Re: [ox-de] Einladung zum Peer-Ökonomie-Wochen ende in Hiddinghausen
Hans-Gert Gräbe <hgg-/a/s/[email protected]> Mon, 25 Aug 2008 16:46:57 +0200
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
|---|---|
| Message-ID | <[email protected]> |
Christian Siefkes schrieb: > http://www.keimform.de/2008/07/15/einladung-zum-peer-oekonomie-wochenende-in-hiddinghausen/ > > In Uli Franks <http://www.ulifrank.info/> wunderschönem (und als > Veranstaltungsort beliebtem) Haus in Hiddinghausen wird es Ende August ein > langes Diskussionswochenende zur Peer-Ökonomie > <http://peerconomy.org/wiki/Deutsch> geben. Habe leider keine Zeit, aber mir mal die Mühe gemacht, die Diskussionen, die hier im letzten Jahr zu dem Thema liefen, noch mal zusammenzufassen. Man muss ja nicht immer wieder bei Null (oder null?) anfangen. Zu meinem Aufsatz "Arbeitswerttheorie nach Marx - ein dezentraler Ansatz", in dem auch solche Rechnungen vorkommen wie im Anhang des Peer-Ökonomie-Buchs von Christian, gibt es inzwischen einen Teil 2 "Dezentrale Arbeitswerttheorie und volkswirtschaftliche Gesamtrechnung" mit auch ein paar Bemerkungen zu Regionalgeld, vielleicht ja der kleinen Schwester der Peer-Ökonomie. Wie auch immer, wen's interessiert, der gucke hier: http://www.hg-graebe.de/EigeneTexte/index.html Viele Grüße, hgg
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<?xml version="1.0" encoding="iso-8859-1"?> <Debatte> <people> <person id="CS" name="Chrsitian Siefkes" email="[email protected]"/> <person id="HGG" name="Hans-Gert Gräbe" email="hgg-/a/s/[email protected]"/> <person id="SMz" name="Stefan Meretz" email="stefan.meretz-/[email protected]"/> <person id="FN" name="Franz Nahrada" email="[email protected]"/> </people> <comment id="CS" date="2007-09-20"> <link url="http://www.keimform.de/2007/09/20/request-for-comments-die-peer-oekonomie"/> Der große Text, an dem ich das letzte Dreivierteljahr gearbeitet habe, ist fertig. Es geht um die Frage nach dem Potenzial der _peer production_ -- der Art und Weise wie Freie Software und Freie Inhalte produziert werden. Wir wissen, dass diese neue Produktionsweise von großer Bedeutung ist, wenn es um Software und Inhalte geht -- Erfolgsgeschichten wie die von GNU/Linux, Apache oder der Wikipedia sprechen hier eine deutliche Sprache. Aber ist diese Produktionsweise nur für Informationsgüter relevant? Oder hat sie das Potenzial für mehr, möglicherweise für eine Umwälzung der _gesamten_ gesellschaftlichen Produktion? Die Ergebnisse meiner Überlegungen liegen jetzt unter dem Titel "From Exchange to Contributions: Generalizing Peer Production into the Physical World" vor. Gedacht war das Ganze als längerer Artikel, aber aufgrund der Komplexität des Themas ist schließlich ein kleines Buch draus geworden! Hier der Ankündigungstext: <cite> A new mode of production has emerged in the areas of software and content production. This mode, which is based on sharing and cooperation, has spawned whole mature operating systems such as GNU/Linux as well as innumerable other free software applications; giant knowledge bases such as the Wikipedia; a large free culture movement; and a new, wholly decentralized medium for spreading, analyzing and discussing news and knowledge, the so-called blogosphere. So far, this new mode of production--peer production--has been limited to certain niches of production, such as information goods. This book discusses whether this limitation is necessary or whether the potential of peer production extends farther. In other words: Is a society possible in which peer production is the primary mode of production? If so, how could such a society be organized? Is a society possible where production is driven by demand and not by profit? Where there is no need to sell anything and hence no unemployment? Where competition is more a game than a struggle for survival? Where there is no distinction between people with capital and those without? A society where it would be silly to keep your ideas and knowledge secret instead of sharing them; and where scarcity is no longer a precondition of economic success, but a problem to be worked around? It is, and this book describes how. </cite> Den kompletten Text des Buches kann man als PDF <link url="http://www.peerconomy.org/text/peer-economy.pdf"/> herunterladen (125 Seiten). Eine verkleinerte 2-up Version <link url="http://www.peerconomy.org/text/peer-economy.2-a4.pdf"/> (je 2 Seiten auf einer, 62 Seiten) gibt es auch. Der Text darf gemäß den Bedingungen der Creative Commons NonCommercial-ShareAlike-Lizenz weitergegeben und bearbeitet werden. Aber auch bis dahin freue ich mich schon über Feedback, Kritik und inspirierte Diskussionen. Wenn mein Buch zum Nachdenken darüber führt, dass eine postkapitalistische Ökonomie längst mehr nicht so utopisch ist, wie es vielleicht scheint, dann hat es sein Ziel erreicht. </comment> <!-- end CS 2007-09-20 --> <comment id="HGG" date="2007-10-06"> Sehr interessanter Text, der natürlich noch viele Fragen offen lässt, so dass ich davon ausgehe, dass er ein Zwischenergebnis in der Selbstverständigung ist. Insbesondere kommen mir Fragen der Verantwortungsübernahme, der Umgang mit "gebrochenen Versprechen" usw. - kurz, die ganze Thematik von Buch 2 des BGB - zu kurz. Will ich hier aber erst mal nicht weiter ausführen. </comment> <comment id="CS" date="2007-10-08"> Das Bürgerliche Gesetzbuch scheint es dir ja angetan zu haben ;-) Aber natürlich ist das bürgerliche Recht aus den Notwendigkeiten des Kapitalismus entstanden, und wird mit diesem zusammen auch wieder verschwinden... </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-09"> Nun, ganz so mechanisch sehe ich das nicht. Aber um's ins Konkrete zu wenden: Deine Reputation - als zentrale Kategorie in deinem Text - ist (m.E.) vor allem deine akkumulierte Fähigkeit, Versprechen auch zu halten, besonders vielleicht dann, wenn du eine Task ersteigert hast. Wenn du die dann in den Sand setzt ... Auch ist mir nicht klar, wie das bei deiner Auktion funktioniert, ob da jede(r) für alles mitbieten darf oder offensichtlicher Fake irgendwie aussortiert wird. </comment> <comment id="SMz" date="2007-10-10"> Aufgaben werden nicht "ersteigert", sondern bei einer bestimmten Gewichtung übernimmst du die Aufgabe oder lässt es bleiben. Eben um solche Fakes zu vermeiden. </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-13"> Ich scheine mich nicht deutlich genug ausgedrückt zu haben. Also mal ein Beispiel - Klo putzen als unangenehme und deshalb über Auktion versteigerte Arbeitsaufgabe. Ob das Wort "Auktion", das Christian explizit verwendet, wie von dir ausgeführt, nicht angemessen ist, mag dabei zunächst dahingestellt sein. Also Klodienst für Oktober (4 Termine) ist zu ersteigern. Zu den angegebenen "weighted hours" will's keiner machen. Also wird [Durch wen? Mit welchen Konsequenzen?] der Faktor L_k (Formel A.1, t=k für "Klo putzen") hochgesetzt, sagen wir wie auf einem Schieberegler. Alle schauen gebannt auf den Regler und ich (Person A) habe mir vorgenommen, dass ich bei L_k=1.47 zuschlage und das Kloputzen übernehme. Leider hat B bereits bei 1.45 zugeschlagen und den ersten Termin übernommen, obwohl alle wissen, wie der das Klo putzt mit seinen zwei linken Pfoten. Ich schlage bei 1.47 für den zweiten Termin zu. Und es kam, wie es kommen musste. B hat wieder nur das allernötigste gemacht ... </comment> <comment id="CS" date="2007-10-17"> Du denkst wieder in der Geldlogik statt in der Logik des Beitragens, deshalb macht dein Beispiel so nicht viel Sinn. Um es mal zu konkretisieren: es geht um Beiträge -- ich muss also z.B. 9 Gewichtete Stunden (GS) pro Woche zu dem Projekt bzw. Verteilungspool beitragen, um die Dinge zu kriegen, die ich haben will. 9 GS entspricht bei Gewichtungsfaktor 1.45: 6h 12min Kloputzen, bei Faktor 1.47 sind's 6h 7min. Ob diese 5min pro Woche für mich den Unterschied machen? Wohl kaum. Realistischer dürfte etwa folgendes Szenario sind: momentan trage ich meine 9 GS als Softwareentwickler bei. <comment id="HGG" date="2007-10-20"> Ah ja. Das war mir zum Beispiel nicht klar, dass es auch GS gibt