Re: [ox-de] Request for Comments: Die Peer-Ökonomie
Christian Siefkes <[email protected]>
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
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| Message-ID | <[email protected]> |
Hallo HGG, Hans-Gert Graebe wrote: > Christian Siefkes schrieb: >> Den kompletten Text des Buches kann man als PDF >> <http://www.peerconomy.org/text/peer-economy.pdf> >> herunterladen (125 Seiten). > Sehr interessanter Text, der natürlich noch viele Fragen offen lässt, so > dass ich davon ausgehe, dass er ein Zwischenergebnis in der > Selbstverständigung ist. Insbesondere kommen mir Fragen der > Verantwortungsübernahme, der Umgang mit "gebrochenen Versprechen" usw. - > kurz, die ganze Thematik von Buch 2 des BGB - zu kurz. Will ich hier > aber erst mal nicht weiter ausführen. das Bürgerliche Gesetzbuch scheint es dir ja angetan zu haben ;-) Aber natürlich ist das bürgerliche Recht aus den Notwendigkeiten des Kapitalismus entstanden, und wird mit diesem zusammen auch wieder verschwinden... Der Umgang mit "gebrochenen Versprechen" wird in einer Gesellschaft wie ich sie beschreibe wohl eher so aussehen wie heute schon im privaten Bereich, wo man ein Versprechen kaum vor Gericht einklagen würde. Wo aber Vertrauensverstöße oder schwere Unzuverlässigkeit natürlich Konsequenzen haben. Insbesondere werden Menschen, die sich so verhalten, wahrscheinlich zunehmend Schwierigkeiten haben, andere Menschen zu finden, die bereit sind mit ihnen zusammenzuarbeiten. Was in einer Gesellschaft, die auf Kooperation basiert, natürlich durchaus unangenehm sein kann... > Ich fände es deshalb spannend, einmal die impliziten Voraussetzungen > deines Ansatzes zu explizieren. Dabei muss man ja nicht gleich so weit > gehen wie Robert Kurz in seinem Aufsatz "Der Unwert des Unwissens", in > dem er sich bekanntlich (u.a.) mit dem Oekonux-Theoriekontext > auseinandersetzt. Auch wenn ich mir mit Ernst Lohoff und Stefan Meretz inhaltlich keineswegs einig bin: "Auseinandersetzung" trifft es wohl nicht ganz. Dafür müsste Kurz schließlich inhaltliche Argumente bringen, das tut er aber höchstens in 5% seines Textes. Über den peinlichen Rest wollen wir lieber den Mantel des Schweigens hüllen... Explizieren ist immer gut, aber ich denke dass ich das schon weitgehend gemacht habe. V.a. zeichnet sich mein Text auch gerade dadurch aus, dass er auf Annahmen, etwa über die Natur des Menschen (die sich meist als problematisch und oft genug als unhaltbar erweisen), gerade _verzichten_ kann und dass das vorgeschlagene Modell auch ohne solche Annahmen funktioniert. > Und es wäre interessant, peer economy im praktischen Kontext von > Regionalentwicklung zu studieren. Der Fokus wird ja von Franz Nahrada > hier immer wieder reingetragen, ist aber selbst für ein > Krisis-Zusammenbruchsszenario relevant, denn [Klix/Lanius] machen auf > historischem Hintergrund deutlich, dass ein solcher Zusammenbruch mit > dem Rückgang der Komplexität gesellschaftlicher Interaktion - also der > wachsenden Bedeutung regionaler Kontexte - verbunden sein wird. Ich glaube nicht, dass sich die Gesellschaft, die ich beschreibe, durch eine geringere Komplexität als die heutige auszeichnen wird. Sicherlich wird die materielle Produktion lokalisierter werden, wenn die Borniertheiten des kapitalistischen Systems entfallen (Produktion in Asien, weil dort die Löhne niedriger sind). Aber warum die globale Kooperation, wie sie etwa für die Freie-Software-Szene oder auch für die Wissenschaft typisch ist, künftig wieder zurückgehen sollte, sehe ich nicht. Und über den Zusammenbruch oder das Eintreffen menschenfressender Aliens mache ich mir Sorgen, wenn es passiert, nicht vorher ;-) > Christian, ich denke, das könnte dich interessieren, da ich deinen > Ausführungen entnehme, dass du - insbesondere mit deinem Auktionsmodell > - nicht unbedingt über das "Ende der Wertform" nachdenkst, es also > durchaus klare Differenzen zu den Debatten um Allgemein- und > Universalgüter gibt. Es reicht mir erstmal, die _Verwertung_ aufzuheben. :-) Ob man auch ohne die Möglichkeit und Notwendigkeit der Wertverwertung trotzdem noch sinnvollerweise von "Wert" sprechen kann, will ich mal offen lassen. Der Wert als unbewusste Basis für den _Tausch_ bzw. Verkauf im Kapitalismus und der (gewichtete) Produktionsaufwand als bewusste Basis für die _Kooperation_ in meinem Modell sind zwar zweifellos verwandt -- aber das es für das Verständnis hilfreich ist, sie einfach in einen Kopf zu werfen, glaube ich nicht. Ciao Christian -- |-------- Dr. Christian Siefkes --------- [email protected] --------- | Homepage: http://www.siefkes.net/ | Blog: http://www.keimform.de/ | OpenPGP Key: http://www.siefkes.net/key.txt (Key ID: 0x346452D8) |------------------------------------------------------------------------ I really didn't foresee the Internet. But then, neither did the computer industry. Not that that tells us very much, of course -- the computer industry didn't even foresee that the century was going to end. -- Douglas Adams
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