Re: [ox-de] Noch einmal: gesellschaftliche Natur

Stefan Meretz <stefan.meretz-/[email protected]>
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Am Saturday 07 October 2006 01:36 schrieb Jac:
> >Sofern der Standpunkt erster Person nicht hintergangen, der
> >Subjektstandpunkt des Anderen also nicht negiert, sondern voll
> >akzeptiert wird, ist das Verhältnis zwischen diesen ein
> >intersubjektives. Ein instrumentelles Verhältnis hingegen liegt
> >vor, wenn der Subjektstandpunkt hintergangen oder negiert wird, der
> >Andere also nicht wie "meinereiner" ... behandelt wird.
>
> Die Wurzel der Diskussion liegt m.E. in diesem Absatz: den
> Subjektstandpunkt hintergehen oder negieren, den Anderen also
> nicht wie "meinereiner" zu behandeln, beinhaltet eigentlich nur,
> keine Macht per Definition meiner Selbst als etwas *Besseres*
> als der Andere aufzubauen, keine Vorurteile wie "du Ossi", du
> "Neger" oder du "Ausländer" hegen zu sollen.

Nein, es geht nicht um eine moralische Vorgabe, nicht um irgendeine Art 
von "sollen".

> Der Andere ist jedoch ganz radikal *niemals* "meinereiner"!

Doch, denn du missverstehst "meinereiner" als normierende "Identität" 
eines bestimmten "so-seins". Genau darum geht es nicht.

> Menschen stimmen in einigen Sachen überein, sie sind jedoch
> in ihrer subjektiven Interpretation ihrer selbst als auch der
> Realität auch infolge ihrer individuellen Geschichte völlig
> verschieden. Die intersubjektiven Beziehungen der Sprache,
> Grammatik und Logik verdecken und verschleiern hier subjektive
> Unterschiede und täuschen ein Gemeinsames vor, welches
> schon in der Auffassung der Farbe "Grün" nicht mehr gegeben
> ist.

Es geht darum, diese Unterschiedlichkeit und je individuelle Perspektive 
und Intentionalität als menschlich konstitutiv anzuerkennen. Der 
Subjektstandpunkt "als solcher" wäre das "identische", wenn du so 
willst, aber der umfasst ja gerade, dass wir alle verschiedene 
Perspektiven und Absichten in Bezug auf die Welt einnehmen - und das 
ist "unterhintergehbar" zu akzeptieren.

> Den Subjektstandpunkt des Anderen voll akzeptieren, beinhaltet,
> auch das *Fremde*, für einen selbst nicht Nachvollziehbare zu
> akzeptieren, wodurch dieser Standpunkt über "meinereiner"
> hinausreicht, z.B., sich bewußt zu bleiben, daß jedes Subjekt
> eben auf seine, von meiner oder meinereiner Weise völlig ver-
> schieden denkt und tickt. Dies beinhaltet auch, einen Zugang
> zu einer Materie - einem Problem, einem Vortrag oder einem
> virtuellen Programm - zu akzeptieren, der in den eigenen Denk-
> und Theoriestandards als abwegig erscheint.

Ja, genau das meine ich mit "meinereiner". Es ist nur eine andere 
Bezeichnung für "je ich".

Ciao,
Stefan

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