[ox-de] keimform.de: Eine Welt ohne Geld?
Christian Siefkes <[email protected]> Sat, 14 May 2011 17:13:26 -0500
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
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| Message-ID | <[email protected]> |
This is an OpenPGP/MIME signed message (RFC 2440 and 3156) --------------enigB1679DF60B29E2BE12192428 Content-Type: text/plain; charset=UTF-8 Content-Transfer-Encoding: quoted-printable URL: http://www.keimform.de/2011/eine-welt-ohne-geld/ **Wie gleichberechtigt und freiwillig produziert werden kann** [Der folgende Artikel wurde in der Oya <http://oya-online.de/> 8 <http://oya-online.de/article/issue/08-2011.html> ver=C3=B6ffentlicht, de= ren Thema das "Geldbeben" ist.] *Das Geld spielt in unserer Gesellschaft eine so gro=C3=9Fe Rolle, dass e= s schwierig ist, sich eine Welt ohne Geld vorzustellen. Arbeiten die Mensch= en nicht nur, um Geld zu verdienen?* W=C3=BCrden Firmen ohne die Erwartung von Profiten etwas produzieren? Wahrscheinlich eher nicht. Doch f=C3=BCr das Tun der Menschen spielt das = Geld keine so gro=C3=9Fe Rolle, wie man gew=C3=B6hnlich denkt. Weniger als 40 = Prozent der in Deutschland geleisteten Arbeiten werden bezahlt, der gr=C3=B6=C3=9Fere= Teil wird nicht entlohnt: T=C3=A4tigkeiten im Haushalt, private Pflege- und Betreuungsleistungen sowie ehrenamtliche T=C3=A4tigkeiten. Gerade weil si= e unbezahlt sind, werden diese T=C3=A4tigkeiten in unserer Gesellschaft mei= st nicht sehr ernst genommen, doch ohne sie w=C3=BCrde alles zusammenbrechen= =2E Und sie demonstrieren eindrucksvoll, dass Menschen f=C3=BCr andere n=C3=BCtzl= iche Dinge tun, auch wenn sie nicht mit Geld "bestochen" werden. Auch im Internet spielen weitgehend geldfreie Formen der Produktion eine wichtige Rolle. F=C3=BCr Freie Software, wie das Betriebssystem Linux ode= r den Browser Firefox, und Freie Inhalte, wie die Internet-Enzyklop=C3=A4die Wi= kipedia oder das OpenStreetMap-Projekt, muss ich nichts bezahlen. Ich darf sie nutzen, an andere weitergeben, und sogar -- wenn ich die entsprechenden Kenntnisse habe -- erweitern und verbessern; und das alles kostet mich keinen Cent. Bed=C3=BCrfnisorientierte Produktion ------------------------------- Bisweilen wird Freie Software von Firmen produziert, die damit auf indirektem Weg Geld verdienen, z.B. =C3=BCber den Verkauf von Supportvert= r=C3=A4gen, Dokumentation oder passender Hardware. Doch in vielen F=C3=A4llen steht h= inter solchen Projekten eine Community von Menschen, die sich freiwillig und unentgeltlich engagieren, weil ihnen das dort entstehende Produkt wichtig= ist oder weil sie die T=C3=A4tigkeit genie=C3=9Fen. Anderen geht es darum= , etwas zu lernen, ihre Kenntnisse zu demonstrieren oder der Community etwas zur=C3=BCckzugeben. Es gibt viele Gr=C3=BCnde, warum Menschen sich engagi= eren -- auch ohne Geld. Entsprechend den Vorstellungen der modernen, neoklassischen Wirtschaftstheorie entstehen Firmen zur Reduzierung von sogenannten Transaktionskosten (Ronald Coase). Das hei=C3=9Ft, als Unternehmer meine Angestellten zu beauftragen, ist f=C3=BCr mich g=C3=BCnstiger, als jede e= inzelne Leistung einzukaufen. Die Angestellten haben den Vorteil, im Voraus zu wissen, welche Einnahmen sie erwarten k=C3=B6nnen, statt