für die Sachen, die Spaß machen. Um auf 9 GS zu kommen, müsstest du allerdings realiter 90 Stunden die Woche arbeiten, denn der Faktor bei dieser beliebten Tätigkeit steht leider gerade bei 0.1. Ist eigentlich auch Faktor 0 - zero - möglich? Oder gar negative Faktoren? </comment> Programmieren ist ziemlich beliebt und steht bei Faktor 0,5. Ich muss also wöchentlich 18h beitragen und bin damit etwa die halbe Woche beschäftigt. Da ich ein fauler Mensch bin und nichts dagegen hätte, mehr Zeit mit Am-Strand-Liegen und Im-Park-Spezierengehen zu verbringen, behalte ich immer mal die hochgewichteten Aufgaben im Auge. Bislang hat mich aber noch nichts so recht überzeugt und auch Kloputzen* zum Faktor 1.45 kann mich nicht begeistern -- 6:12h für "so ne Scheiße" sind mir immer noch zu viel. (* Realistischerweise vermutlich eher Klos+Bäder putzen, oder Putzen überhaupt. Aber egal... ) Ich melde mich also nicht und Bernd kriegt zunächst den Job. Wenn es so ist, wie du schreibst, würde sich das Projekt zwar vielleicht gleich entscheiden, ihm die Aufgabe lieber nicht anzuvertrauen und sie weiter ausgeschrieben zu lassen, bis sich jemand geeigneteres findet. <comment id="HGG" date="2007-10-20"> Ah ja. Bernd darf nicht mitbieten. Findet Bernd natürlich extrem ungerecht, vor allem, weil es ja beim letzten Mal gar nicht seine Schuld war ... Sagt er. Brauchen wir also noch ein Gericht - na gut, vielleicht reicht eine Schiedskommission wie in der DDR für solche Fälle üblich war? </comment> Aber nehmen wir an, die Hygiene-Beauftragte (Bereichsmaintainerin) entscheidet sich, ihm eine Chance zu geben. <comment id="HGG" date="2007-10-20"> Oh, noch ein Posten. Was maintaint die Dame? Legt sie ans Kloputzen ihre eigenen Maßstäbe an oder allgemeine oder sind die eigenen die allgemeinen, weil sie die jede Woche anlegt? Wird gesichert, dass das immer mit rechten Dingen zugeht? Wer kontrolliert die Kontrolleure - oder muss das nicht sein? </comment> Schnell stellt sich raus, dass das so keinen Sinn hat, und Bernd kehrt zu einer anderen Aufgabe zurück. (Zu dieser Entscheidung kann es auf verschiedene Weise kommen: entweder Bernd ist selbst unglücklich über seine schlechte Arbeit; oder die andere piesacken ihn wegen der dreckigen Klos, bis er die Nase voll hat; oder die Hygiene-Beauftragte teilt ihm freundlich, aber entschieden mit, dass er sich eine geeignetere Tätigkeit suchen möge.) <comment id="HGG" date="2007-10-20"> Das hat natürlich nur im Innenverhältnis einer "Kooperationseinheit" Sinn. Wenn Bernd die Brötchen backen soll und nach einiger Zeit festgestellt wird, dass er das nicht packt, müsst ihr alle erst mal auf den Hungerast. Hier sind übrigens noch mehrere subtile Momente drin über Arbeiten, Termine, Material usw., die ich erst mal ausspare. </comment> Die Aufgabe ist also wieder frei und beginnt, da sich niemand meldet, weiter zu steigen. Da mich Faktor 1,45 noch nicht überzeugen konnte, dürfte es bei 1,47 oder 1,5 nicht viel anders aussehen, aber da sich niemand findet und das Gewicht noch weiter steigt, werde ich nachdenklich. Bei 1,8 stelle ich fest, dass ich damit meine wöchentlichen Beiträge in 5 Std. erledigen kann -- das kann ich an einem langen Nachmittag hinkriegen und habe den ganzen Rest der Woche für mich. Das überzeugt mich: ich bewerbe mich erfolgreich um die Aufgabe und erfülle sie ab sofort zur allgemeinen Zufriedenheit -> Happy End :-) (bis es mir irgendwann langweilig wird und ich mich wieder nach was anderem umschaue). Eine Komplikation, die sich in der Praxis noch ergibt, ist dass der Umfang einer Aufgabe nicht unbedingt meinen Bedürfnissen entspricht. Wenn ich im Team arbeiten, kann ich mir die Arbeit vielleicht so aufteilen, dass ich genau auf meine benötigten x Std komme, aber bei kleinen Aufgaben, die eine/r alleine übernimmt, dürfte es selten genau hinkommen. Im geschilderten Beispiel nimmt das Kloputzen vielleicht nur 4 Std. pro Woche in Anspruch -- 4h zum Faktor 1,8 entspricht 7,2 GS, damit allein habe ich meine Beiträge also noch nicht ganz abgedeckt (1,8 GS/Woche fehlen noch). Um das zu lösen, könnte ich mich z.B. umgucken, ob ab und zu noch anderswo Klos zu putzen sind. Aber nehmen wir, es ist mir ganz recht, wenn ich den Kontakt zu meiner vorigen Programmiererpraxis nicht ganz verliere. Ich mache also erstmal in 4 intensiven 10-Stunden-Tagen das Programm fertig, an dem ich gerade sitze -- 40h zum Faktor 0,5 zählen als 20 GS, somit habe ich dann also erstmal für 11 Wochen meine Ruhe. Wenn die rum sind, kann ich dann alle paar Monate mal wieder eine Programmieraufgabe von ähnlichem Umfang übernehmen, um so die benötigten 1,8 GS/Woche für einige Monate wieder abzudecken. </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-13"> ... Und es kam, wie es kommen musste. B hat wieder nur das allernötigste gemacht [Gibt es für die einzelnen Tätigkeiten Qualitätsstandards und Service Level Agreements? Wer legt die ggf. fest und kontrolliert sie?] <comment id="CS" date="2007-10-17"> Anforderungen werden logischerweise von dem Projekt festgelegt das die Aufgabe definiert. Und wenn du eine Aufgabe nicht zur Zufriedenheit des Projekts bzw. der jeweils Zuständigen erledigst, wirst du sie kaum dauerhaft übernehmen können, ... </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-20"> "Dauerhaft" setzt die Wiederholbarkeit der Tätigkeit voraus. Service Level Agreements sind natürlich nicht innerhalb eines Projekts interessant, sondern zwischen Projekten in einem Pool. Und wenn die Aufgabe nicht zur Zufriedenheit gelöst ist, dann fehlt ja aktuell trotzdem was, auch wenn ich hoch und heilig verspreche, dass ich beim nächsten Mal ... oder ihr mich beim nächsten Mal nicht lasst. Das generelle Problem, dass sich Anforderungen über die Zeit auch ändern können und am Ende was anderes benötigt wird als am Anfang vereinbart, ist da noch gar nicht adressiert. </comment> <comment id="CS" date="2007-10-17"> ... sondern wirst dich dann eben nach etwas anderem umgucken müssen, das deinen Fähigkeiten besser entspricht. (Da die Arbeit nur aufgeteilt wird, musst du keine Angst haben, dass nichts für dich übrig bleibt und du "arbeitslos" wirst -- die anderen haben ja gar kein Interesse daran, "dir die Arbeit wegzunehmen", weil sie dann nur mehr tun müssten als notwendig.) Ob man dann, wenn man, wie Bernd, eine Sache gemacht und verpfuscht hat, sie trotzdem anerkannt bekommt oder nicht, wird vermutlich von verschiedenen Faktoren abhängen (v.a. davon, wie sehr man gepfuscht hat ;-) ). Zunächst dürfte das Projekt entscheiden, aber Bernd kann sich ja beschweren, ... </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-20"> Ah ja. Bei wem? Mit welchen (möglichen) Konsequenzen? </comment> <comment id="CS" date="2007-10-17"> ... wenn er sich ungerecht behandelt fühlt -- da werden sich also gesellschaftliche Normen dessen, was üblich ist, entwickeln. </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-20"> Normen müssen in konkreten Fällen *angewendet* werden. Wie gesagt, das alles geht - nach der Theorie der "small worlds" - relativ einfach auf Zuruf in einer überschaubaren Kooperationseinheit mit bis zu 150 Leuten. Skaliert aber eben nicht, weil alle diese Prozesse institutionalisiert werden müssen, wenn diese Dimension überschritten wird. </comment> (HGG 2007-10-13 cont.) Und es kam, wie es kommen musste. B hat wieder nur das allernötigste gemacht ... Kurz, ich musste das Klo zwei Stunden schrubben statt der veranschlagten einen Stunde [Was wird mit L_k multipliziert? Die wirkliche Zeit? Die durchschnittliche Zeit? Wenn letzteres, wie kann ich geltend machen, dass Kloputzen nach B mehr Zeit braucht als normal? Wem gegenüber?] <comment id="CS" date="2007-10-17"> Beides geht, wie ich im Mathe-Anhang erwähne ("actual or estimated time"). Ich würde davon ausgehe, dass die Abrechnung nach real benötigten Stunden üblicher sein wird, unter anderem weil sie für besonderen Situationen wie du sie nennst besser geeignet ist ("heute ist mal mehr zu tun, weil...") und weil sie es mir einfacher macht, verschiedene Aufgaben zu vergleichen, auch wenn ich "Newbie" bin. Alternativ kann das