[ox-de] heise online: 3D-Drucker für das Volk
Matthias Schulz <Schulz_Matti-S0/[email protected]>
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Das so genannte Rapid Prototyping, mit denen man im Maschinenbau Prototypen von Bauteilen Schicht für Schicht Âwachsen lässt  eine Art rudimentäre Vorstufe Â, steckte da noch in den Anfängen. Seitdem hat sich die Technologie enorm weiterentwickelt. Inzwischen können in kürzester Zeit selbst Kleinserien von stählernen Teilen mit Stückzahlen bis zu 25.000 gefertigt werden, deren Qualität herkömmlich produzierten kaum noch nachstehen. Aus Rapid Prototyping ist Rapid Manufacturing geworden. Erschwinglich ist es aber nach wie vor nur für Unternehmen: RM-Maschinen sind immer noch schrankgroÃe Kisten, deren günstigste Varianten etwa 20.000 Euro kosten. Für hochwertige Industriemaschinen kann man das Zehn- bis Zwanzigfache veranschlagen. Kein Wunder, dass die Zahl der installierten RM-Anlagen überschaubar ist: Gut 12.400 waren es 2005 weltweit, berichtet der aktuelle Wohlers Report[1], der jährlich den Stand der RM-Branche bilanziert. Glaubt man deren Vertretern, wird sich daran so schnell nichts ändern: Weil kein Massenmarkt in Sicht ist, gibt es keinen Anreiz für die Anlagenhersteller, günstige Modelle für kleine Unternehmen oder gar Endverbraucher zu entwickeln. Dieses Henne-Ei-Problem gab es schon einmal  bei einer Technologie, die heute jeden Winkel unseres Alltags durchdringt: Computern. Als die noch Industriemaschinen waren, brachte die Firma Popular Electronics einen Bausatz heraus, mit dem Bastler für nur 400 Dollar einen Rechner selbst bauen konnten. Eine fertig montierte Variante war für 675 Dollar zu haben. Dieser ÂAltair 8800Â[2] gilt heute als der Durchbruch für das Konzept des ÂPersonal ComputersÂ. Einen solchen Durchbruch will nun eine Gruppe aus Ingenieuren und Robotikern an der Cornell University für das Rapid Manufacturing schaffen: Das Fab@Home-Projekt hat ein Konzept für einen ÂPersonal FabricatorÂ, kurz ÂFabber genannt, entwickelt, der zum ersten Mal nicht nur eine nette Konzeptstudie ist. Das ÂModel1Â[3] könnte womöglich der Altair 8800 für die Produktion werden. ÂDas sind alles Standardteile, die zusammen etwa 2000 Dollar kostenÂ, sagt der Robotiker Hod Lipson, einer der Initiatoren von Fab@Home. Der Prototyp, den er und seine Kollegen gebaut haben, basiert auf dem ÂFused Deposition ModelingÂ. In dieser RM-Variante wird erhitztes, geschmolzenes Kunstharz über Kanülen schichtweise auf einer Arbeitsplattform deponiert. Die Form einer jeden Schicht stammt dabei aus einem 3D-Datenmodell des Gegenstandes, das mit einem CAD-Programm erzeugt worden ist. Einmal aufgetragen, härtet sie aus, während die nächste Schicht folgt. Dabei müssen je nach Geometrie zunächst auch Stützen mitgefertigt werden, damit das Objekt nicht umfällt. Die werden in der Nachbearbeitung dann entfernt. Doch das Model 1 kann nicht nur Plastikteile erzeugen. Mit Hilfe eines Metallionen haltigen Kunstharzes ist es Lipsons Team gelungen, auch Teile zu fertigen, die als elektronische Komponenten dienen. Denn anders als im Rapid Manufacturing geht es den Fab@Home-Entwicklern nicht nur um massive Teile, sondern um ganze Apparate, die sich programmieren und bewegen lassen. Lipsons Ziel: Der Fabber soll irgendwann seine eigenen Bauteile herstellen können, die man dann zu einem weiteren Fabber zusammensetzen kann. SchlieÃlich soll das Gerät mehr als nur ein weiteres Werkzeug sein. Ein Beispiel ist ein ÂAktuatorÂ, wie er in der Robotik genutzt wird. Legt man eine Spannung an die leitende Schicht an, verbiegt sie sich und damit auch das umgebende Plastik. ÂWir haben nicht nur den ersten Aktuator gedruckt, sondern kürzlich auch einen TransistorÂ, sagt Lipson. Eine flache geschichtete Batterie kann das Model 1 ebenfalls schon ausspucken. Auf der Fab@Home-Projektseite[4], einem gut strukturierten Wiki, finden Experimentierfreudige nicht nur eine komplette