiken Numismatik, S. 161-174) geht der Frage nach, anhand welcher Kriterien sich numismatische Reaktionen auf die Kriegskostendeckung ausmachen lassen. Dabei kommt er am herangezogenen Beispiel der Denareinfuehrung 211 v. Chr. zu dem Schluss, die Einfuehrung habe etwa durch eine veraenderte Rom-Typologie des Muenzbildes und einen vereinheitlichend wirkenden Waehrungsumlauf einem politischen Abfallprozess entgegnet und eine Orientierung hin auf Rom bewirkt. Der Beitrag von Szaivert erweckt auch aus dem Grund Interesse, als er sich von den vorangegangenen Beitraegen in seiner Akzentsetzung deutlich absetzt: Geld erscheint hier nicht allein als Verkoerperung einer ihm innewohnenden Potenz, militaerische Macht zu schaffen, sondern zeigt, wie intensiv die Kriegsfinanzierung mittels Muenze auch als kommunikatives Medium Verwendung fand. Der dritte Abschnitt "Kriegsfinanzierung in verschiedenen Epochen" beleuchtet als interdisziplinaerer Entwicklungsueberblick eine proportionale Verbindung zwischen Effizienzsteigerung des Finanzsystems und militaerischer Potenz. Kai Brodersen (Nuetzliche Forschung: Ps.-Aristoteles? Oikonomika II und die Haushalte griechischer Poleis, S. 106-127) untersucht anhand der Oikonomika des Pseudo-Aristoteles die Finanzierungssituation griechischer Poleis im 4. Jahrhundert. Pseudo-Aristoteles stellt ein speziell auf diese Fragestellung ausgerichtetes kompilatorisches Werk vor, das als eine Art "Konz der Antike" gerade auf die Spitzenwerte in den Bilanzen der Poleis hinweist (einschliesslich der Forderung eines zwischen Ausgaben- und Einnahmenbereich streng kalkulierenden Bilanzwesens). Hans van Wees ("Diejenigen, die segeln, sollen Sold erhalten". Seekriegfuehrung und -finanzierung im archaischen Eretria, S. 128-150) sucht durch eine Neuinterpretation des Gesetzes von Eretria zu belegen, dass die im Wesentlichen auf den Angaben bei Thukydides basierende Datierung der Verwendung von Trieren zur Kriegsfuehrung in Athen nicht erst auf 483 v. Chr. anzusetzen, sondern parallel zu Eretria auch fuer Athen um 20 bis 40 Jahre ins spaete 6. Jahrhundert vorzuverlegen sei. Die Trieren des 6. Jahrhunderts seien jenen des 5. Jahrhunderts an Zahl unterlegen, aber "in vielerlei Hinsicht historisch bedeutender als die beruehmten Flotten der Perserkriege [gewesen], da ihre Schaffung die Mechanismen und Prinzipien von Staatskontrolle und staatlicher Finanzierung begruendete, ohne welche die spektakulaere Flottenexpansion der 480er Jahre nicht moeglich gewesen waere" (S. 142). Le/opold Migeotte (Kriegs- und Verteidigungsfinanzierung in den hellenistischen Staedten, S. 151-160) fragt, in welchem Masse Poleis von der Klassik zum Hellenismus militaerischen Verpflichtungen ausgesetzt waren und ihre Staatsausgeben geordneten Bahnen folgten. Olivier Picard (Thasische Tetradrachmen und die Balkankriege im ersten Jahrhundert v. Chr., S. 175-192) versucht anhand einer umfangreichen numismatischen und topographischen Beweisfuehrung, Licht in die Finanzierung und die Rolle thasischer Finanziers zur Zeit der in den Schriftquellen schlecht ueberlieferten Balkankriege zu bringen. Uwe Tresp (Kostenbewusstsein im Krieg? Zur Verwaltung und Finanzierung der Kriegfuehrung deutscher Fuersten im 15. Jahrhundert, S. 193-209) widmet sich dem Spaetmittelalter. Im Unterschied zur bereits hervorgehobenen Belastungswirkung durch Kriegskosten hebt Tresp das zur Bewaeltigung und fuer das politische Ueberleben erforderliche evolutionaere Element der Kriegskosten hervor, das unter anderem zur Effizienzsteigerung des "staatlichen" Finanzwesens und zur Ausbildung des staendischen Dualismus (Fuerst--Staende) fuehrte und damit wesentliche Grundlagen fuer die Herausbildung neuzeitlicher Staatsstrukturen beisteuerte. Niklot Kluessendorf ("Kleine" Mechanismen der Kriegsfinanzierung in der fruehen Neuzeit, besonders im 18. Jahrhundert, S. 210-227) gibt anhand neuzeitlicher Numismatik einen Einblick in die Finanztricks der Kriegsparteien (bis hin zum Falschgeld als Waffe gegen den Feind). Weiter berichtet er von versuchten Gegenmassnahmen zur Bewaeltigung der enormen Kostenlast im Einzugsbereich der Kriege, die nicht nur einen Krieg zu Felde, sondern auch in den Muenzen widerspiegeln. Der vierte Abschnitt steht mit drei von