[ffii] Franzoesische KMU gegen Softwarepatente

PILCH Hartmut <[email protected]> Fri, 21 Mar 2003 22:16:25 +0100 (CET)
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FFII-Nachrichten -- zur sofortigen Freigabe -- Weiterverbreitung erwuenscht
Während die deutsche Fachpresse die Ereignisse der letzten Zeit im
Europaparlament totschweigt, bringt in Frankreich sogar eine
Tageszeitung einen gut recherchierten Bericht, dessen Übersetzung
zu empfehlen wäre.

   Brevets de logiciels
   Softwarepatente        

   Les PME de l'édition affichent leur méfiance
   Die (software)-erstellenden KMU tun ihr Misstrauen kund

   http://www.weblmi.com/articles_store/973_11/Article_view

Reynald Fléchaux von Le Monde Informatique hat sich die Mühe gemacht,
Hintergründe zu recherchieren.  Dazu zählt eine Befragung von 20
leitenden Angestellgen französischer Kleiner und Mittlerer Unternehmen
aus diversen Bereichen der Softwarebranche.

Hier ein paar Zitate.

Pierre Haren, gründender Direktor von ILOG.fr, 600 Angestellte
      s. auch http://swpat.ffii.org/archiv/zitate/#haren01

   "Si la directive est adoptée en l'état, nombre de sociétés
    françaises sont en danger."

   "Wenn die Richtlinie in angenommen wird, sind zahlreiche
    französische Unternehmen in Gefahr."
 
Pierre-Michel Alcayna, Côte Ouest, Betriebsführungssoftware, Nantes

   "La brevetabilité représente l'opportunité pour de grands groupes de
    s'accaparer la création logicielle."

   "Die Patentierbarkeit stellt die Gelegenheit für die
   Großkonzerne dar, sich die schöpferische Arbeit anderer
   im Bereich der Software anzueignen."

Dominique Grégoire und Dominique Laurent, Entwicklungsleiter bei
Synapse Développpement, Toulouse:

    "La brevetabilité tuera un peu plus les petits éditeurs, qui disparaîtront
     à un rythme accéléré"

    "Die Patentierbarkeit wird den kleinen Softwarehäusern stärker
    zusetzen und ihr Sterben beschleunigen"

Jean-Marc Bily, Prologue (500 Angestellte)

    "On ne sait pas appliquer ce mécanisme de protection aux logiciels, qui
    n'ont pas toutes les caractéristiques des produits industriels. Nous
    redoutons les effets pervers  .. [ Dans ce débat portant sur l'extension
    de la brevetabilité aux logiciels ] les petits éditeurs se sentent
    exclus des mécanismes de décision.

    [...]

    Aux coûts du dépôt et de l'étude
    d'antériorité, il faut ajouter une surveillance sur les nouveaux
    brevets et sur les produits qui sortent. Et, en cas de litige, payer
    les frais de justice. C'est un système inutilisable par la quasi-totalité des
    éditeurs."


    "Dieser Schutzmechanismus passt nicht für Logikalien (Software),
    die ja nicht die Eigenschaften von Industrieprodukten aufweisen.
    Wir fürchten perverse Wirkungen.  [ In dieser Debatte über die
    Wirkungen der Erweiterung der Patentierbarkeit auf Software ]
    fühlen sich die kleinen Softwarehäuser von der Mitentscheidung
    ausgeschlossen." 

    [...]  

    Zu den Kosten für die Anmeldung und die Neuheitsrecherche kommen
    noch die Kosten für die Überwachung neuer Patente und die daraus
    hervorgehenden Produkte.  Im Falle eines Rechtsstreits sind die
    Prozessgebühren zu bezahlen.  Dieses System ist für praktisch
    alle Softwarehäuser unbenutzbar."

Patrick Bertrand, Vorstand von Cegid, 1300 Angestellte

   "Certes, le besoin de protection existe : imiter ce que fait le
    concurrent n'est aujourd'hui pas prohibé. Mais la brevetabilité
    me paraît être source de dangers. La mise en oevre de ce système
    pose un vrai problème."

