[ox-de] Re: [ox-de] keimform.de: Vom Strike Bike zum Free Bike?
"Dr. Ludger Eversmann" <[email protected]> Tue, 28 Dec 2010 10:57:32 +0100
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
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| Message-ID | <[email protected]> |
[Converted from text/html] Hallo Christian und Hans-Gert, ist hier der folgende Aufsatz über "Universal Desktop Fabrication" eigentlich schon diskutiert worden? Ich fürchte ich verliere da möglicherweise den Überblick, stelle aber - auf die Gefahr mich zu wiederholen - das Abstract hier rein: Titel: Universal Desktop Fabrication Abstract. Advances in digital design and fabrication technologies are leading toward single fabrication systems capable of producing almost any complete functional object. We are proposing a new paradigm for manufacturing, which we call Universal Desktop Fabrication (UDF), and a framework for its development. UDF will be a coherent system of volumetric digital design software able to handle infinite complexity at any spatial resolution and compact, automated, multi-material digital fabrication hardware. This system aims to be inexpensive, simple, safe and intuitive to operate, open to user modification and experimentation, and capable of rapidly manufacturing almost any arbitrary, complete, high-quality, functional object. Through the broad accessibility and generality of digital technology, UDF will enable vastly more individuals to become innovators of technology, and will catalyze a shift from specialized mass production and global transportation of products to personal customization and point-of-use manufacturing. Likewise, the inherent accuracy and speed of digital computation will allow processes that significantly surpass the practical complexity of the current design and manufacturing systems. This transformation of manufacturing will allow for entirely new classes of human-made, peerproduced, micro-engineered objects, resulting in more dynamic and natural interactions with the world. We describe and illustrate our current results in UDF hardware and software, and describe future development directions. Autoren sind die folgenden: T. Vilbrandt1, E. Malone2, H. Lipson2, and A. Pasko3 1 Digital Materialization Group, Japan, and MIT-FabLab, Norway [email protected] 2 Cornell University, USA {em224, Hod.Lipson}@cornell.edu 3 Bournemouth University, United Kingdom apasko-TlTST82AdmQOpSFC+208YVpr/1R2p/[email protected] http://ccsl.mae.cornell.edu/papers/HOMA08_Vilbrandt.pdf Hod Lipson von der Cornell University ist ja auf diesem Gebiet kein Unbekannter, wie Gershenfeld vom MIT oder Adrian Bowyer von der Baath University. Es wird in der Zusammenfassung also explizit auf Peer-Produktion Bezug genommen. Ich würde in dem Zusammenhang gerne folgenden Gedanken hervorheben: es handelt sich bei der Fabbing-Technologie, oder dem Fabber oder Fabricator, oder - wie hier als Konzept vorgestellt - bei der Universal Desktop Fabrication nicht um eine Erfindung oder Innovation, die neben anderen wie etwa Handy oder Flachbildfernseher oder vielleicht irgendwelchen Assistenzsystemen von Autos nun auf dem Markt der Möglichkeiten auftaucht, und wo man dann schaut, was denn damit anzufangen sein könnte. Es ist nicht ein Apparat oder eine Wundermaschine, die ihre Existenz dem Erfindungsgeist einiger verbissener Tüftler und Bastler zu verdanken hat, sondern: so etwas wie oben beschrieben, also universal verwendbare vollmaschinelle Produktion in kleinen und billigen Produktionsmaschinen ist sozusagen die notwendige und folgerichtige evolutionäre Fortschreibung der industriellen Güterproduktion, das Resultat einer historischen technisch-ökonomischen Evolution, von der z B bei Marx nur die Facette der Maschinisierung als Kapitalbildung, aber nicht die der Flexibilisierung, Universalisierung und Miniaturisierung in den systematischen Blick