Re: von FreeBSD 10 auf 11 - ALLE Ports neu bauen?
Polytropon <[email protected]>
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On Sat, 28 Jan 2017 18:10:30 +0100, O. Hartmann wrote: > Am Sat, 28 Jan 2017 14:49:48 +0100 > Heino Tiedemann <[email protected]> schrieb: > > Bei der Gelegentheit: das wurden von selber immer mehr seit 5.2 > > aufgrund von neuen Abhängigkeiten und aufsplittungen. > > > > Meine benutzte Software ist fast immer die gleiche geblieben. > > > > > > pkg müsste ich mir echt mal genauer angucken. > > > > Wie gesagt, in meiner bisherigen erfahrungen waren Binäre immer etwas > > hinter den Versionen in den Ports. > > Das ist doch in der Sache begründet: > > Der Port-Baum wird täglich erneuert. Mit "make" oder portmaster/portupgrade kann man dann > jeden neuen Port, jeden Patch selber bauen. > > poudriere - bzw. die Vorgänger - baut auch die Abhängigkeiten neu, wenn ein Port neuer > ist. Das dauert dann unter Umständen sehr lange - 2 - 3 Tage auf groÃen Maschinen, die > den gesamten Port-Baum bauen. Das kann sich niemand schon aus wirtschaftlichen Gründen > leisten, also werden die Binären Pakete alle 1/4 Jahre gebaut, wichtige Updates, Patches > oder Sicherheitsdichtungen auch öfter. > > Man kann nicht alles haben! Das schöne an poudriere ist, daà man selbst wählen kann, welchen Umfang das zu bauende Sammelsurium haben soll. Und man behält auch immer die Kontrolle, _wann_ man das machen will bzw. _wie_ man den zugrundeliegenden Ports- Baum updaten will (brockenweise mit portsnap, scheibchen- weise per SVN-Checkout). > Diese Reduktion eines komplexen Systems (Multiuser-Multipurpose) erfordert eine weitaus > komplexere Abstraktion, die, um den Aufwand der Administration auf ein erträgliches Maà > zu reduzieren, stark eingeschränkt werden muÃ. Damit werden aber Variationsmöglichkeiten > gruppiert und klassifiziert reduziert. Irgendwer muà auch ein entsprechendes > Abstraktionssystem entwickeln - das wiederum durch seine Komplexität potentielle > (Einbruchs-)Löcher und Fehlerquellen importiert. Wer soll das entwickeln? Wer soll das > noch verstehen? Am Ende hat man ein verkapseltes System wie Windoof. Insbesondere die Frage nach dem Verstehen ist heute sehr schwer zu beantworten, da es viele (zu viele?) Unter- und Querverbindungen gibt zwischen den verschiedenen Layern, Libraries und Tools, die da involviert sind. Und selbst wenn man da mit den besten Absichten rangeht - irgendwann steht er vor einem, der eine spezielle User, der eine gewisse Funktionalität benötigt, die man "vorausschauend" rausgeschmissen hat, damit es für 99,9 % der Nutzer "viel einfacher" wird. Insbesondere beabsichtigte Sicherheitsmerkmale wirken sich auf ein herkömmliches Desktop-System oft kritisch aus: Warum kann ich nicht einfach in das Dateisystem der USB- Festplatte schreiben, die ich gerade angeschlossen habe? Warum wird der Treiber nicht automatisch vom UMTS-Stick, der sich als CD-ROM-Laufwerk ausgibt, installiert? Warum kann ich nicht von extern ohne PaÃwort auf das System zugreifen? Klar, in einer "Multi-Umgebung" (multi-user, multi-purpose, multi-program, ferner multi-window in X) haben diese "Sperren" ihre Dateinsberechtigung, nur den User, der eine "Single-Umgebung" (single-user, single- purpose, single-program, evtl. auch single-window in X) erwartet - also quasi ein "Smartphone in PC-GröÃe" -, den stört das alles. Nicht viel anders ist es bei der Auswahl der Art und Weise, _wie_ Software ins System kommen kann, um den Bogen zum Thema zurückzubringen: "multi-purpose" hält einem die Wahlmöglichkeiten offen, nur ein "one size fits all"-Konzept gibt es nicht. > Ich muà zeitweilig auch mit Linux (Ubuntu, Suse) arbeiten. Ohne die Systemwerkzeuge, die > die Macher von Ubuntu oder Suse mitbringen, kann man kaum noch etwas an beiden Systemen > "händisch" administrieren. Macht man es trotzdem, so wie man es von UNIX gewohnt ist, > werden Konfigurationen gnadenlos wieder überschrieben, weil diese > "Verienfachungswerkzeuge" eigene Managementsysteme haben. Oder sie werden schlichtweg ignoriert. Sowas wie "also ich setze jetzt hier mal zwangsweise Treiber A ein, mal sehen, ob's geht, wenn nicht, nehme ich mal testweise Treiber B, aber A müÃte gehen", nur um festzustellen, daà das System, egal, was man macht, immer Treiber C lädt, ja, sowas kann man dann häufig beobachten. Die Automatik-Erkennung ist nämlich nur so lange toll, wie sie funktioniert. :-) > Nein Danke. Im Serverbereich will ich beherrschbare Systeme! Mit UNIX-Grundkenntnissen findet man i. d. R. auch seinen Weg in die Spezialfälle, die einem alle paar Jahre mal unter die Finger