vier Beitraegen klar im Zeichen der Roemer. Die Herausgeber haben ihn unter das Stichwort der "Finanzierungsarten" gestellt und weiter in Beute (Reinhard Wolters) und Reparation/Kontribution (Burkhard Meissner / Peter Kehne) untergliedert. Der Beitrag von Jutta Nowosadtko wurde von den Herausgebern zwar nicht explizit zugeordnet, duerfte aber wohl im zweiten Bereich anzusetzen sein. Reinhard Wolters (Triumph und Beute in der roemischen Republik, S. 228-245) beleuchtet den Kostenfaktor Krieg von der Ergebnisseite her -- dem Triumph. Beute diente im nobilitaeren Wettbewerb als Leistungsmassstab, so dass etwa den bei Livius tradierten Beutezahlen hohe Glaubwuerdigkeit beizumessen sei. Durch die Trennung von Kriegskosten und Kriegsertraegen praesentierte sich Beute waehrend der Triumphzuege gewissermassen als "Bruttoertrag" des Krieges. Die militaerisch begruendete Expansion roemischer Herrschaft brachte zwar nach dem Ende des Zweiten Karthagischen Krieges einen Kostenaufwand mit sich, steigerte jedoch die roemische Finanzkraft deutlich, etwa durch Zugang zu hochwertigeren Metallen fuer die Muenzpraegung, geleistete Kriegskostenentschaedigung der Besiegten und dauerhafte Steuerzahlungen aus den Provinzen. Mitte des 2. Jahrhunderts begann sich eine Wende abzuzeichnen, die Beute gegenueber Kriegskostenentschaedigungen in den Hintergrund treten liess, was sich beispielsweise in der Gestaltung der Triumphzuege anhand einer zunehmenden Abstrahierungstendenz ablesen laesst. Beute als Prestigefaktor begann an Bedeutung zu verlieren, und Soldat zu sein entwickelte sich fuer die Kriegsspezialisten (Soldaten) zu einem "existenzsichernden Beruf" (S. 240). Im Unterschied zu frueheren Zeiten wurde der hierfuer erforderliche Unterhalt nicht mehr von aussen durch Besiegte, sondern von innen durch Steuerleistungen der Buerger gewonnen. Burkard Meissner (Reparationen in der klassischen griechischen Welt und in hellenistischer Zeit, S. 246-259) geht--eingebettet in einen Rahmen moderner Kriegsgeschichte des 20. Jahrhunderts--der Frage nach, wie Reparation und Kriegskostenkompensation im Rahmen antiker Friedensabkommen geregelt wurden. Waehrend im griechischen Raum das Bild bis in hellenistische Zeit "vielgestaltig und diffus" wirkt (S. 250) und mehr situationsbedingt und einzelfallbezogen erscheint, lassen sich hingegen fuer die roemische Welt schon im Zeitalter des Aufstieg des Imperiums klare strukturelle Regelungen erkennen, die Krieg und Frieden "im Kontext einer Rechtsvorstellung" verorten (S. 251). Kriegsschaeden und Kriegskosten waren daher viel staerker in Beziehung zueinander und zu strafrechtlichen Vorstellungen gesetzt. Dabei stellt Meissner die Ambivalenz des Krieges heraus, der neben einer formal-rechtlichen auch eine religioese Komponente besass. Innerhalb dieses strengen Rahmens war "Krieg . . . zwar Zwang, aber nicht . . . Mittel zu schlechthin jedem beliebigen politischen Zweck", sondern diente der "Rechtswiederherstellung" (S. 254). Strafe und Kompensation standen daher in einer "Proportionalitaet" zu Reparationen. Mit seiner logischen Argumentation ueberzeugt Meissner vollkommen, allerdings erscheint mir seine Beurteilung des Friedensschlusses nach Ende des Zweiten Punischen Krieges 202 v. Chr., der dazu gedacht war, Karthago "nicht finanziell zu knebeln und zu ueberfordern, sondern politisch an die Kette zu legen" (S. 248) und es "ueber die ganze geplante Zeit symbolisch . . . wie abgaben- oder tributpflichtige Unterworfene" zu binden (S. 248),[[3]] dennoch zu rechtstheoretisch. Dass Roms Auftreten hier nicht (nur) symbolische Akte setzte, kann auch nicht der von Meissner angefuehrte Umstand der schnellen Rekreation Karthagos veraendern, die fuer die Roemer zumZeitpunkt des Vertragsschlusses sicherlich nicht vorhersehbar war.