Re: [ox-de] Dossier "Open Source"

Holger Baxmann <[email protected]>
Newsgroups gmane.politics.oekonux.german
Message-ID <[email protected]>
Hi,

ohohoh, das wird aber doch wohl das eine und das andere über einen  
Topf geschert.

"We are not against the Open Source movement, but we don't want to be  
lumped in with them."
http://www.gnu.org/philosophy/free-software-for-freedom.html

Es gibt einen feinen Disput zwischen den beiden Sparten der  
anscheinend selben Sache, subtil aber wesentlich. Weil  
gesellschaftlich geprägt.

Freie Software im Sinne der FSF (Free Software Foundation) ist sehr  
wohl gegen die Kommerzialisierung jeder Art und jeder Form von  
Information und ihrer Verarbeitung. "Information ist Frei". Sie ist  
damit der revolutionäre Zweig des Baumes der Anwendung von  
ursprünglich universitärem Wissen im Bereich der IT.

OpenSource Software mit ihren vielfältigen Lizensierungsmodellen  
dient eben gerade der systemkonformen, der Maximierung des  
Verwertungsprinzips dienenden, Verlagerung der Gewinnmöglichkeiten  
von der Sache, dem Sourcecode, hin zu Vermarktung von Informationen  
_über_ die Sache. Sozusagen Metavermarktung ;-)
Das führt zu einer stärkeren Abhängigkeit des Konsumenten, da heute  
die Verfügbarkeit der Sourcen allein ganix bedeutet. Die Systeme sind  
derart komplex, daß die notwendige Einarbeitung in diese Sourcen, das  
bloße Verstehen derer Inhalte und Semantiken, leicht den Aufwand für  
die Neuerstellung der Software übersteigt. Die open source wird  
sekundär. Die Verfügbarkeit der Sourcen von Windows wäre unbrauchbar  
- wie so viele neuerdings verfügberen Teile von BigPlayern der  
Branche - weil sie nicht in einem Community Prozeß entstanden sind  
und damit das Wissen um die Inhalte der Sourcen beim Hersteller  
bleibt, ebenso wie die Steuerung der Weiterentwicklung. Siehe z.B.  
JCP und, ja, die JavaVM als OpenSource. Auch Namen kann man nennen,  
inklusive ihrer Vita: "Trade"marc fleury ist ein Beispiel.

Es gilt als gutes Geschäftsmodell, mit dem Informationhiding zu den  
OSS Produkten, marketinggerecht: dem Service für OpenSource Produkte  
den Kunden zu schröpfen. Ich zum Beispiel lebe von diesem Bedarf.
Nachwievor steht dabei der Anwendungsaspekt des Kunden eher im  
Hintergrund. Alternative Produkte werden nicht angeboten, weil es  
schlichtweg nicht möglich ist sich im Suse Linux ebenso auszukennen,  
wie im RedHat. Postgres so gut zu kennen wie Firebird. JBoss von  
Geronimo wirklich zu unterscheiden. Was ja für den Vertreter des  
Kunden auch schnurz ist. Letztlich bleibt für den Entscheider des  
Anwenders doch nur der Griff zum Marketingflyer und die Ausrede: "Die  
Anderen setzen das auch ein", um seinen Arsch zu retten und die  
Alternative aus Wohlverhaltensgründen anzubieten. Weiterhin wird in  
der realen Welt eh' die OpenBinary genutzt und nicht die Sourcen.

Kapital ist eben doch als Spitzenreiter der KnappesGutHitliste hinter  
der Information zurückgefallen.

Ein gutes Beispiel für die Vorgänge der OSS und FSF sind die  
Betriebssysteme FreeBSD und Linux. Das eine so gut wie keine  
Marktdeckung und das andere mit wesentlichen technischen Hinkefüßen  
die Hype schlechthin. Das haben auch Firmen wie Apple erkannt. Die  
GNU Toolchain wird auf _allen_ Unixderivaten und auf Windows lautlos  
genutzt.

Opensource versucht die Möglichkeit die Sourcen zu verstehen dazu  
auszunutzen, andere ClosedSource Anbieter vom Markt zu verdrängen.  
Freie Software verdrängt den Markt.

just my 2ct

bax

Am 14.01.2007 um 12:51 schrieb Stefan Merten:

> -----BEGIN PGP SIGNED MESSAGE-----
>
> Hi!
>
> Unter
>
> 	http://www.bpb.de/opensource
>
> findet ihr das Dossier "Open Source". Leider enthält der Anreißertext
> einen Fehler:
>
>   Vor rund 25 Jahren begann die "Freie Software" als eine kleine
>   Gruppe von Programmierern, die sich gegen die Kommerzialisierung
>   ihrer Arbeit sträubten.
>
> Es ging hier nicht um die Kommerzialisierung, sondern um das
> Wegschließen der Sourcen. Letzteres ist zwar eine Vorbedingung für
> bestimmte Formen von Ersterem, aber Freie Software war nie *gegen*
> Kommerzialisierung. Sie war vielmehr *für* die maximale Nützlichkeit.
> Dieser Unterschied zwischen "gegen" und "für" ist letztlich der
> Unterschied ums Ganze.
>
>
> 						Mit Freien Grüßen
>
> 						Stefan
> -----BEGIN PGP SIGNATURE-----
> Version: GnuPG v1.2.2 (GNU/Linux)
> Comment: Processed by Mailcrypt 3.5.7 <http:// 
> mailcrypt.sourceforge.net/>
>
> iQCVAwUBRaoZSwnTZgC3zSk5AQEkrgQArqYNHf/JrW3mSyWl3/i8xacXQWNHG64H
> Iz06ewCyh6PVW1qQKUNnFZXtx9EgqRgFvh7bcMx6s9zHFh2Ai6P4DRll/hByzjCK
> ONRM0B0nDmXiAa6yFNVmiqiNDUuG454lejh29+iQN9NznXr4VfGY5MAsKGxlW3ff
> OZ2+unA89IA=
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