kommen, z. B. wenn's mal ein HP-UX oder ein AIX oder ein Solaris ist. Klar, da gibt es kein KDE Control Center und kein YaST, und im Problemfall nicht einmal ein X... ;-) > Dir wird der Unterschied > zwischen einem Administrator mit Dipl. Informatiker/Mathematiker/Physiker (das war früher > gemeinhin so!) und einem MSCSE/MSCSA (die Billigvariante, M$ zertifizierte SchieÃhunde, > die nur Häkchen setzen können und Probleme zu lösen imstande sind, die im > "Desktopabstraktionsschema" Microsofts bereits eine Pauschal- oder Baukastenlösung > kennen, auffallen, wenn Du mit beiden Kategorien schon mal zu tun hattest. Das ist alles eine Folge des "Fachkräftemangels", der mit der Reduktion der Gehälter und der "Verbesserung" der Einstellungs- methoden ("Bitte mal die bunten Zettelchen vorzeigen!") erklärt werden kann. :-) > Ich habe, > hatte und werde haben. Man kann das nicht auf jeden pauschal übertragen, aber im Schnitt > ist es so: ein problem unter M$ Windows (Server) kann gelöst werden, wenn es dafür > Software gibt, die das Problem angehen und der Admin ein Häkchen setzen kann, um sie zu > aktivieren. Wie Du sagst: Diese Software muà existieren, und auch das Problem muà bekannt sein, so daà man den Weg zu eben dieser Software auch finden kann. Selbst diagnostische Unternehmungen anstellen zu wollen ist verschenkte Zeit, zumal die Tools, die dafür zur Ver- fügung stehen, auch nur sehr begrenzt in ihren Möglichkeiten sind. Eine Inspektion auf Quellcode-Ebene ist i. d. R. nicht möglich. Und letztlich muà man sich auch darauf verlassen, daà das vom Hersteller zur Verfügung gestellte "Problemlösewerkzeug" auch wirklich das Problem beseitigt und nicht noch zehn neue mit anbringt... > Apple hat eines der am besten durchdachtesten Desktopsysteme - darunter pocht ein UNIX > Herz. Und auch dieses System ist "verkapselt" und eingeschränkt. Apple konnte nie Fuà im > Serverbereich fassen, obwohl man eigentlich mehr machen konnte als mit Wunder-Windows. In > der Wirtschaft sind Entscheider meistens Halbwissende, Halbgebildete, Juristen oder gar > Sozialwissenschaftler - was erwartest Du da? Das ist bei Behörden mitlerweile nicht > anders. Mein Erfahrungsschatz dazu: "Die, die entscheiden, welche Software angeschafft werden soll, sind die, die niemals mit dieser Software arbeiten müssen." :-) In bestimmten Bereichen (z. B. Schulen, Callcenter) wird auch explizit vorgeschrieben, was man nutzen muà (z. B. jahre- bzw. jahrzehnte-alte Programme, die niemand richtig warten kann), so daà dort auch der beste Administrator, gleich ob er für die Desktop- oder die Server-Umgebung verantwortlich ist, nicht viel mehr tun kann als im Störungs- fall alles zu rebooten, "Windows" neu zu installieren, zu sagen: "Ja, so genau weià ich das auch nicht..." und dann zu hoffen, daà die Störung nicht wieder auftritt. (Ich habe ein paar "leidende Kollegen" in diesen Branchen, daher wollte ich das mal einwerfen.) > Was glaubst Du, was auf die deutsche Gesellschaft mit Blick auf "IoT" zukommt? Hier sind > Entscheider Politiker, Juristen, Wirtschaftler mit kaum einer > mathematisch-naturwissenschaftlichen Ausbildung, die die Komplexität dieser thematik > nicht ansatzweise verstehen. Und ich höre immer wieder, daà die Systeme zu kompliziert > seien, man muà es "einfacher" gestalten ... kommt einer, mit einer bunten Oberfläche, > sind diese Leute glücklich! Und wenn noch so viele Lücken im Reaktor klaffen ... ich kann > dazu nicht mehr sagen, allerdings nur soviel, daà es mir zu oft wie ein Schrecken ins > morsche Gebälk fährt, wenn ich dieses Mittelmaà Urteile fallen höre. Ich verstehe vollkommen, was Du meinst. Diese "Verantwortlichen" sorgen dafür, daà mein Arbeitsplatz sicher ist und auch in der Zukunft nicht wegzudenken, allenfalls wegzudiskutieren ist: "Wir machen hier keine IT-Sicherheit, da haben wir 'ne Firma für!" (Und: Nein, diesen Satz habe ich mir nicht ausgedacht.) :-) > Ist etwas "off-topic", verzeih. Als 1994 oder '95 Bill Gates in Karlsruhe an der > Universität Fridericiana war und im Fasanengarten einen "Vortrag" hielt (wir dachten > alle, er wird uns Visionen zum Betriebssystembau verkünen, dabei war es eine flache PR > Veranstaltung zum Start des Windows 95 Systems), da ging dieses kleine Sprüchlein unter > uns Studenten umher: Der Nutzen/die Effizienz eines Betriebssystems ist reziprok > proportional zur Anzahl der auf dem Desktop darstellbaren Farben. Schön! :-) -- Polytropon Magdeburg, Germany Happy FreeBSD user since 4.0 Andra moi ennepe, Mousa, ... To Unsubscribe: send mail to [email protected] with "unsubscribe de-bsd-questions" in the body of the message