4-Re: [ox-de] Re: [ox-de] Re: [ox-de] Generative Ökonomie und Wirtschaftsinformatik
Emminger Grafik <[email protected]> Sun, 10 Oct 2010 18:01:42 +0200
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
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| Message-ID | <C8D7AFDE.4394%[email protected]> |
[Converted from multipart/alternative] [1 text/plain] Von: "[email protected]" <[email protected]> > Antworten an: [email protected] > Datum: Fri, 08 Oct 2010 10:04:33 +0200 > An: [email protected] > Betreff: [ox-de] Re: [ox-de] Re: [ox-de] Generative Ökonomie und > Wirtschaftsinformatik > > [Converted from text/html] > > Hallo Hans-Gert, > > Bergmann hat den Begriff wieder einkassiert, jetzt steht da nur noch > "fabrikator" auf der neuen Webseite (Neue Arbeit neue Kultur). Ich > finde das ein bischen bedauerlich, weil ich fand das war ein ganz > anregender und herausfordernder Begriff, der diesen Anspruch deutlich > macht, dass es tatsächlich um neue ökonomische Prinzipien gehen muss, > in denen diese generativen Fertigungsverfahren (als neuartige und > andere Vergesellschaftungsformen ermöglichende Produktionsmittel) eine > ganz zentrale Rolle spielen (z B weil sie es möglich machen, Dinge, > Produkte als Produktionsskript oder -programm zu entwickeln und dann > verlustfrei beliebig oft als Kopie herzustellen). >> Bei Google ist dazu nicht viel zu finden, ich nehme also mal an, dass > >> das nicht gerade ein zentrales Thema bei Bergmann ist. Deine Verweise > >> habe ich angeschaut und verstehe wirklich nicht, wieso du meinst, > dass >> Code-Generatoren nichts mit generativer Ökonomie zu tun haben. > also s. o. "Fabrikator", ist so zentral wie das "Calling" bei > Bergmann, sozusagen ein Drittel des Ganzen in seinem ganzen Konzept, > hiess bei ihm früher HTSP: high tech self providung; davon hat er > schon gesprochen lange bevor es Fabrikatoren gab. >> Das sind aber doch zwei Enden einer Entwicklungskette, oder? > Buchberger >> nennt ersteres "Trivialisierung", bei Naetar ist das der Kern der >> "Commodifizierung" (im Sinne der englischen Semantik dieses > Begriffs). > >> Um ein anderes Beispiel zu nennen: Landwirtschaft wurde in dem Sinne > in >> den letzten 100 Jahren "trivialisiert" - während die Großmutter eines > >> Bekannten noch 18 Knechte und Mägde täglich auf dem Hof verköstigte, >> machen die Arbeit heute (mechanisiert, nicht "vollautomatisiert") > max. >> vier Leute. Ist also in keiner Weise ein Phänomen des Heute. > Wie recht Du hast. Wer hätte das behauptet. Auch das Rad ist eine > "Trivialisierung", jede gedankliche Durchdringung eines Vorganges oder > Ablaufes (z B des Ablaufes eines poietischen Herstellungsprozesses) so > weit, dass man in der Lage ist, diesen Ablauf algorithmisch zu > beschreiben, so, dass er "lehrbar" ist (war eins von Aristoteles' > Kriterien für Poiesis) und von "unkundigen" Sklaven oder Gehilfen > durchführbar, oder eben - von einer Maschine, einem programmierbaren > Automaten! Einen Abwasch für eine 10-köpfige Festgesellschaft zu > machen kann eine hohe Kunst sein, Du kannst das aber auch alles > "trivialisieren" und das dann deine Spülmaschine erledigen lassen. > Eben so ist es mit der Landwirtschaft und vielen Abläufen da, die man > sehr erfolgreich hat "trivialisieren" können - wenn Dir der Ausdruck > so gut gefällt, kannst Du Automatisieren mit Trivialisieren ziemlich > gleichsetzen, der Gültigkeitsbereich sozusagen dürfte gleich sein. Nur > scheint bei Dir die Konnotation dahinter zu stecken, dass das > irgendwie vom bösen ist, und dass man das besser lassen sollte. Das > ganze Thema habe ich wirklich umfassend auch bearbeitet, in den 1980er > Jahren zum Beispiel gab es die Auseinandersetzung von Hans Jonas gegen > Ernst Bloch; es lässt sich schön zeigen dass Jonas' Technophobie > letzten Endes in eine irrationale und absurde Haltung gegenüber > instrumenteller Rationalität führt, in der eben schon die Erfindung > des Rades die Menschheit vom geraden Weg zu ihrer "Eigentlichkeit" > abgeführt hat, die nämlich in einem ewigen Kreislauf des Leidens und > der immerwährenden Schicksalsprüfungen bestehe, in der es zwar das > "Gelingen" und "Beherrschen" auch gebe, aber "immer nur halb"... also > schön bescheiden, und nicht wie der himmelstürmende Bloch gleich von > "Heimat" und Ziel und Ankommen träumen. 9>Doch ist ein Wunsch zur Zunahme »instrumenteller Rationalität« nicht auch abhängig vom bereits Erreichten? Ab wann wird jede weitere Steigerung zur Kippfigur »NineEleven«, also zum Siedepunkt mit anschließender Implosion? > Ah ja, der Traum (auch) noch jedes Traditionsmarxisten. Da halte ich > es >> dann schon mit Altvater "Kapitalismus, wie wir ihn kennen". Der >> Kapitalismus "überwindet" sich selbst dauernd und regelmäßig auch >> gründlich, das hatte schon Marx festgestellt. Es bedarf also schon >> tieferer Analyse, um eine wirkliche Transzendenzperspektive zu > finden. >> Davon sind wir in der Diskussion auf dieser Liste meilenweit > entfernt. > Also wenn Produktionsmittel zur Verfügung stehen, die die Ansammlung > von Aktiv- und Passivkapital in der bislang während der > Industrialisierung erforderlichen Grössenordnung überflüssig machen, > die ferner den Warentausch als "Keimzelle" der Wirtschaftsordnung > überflüssig machen, dann könnte dich am Kapitalismus schon ganz > erheblich und ganz in der Mitte etwas ändern. Der Kapitalismus ist > keine Naturkonstante. >> Was ist "rein marktgesteuerter Kapitalismus"? Doch nicht etwa das, > was >> wir mit Bankenrettung, Staatsbankrotten usw. gerade erleben? StaMoKap > >> heißt das in anderen Diskursen, woran auch "neoliberale Hegemonie" >> nichts ändert, im Gegenteil. > > "Rein marktgesteuert" ist der erstmal in der theoretischen > ökonomischen Betrachtung, als Modell. Natürlich gibt es überall > politische Eingriffe, in unterschiedlicher Intensität und Intention > und Bandbreite, aber in der ökonomischen Betrachtung, im Modell haben > wir für die zentralen ökonomischen Vorgänge die "reine" > Marktsteuerung, also nur Waren, Preise, Angebot und Nachfrage, keine > politischen Produktionsplanungen z B, und keine Planpreise, und als > Zielgrössen eben nur Vollbeschäftigung, Wachstum und Stabilität. Mit > Hilfe der oben genannten neuen Produktionsmittel (Netze und dezentrale > konsumentennahe Mini-Fabriken, im Extrem Personal Fabrikatoren) ist es > aber möglich, andere politische Produktionsplanziele zu verfolgen, z B > eine "optimale" Versorgung, bei minimalem Ressourceneinsatz. 10> »Vergnügen bringt das Leben, wenn die Weisheit fehlt«, wußte Sophokles > Grüsse allerseits, > Ludger > ________________________________ > Web-Site: http://www.oekonux.de/ > Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ > Kontakt: [email protected] [2 text/html] ________________________________ Web-Site: http://www.oekonux.de/ Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ Kontakt: [email protected]