sich t=C3=A4glic= h auf dem Markt bew=C3=A4hren zu m=C3=BCssen, aber sie sind Teil eines hierarchisch= en Systems und m=C3=BCssen den Anweisungen der Gesch=C3=A4ftsf=C3=BChrung folgen. Be= ziehungen auf dem Markt spielen sich dagegen zwischen formell Gleichberechtigten ab, sind jedoch rein funktionell: Die anderen interessieren mich nur als Tauschpartner, die mir etwas verkaufen oder abkaufen k=C3=B6nnen. Die Neoklassik kennt keine anderen Formen au=C3=9Fer dem Markt und der Fi= rma, doch die Communities von Menschen, die gemeinsam produzieren, zeigen, das= s es auch anders geht. Anders als in Firmen sind alle freiwillig dabei, niemand erteilt den anderen Befehle. Deshalb wird diese Produktionsweise als Peer-Produktion bezeichnet: Die Beteiligten arbeiten auf gleichberechtigter Basis (als "Peers") zusammen. Und anders als auf dem Markt sind die anderen keine potenziellen Tauschpartner, sondern Menschen, die mit mir zusammen zu einem Ziel beitragen, das uns wichtig ist. Bei solchen Projekten geht es also ums Beitragen statt ums Tauschen. Beitragen ist im Gegensatz zum Tauschen kei= n Nullsummenspiel: Wenn ich beim Tauschen bzw. (Ver-)Kaufen ein "gutes Gesch=C3=A4ft" gemacht habe, bedeutet dies allzu oft, dass jemand =C3=BCb= ers Ohr gehauen wurde. Wenn dagegen jemand gute Beitr=C3=A4ge liefert, gewinnen a= lle Beteiligten. Solange die Produzenten Verk=C3=A4ufer sind und die Nutzer K=C3=A4ufer, a= rbeiten alle tendenziell gegeneinander: Die Einnahmen des einen sind die Kosten des anderen. Und ein h=C3=B6herer Marktanteil f=C3=BCr einen Produzenten schm= =C3=A4lert die Einnahmen desjenigen, der dasselbe produziert, weshalb die Produzenten zwangsl=C3=A4ufig in einem Konkurrenzverh=C3=A4ltnis zueinander stehen. D= erselbe Interessengegensatz wie zwischen Verk=C3=A4ufern und K=C3=A4ufern besteht= zwischen Angestellten und Inhabern bzw. Gesch=C3=A4ftsf=C3=BChrung einer Firma: Er= stere wollen zu m=C3=B6glichst g=C3=BCnstigen Konditionen ihre Arbeitskraft verkaufen;= letztere wollen ein Maximum an Arbeitskraft f=C3=BCr m=C3=B6glichst wenig Geld erh= alten. Diese Gegens=C3=A4tze fallen bei der bed=C3=BCrfnisorientierten Peer-Produktion= weg, da meine Bed=C3=BCrfnisse nicht auf Kosten der Bed=C3=BCrfnisse anderer gehe= n m=C3=BCssen. Im Gegenteil: Alle Beteiligten unterst=C3=BCtzen sich gegenseitig bei der Befriedigung ihrer Bed=C3=BCrfnisse, was f=C3=BCr alle von Vorteil ist. Die verschiedenen Geldfunktionen und wer sie =C3=BCbernimmt ------------------------------------------------------ Produktion findet also nicht nur des Geldes willen statt. Doch ist eine Welt ganz ohne Geld m=C3=B6glich? Daf=C3=BCr m=C3=BCssen wir die drei Fun= ktionen von Geld betrachten und uns fragen, was gegebenenfalls an ihre Stelle treten k=C3=B6= nnte: Geld ist die Triebkraft der Produktion in den Firmen, Geld ist der Motivator, um arbeiten zu gehen, und Geld regelt die Verteilung: Wer Geld= hat, kann sich Ressourcen und G=C3=BCter kaufen, wer keines hat, geht lee= r aus. Wir haben schon gesehen, dass die erste Geldfunktion bei einer bed=C3=BCrfnisorientierten Produktion entf=C3=A4llt. Bed=C3=BCrfnisse spi= elen im Kapitalismus ebenfalls eine Rolle, denn niemand kann ein Produkt verkaufe= n, nach dem kein Bed=C3=BCrfnis