geraten ist. Aber erst diese technische Ausgestaltung der evolutionären Tendenz zur Maschinisierung, die auch gleichzeitig eine historische Tendenz zur Entlastung des Menschen aus erniedrigender körperlicher und geistiger Fronarbeit ist (oder jedenfalls dies sein kann), erlaubt die Umgestaltung der sozialen und ökonomisch-organisatorischen Verhältnisse in einem wirklich emanzipatorischen und kulturschöpfenden und -erweiternden Sinn. Anknüpfend an Eure Diskussion möchte ich ferner folgendes anregen: es ist vielleicht heuristisch lohnend zu unterscheiden zwischen der gedanklichen Entwicklung eines ökonomischen Modells, das die Existenz einer entwickelten Produktionstechnik wie oben beschrieben voraussetzt, und der Frage, wie ganz praktisch die Entwicklung ausgehend vom hier und jetzt ihren Weg nehmen könnte und wie sie möglicherweise befördert und vorangetrieben werden könnte, um eben die gewünschte Richtung auch nicht zu verfehlen. Zu ersterer Frage: wie so eine Ökonomie aussehen könnte ist ja auch davon abhängig welches Niveau von technischer Entwicklung man denn voraussetzen kann bzw will: es ist von "almost any complete functional object" die Rede, von inexpensive, simple, and intuitive to operate: also wie inexpensive denn tatsächlich, in Euros oder Chinesischen Dollars, wie simple zu bedienen, wo sind die Grenzen von "almost any complete functional object"? Ich würde an der Stelle vorschlagen sich einmal in explizit spekulativer Einstellung zu fragen, wie eine ökonomische Ordnung beschaffen sein müsste, in der der sekundäre Sektor, also die materielle Produktion komplett und vollständig von derlei universalen und komplett kostenlosen Fabrikationsmaschinen erledigt werden könnte, und in der es dann "nur" noch um die Dinge bzw. Güter und Dienstleistungen oder einfach Leistungen geht, die von Maschinen eben niemals und unter keinen Umständen geleistet werden können. Ich würde denken dass diese Fragestellung ökonomietheoretisch durchaus herausfordernd ist, da die bisher gut erforschten und eingeführten Prinzipien wie Wachstum, Nachfrage, Vollbeschäftigung und Koordination über Märkte und Preise das Problem der Ordnungsbildung dann offenbar nicht befriedigend lösen können. Eine andere Frage ist eben die nach den ökonomischen Prinzipien unter der Annahme, dass diese Technik zwar prinzipiell vorhanden, aber weiter vorangetrieben und entwickelt werden muss, dann - damit zusammenhängend - die, wie der "Kapitalismus" sich denn nun weiterentwickeln wird, wie neue Technik und neue Ökonomie im Schosse des Alten gewissermassen wachsen und gedeihen und nebeneinander her sich entwickeln, und in diesem Sinne halte ich ja die Ansätze die hier diskutiert werden für sehr erfolgversprechend und lohnend, wie ich schon mehrfach deutlich gemacht habe. Hierzu: "Das ist im Kern die alte Frage, ob die vorhandenen, im und für den Kapitalismus entwickelten Produktionsmittel einfach übernommen werden können (gekauft oder in der revolutionären Variante angeeignet) oder ob eine neue Produktionsweise nicht auch neue Produktionsmittel braucht -- Produktionsmittel, die selbst Ergebnis dieser Produktionsweise sind. Meine These wäre eher letzteres." Die neuen Produktionsmittel entstehen offenbar ganz unabhängig von der Produktionsweise - zum Teil innerhalb ganz urkapitalistischer Strukturen, zum Teil innerhalb von Universitäten, und zum Teil in Communities und tatsächlich peer-production. Wenn sie aber denn da sind, ist die Frage innerhalb welcher ökonomischen Ordnung diese sinnvollerweise zu nutzen sind, und da sind eben peer-prinzipien schon auf den ersten Blick wesentlich sinnvoller als Markt und Kapitalismus. Das Neue wird offenbar - schön langsam - aus dem Alten wachsen! Viele Grüsse allerseits, Ludger ________________________________ Web-Site: http://www.oekonux.de/ Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ Kontakt: [email protected]