Dokumentation, wie man das Model 1 baut. Auch Steuersoftware und druckbare Dateien für erste Testobjekte können dort heruntergeladen werden. Denn Fab@Home ist konsequent als Open-Source-Projekt angelegt. ÂZiel ist, die Solid-Freeform-Fabrication-Technologie in die Hände von neugierigen, kreativen und unternehmerischen Bürgern zu legenÂ, schreibt Hod Lipson auf der Projektseite. ÂFabbers können Innovation demokratisieren. Noch nicht so weit wie Fab@Home ist das britische RepRap-Projekt[5], das sich demselben Ziel verschrieben hat. Der Bausatz für den ÂReplicating Rapid-Prototyper soll am Ende nicht teurer als 500 Euro werden. Alle Konstruktionsdetails werden unter der GNU General Public License zur Verfügung gestellt. Doch der Erfolg von Fabbern ist nicht nur eine Frage der Kosten. ÂSie zu benutzen muss so einfach werden wie die Erstellung und der Druck von DokumentenÂ, betont Adrian Bowyer, Ingenieur an der Universität Bath und Spiritus Rector von RepRap. CAD-Programme zur Erstellung der nötigen Konstruktionsdateien haben noch lange nicht die Benutzerfreundlichkeit anderer populärer Software erreicht. ÂDie Benutzeroberflächen werden sich aber schnell entwickelnÂ, ist sich Bowyer sicher. Das verwendeten Datenformat STL (für Standard Triangulation Language) sei schon jetzt ein offener Standard für CAD-Programme, der von RM-Technologien verwendet werden. Während Lipson vor allem vom ÂMetaproblem der Ingenieurwissenschaften motiviert wurde, nämlich Âeine Maschine zu bauen, die andere Maschinen bauen kannÂ, nennt Bowyer auch politische Gründe. Marx und Engels hätten im Kommunistischen Manifest die richtige Diagnose getroffen, dass das Problem der Arbeiterklasse gewesen sei, nicht über eigene Produktionsmittel auÃer ihrer Arbeitskraft zu verfügen. Die Lösungen seien aber nicht politische Revolutionen, sondern Produktionsmittel, die sich selbst reproduzieren können. ÂEine Replicating-Rapid-Prototyping-Maschine wird ein revolutionäres Eigentum an den Produktionsmitteln durch das Proletariat ermöglichen  ohne den chaotischen und gefährlichen RevolutionskramÂ, schreibt[6] Bowyer auf der RepRap-Seite. Woher das Proletariat die Materialien für die Fabber bezieht, sagt er allerdings nicht. Solche radikalen Ãberlegungen gab es auch in der Computertechnik-Szene der siebziger Jahre. Es kam anders: IBM stieg 1981 ins PC-Geschäft ein, das damit doch wieder zum Big Business wurde. Bei den Fabbern dürfte es genauso kommen, ahnt auch Bowyer. Dass die RM-Hersteller noch keinen billigen 3D-Drucker auf den Markt gebracht hätten, läge an den Investitionen, die in die Entwicklung der Technologie gegangen seien. Technisch wären sie schon jetzt dazu in der Lage, sagt er. ÂDoch viele Patente laufen bald aus. Dann steigt ein dicker Fisch wie Hewlett-Packard ein und verkauft Fabber für 1500 Euro. Zum Weiterlesen: Hod Lipson, "Homemade: The future of Functional Rapid Prototyping"[7], IEEE Spectrum, Mai 2005 Videos: Rapid-Manufacturing-Forschung am Cornell Computational Synthesis Lab[8] (35 MB) "Druck" einer einfachen Batterie[9] (nbo-tr[10]/Technology Review) URL dieses Artikels: http://www.heise.de/tr/artikel/79986 Links in diesem Artikel: [1] http://www.wohlersassociates.com/2006info.htm [2] http://de.wikipedia.org/wiki/Altair_8800 [3] http://128.253.249.235/wiki/index.php?title=Fab%40Home:Model_1 [4] http://128.253.249.235/wiki/index.php?title=Main_Page [5] http://www.reprap.org [6] http://reprapdoc.voodoo.co.nz/bin/view/Main/BackgroundPage [7] http://www.mae.cornell.edu/ccsl/papers/Spectrum05_Lipson.pdf [8] http://ccsl.mae.cornell.edu/research/sff/3dp.wmv [9] http://ccsl.mae.cornell.edu/research/sff/SFFBatteryFaster.wmv [10] mailto:[email protected] ------------------------------------------------------------------------ Copyright 2006 Heise Zeitschriften Verlag ________________________________ Web-Site: http://www.oekonux.de/ Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ Kontakt: [email protected]