[ox-de] Lesenswerter Blogeintrag über Open Source Ecology
"Franz Nahrada" <[email protected]> Sun, 02 Nov 2008 09:33:26 +0100
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
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| Message-ID | <[email protected]> |
Silke Helfrich hat in ihrem Commonsblog endlich die Arbeit auf sich genommen, Schlüsselpassagen von Open Source Ecology ins Deutsche zu übersetzen. Ich empfehle diesen Blogeintrag, der sich mit einer der spannendsten Entwicklungen unserer Tage beschäftigt. http://commonsblog.wordpress.com/2008/11/02/oscar-open-source-auto-und-open-source-okologie/ ich habe ihr auch gleich geantwortet: Liebe Silke, zunächst mal herzlich danke für die Ãbersetzungsarbeit und das Referieren von OSE!! Wir haben Marcin 2004 zur oekonux Konferenz gebracht, und von keinem der Sprecher ist mir eine vergleichbar zielstrebige und effektive Aufbauarbeit bekannt. Marcins Konzept verdient nicht nur Beachtung, es bedarf auch der Verbreitung - in nicht unbedingt gleichen, aber ähnlich ernsthaften Globalen Dörfern in Europa. Die aktuelle "Bombe" besteht meiner Meinung nach darin, das Marcin erstmals die Frage aufgestellt hat, wie wir die zentralen Einheiten, die unsere Dezentralisierung überhaupt erst möglich machen, die vielen Fabriken für Basiselemente und Bauteile, nach unseren Prinzipien aufbauen oder transformieren können. Nicht alles kann vor Ort hergestellt werden, und die heutige Industrie ist extrem eigenarbeitsfeindlich geworden. Ich behaupte und andere haben das untersucht, dass das genau mit dem wesentlich gröÃeren Eigenarbeitspotential zu tun hat, das spontan in jedem Moment durch die technologische Umwälzung der Produktion und der Kommunikation entsteht. Und auch deswegen sind wir nicht ganz soweit wie wir gerne wären, und Produkte wie der Open Source Traktor "Liberator" und die CEB-Maschine sind jetzt einmal in der Praxis zu testen, bevor die Massenproduktion von Bestandteilen beginnen kann. (Auch durch Industriepartner, ganz analog wie bei Open Source Software). Du siehst ganz richtig, dass dieses Konzept über die Mängel der "Angepassten Technologie" weit hinausgeht und im Grund viel flexibler ist für technische Lösungen die gröÃere Kooperationen erfordern. Dass wir mit dem Problem der Ãbersetzung zu kämpfen haben, und vieler anderer Fragen - die wichtigste ist wohl derzeit wie die synchrone Telekooperation von Entwicklern wirklich gehandhabt werden kann - ist ja kein Mangel der OSE selbst; sondern hier müsste erkannt werden dass "Open Everything" ein Ãkosystem ist, das jetzt erst langsam zusammenzuwachsen beginnt und in dem die Arbeit von ÃbersetzerInnen sehr wichtig sein wird. Deswegen sind "outreach communities" wie zum Beispiel Minciu Sodas von Andrius Kulikauskas (der ebenfalls auf 0x3 war) wichtig, die die Netzwerke und ihre Fähigkeiten genau dorthin tragen wo sie benötigt werden. Andrius hat einen Weblog zu diesen Fragen gestaltet, den ich nur empfehlen kann: http://www.pbs.org/idealab/author/andrius_kulikauskas/ In Episode 8 ist sein Beitrag auf der letztjährigen Knight News Challenge zu sehen: http://www.pbs.org/idealab/2008/11/the-includerepisode-8people-vs.html Der Includer ist ein Projekt das genau von diesen Schwierigkeiten des Netzuganges ausgeht! Gottseidank ist es möglich gewesen, diese beiden communities (OSE und Minciu Sodas) zu einer Schnittmenge zu bringen, zum Beispiel über die Globalvillages Liste, zu der ich herzlich einlade: http://groups.yahoo.com/group/globalvillages/ Genau die Fragen die Du aufwirfst sind jetzt extrem spannend. Wo lassen sich denn überhaupt ungebrannte Ziegel aus dem lokalen Material herstellen? Sind gebrannte Ziegel überlegen? Wie kriegen wir die Energiequelle vor Ort? Wie die Presse? Wer produziert, baut zusammen, überprüft? "Techniker, Agrarwissenschaftler, Ãkonomen" haben von unserem Modell der Globalen Dörfer noch nicht einmal Kenntnis genommen, ebensowenig wie von Frithjof Bergmanns New Work Villages. Hier gilt es zu dokumentieren, die guten Beispiele zu sammeln und eine kritische Masse herbeizuführen. Dabei brauchen wir Sozialwissenschafter und Entwicklungsexperten. Und Du hast recht, dies ist nicht ein Programm für Afrika alleine, dies ist ein Programm das nur funktioniert wenn wir selbst es leben wollen. Wir haben ungleich bessere Voraussetzungen, Globale Dörfer in Europa zu bauen, unser Problem sind eben Individualisierung und unsere zurecht bestehenden hohen Ansprüche ans Leben. Das erfordert eine hohe Bereitschaft, Frustrationen in Kauf zu nehmen und doch sich nicht mit Halbheiten zufrieden zu geben. Ich bin aber zuversichtlich, dass gerade jetzt ein Netzwerk Globaler Dörfer in Europa entsteht. Wir könen in der derzeitigen Lage nicht mehr tun als gezielt zu experimentieren und uns wechselseitig zu unterstützen, den Freiraum zu kriegen und das enorme Potential anschaulich und real zu machen, das im Prinzip der Commons schlummert. Franz Nahrada ________________________________ Web-Site: http://www.oekonux.de/ Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ Kontakt: [email protected]