ausschreibende Projekt aber auch einen erwarteten Stundenumfang schätzen und mir dann nur genau diese Zeit anrechnen, egal ob ich tatsächlich länger oder kürzer gebraucht habe. Dann muss ich allerdings, wenn ich mich um Aufgaben bewerbe, meine _eigene_ Schätzung zugrunde legen -- wenn eine Aufgabe offiziell als 1 Std. anerkannt wird, ich aber davon ausgehen muss, dass ich tatsächlich 2 Std. brauchen werden, ist sie für mich erst mit Gewichtungsfaktor 3,0 so attraktiv wie sie andernfalls (wenn die reale Zeit gemessen würde) schon mit Faktor 1,5 wäre (in beiden Fällen kriege ich 3 GS anerkannt). </comment> <comment id="SMz" date="2007-10-14"> Für alles, was du hier an konkreten Problemen beschreibst, gibt es in den Konzept Regelungsvorschläge. Deren Charakteristikum ist die direkte Konfliktregulation zwischen den Menschen und Projekten -- und nicht über Abstraktionen. Menschen haben ein bestimmtes Ansehen (Reputation), was mit darüber entscheiden wird, ob jemand darin vertraut, dass zugesagte Arbeiten auch erledigt werden -- gerade bei personalen Dienstleistungen. Und: Nein, es gibt keine abstrakten Sanktionen, etwa auf der Basis von Recht -- so zumindest Christians Vermutung. </comment> <comment id="CS" date="2007-10-14"> Außerdem ist das Projekt, das die Aufgabe braucht, ja nicht gezwungen mit dir zusammenzuarbeiten -- wie bei heutigen Peer-Projekten gehe ich davon aus, dass Projekte Beiträge bzw. die Leute, die bereit sind, sie zu erbringen, ablehnen können. Für das Projekt hat es einerseits Nachteile, übertrieben pingelig zu sein, da dann das Gewicht der Aufgabe weiter steigt und somit (weil diejenige, die die Aufgabe schließlich übernimmt, deshalb weniger beitragen muss) alle anderen etwas mehr beitragen müssen. Andererseits bringt es auch nichts, Aufgaben blindlings an jemand zu übergeben, der sie schließlich wieder zurückgeben muss, weil er sie nicht hinkriegt, oder der sie nur so erledigt dass niemand was mit anfangen kann. Insofern werden sich da die Projektmitglieder in ihrem eigenen Interesse um einen vernünftigen Trade-off bemühen -- weder allzu pingelig noch allzu naiv-unkritisch. </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-09"> Und wenn du 'Markt' durch 'Auktionsplatz' ersetzt, dann sind wir bei Christians Modell. Die Tasks sind in keiner Weise unabhängig voneinander, auch wenn es "geschulte Warenmonaden" gar nicht anders denken können. Aber besser als Robert Kurz (Verweis auf seinen Text "Der Unwert des Unwissens") kann ich das Phänomen auch nicht beschreiben. </comment> Ich hoffe, ich konnte deutlich machen, was schon in These (2) der Zusammenfassung meines Arbeitswertpapers steht: "Auf dem Markt treffen sich damit nicht 'Produkte voneinander unabhängig betriebner Privatarbeiten' (MEW 23, S. 87), sondern gesellschaftliche Produzenten." </comment> <!-- end HGG 2007-10-13 --> <comment id="SMz" date="2007-10-14"> Erstens halte ich die Aussage für falsch, in deiner Absicht, den Kapitalismus als pubertäre Form für eine Freie Gesellschaft figurieren zu lassen aber nachvollziehbar, und zweitens sehe ich keinen Zusammenhang zu oben. </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-17"> Und damit sind wir dann schon bei der zweiten Frage zum Fetischkapitel, das ja in einer arg verquasten Sprache geschrieben ist und damit (mir) deutlich macht, dass Marx da selbst noch nicht so ganz mit sich im Reinen war. Bleibt zu fragen, ob nach über 150 Jahren ein paar Voraussetzungen, die Marx dort implizit reingesteckt hat, sichtbarer geworden und vielleicht auch zu hinterfragen sind. Und das sind für mich wenigstens die folgenden: (1) Die Ausführungen orientieren sich daran, dass das Aufwandsmaß seiner Natur nach ein Zeitmaß sei - ich spare mir, hier zum x-tem Mal (MEW 42, S. 592) zu zitieren; (2) Die Ausführungen sind primär aus der Lohnarbeiterperspektive geschrieben - "Proletarier aller Länder, vereinigt Euch" sowie die Verdammung jeglichen unternehmerischen Handelns sind die analytischen Konsequenzen, die sich im Traditionsmarxismus zu dicken blinden Flecken gemausert haben. (2) führt dann zu Formulierungen wie der folgenden: "So war es nur die Analyse der Warenpreise, die zur Bestimmung der Wertgröße, nur der gemeinschaftliche Geldausdruck der Waren, der zur Fixierung ihres Wertcharakters führte. Es ist aber ebendiese fertige Form - die Geldform - der Warenwelt, welche den gesellschaftlichen Charakter der Privatarbeiten und daher die gesellschaftlichen Verhältnissen der Privatarbeiter sachlich verschleiert, statt sie zu offenbaren. Wenn ich sage, Rock, Stiefel usw. beziehen sich auf Leinwand als die allgemeine Verkörperung abstrakter menschlicher Arbeit, so springt die Verrücktheit dieses Ausdrucks ins Auge. Aber wenn die Produzenten von Rock, Stiefel usw. diese Waren auf Leinwand - oder auf Gold und Silber, was nichts an der Sache ändert - als allgemeines Äquivalent beziehn, erscheint ihnen die Beziehung ihrer Privatarbeiten zu der gesellschaftlichen Gesamtarbeit genau in dieser verrückten Form." Mit den "Produzenten von Rock, Stiefel usw." ist aber ganz klar die Lohnarbeiterperspektive eingenommen, während der "gemeinschaftliche Geldausdruck der Waren" den - wie auch immer zustande kommenden - Preisfestsetzungen der Unternehmer entspringt, die (m.E. ganz sicher - siehe die Ausführungen zu roten und grünen Stellen im Arbeitswertpaper) einer anderen Logik folgen. Dass es sich allerdings bei dem Wertverhältnis um ein ganzheitliches gesellschaftliches Verhältnis handelt, von dem man nicht einzelne Komponenten abspalten kann, davon gehe ich aus. Insofern - Zitat SMz "die drei Funktionen des Geldes (1. Zirkulationsmittel, 2. Schatz, 3. Kapital) von Marx" und Zitat CS "wie sieht's also bei Beiträgen (gewichteten Stunden) mit den drei von Stefan erwähnten Funktionen des Geldes aus? 1. ja, 2. jein, 3. nein" - Eine solche selektive Auswahl des "best of" kann es m.E. in einem praktischen Kontext nicht geben, allein möglicherweise eine andere Dynamik. <comment id="CS" date="2007-10-18"> Was ist denn das für ein Bullshit? Weil ein Ei drei Funktionen haben kann (man kann es essen; man kann ein Huhn draus ausbrüten; man kann es jemand an den Kopf werfen) sind also keine Dinge vorstellbar, die nur eine oder zwei dieser Funktionen haben? </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-20"> Dein "Ei" hier ist das Geld, nicht das gesellschaftliche Verhältnis. Ist das nicht genau der Geldfetisch, dem du hier aufsitzt? </comment> Und das lassen auch die Gleichungen in meinem Arbeitswertpaper erhoffen. Das "freie Spiel der Marktkräfte" führt aber immer zur Lösung mit dem betragsmäßig größten Eigenvektor, so wie es immer nur die wahrscheinlichste der möglichen Zukünfte vorbereitet. Alles andere bedarf außerökonomischer Restriktionen, um in einen stabilen Modus derselben ökonomischen Gesetze bei einem anderen Eigenwert zu kommen - die sicher auch den infrastrukturellen Reproduktionsbedingungen einer "Peer-Ökonomie" entspringen können. Aber dazu wären eher diese äußeren Existenzbedingungen einer "Peer-Ökonomie" aufzuklären als die inneren Bewegungsgesetze. Deshalb auch meine Frage nach den Prämissen der Peer-Ökonomie. Und eine hat Christian dankenswerterweise sehr deutlich formuliert: <cite>Jeder solche "Kooperationseinheit" ist schließlich nichts anderes als ein "Arbeits-Aufteilungs-System": die für die Produktion der von den Teilnehmenden gewünschte Arbeit wird unter den Teilnehmern _aufgeteilt_, und zwar in einer Weise die für alle akzeptabel sein sollte. Die Teilnehmenden dieser Kooperationseinheit haben von _außerhalb_ geleisteter Arbeit aber nichts -- die Arbeit, die aufgeteilt werden muss, wird dadurch nicht weniger. Deshalb wirst du in einer _anderen_ "Kooperationseinheit" geleistete Arbeit normalerweise nicht importieren können.