besteht. Doch hier sind die Bed=C3=BCrfnisse= nur Mittel zum Zweck der Geldvermehrung, so dass sich Firmen bem=C3=BChen, das Bed=C3= =BCrfnis nach ihren Produkten bei potenziellen Kundinnen und Kunden =C3=BCberhaupt= erst zu wecken. Bed=C3=BCrfnisorientierte Produktion darf nicht dahingehend missverstande= n werden, dass jede und jeder nur f=C3=BCr sich produziert. Peer-Produktion= beginnt zwar oft dort, "wo's ihre Entwicklerinnen und Entwickler juckt", wie Eric Raymond, einer der Pioniere der Freien Software, sagte, aber gleichzeitig entstehen dabei immer auch f=C3=BCr andere n=C3=BCtzliche G=C3= =BCter. Und h=C3=A4ufig beteiligen sich Menschen nicht aufgrund konsumtiver, sondern aufgrund produktiver Bed=C3=BCrfnisse: Sie machen etwas, weil sie es gern= e machen, weil sie etwas lernen oder weil ihnen die Menschen wichtig sind, f=C3=BCr die sie es machen. Ungezwungene Produktion f=C3=BCr andere ---------------------------------- Dass Peer-Produktion immer auch Produktion f=C3=BCr andere ist, widerspri= cht g=C3=A4ngigen =C3=B6konomischen Vorstellungen, wonach die Alternative zum= Markt eine Art Robinson-Modell ist: Alle w=C3=BCrden nur noch f=C3=BCr sich oder ihr= e Familie produzieren; Kooperation gr=C3=B6=C3=9Feren Stils f=C3=A4nde nicht mehr s= tatt. Dass man mit so einem isolierten Modell nicht weit kommt, ist klar. Als weitere Alternative wird die zentralisierte Planwirtschaft -- der verflossene "Realsozialismus" -- genannt: Die ganze Gesellschaft funktioniert nach de= m Modell einer Firma. Das Management, die Planerinnen und Planer geben vor,= was alles zu tun ist, verteilen die zu erledigenden Aufgaben und =C3=BCberwachen, dass sie ordnungsgem=C3=A4=C3=9F erledigt werden. Diese = Alternative hat historisch nicht sonderlich gut funktioniert und klingt wenig attraktiv: Man ist weiterhin abh=C3=A4ngiger Angestellter, jetzt allerdings des Staa= ts, und muss tun, was die Vorgesetzten sagen. Peer-Produktion ist dagegen Produktion f=C3=BCr andere, die nicht erzwung= en wird und nicht des Geldes willen stattfindet. Peers produzieren f=C3=BCr ander= e, weil sie es k=C3=B6nnen und weil es eine M=C3=B6glichkeit ist, weitere Mitstre= iterinnen und Mitstreiter zu finden. Denn je mehr Menschen die Ergebnisse eines Projekts nutzen, desto mehr potenzielle Beitragende gibt es, da die Beitragenden meist nach und nach aus dem Kreis der Nutzerinnen und Nutzer= dazusto=C3=9Fen. Wenn ein Projekt nicht mit anderen teilt und f=C3=BCr an= dere mitproduziert, nimmt es sich die Chance, "Nachwuchs" zu gewinnen. Die Aufgabenverteilung bei Peer-Projekten erfolgt in einem offenen Prozes= s, f=C3=BCr den sich der Begriff "Stigmergie" etabliert hat. Die Beteiligten= hinterlassen Hinweise (griechisch *stigmata*) auf begonnene oder gew=C3=BC= nschte Arbeiten, die andere dazu anregen, sich darum zu k=C3=BCmmern. Diese Zeic= hen, etwa To-Do-Listen und Bug-Reports in Softwareprojekten oder "rote Links" auf noch nicht existierende Artikel in der Wikipedia, bilden einen wichtigen Teil der Kommunikation. Alle Beteiligten folgen den Zeichenspuren, die sie am meisten interessieren, und sorgen auf diese Weise sowohl f=C3=BCr eine automatisc= he Priorisierung der offenen Aufgaben -- was mehr Menschen am Herzen liegt, wird im allgemeinen