[ffii] NL-Parlament verlangt Enthaltung von Regierung im EU-Rat
Jan Wildeboer <jw-R1+d5oyEDSoUzTQ/[email protected]> Fri, 02 Jul 2004 09:49:47 +0200
| Newsgroups | gmane.org.ffii.neues |
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Pressemitteilung des FFII e.V. (www.ffii.org) EU-RATSMEHRHEIT FÃR SOFTWAREPATENTE AUF EINMAL FRAGLICH - NIEDERLÃNDISCHES PARLAMENT STIMMT FÃR ENTHALTUNG, AUCH ZYPRIES UNTER STEIGENDEM DRUCK (02.07.2004) Das niederlÀndische Parlament forderte am gestrigen Abend seine Regierung auf, im EU-Rat nicht fÃŒr die Legalisierung von Softwarepatenten zu stimmen, sondern sich zu enthalten. Damit hat der die Niederlande, die zeitgleich auch die PrÀsidentschaft der EU fÃŒr die nÀchsten 6 Monate ÃŒbernommen hat ein klares Signal gesetzt. Am 18. Mai war eine "politische Einigung" des EU-Rats verkÃŒndet worden, doch nun ist fraglich, ob die angebliche "qualifizierte Mehrheit" fÃŒr Softwarepatente bei der offiziellen Abstimmung nach der Sommerpause bestehen wird. Eine solche Entwicklung ist ein Novum in der Europapolitik. Auch die deutsche Bundesjustizministerin Brigitte Zypries erhÀlt immer mehr Gegenwind, sogar aus den Reihen der rotgrÃŒnen Koalition. Dem Bundestag liegt ein EntschlieÃungsantrag gegen die deutsche Haltung zu Softwarepatenten im EU-Rat vor. Softwarepatente werden von der GroÃindustrie und PatentanwÀlten gefordert, von vielen kleinen und mittelstÀndischen Unternehmen sowie Open-Source-Entwicklern, VerbraucherschÃŒtzern und BÃŒrgerrechtlern jedoch als Gefahr fÃŒr Innovation und Wettbewerb angesehen. Die Niederlande gehörten neben der Bundesrepublik zu den EU-Mitgliedsstaaten, die am 18. Mai in einer Probeabstimmung des EU-Rats einer Richtlinie fÃŒr die Patentierbarkeit computer-implementierter Erfindungen zustimmten. Damit sollten Softwarepatente in der EU legalisiert werden. Eine Mehrheit des niederlÀndischen Parlaments forderte gestern Wirtschaftsminister Brinkhorst und StaatssekretÀrin Van Gennip dazu auf, bei der formalen Abstimmung im Ministerrat die vorher signalisierte Zustimmung der Niederlande zurÃŒckzuziehen. Die Parlamentarier sahen sich von Wirtschaftsminister Brinkhorst getÀuscht, der zuvor schriftlich mitgeteilt hatte, der Vorschlag stelle einen Kompromiss zwischen dem ursprÃŒnglichen Entwurf der EU-Kommission und der Position des Europaparlaments dar. StaatssekretÀrin Van Gennip musste dies zugeben. Als Grund wurde ein "Fehler in der Textverarbeitung" angefÃŒhrt. Die zweite Kammer des niederlÀndischen Parlaments schenkte dieser Darstellung keinen Glauben und fasste daher eine Resolution, dass die Niederlande ihre Zustimmung in eine Enthaltung umwandeln sollten. Formal ist dies möglich, da die offizielle Abstimmung noch nicht erfolgt ist. Diese kann erst vollzogen werden, wenn der Richtlinientext in allen 20 Amtssprachen der EU vorliegt. Damit wird nicht vor September gerechnet. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass die angebliche politische Einigung im EU-Rat am 18. Mai eine Farce war, eine bittere Stunde fÃŒr die europÀische Demokratie", erklÀrte Hartmut Pilch, PrÀsident des Fördervereins fÃŒr eine Freie Informationelle Infrastruktur (FFII) e.V.. "Wenn die Niederlande ihre Stimme zurÃŒckziehen, gibt es im EU-Rat keine qualifizierte Mehrheit mehr fÃŒr einen Raubzug groÃer Konzerne und produktloser Abkassierer gegen kleine und mittelstÀndische Softwareentwickler auf Basis von Softwarepatenten. Die Position vom 18. Mai hat schon lange ihre Legitimation verloren. Es gab eine ganze Reihe von TÀuschungen und UnregelmÀÃigkeiten. Der polnische Vertreter beschwerte sich, nicht einmal gefragt worden zu sein." DEUTSCHE POSITION IM EU-RAT WIRD AUCH IN DEN REGIERUNGSPARTEIEN STARK KRITISIERT Im deutschen Bundestag brachte die FDP einen EntschlieÃungsantrag ein, die Bundesregierung aufzufordern, im EU-Rat nicht fÃŒr Softwarepatente zu stimmen. Ãber diesen Antrag wird vermutlich nach der parlamentarischen Sommerpause entschieden werden. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries verliert in dieser Frage immer mehr den RÃŒckhalt innerhalb ihrer Regierungskoalition. Unmittelbar nach der Ratssitzung vom 18. Mai erklÀrten die GrÃŒnen, dass sie mit der deutschen Zustimmung nicht einverstanden waren. In den letzten Tagen gab es eine ausfÃŒhrliche ErklÀrung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristinnen und Juristen (ASJ), die sich ebenfalls gegen den Vorschlag des EU-Rats aussprach, sowie eine dahingehende Resolution auf dem Parteitag der MÃŒnchner SPD. Die MÃŒnchner SPD hatte durch die Linux-Entscheidung der Stadt MÃŒnchen weltweit von sich reden gemacht. Der IT-Experte der SPD-Fraktion, Jörg Tauss (MdB), hat einen Aufruf des FFII gegen die Ratsposition unterzeichnet. "Wir hoffen, der deutsche Bundestag sieht sich nun ermutigt, ebenfalls klar gegen Softwarepatente zu votieren", sagte Florian MÃŒller von MySQL AB, einem fÃŒhrenden Open-Source-Softwarehersteller. "Man kann nicht gleichzeitig fÃŒr Freie Software und fÃŒr Softwarepatente sein. Das Bundesinnenministerium empfiehlt allen öffentlichen Verwaltungen, auf Linux umzusteigen, und das Bundesjustizministerium gibt Linux zum Abschuss frei - wo ist da die Logik?" Das Europaparlament hatte im September 2003 einen ersten Richtlinienentwurf der EU-Kommission so stark abgeÀndert, dass Softwarepatente wasserdicht ausgeschlossen wurden. Damit ging die Gesetzesinitiative an den EU-Rat zur Findung einer "Gemeinsamen Position". Die irische RatsprÀsidentschaft drehte wiederum den Vorschlag des Europaparlaments um 180 Grad um, so dass dieser effektiv wieder der Fassung der EU-Kommission entsprach. -------- KONTAKT: -------- Jan Wildeboer (HollÀnder, Wohnsitz MÃŒnchen, Programmierer bei domainfactory.de, Organisator der Demos in Karlsruhe und MÃŒnchen) Tel.: +49 174-7917833 E-Mail: jw-R1+d5oyEDSoUzTQ/[email protected] _______________________________________________ Nachrichtenverteiler neues (un)subscribe via http://petition.ffii.org/ [email protected] http://lists.ffii.org/mailman/listinfo/neues