</cite> Deine Brötchen musst du also mitbringen. Wird Benni aber traurig sein. <comment id="CS" date="2007-10-18"> Häh? Einige backen die Brötchen, andere tragen auf andere Weise bei. Bzw. im Rahmen eines Verteilungspools gibt es einige Projekte, die Bäckereien organisieren; wenn du Brötchen willst, kriegst du welche und trägst im Gegenzug zu einem Projekt deiner Wahl etwas bei, so dass die Arbeitsbelastung für die anderen dadurch nicht größer wird. Hast du mein Buch überhaupt gelesen?? </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-20"> Hast du Zweifel daran? Nun, den Anhang scheine ich doch zumindest gelesen zu haben, bin ja der Einzige hier, der bisher über die L_k raisonniert hat. Ich verstehe allerdings überhaupt gar nicht, auf welcher Skale du dein Modell ansiedelst, ob Peerökonomie ein einziges (dann sicher nicht allzu) großes Projekt nur mit Innenverhältnissen erfasst oder aber ein Netzwerk von Projekten, wo dann auch was über Außenperspektiven, Außenverhältnisse zwischen Projekten etc. gesagt werden müsste. *Vor* den Brötchen hast du von "Kooperationseinheit" als "Arbeits-Aufteilungs-System" gesprochen, also eine reine Innenperspektive aufgemacht (und auch im Text habe ich nichts anderes gefunden). Und da "Brötchen" hier Synonym für den Zugriff auf externe Ressourcen (z.B. zur Erhaltung der vitalen Funktionen als Voraussetzung fürs Programmieren) steht, hab ich halt die Metapher verwendet, um auf die Autarkie - <cite>Deshalb wirst du in einer _anderen_ "Kooperationseinheit" geleistete Arbeit normalerweise nicht importieren können.</cite> - hinzuweisen, die du in deiner Antwort explizit postuliert hast. Nun sprichst du auf einmal von einem "Projektpool", also möglicherweise eher von einem selbstähnlichen Prinzip. Was aber dann andere Fragen aufwirft, denn dein Innenverhältnis einer "Kooperationseinheit" setzt entscheidungs- und verantwortungsfähige Subjekte voraus, die ab Stufe Zwei erst zu konstituieren wären. Wer spricht für die "Kooperationseinheit" der Brötchenbäcker, wenn es mit anderen Projekten aus dem Pool was auszuhandeln gilt? Wie verbindlich kann er oder sie überhaupt agieren mit "tausend Primadonnen" im Rücken? </comment> </comment> <!-- end HGG 2007-10-17 --> <comment id="HGG" date="2007-10-09"> ... Wobei das Problem ja oft ist, dass alle wissen, der schafft das nicht, allein der Betroffene selbst ... Kurz, Verantwortungsfähigkeit und deren Reproduktion ist schon ein Topic, der mir bei dir zu kurz kommt. BGB Teil 1 halt. Muss man ja nicht so lösen wie dort, aber lösen muss man's schon. Und es gibt viele gute und schlechte Gründe, ein Versprechen nicht einzuhalten oder einhalten zu können. Man muss sich ja nicht von vornherein überhoben haben, sondern die Umstände gestalten sich halt anders als gedacht, erwartet, das Unerwartete tritt ein. Zukunft ist halt in vielen Dimensionen offen. Kann ja mal passieren, und wenn es bei einer konkreten Person nicht zu oft passiert, ist es ja auch nicht schlimm. Blöd halt nur, wenn du (Person A) jemand (Person B) was versprochen hast, wobei du dich drauf verlassen hast, dass ein anderer (Person C) sein Versprechen dir gegenüber einhält. Und wenn das Kind im Brunnen liegt, dann will es keiner gewesen sein und den letzten in der Kette beißen die Hunde. Diese Art von Schuldverhältnissen, also das Abwickeln von "Exceptions", muss auch irgendwie behandelt werden. BGB Teil 2 halt. Ich nehme mal an (du hast dazu nix geschrieben), dass B dann was dagegen hat, dass A die "weighted hours" in voller Höhe gutgeschrieben bekommt und A einen Teil des Defizits C "in Rechnung stellen" will. Dass sich Schuldverhältnisse also irgendwie auf die Rechnungslegung auswirken. <comment id="SMz" date="2007-10-10"> Das ist eine Leerstelle: Wie sieht die Verwaltung und Verfügung der Stunden aus? Aber zu deinem Beispiel: A und B haben in der Regel direkt nichts miteinander zu tun. Es geht hier nicht um Kauf und Verkauf. So etwas wie Vertragsschulden gibt es nicht (es sei denn auf einer wirklich persönlichen Ebene des Versprechens wie heute auch schon). Ob es eine Art Kredit geben kann (Entnahme ohne ausreichenden Beitrag), müsste das Projekt bzw. der Verteilungspool entscheiden. </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-13"> ... "müsste das Projekt bzw. der Verteilungspool entscheiden" - spannende Perspektive. Ich frag mich, wie die das machen. Sorry, aber das ist nun wirklich Fetisch pur. <comment id="SMz" date="2007-10-14"> ??? Ja, was wie getan oder gelassen wird, entscheiden die Peer-Projekte. Das ist das Grundcharakteristikum des Vorschlages: Es gibt keinen Ort (keine Instanz), wo das vorentschieden oder vorgegeben wird. Gerade diese soziale Entscheidungsfähigkeit ist das Gegenteil eines Fetischs. </comment> Und komm mir bitte nicht mit der "Vollversammlung der Kommune" als Antwort - das skaliert nicht, wie der Informatiker sagt. Wenigstens nicht auf solche Dimensionen von Projekten, die Christian explizit im Auge hat. <comment id="SMz" date="2007-10-14"> Dann lies bitte den Abschnitt 5.6. "Decision Making" </comment> </comment> BGB Teil 3 braucht dann Eigentum, um diese Schuldverhältnisse zu besichern, dass nicht eine(r) dauernd "weighted hours" abgezogen bekommt bis er (oder sie) tief in den roten Zahlen ist. Streng genommen ist in dieser Gesellschaft nur jemand mit positivem Wert-Saldo (in einem hier nicht näher explizierten Sinn) überhaupt schuldfähig. Wie das bei dir funktioniert, welche Bremse da eingebaut ist, ob es so was wie Insolvenz gibt, wie sich das auf die Gesamtrechnung auswirkt, all das habe ich nicht wirklich begriffen. <comment id="CS" date="2007-10-14"> Das kann man nicht pauschal beantworten, weil Projekte sich eben entscheiden werden müssen, ob sie bereit sind, Beiträge als "vorgeschossen" zu betrachten, von denen sie nicht genau wissen können, ob sie später tatsächlich erbracht werden. Letztlich ist das eine Vertrauensfragen, daher schätze ich, dass Projekte solche Vorschüsse "ohne Ansehn der Person" entweder gar nicht oder nur in begrenztem Umfang, dessen Verlust sie verkraften könnten, vergeben werden. Mehr ist natürlich immer möglich, wenn die anderen dir als Individuum vertrauen, sie nicht hängenzulassen. </comment> </comment> <!-- end HGG 2007-10-09 --> <comment id="CS" date="2007-10-08"> Der Umgang mit "gebrochenen Versprechen" wird in einer Gesellschaft wie ich sie beschreibe wohl eher so aussehen wie heute schon im privaten Bereich, wo man ein Versprechen kaum vor Gericht einklagen würde. Wo aber Vertrauensverstöße oder schwere Unzuverlässigkeit natürlich Konsequenzen haben. Insbesondere werden Menschen, die sich so verhalten, wahrscheinlich zunehmend Schwierigkeiten haben, andere Menschen zu finden, die bereit sind mit ihnen zusammenzuarbeiten. Was in einer Gesellschaft, die auf Kooperation basiert, natürlich durchaus unangenehm sein kann... <comment id="HGG" date="2007-10-09"> Das sind die Peanuts, die leichten Fälle. Es geht nicht primär um "Vertrauensverstöße oder schwere Unzuverlässigkeit", sondern um den Umgang mit der *prinzipiell* nicht zu vermeidenden Multioptionalität von Zukunft. Das Hauptproblem der heutigen Versprechen ist ja, dass sie erst morgen eingelöst werden. </comment> <comment id="SMz" date="2007-10-10"> Du sprichst die Frage der Revision von Zusagen an. Ja, es braucht einen Mechanismus, sich aus Zusagen zurückziehen zu können. Gerade wenn es keine Zwangsmittel mehr gibt wie wir sie heute kennen, ist es entscheidend, solche Regulationen von vorneherein vorzusehen. </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-13"> Ich halte das nicht für eine bedauerliche Ausnahmesituation, sondern für den Regelfall. Und auch nicht um die Frage, Zusagen nur abzuwickeln, sondern es geht viel zentraler um die Modifizierbarkeit von Zusagen. Weil nämlich Absprachen nur so präzise sein können wie die heutigen Vorstellungen über das Morgen. Und bereits in *dieser* Gesellschaft gibt es verschiedene Wertformen (Wertformen im Sinne meines Arbeitswertpapers verstanden - füge ich hinzu) für verschiedene solche Situationen: Etwa den Werkvertrag, wo vorher Umfang und "weighted hours" genau festgelegt werden und das ganze (für ihn wahrscheinlich überschaubare) Risiko auf der Auftragnehmerseite liegt. Oder aber Aufrechnung nach Aufmaß oder Stundenlohn - der "weighted factor" wird festgelegt und dann mit dem vorab nicht überschaubaren Materialeinsatz oder Arbeitsaufwand (im ersten Fall in