[[4]] Wollte Rom seinen Fuehrungsanspruch behaupten--und das Auftreten der Roemer bei diesem Friedensschluss laesst sehr darauf schliessen [[5]]--dann musste Karthago dauerhaft ausgeschaltet werden [[6]], was eine symbolische und zeitlich begrenzte politische Fessel wohl nicht zu erreichen vermocht haette, es sei denn, der Gegner waere finanziell am Boden gehalten worden [[7]] (auf die "Waffentauglichkeit" des Geldes haben voranstehende Beitraege bereits mehrfach hingewiesen). In Korrespondenz dazu steht der Beitrag von Peter Kehne (In republikanischen Staats- und Kriegsvertraegen festgesetzte Kontributionen und Sachleistungen an den roemischen Staat: Kriegsaufwandskosten, Logistikbeitraege, Kriegsentschaedigungen, Tribute oder Strafen?, S. 260-280), der sich unter Auflistung umfangreicher Daten und historischer Beispiele der Frage widmet, welche Bedeutung die Kontributionsleistungen in der roemischen Kriegsfuehrung einnahmen. Im Titel seines Beitrags werden bereits die in der Literatur diskutierten Moeglichkeiten aufgefuehrt, die er in Folge analysiert. Kehne sieht den poenalen Charakter dieser Zahlungen zwar grundsaetzlich als gegeben an, zeigt andererseits aber auf, dass die eingeforderten Leistungen in keiner proportionalen Relation zu den wohl tatsaechlichen Kriegsaufwandskosten und Schadensersatzleistungen gesehen werden koennen. Fuer Kehne besitzen sie zwar unbestreitbar politischen Charakter, dennoch lehnt er eine Ausdeutung als staendig erinnernden und gaengelnden Tribut ab. Allerdings sieht er darin durchaus Potential als Kompensat fuer die weiterlaufenden Militaerkosten waehrend Friedensverhandlungen oder als Beuteersatz zur Aufrechterhaltung der Truppenmoral. In Uebereinstimmung mit dem Beitrag von Wolters--und dem roemischen Rationalitaetssinn durchaus gerecht--deutet er sie als eine zusaetzliche, langfristige Einnahmequelle fuer den roemischen Staat. Die Kontributionsleistungen muessten--so richtig Kehne--multikausal erklaert werden, auch duerfe "der mit der beinahe schon sprichwoertlichen roemischen Geldgier gepaarte Rache- und Bestrafungsaspekt [nicht] negiert werden" (S. 271). Jutta Nowosadtko (Realeinquartierung als buergerliche Last. Unterhalt und Verwaltung von Militaerbesatzungen im 17. Und 18. Jahrhundert, S.281-287) erlaeutert nach einem zur Laenge des Beitrags fast schon zu umfangreichen Forschungsueberblick die "zivilen" Konsequenzen, die die Einquartierung von Soldaten mit sich brachten und zur Verschuldung Einzelner oder ganzer Gemeinschaften fuehrten, die jene selbst im 18. Jahrhundert noch die finanziellen Folgen des Dreissigjaehrigen Krieges spueren liess. Waehrend Kriege heute selbstverstaendlich viel Geld kosten, handelt es sich bei den antiken Kriegen um ein bislang vernachlaessigtes Gebiet. Obwohl die Rezensentin Parallelisierungen zwischen Moderne und Antike sehr zurueckhaltend bis ablehnend gegenuebersteht, zeigt sich in der Welt der unveraenderlich nuechternen Zahlen jedoch, dass -- damals wie heute -- Geld entscheidend fuer den Kriegsausgang war, man mit Bilanz- und sonstigen Finanztricks versucht hat, finanzielle Probleme umzuschichten, dass Krieg nicht nur zerstoerte, toetete und Opfer produzierte, sondern es offenbar immer Menschen gab, die der Krieg ernaehrte, die von ihm lebten, an ihm verdienten, mit ihm spekulierten. Gerade zur Vergegenwaertigung dieses Umstandes traegt der interdisziplinaer uebergreifende Ansatz auch bei. Obwohl in den Beitraegen teils sehr viele Zahlen, Daten und sonstige Fakten praesentiert wurden, teils in Tabellen und Grafiken aufgearbeitet, tragen sie nicht zur Ernuechterung des Rezipienten bei, sondern vermoegen beim zunehmenden Einblick in diese Materie durchaus Interesse zu wecken. ------------------ Notes: 1. Vgl. Wolfram Martini, Raum und Ritual im roemischen Triumph. Die Wegstrecke des Triumphzuges, in: Triplici invectus triumpho. Der roemische Triumph in augusteischer Zeit, hrsg. v. Helmut Krasser, Dennis Pausch, Ivana Petrovic, Stuttgart 2008 (=PAwB 25), S. 91. 2. Das Projekt ist heute an der Universitaet Erfurt beheimatet Antike Kriegskosten (http://www2.uni-erfurt.de/kriegskosten/) (Stand: 31. Mai 2009). 3. Vgl. Adrian Goldsworthy, The Fall of Carthage. The Punic Wars 265-146 BC, London 2004, S. 308. 4. Vgl. Klaus Zimmermann, Rom und Karthago, Darmstadt 2005, S. 87. 5. Vgl. Zimmermann 2005 (z.n. Anm. 4), S. 82. 6. So auch Pedro Barcelo/, Hannibal. Stratege und Staatsmann, Stuttgart 2004, S. 203., Vgl. Goldsworthy 2004 (z.n. Anm. 3), S. 331. Jakob Seibert, Hannibal, Darmstadt 1993, S. 477, 479 fuehrt an, die Vernichtung Karthagos sei wahrscheinlich intendiert gewesen, letztendlich aber an den Kriegskosten gescheitert. 7. Vgl. Zimmermann 2005 (z.n. Anm. 4), S. 82.