   "Sicherlich gibt es ein Schutzbedürfnis: den Konkurrenten
    nachzuahmen ist heute nicht verboten.  Allerdings erscheint mir
    die Patentierbarkeit eine Gefahrenquelle zu sein.  Die Umsetzung
    dieses Systems stellt ein wirkliches Problem dar."

Syntec Informatique (Verband der Informatiker, 80000 Mitglieder)

   "La quasi-totalité des adhérents du Syntec Informatique ont vécu jusqu'en
   1999 avec l'absolue conviction que le logiciel n'était pas brevetable
   en France, relevant du seul droit d'auteur. Nous réagissons mal devant
   le fait que 13 000 brevets logiciels ont cependant été délivrés par
   l'OEB (Office européen des brevets)".

   "Praktisch alle Mitglieder von S.I. haben bis 1999 in der festen
    Überzeugung gelebt, dass Software in Frankreich nicht
    patentierbar ist und nur dem Urheberrecht unterliegt.  Wir
    können uns nicht gut auf die Tatsache einstellen, dass das
    Europäische Patentamt schon 13000 Softwarepatente erteilt hat."

Eric Schahl, Patentanwalt:

  "La perspective du vote du projet de directive n'a pas entraîné
   un regain de consultations de la part des éditeurs de
   logiciels. Les petites et moyennes entreprises pensent généralement
   que, même si ce système existait, elles ne l'utiliseraient pas."

   "Die Aussicht auf eine Richtlinie hat nicht dazu geführt, dass
   sich die Softwarehäuser stärker mit dem Patentwesen befassen.
   Die kleinen und mittleren Unternehmen sind im allgemeinen der
   Auffassung, dass sie dieses System auch dann nicht verwenden
   würden, wenn es vorhanden wäre."

Olivier Ezratty, Direktor der DotNet-Abteilung von Microsoft France:
   
   "La mise en oevre des brevets devrait mieux prendre en compte les
   PME. Ces protections restent chères et les recherches d'antériorité
   sont difficiles"

   "Bei der Umsetzung der Patente müsste mehr Rücksicht auf die KMU
   genommen werden.  Diese Form des Schutzes bleibt teuer und 
   Neuheitsrecherchen sind schwer durchführbar."   

Sylvain Perchaud, Vorstand von Europe Shareware:

   "Ce système impose aux éditeurs de
   développer un portefeuille de brevets pour nouer des alliances,
   effectuer des accords de licences croisées pour éviter les procès.
   Mais seuls les géants peuvent participer à ce jeu !"

   "Dieses System erlegt den Softwarefirmen auf, ein Patentportfolio zu
   entwickeln, um Allianzen zu schmieden und Kreuzlizenzverträge
   einzugehen, um Prozessen aus dem Weg zu gehen.  Nur die Riesen
   können in diesem Spiel mitspielen!"

Für Thomson (http://swpat.ffii.org/akteure/thomson/) wird
ein Patentlizenzeinkommen von 387 Millionen EUR in 2002 genannt.

Commissariat du Plan:

   "Seule la paix armée qui prévaut actuellement, précisément du fait
   de l'incertitude juridique qui entoure la notion de brevet de
   logiciel, explique en effet que les brevets existants ne soient pas
   plus fréquemment utilisés."

   "Nur der derzeitige Waffenstillstand, der von der rechtlichen
   Unsicherheit über den Status der Softwarepatente herrührt, erklärt,
   dass sie nicht öfter eingesetzt werden." 
  

Der Artikel zitiert auch eine FFII-Seite mit Beispielpatenten des EPA:

    http://swpat.ffii.org/brevets/echantillons/index.fr.html

-- 
Hartmut Pilch, FFII e.V. und Eurolinux-Allianz            +49-89-12789608
140000 Stimmen 400 Firmen gegen Logikpatente    http://www.noepatents.org/
Bundesregierung Treiber der Textpatente in EU       http://swpat.ffii.org/     
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