Stückeinheiten, im zweiten Fall in Arbeitsstunden) multipliziert. Insofern war Christian nicht sehr erfindungsreich, was die Formen anbetrifft - *diese* Gesellschaft ist da schon bedeutend erfindungsreicher gewesen. </comment> <comment id="CS" date="2007-10-14"> Das sind Dinge, die die Menschen im Rahmen eines Projekts/einer Zusammenarbeit werden regeln werden. Spätestens wenn es zum Konflikt kommt (dann müssen sie sich mit dem Problem auseinandersetzen, ob sie wollen oder nicht), aber du sagst, macht es Sinn das schon vorher zu regeln, um Stress zu vermeiden. Solchen Selbstorganisierungsprozessen kann und will ich nicht vorgreifen, aber grundsätzlich würde ich davon ausgehen, dass einerseits Zusagen immer revidierbar sein müssen (nur weil ich etwas ein paar Wochen oder Monate mache, heißt ja nicht, dass ich es auch in einigen Jahren noch machen will), andererseits ich den anderen immer genügend Vorwarnzeit geben sollte, um Alternativen zu organisieren. Wenn ich als Pilot oder Fluglotse arbeite und im verabredeten Moment einfach nicht auftauche, so dass ein Flug oder gar mehrere ausfallen, werden die anderen zu recht stinkig sein -- das dürfte dann zu jeder Menge "flaming and shunning" und vielleicht sogar zu meinem Ausschluss aus dem Projekt führen (vielleicht einigen wir uns auch auf andere Sanktionen, z.B. ich erkläre mich bereit, als Wiedergutmachung so-und-so viele Stunden zusätzlich beizutragen, um den Ausschluss abzuwehren). In der Praxis werden die Konflikte vermutlich selten so heftig ausfallen, dass gleich der Ausschluss im Raum steht, denn es könnte ja immer auch passieren, dass du unverschuldet ausfällst (z.B. wegen Krankheit oder Unfall). Das Projekt braucht für solche Fälle also sowieso einen Alternativplan (etwa einen Notdienst), der auch dann greift, wenn du mutwillig wegbleibst. Das dürfte den berechtigten Ärger über dich zwar nicht abwenden, aber doch mildern. </comment> </comment> <!-- end CS 2007-10-08 --> <comment id="HGG" date="2007-10-06"> Ich fände es deshalb spannend, einmal die impliziten Voraussetzungen deines Ansatzes zu explizieren. Dabei muss man ja nicht gleich so weit gehen wie Robert Kurz in seinem Aufsatz "Der Unwert des Unwissens", in dem er sich bekanntlich (u.a.) mit dem Oekonux-Theoriekontext auseinandersetzt. </comment> <comment id="CS" date="2007-10-08"> Auch wenn ich mir mit Ernst Lohoff und Stefan Meretz inhaltlich keineswegs einig bin: "Auseinandersetzung" trifft es wohl nicht ganz. Dafür müsste Kurz schließlich inhaltliche Argumente bringen, das tut er aber höchstens in 5% seines Textes. Über den peinlichen Rest wollen wir lieber den Mantel des Schweigens hüllen... </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-09"> Auch du bleibst mit deinem Auktionsmodell mit "weighted hours" bei einem Zeitmaß, obwohl das vollkommen unnötig ist. Denn das Ergebnis kannst du in VBE (= Vollbeschäftigteneinheiten), VZÄ (= Vollzeitäquivalenten) oder UHU's messen, weil es stets nicht auf die absolute Größe der "weighted hours", sondern nur auf deren Quotienten untereinander ankommt (siehe etwa deine Formeln (A.7) und (A.10)). Dann muss aber der Skalierungsfaktor auch kein Skalar sein, sondern kann schlicht die Dimension VE/h (VE = Verrechnungseinheit) haben. Oder noch deutlicher: "weighted hours" ist nix anderes als die Abrechnung der Arbeitsleistung in Geldform. Mit der Dynamik *dieses* Abrechnungsmodells hast du die ganze Wertvergesellschaftung also wieder durch die Hintertüre am Hals. </comment> <comment id="SMz" date="2007-10-10"> Das ist in der Tat eine Kernfrage: Sind die gewichteten Stunden letztlich das Gleiche wie Geld? Das spricht dagegen: Geld ist Wertausdruck. Wert ist ein gesellschaftliches Verhältnis, dass im Tausch Arbeitsquanta in den getauschten Produkten vergleicht. Ohne Tausch kein Wert, ohne Wert kein Geld. Oder mit Marx: "Geld als Wertmaß ist notwendige Erscheinungsform des immanenten Wertmaßes der Waren der Arbeitszeit" (Kapital, 109) </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-13"> Ich finde es immer wieder toll, wie bei dir die Dinge selbst agieren: "Wert ist ein gesellschaftliches Verhältnis, das(s) im Tausch Arbeitsquanta in den getauschten Produkten vergleicht." Marx nannte das - glaube ich - Fetisch oder so. </comment> <comment id="SMz" date="2007-10-14"> Richtig, you got it: Fetisch. Marx fand das auch "toll", seine Liebungsworte dafür war "gespenstisch" und "verzaubert". Das verrückte ist nur, dass du (und ein paar andere, die mir das auch schon schrieben), offensichtlich meine _Darstellung_ für den Fetisch halten und nicht die _Sache_ selbst. So wurde und wird Marx immer wieder gelesen: Als ob der Fetisch etwas ist, auf den man reinfallen könne, wenn man nicht klug genug ist, ein Schein, den man als Kluger durchschauen und _damit_ los werden könne. Dem ist aber nicht so. Man kann ihn durchschauen, aber dennoch nicht bloß erkennend loswerden, weil es sich um eine "objektive Gedankenform" handelt. Ich muss ihn befolgen, ob ich ihn durchschaue oder nicht. Wenn du aber den Fetisch in seiner Wirkung schlicht (weg-) bestreitest und behauptest, es handle sich nicht "um gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen" (Kapital 1, 87), sondern -- etwa weil du das durchschaust -- doch um Verhältnisse der Personen, dann hast du es in der Tat nicht verstanden. In dieser Einschätzung bestärkt mich auch deine Aussage, dass direkt soziale Entscheidungen der wahre "Fetisch" seien (s.o.). Deine Welt steht auf dem Kopf: Du denunzierst direkt-soziale Strukturen wie im Peer-Konzept beschrieben als fetischistisch und rechtfertigst umgekehrt die realen Fetischverhältnisse in der warenproduzierenden Gesellschaft als "überhaupt nicht schlimm" (deine letzte Mail). Da du mir Umgekehrtes vorhältst, wird eine weitere Diskussion nichts bringen, wir können dies (mal wieder) nur als Differenz fixieren. </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-17"> "So wurde und wird Marx immer wieder gelesen" - nun, es tröstet mich, dass ich da nicht allein auf weiter Flur bin. Ob das mit dem "reinfallen" dem entspricht, was dieses ominöse Passivum ("wird gelesen") dort bei Marx rausliest, sei dahingestellt bei meiner ersten Feststellung - nämlich, dass es offensichtliche Differenzen zwischen der Meretzschen und der Gräbeschen Interpretation (auch) dieses Marxschen Gedankens sind. Ob die Meretzsche die "wahre" ist und es für einen Dialog (so überhaupt gewünscht) - Hinweis auf die Passage zu Ruben - hilfreich ist, die Rubensche oder Gräbesche auf diese Weise als Abweichungen, wovon auch immer, zu kennzeichnen - auch das sei dahingestellt. Zum Glück sind die Marxschen Aussagen über den Fetisch überschaubar, so dass sich jede(r) selbst ein Bild machen kann - als zentral ist wohl der entsprechende Abschnitt 4 in (MEW 23, Kap. 1) zu betrachten, den ich hier mal als bekannt voraussetze, da er ja auch online gut verfügbar ist, etwa unter <link url="http://www.mlwerke.de/me/me23/me23_049.htm"/> Zentral deshalb, weil Band 1 bekanntlich die älteste originär Marxsche Behandlung des Gegenstands enthält, während die späteren Kapitalbände von Engels aus früheren Marxschen Entwürfen compiliert wurden. Auch das "Rätsel des Geldfetischs" als "das sichtbar gewordne, die Augen blendende Rätsel des Warenfetischs" (ebenda, S. 108) - nach mehreren Seiten quantitativer Überlegungen, was denn "x Ware A = y Ware B" bedeutet - wird auf diese Textstelle zurückgeführt. Ehe es im 3. Kapitel dann endgültig um das "Maß der Werte" geht. Wobei ich mit Ruben mitgehe, dass Marx beim "Rätsel des Geldfetischs" selbst der Wirkung des Fetischs aufsitzt, denn das "Rätsel" hat eine (für mich) einfache Auflösung: Geld ist *keine* Ware, sondern eine Verrechnungseinheit. Und zwar schon allein deshalb, weil Geld keinen Gebrauchswert (in einer m.E. einzig sinnvollen Semantik) hat - kein menschliches Bedürfnis unmittelbar zu befriedigen vermag. Womit wir bei der Frage mit dem "reinfallen" sind. Marx macht im Fetischkapitel selbst vor, worauf es ankommt - eine Differenz zwischen der realweltlichen Wirkung und deren theoretischer Reflexion zu machen, also hinter ein