[ffii] Brief an BMJ
Hartmut Pilch <[email protected]> Mon, 28 Apr 2003 12:35:27 +0200 (CEST)
| Newsgroups | gmane.org.ffii.neues |
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| Message-ID | <[email protected]> |
FFII-Nachrichten -- zur sofortigen Freigabe -- Weiterverbreitung erwuenscht +++ +++ +++ +++ +++ +++ +++ +++ +++ +++ +++ +++ Folgendes sandte ich soeben an Herrn Dr. Welp, den Patentreferenten des BMJ betreffend "Londoner Abkommen zum Verzicht auf Übersetzungsanforderungen". --------------------------------------------- Sehr geehrter Herr Dr. Welp, Danke für die Zusendung des Umsetzungsvorhabens, das wir unter http://www.bmj.bund.de/ger/themen/urheberrecht_und_patente/10000705/ auch wiederfanden. Dieses Vorhaben streift nur am Rande die Belange, die der FFII e.V. vertritt. Nur recht wenige Mitglieder haben sich dazu Gedankenn gemacht. Es liegen allerdings schon grundsätzliche Stellungnahmen unserer Seite zur Sprachenfrage vor, die einige öffentliche Unterstützung und keine Widerrede erfahren haben, s. http://www.eurolinux.org/news/cpat01B/ Demnach stehen wir einem Verzicht auf Übersetzungsanfordernisse bei Patenten skeptisch bis ablehnend gegenüber. Es ist auch vor dem GG schwer zu rechtfertigen, dass ein Bürger wegen Verletzung einer Verbotsvorschrift belangt werden soll, die ihm nicht in seiner Heimatsprache vorliegt. Das Anliegen, Patente möglichst preisgünstig zu machen, ist auch nicht hinreichend dringend, um eine solche Einschränkung von Grundrechten zu rechtfertigen. Werner von Siemens plädierte um 1873 vor der Einführung des Patentwesens in Deutschland für "konservatives Patentieren", d.h. wenige und teure Patente. Seine Argumente haben noch heute Gewicht. Das Patentwesen fördert heute kaum noch irgendwo erkennbar die Innovation, und in vielen Bereichen droht ein Infarkt durch eine Patentflut. In einer Studie der Europäischen Kommission über den Telekommunikationssektor von 2002 wird insbesondere über negative Auswirkungen der Verbilligung des Erwerbs von Patenten durch das Gemeinschaftspatent gewarnt, s. http://swpat.ffii.org/papiere/cec-telecom02/ Ein Grundproblem ist wohl, dass bereits jetzt der Patentinhaber indirekt subventioniert wird und der potentielle Verletzer im Kalkül der Gesetzgeber keine Rolle spielt. Wie Sie wissen, ist der FFII über Ihre Rolle im Europäischen Rat bei der Befürwortung der informatischen Zensur (Ansprüche auf Programmtexte in direkter Verletzung der Publikationsfreiheit von Art 10 EMRK) http://swpat.ffii.org/briefe/bund028/ noch wesentlich unglücklicher als über die aktive Rolle der Bundesregierung bei der Aufgabe der Übersetzungsanforderungen. Beides zusammen ergibt eine untragbare Freiheitsbeschneidung für die Bürger unseres Landes. Es kommt zu solchen Gesetzesvorhaben, weil in der Patentpolitik der Bundesregierung seit Jahren eine Gruppe von Nutznießern des Patentwesens alleine das Sagen hat und den Dialog mit der Außenwelt scheut. Vom BMWi begonnene Ansätze zum Dialog wurden von Ihrer Seite nicht aufgegriffen. Im Gegenteil. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. In Eile Mit freundlichen Grüßen -- Hartmut Pilch, FFII e.V. und Eurolinux-Allianz +49-89-12789608 140000 Stimmen 400 Firmen gegen Logikpatente http://noepatents.org/ Innovation statt Patentinflation http://swpat.ffii.org/ _______________________________________________ Patinfo mailing list [email protected] http://lists.ffii.org/mailman/listinfo/patinfo _______________________________________________ Nachrichtenverteiler neues (un)subscribe via http://petition.ffii.org/ [email protected] http://lists.ffii.org/mailman/listinfo/neues