oberflächliches Erscheinungsbild zu kommen, welches den Alltagsverstand prägt. "So stellt sich der Lichteindruck eines Dings auf den Sehnerv nicht als subjektiver Reiz des Sehnervs selbst, sondern als gegenständliche Form eines Dings außerhalb des Auges dar. Aber beim Sehen wird wirklich Licht von einem Ding, dem äußeren Gegenstand, auf ein andres Ding, das Auge, geworfen." Ähnlich gilt es, nach meiner Lesart von Marx, bei der Ware *beide* Perspektiven - die oberflächliche, dingliche, "sinnlich übersinnliche" Wertbehaftung und das dahinter liegende, sich gesellschaftlich vermittelnde Arbeitsaufwandsmaß - theoretisch im Auge zu behalten. "Es steht daher dem Werte nicht auf der Stirn geschrieben, was er ist. Der Wert verwandelt vielmehr jedes Arbeitsprodukt in eine gesellschaftliche Hieroglyphe." Sehr verquaste Ausdrucksweise, aber das ist für mich der Kern - Fetisch heißt, das Medium (hier: das Arbeitsprodukt) für die Botschaft zu halten. Wie es für mich weitergeht, das kannst du in meinem Arbeitswertpaper nachlesen - Wert als dezentrale Aufwandsrechnung, deren vorläufiger Charakter im Verkaufsakt seine gesellschaftliche Sanktionierung erfährt, so dass sich die "Hieroglyphe" als Anhängsel der berühmten Göhringschen Tasse Kaffee nach einem 'unzip' als lange Rechnung von zehntausenden Teilen und produktiven Akten erweist, die mit dem Kaffee und der Tasse alle irgendwie zu tun haben und alle irgendwann eine Bestätigung erfahren haben. Und die du als Konsument normalerweise nicht entpackst, als Produzent aber schon teilweise, denn du musst ja selbst eine satisfaktionsfähige Rechnung erstellen. Kurz, ein in sich unteilbares gesellschaftliches Verhältnis, weil jede individuelle Weiterführung einer Aufwandsrechnung der Bestätigung bedarf und sich deshalb an allen anderen bestätigten und unbestätigten Aufwandsrechnungen orientiert. </comment> <comment id="CS" date="2007-10-18"> Einen Kommentar zu deiner absurden Kapitalismus-Schönrechnerei, auch in deinem "Arbeitswertpaper", wonach der Profit anscheinend nur eine Entschädigung für den Arbeitsaufwand des Kapitaleigners ist (weil es ja so _ungemein_ aufwendig ist, sein Geld zur Bank bzw. zum Vermögensverwalter zu tragen und dort verwalten zu lassen!), spar ich mir mal... </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-20"> Ich blicke neidvoll auf Menschen, für die so klar ist, was "Schönrechnerei" und was "Bullshit" ist. Da wage ich gar nicht dagegen zu halten, dass in jenem Paper ja zunächst eine Rechnung ganz ohne Kapitalisten gemacht wird und diese erst in der zweiten Runde "dazugerechnet" werden (mir geht es ja um die Analyse des Existierenden). Und dass genau in dieser *ersten* Runde, wo es ausschließlich um die "grünen Punkte" geht, die gesellschaftliche Bedeutung der Arbeitswertfaktoren deutlich wird als Konflikt zwischen verschiedenen Lohnarbeiterfraktionen um die Größe des Stücks Kuchen, das sie abbekommen. Warum sich also der Streik der Lokführer nur in zweiter Linie gegen das Bahn-Management richtet, in erster Linie aber gegen andere Lohnarbeiterfraktionen, die vom "Bahnkuchen" abbekommen. Deshalb ist der Streit *zwischen* den Bahngewerkschaften ja auch so erbittert. Insofern ist es auch egal, ob du GS als "Gewichtete Stunden" oder "Goldstücke" dechiffrierst, weil es bei der Verteilung des Kuchens, in meinem Paper genauer ausgeführt, allein auf die Proportionen *zwischen* den Faktoren ankommt. Deshalb kannst du auch eine Auktion machen über Klo putzen ohne das Zeitmaß überhaupt zu tangieren: Wer macht Klo putzen für 16, 17, 18 Punkte (Batzen, Gschicke, GS oder wie die Regionalwährungen alle heißen - die ja nicht umsonst *alle* sehr schnell darauf kommen, dass sie so was wie Geld sind) ... Zuschlag erteilt! Im bürgerlichen Leben heißt diese Art Vertrag übrigens Werkvertrag, ist also - wenigstens von der Form her - nicht mal was Neues. Nun ja, "Kapitalismus als pubertäre Form" eben - aber bis zu dieser meiner Schlussfolgerung musst du ja nicht mitgehen. Das, was du hier "Kapitaleigner" und ich oben sehr verkürzt "Kapitalist" genannt habe, heißt bei mir im Text übrigens präziser "Produzent auf eigene Rechnung" - eine vielleicht doch kleine Differenz. Zumal jener das Geld erst auf die Bank tragen kann, *nachdem* es "verdient" wurde, also *nach* dem Tauschakt am Markt, wo sich der Wert realisiert hat. Im Übrigen findest du bei den Krisisleuten, vor allem dem Meister selbst, genügend Argumente, warum und inwiefern eine so verkürzte Sicht auf "Kapitaleigner" antisemitische Elemente eines "raffenden Kapitals" in sich trägt, und warum das in einer linken Theorie fundamental zu kritisieren ist. Das zu wiederholen kann ich mir also hier sparen. Nur mal drauf hinweisen wollte ich. </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-13"> (Thread zum Fetisch mit SMz fortsetzend) Ich denke (noch immer), dass es die Menschen selbst sind, die vergleichen, dass also die Menschen in einem solchen Verhältnis stehen usw. Und wenn ich mal Holgers These vom 7.9.2007 "Wert realisiert sich im Tausch" (du hattest ihr nicht widersprochen) mit der - hoffentlich auch bei dir noch geltenden - Marxschen Annahme kopple, dass es sich dabei um irgendeine Form von Arbeitsaufwandrechnung handelt, die sich in diesen Zahlen manifestiert, dann habe ich schon 80% der Wertform dieser Gesellschaft auf dem Tisch (allerdings in ihrer Realisierung zwischen unternehmerisch tätigen Subjekten, nicht aus der Lohnarbeiterperspektive!). Tausch - füge ich sicherheitshalber hinzu - wie es Holger dort meinte, nicht in der Form "Gut gegen Gut", sondern "Gut gegen Geld", hier: Dienstleistungsgut (Klo putzen) gegen Gutschrift auf meinem Stundenkonto. Dass es in der spezifischen Form des Ersteigerns geschieht, ist da vollkommen zweitrangig. </comment> <comment id="SMz" date="2007-10-14"> Ich stimme Holgers These sogar explizit zu. Sorry, das ist keine Marxsche Annahme, sondern -- wer es gelesen hat, erkennt es sofort -- eine Rubensche Annahme, die ich anderswo als bürgerliche Ökonomietheorie bezeichnet habe, mit der ich mich nicht weiter beschäftigen wolle. Das bleibt auch so: Es gibt genug andere, die das tun, das muss ich nicht auch noch machen. </comment> <comment id="FN" date="2007-10-15"> Möchte nur bestärkend hinzufügen: Arbeitsaufwand wofür? Ich verstehe den Wert als durchgängiges Kontinuum von Formen (Tauschwert - Geld - Kapital und so weiter) , die mit immer größerer Vehemenz die Selbstbewegung des Werts charakterisieren und die ganze konkrete Gesellschaft seinem Wachstum unterwerfen. Dann merkt doch jedes blinde Huhn, dass jeder Aufwand gerechtfertigt ist, solange es dem Verwertungszweck dient! Marx hat die ungeheure Widersprüchlichkeit bemerkt, mit der absolute Sparsamkeit und absolute Verschwendung in dieser Gesellschaft Hand in hand gehen. Und es bleibt immer noch die Frage: konnten die Menschen VOR dem Wert ihren Aufwand nicht abschätzen? Im Übrigen ein Kompliment an Christian, der erstmals den Versuch unternommen hat, eine GPL-Gesellschaft als funktionierende zu denken und nicht bloß ihr Funktionieren abstrakt zu postulieren. Ich kann das derzeit nicht so nachvollziehen wie ich gerne wollte, merke aber aus Euren Debatten, dass es endlich um die richtigen Fragen geht. Der Fortschritt erscheint mir ungeheuer groß, wenn man so will kommt Oekonux hier endlich an seinem Kernpunkt an..... Mit HGG bin ich aber in dem Punkt einer Meinung, dass es nicht genügt, abgeschlossene Reproduktionseinheiten theoretisch zu postulieren, man müßte stofflich - sinnlich ihre Leistungsfähigkeit auf dem gegebenen Niveau der Produktivkröfte erkunden. Abstrakt gesprochen: es geht - auf der MATERIELLEN Seite, wohlgemerkt - ins Kleine, und das ist flexibler handhabbar als ein globales Beziehungsgeflecht. Die Frage ist einerseits wo ist der Einstiegspunkt für einen Übergang in ein P2P Produktionsmodell, wo "gelingt der kooperative Kreislaufschluss" (das ist die Gretchenfrage überhaupt) und in welcher Größe sind sinnvollerweise solche relativ autarken Systeme denkbar....Wobei natürlich ein holarchisches Prinzip gilt, das heisst solche Reproduktionseinheiten können (und "müssen") eine Sphäre globaler Kooperation ausbilden, die auch materielle Aspekte umfasst. </comment> <comment id="SMz" date="2007-10-10"> Um Marxsche Rhetorik zu vermeiden, drückt Christian das anders aus. Während der Kapitalismus den Markt als "Indirektion" verwendet, um die produzierten Güter zu verteilen -- wobei vorher gar nicht klar ist, ob sie gebraucht werden oder gekauft werden können --, verteilt die Peer-Produktion nicht die Güter, sondern den Aufwand zu ihrer Herstellung. Dabei wird nur das hergestellt, was auch gebraucht wird - das Verhältnis zwischen Bedürfnissen und Produkten ist "direkt". Das spricht dafür: Gewichtete Stunden vermitteln Beiträge und Entnahmen. Sie fungieren wie Geld als "Zirkulationsmittel" (so heisst das im Fall des Kapitalismus). <comment id="HGG" date="2007-10-13"> Ich würde es eher Verrechnungseinheit nennen, das wird m.E. dem Charakter des "gesellschaftlichen Verhältnisses" gerechter. Hier "zirkulieren" die "weighted hours" ja nur als Bits zwischen den Konten der Teilnehmer. </comment> <comment id="SMz" date="2007-10-14"> Ich bin die drei Funktionen des Geldes (1. Zirkulationsmittel, 2. Schatz, 3. Kapital) von Marx durchgegangen, wie dir vielleicht aufgefallen ist, und finde die Bezeichnungen auch genauer. </comment> Gewichtete Stunden können kumuliert werden und geleistete Anstrengungen als eine Art "Schatz" horten. Im Unterschied zur kapitalistischen Ökonomie wird mit der Schatzbildung der "Zirkulation" jedoch kein Wert entzogen, sondern sozusagen unentgolten vorgeschossen -- also genau der umgedrehte Fall, was die Auswirkung angeht (insofern eigentlich auch kein Pro-Argument). <comment id="HGG" date="2007-10-13"> Das verstehe ich nicht. </comment> <comment id="SMz" date="2007-10-14"> Vielleicht stimmt das auch nicht. Vielleicht ist ein Vergleich nicht möglich, weil es etwas Vergleichbares wie "Zirkulation" in der Peer-Ökonomie nicht gibt. </comment> Richtig problematisch wird es, wenn alte und neue Ökonomie parallel existieren. Dann können mit wenig Aufwand erzielte Güter aus der Peer-Ökonomie gegen "wertvolle" Güter oder Geld in der kapitalistischen Ökonomie getauscht werden, was die Peer-Ökonomie ausbluten würde. Eine Peer-Ökonomie könnte sich also wiederum in einen ordinären Kapitalismus umwandeln. Das diskutiert Christian auch und hält es für grundsätzlich möglich, aber eigentlich für unwahrscheinlich. Unter der Bedingung, dass es keinen Kapitalismus mehr gibt, kann das stimmen, bei Parallelexistenz jedoch nicht. </comment> <comment id="CS" date="2007-10-14"> Das sehe ich etwas anders. Um zu verstehen, ob Beiträge (gemessen in Gewichteten Stunden = GS) dasselbe sind wie Geld, muss man die Logik betrachten, die hinter dem Konzept der Beiträge steht. Nur dann kann man rausfinden, was in Bezug auf Zirkulierbarkeit, Schatzbildung etc. zu erwarten ist. Also erstens die Zirkulierbarkeit: die ist natürlich gegeben, deshalb wollen wir das ganze ja. (Damit wir arbeitsteilig produzieren können: ich ko-produziere für andere und sie ko-produzieren im Gegenzug für mich, weil jede/r von uns unmöglich die Hunderte von Dingen und Diensten selbst und allein produzieren könnte, die sie/er braucht oder will). Zirkulierbarkeit besteht aber immer nur innerhalb eines "Kooperationseinheit", also eines Projekts oder Verteilungspools. Jeder solche "Kooperationseinheit" ist schließlich nichts anderes als ein "Arbeits-Aufteilungs-System": die für die Produktion der von den Teilnehmenden gewünschte Arbeit wird unter den Teilnehmern _aufgeteilt_, und zwar in einer Weise die für alle akzeptabel sein sollte. Die Teilnehmenden dieser Kooperationseinheit haben von _außerhalb_ geleisteter Arbeit aber nichts -- die Arbeit, die aufgeteilt werden muss, wird dadurch nicht weniger. Deshalb wirst du in einer _anderen_ "Kooperationseinheit" geleistete Arbeit normalerweise nicht importieren können. Die Teilnehmenden werden daran kein Interesse haben, es dir zu ermöglichen, weil sie dadurch nur ihre eigene Arbeit entwerten würden -- sie müssten jetzt nämlich zusätzlich zu dem, was sie selbst haben möchten, auch noch die Dinge produzieren, die du haben möchtest und für die importierten GS erwerben kannst (während du zunächst gar nichts beitragen musst, bis die importierten GS verbraucht sind). Die Zirkulation wird also auf jeweils auf eine "Kooperationseinheit" beschränkt sein. Wenn sich (wie ich hoffe) die allermeisten Projekte zu einem nahezu-universeller Verteilungspool zusammentun, wird auch die Zirkulation nahezu-universell sein -- aber eben nur dann. Zweitens die Schatzbildung: wieweit kann ich GS (Gewichtete Stunden) horten -- also heute mehr beitragen und dann morgen davon leben? Auch hier muss man die Logik des "die Arbeit aufteilen" (effort sharing) berücksichtigen: ich will heute mehr beitragen, aber (noch) nicht mehr konsumieren. Die insgesamt notwendige Arbeit bleibt also gleich, aber da ich einen etwas größeren Anteil davon beitrage, haben alle anderen etwas weniger zu tun. Ich habe sie also zunächst _entlastet_ . Umgekehrt werde ich die anderen, wenn ich die gespeicherte Arbeit später abrufe, _belasten_ . Ich will jetzt zusätzliche Produkte abrufen, die auch noch produziert werden müssen, ohne (jetzt) etwas dafür beizutragen: die notwendige Arbeit, die unter den anderen aufgeteilt wird, nimmt zu -- alle anderen haben jetzt etwas mehr zu tun. Zunächst ist festzuhalten, dass die Arbeit (in GS), die ich vorgeschossen habe, dieselbe ist die ich später wieder abrufen kann -- ob ich sie heute oder gestern erbringe, ändert an der Höhe der erforderlichen Beiträge nichts. Ddie dritte Funktion des Geldes, nämlich die als Kapital, als sich-scheinbar-selbst-vermehrendes Geld, entfällt in jedem Fall: ich erwerbe immer nur Güter (egal ob Dinge oder Dienstleistungen), niemals aber die _Arbeitskraft_ anderer, die ich nützen könnte, um Geld-in-mehr-Geld bzw. Arbeit-in-mehr-Arbeit umzuwandeln. Trotzdem ist schon die Schatzbildung nicht unproblematisch, da die anderen dir gegenüber damit quasi ein Versprechen abgeben, dass sie schlecht auflösen können. Sie verpflichten sich ja, dir deine vorgeschossene Arbeit später wieder zurückzugeben, und du wirst erwarten, dass sie dieses Versprechen dann (Jahre? Jahrzehnte? Jahrhunderte?) später auch einhalten. Das widerspricht aber dem oben genannten Grundsatz, dass man Verpflichtungen mit einer gewissen Vorlaufzeit auch immer wieder auflösen können sollte. Projektmitglieder, die umfangreiche Schatzbildung erlauben und dann weniger arbeiten (und sie _müssen_ dann weniger arbeiten, wenn du mehr arbeiten willst, denn die Summe der Beiträge bleibt ja gleich), im Wissen dafür morgen mehr arbeiten zu müssen, verkaufen buchstäblich ihre eigene Zukunft -- sie leben auf Pump. Das könnten sie ja noch machen, aber sie verkaufen damit auch die Zukunft von allen, die später in die Kooperationseinheit eintreten -- die Zukunft ihrer Kinder. (Denn die notwendige Beiträge werden ja unter allen Mitgliedern aufgeteilt -- wenn du also jetzt deine vor Jahren vorgeschossene Arbeit abrufst, führt das zu Mehrbelastung für alle _heute_ aktiven Teilnehmenden, nicht nur für die, die vor Jahren durch deinen Vorschuss entlastet wurden). Abgesehen davon, dass die Eltern sowieso kein Mandat haben, die künftige Arbeit ihrer Kinder zu verpflichten, werden sich die Kinder wohl kaum durch dieses Versprechen (die sie nicht selber gemacht haben) gebunden fühlen. Wenn also das Abrufen von gespeicherter Arbeit zu erheblichen Mehrbelastungen für die heute Aktiven führt, dürften die sich früher oder später entscheiden, die gespeicherte Arbeit zu annullieren und von vorne anzufangen (und künftig wahrscheinlich nur noch begrenzte Speicherbarkeit zuzulassen -- aus Fehlern wird man klug). Alternativ könnte es zum Exodus kommen: Leute, die von der Mehrbelastung genervt sind, steigen aus dem Projekt aus und schließen sich einem anderen an. Die Mehrbelastung für die verbleibenden Aktiven erhöht sich dadurch zusätzlich, was den Exodus verstärkt, bis das Projekt kollabiert. Natürlich sind die Leute, die sich zu einer Kooperation zusammenschließen, nicht blöd. Daher rechne ich eher damit, dass sie sich solche Szenarien _vorher_ durch den Kopf gehen lassen und von Anfang an gar keine unbegrenzte Schatzbildung (Speicherbarkeit) ermöglichen werden. Schatzbildung innerhalb hinreichend enger Grenzen, die nicht so umfangreich werden kann, um die Zukunft der Kooperation zu gefährend, aber es mir z.B. ermöglicht, mal für ein/zwei Jahre auszusteigen und gar nichts zu tun, macht dagegen sehr wohl Sinn. Deshalb mutmaße ich auch schon im Buch (Kap. 8.2.2), dass Kooperation sich auf solche gedeckelte (und vielleicht mit "Verfallsdatum" versehene) Schatzbildung einlassen werden, aber nicht auf mehr. Bilanzierend: Wie sieht's also bei Beiträgen (gewichteten Stunden) mit den drei von Stefan erwähnten Funktionen des Geld hat? 1. Zirkulationsmittel: ja (aber nur im Rahmen einer Kooperationseinheit) 2. Schatz: jein, nur in eng begrenzten Maße 3. Kapital: nein Es gibt also Gemeinsamkeiten, aber die Unterschiede sind unübersehbar. Wer trotzdem Beiträge == Geld setzt, wird das Modell des "die Arbeit aufteilen" (effort sharing) nicht wirklich verstehen (wie auch HGG mit seiner neuen Mail demonstriert). </comment> <comment id="HGG" date="2007-10-09"> Im Gegensatz zu Meretz sage ich allerdings - überhaupt nicht schlimm, weil du im gleichen Atemzug über unternehmerisches Handeln (eben der Auktionäre, die ja nix anderes als Kleinunternehmer ihrer selbst sind) schreibst. Und der Warenfetisch ist sehr eng mit dem Lohnarbeiter, aber deutlich weniger eng mit dem Kleinunternehmer verbunden. Letzterer hat mit dem cash flow den Produktionsprozess (eben T-S-T') wenigstens bei seiner produktiven Konsumtion immer im Hinterkopf und versteht intuitiv, dass sich hinter der Geldform der Dinge Produktionsprozesse verbergen. <comment id="SMz" date="2007-10-10"> Eh, dass sich hinter dem (vorgeschossenen) Geld, also Kapital, Produktionsprozesse "verbergen", ist nicht der Fetisch, sondern originär die Rolle des "Unternehmers". Es geht auch nicht nur um den Warenfetisch, sondern insbesondere um den Geld- und Kapitalfetisch, dem Zwang sich, als "personifiziertes Kapital" zu betätigen. Es gibt keine privilegierte Form, dem Fetischismus zu entgehen. Der Fetisch ist kein "falsches Bewusstsein", das man irgendwie klug ablegen könnte, sondern "objektive Gedankenform", d.h. ich muss so denken und handeln, selbst wenn ich grundsätzlich durchschaue, was da (mit mir) abgeht. -- Egal, sollten wir nicht diskutieren, sondern nur als Unterschied festhalten. Relevant in diesem Zusammenhang ist, dass es sich bei den "Auktionären" (was sie nicht sind) nicht um Kleinunternehmer handelt: Sie stellen keine Waren her, verkaufen nichts auf einem Markt, erlösen kein Geld, können Geld also auch nicht als Kapital einsetzen usw. </comment> </comment> <!-- end HGG 2007-10-09 --> <comment id="HGG" date="2007-10-06"> Und es wäre interessant, peer economy im praktischen Kontext von Regionalentwicklung zu studieren. Der Fokus wird ja von Franz Nahrada hier immer wieder reingetragen, ist aber selbst für ein Krisis-Zusammenbruchsszenario relevant, denn [Klix/Lanius] machen auf historischem Hintergrund deutlich, dass ein solcher Zusammenbruch mit dem Rückgang der Komplexität gesellschaftlicher Interaktion - also der wachsenden Bedeutung regionaler Kontexte - verbunden sein wird. Und mit Blick auf die wie aus dem Boden schießenden regionalen Initiativen wahrscheinlich bereits läuft. <comment id="CS" date="2007-10-08"> Ich glaube nicht, dass sich die Gesellschaft, die ich beschreibe, durch eine geringere Komplexität als die heutige auszeichnen wird. Sicherlich wird die materielle Produktion lokalisierter werden, wenn die Borniertheiten des kapitalistischen Systems entfallen (Produktion in Asien, weil dort die Löhne niedriger sind). Aber warum die globale Kooperation, wie sie etwa für die Freie-Software-Szene oder auch für die Wissenschaft typisch ist, künftig wieder zurückgehen sollte, sehe ich nicht. Und über den Zusammenbruch oder das Eintreffen menschenfressender Aliens mache ich mir Sorgen, wenn es passiert, nicht vorher ;-) </comment> Udo Blum machte mich insbesondere auf die folgende Veranstaltung des Berliner Innovationskreises aufmerksam (19.10.2007) ... Rolf Walther hat vor zwei Wochen die Dessauer Entwicklungen bereits in Hohenroda vorgestellt - ich finde den Ansatz extrem spannend, da dort offensichtlich "community economic development" mit einem ähnlich umfassenden Ansatz geschieht, wie ihn Mike Lewis im letzten November (u.a.) in Leipzig vorgestellt hat. Bei Interesse gern mehr dazu. Christian, ich denke, das könnte dich interessieren, da ich deinen Ausführungen entnehme, dass du - insbesondere mit deinem Auktionsmodell - nicht unbedingt über das "Ende der Wertform" nachdenkst, es also durchaus klare Differenzen zu den Debatten um Allgemein- und Universalgüter gibt. Wir wollen hier in Leipzig insbesondere mal schauen, wie sich die Dessauer Aktivitäten mit Askemos "verheiraten" lassen. Dazu suchen wir übrigens noch versierte Haskell-Programmierer, um Askemos von seiner derzeitigen RScheme-Basis auf das etwa stabilere Haskell zu portieren. Hier noch ein paar Links zu meinen Ausführungen: Berliner Initiativkreis - <link url="http://www.regionaler-aufbruch.de"/> Mike Lewis - Bericht von der Veranstaltung am 20.11.2006 in Leipzig <link url="http://leipzig.softwiki.de/index.php/InfoTour-06"/> und <link url="http://leipzig.softwiki.de/index.php/WAK.2006-11-20"/> Klix/Lanius - genaue Quelle und ein paar zusammenfassende Bemerkungen zum Buch siehe http://leipzig.softwiki.de/index.php/Attac.2007-10-25 Unser Askemos-Projekt - http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?HansGertGraebe/NetzProjekt/Askemos </comment> <!-- end HGG 2007-10-06 --> <comment id="SMz" date="2007-10-10"> Hi Hans-Gert, Christian, alle, vielleicht sollte ich kurz eine ganz grobe Skizze dessen geben, worüber ihr redet (Christians Buch) und wozu ich auch etwas anmerken möchte, damit vielleicht noch einige mehr folgen können. Selbstredend ist es am besten, das Buch zu lesen ... Christian, correct me if I'm wrong. In dem vorgeschlagenen Modell der "Peer-Ökonomie" gibt's keinen Tausch, kein Geld und keinen Markt, dafür aber "Mechanismen", die an die entsprechenden Stellen treten. EinTeil der Diskussionen dreht sich darum, ob diese anderen Mechanismen dennoch den gleichen Charakter haben wie Tausch, Geld und Markt im Kapitalismus. Statt Tausch gibt es Beiträge (so er Titel des Buches btw.). Wer ein Gut haben will, leistet Beiträge in einem Projekt und zwar genau das, was er oder sie tun will. Der Beitrag wird in Stunden Aufwand gemessen. Um nun zu regulieren, dass auch alle notwendigen Tätigkeiten getan werden, werden die nachgefragten Beiträge gewichtet. Unbeliebte Beiträge werden hoch gewichtet und vice versa. So kann eine Stunde Müll entsorgen durchaus einer Woche Programmieren entsprechen. Um irgendetwas zu bekommen, muss man "gewichtete Stunden" einbringen (nicht alle, aber das sind Details). Man könnte also sagen: Statt Geld gibt es "gewichtete Stunden". Die Gewichtung erfolgt über ein "Auktionssystem" (ob das ein guter Name ist?). Das ist sozusagen der Ersatz für den Markt. Regelmäßig erfolgt ein (automatischer) Check der Nachfrage-Angebots-Lage. Gibt es Disproportionen, erfolgt eine Änderung der Gewichtung, um unbeliebte Tätigkeiten "beliebter" zu machen (weil mit wenig Zeitaufwand zu erledigen) und beliebte Tätigkeiten "unbeliebter" (weil es ohnehin genug Leute gibt, die das machen wollen). Die Peer-Projekte funktionieren "im Prinzip" wie wir es von der Freien Software kennen. Da es aber (auch) um nicht-kopierbare Güter geht, gibt es das Beitragssystem. Peer-Projekte schließen sich zu Verteilungspools zusammen, um mehr bieten zu können. Ein Beitrag in Projekt A erlaubt dann eine Entnahme eines Gutes in Projekt B. Dann gibt es noch eine differenzierte Struktur von Meta-Projekten und Kooperationen von der lokalen bis zur globalen Ebene, um den unterschiedlichen Anforderungen Rechnung zu tragen. Manche Aufgabe lassen sich eben nur global lösen. Alles ziemlich differenziert dargestellt, vgl. Buch. </comment> </Debatte>