schneller erledigt -- als auch daf=C3=BCr, dass die unterschiedlichen Kenntnisse und F=C3=A4higkeiten der Beitragenden nahezu= optimal eingesetzt werden. Man arbeitet zumeist an dem, was man sich am ehesten zutraut. Und da man sich aussucht, ob und wo und wie viel man mitarbeitet, sind die Beteiligten motivierter als Menschen, denen eine Aufgabe zugeteilt wird oder die als Angestellte oder Selbst=C3=A4ndige au= f dem "freien Markt" nur wenig Alternativen haben. Somit wird auch die zweite Geldfunktion entbehrlich. Peer-Produktion zeigt, dass Geld keineswegs der= einzige Motivator ist. Die unangenehmen Aufgaben ------------------------- Aber reicht das? Was passiert, wenn man das Modell der Peer-Produktion au= f alle Bereiche der Gesellschaft projiziert? Was w=C3=A4re, wenn sich f=C3=BC= r bestimmte Aufgaben keine Freiwilligen finden, weil sie von allen als unangenehm, gef=C3=A4hrlich oder aus anderen Gr=C3=BCnden unattraktiv emp= funden werden? Ein geldbasiertes System zwingt die schw=C3=A4chsten Glieder der Gesellschaft zur =C3=9Cbernahme solcher Aufgaben -- diejenigen, die keine= anderen M=C3=B6glichkeiten zum Geldverdienen haben. Dass das eine gute L=C3= =B6sung ist, w=C3=BCrden nur Zyniker behaupten -- aber wie geht es anders? Manche dieser Aufgaben w=C3=BCrden sich wahrscheinlich als verzichtbar er= weisen; wo das nicht der Fall ist, bleiben Automatisierung, Umorganisation und faire Aufteilung als L=C3=B6sungen. Die Automatisierung hat seit Beginn d= er "industriellen Revolution" schon enorme Wirkungen entfaltet; immer gr=C3=B6= =C3=9Fere Teile der Produktion werden ganz oder teilweise automatisiert. Allerdings stellt im Kapitalismus der Lohn eine Grenze der Automatisierun= g dar. Je schlechter bezahlt ein Job ist, desto schwieriger wird es, ihn oh= ne Mehrkosten zu automatisieren. Deshalb lohnt sich dies bei vielen undankbaren T=C3=A4tigkeiten, wie etwa Putzen, gem=C3=A4=C3=9F der kapita= listischen Kalkulation nicht. Anders bei der Peer-Produktion: Wenn es hier Aufgaben gibt, an deren Erledigung alle oder viele interessiert sind, die aber niemand selbst tun will, dann ist der Anreiz, sie ganz oder teilweise zu automatisieren, sehr hoch. Und da die Automatisierung von T=C3=A4tigkeite= n selbst eine spannende und herausfordernde Besch=C3=A4ftigung ist, sind di= e Chancen, daf=C3=BCr Freiwillige zu finden, sehr viel besser. Wo dies unm=C3=B6glich ist, d=C3=BCrften sich T=C3=A4tigkeiten h=C3=A4ufi= g so umgestalten lassen, dass sie angenehmer werden. Im Kapitalismus finden manche Arbeite= n unter sehr schlechten Bedingungen statt. Man denke an eine Angestellte, d= ie um vier Uhr morgens B=C3=BCros putzen soll. Das w=C3=BCrden gleichberecht= igte, freiwillig kooperierende Menschen von sich aus nicht so organisieren. Automatisierung und Umorganisation lassen sich auch kombinieren. Beispielsweise werden in einigen spanischen St=C3=A4dten heute M=C3=BClla= utos mit Greifarmen eingesetzt, mittels derer die M=C3=BClltonnen vom Fahrerhaus a= us ferngesteuert aufgenommen und geleert werden. So kommt niemand mehr mit d= em M=C3=BCll direkt in Ber=C3=BChrung, und die M=C3=BCllabfuhr wird zu einer= einem Videospiel =C3=A4hnlichen Geschicklichkeitsaufgabe, f=C3=BCr die sich leicht Freiwil= lige finden. Falls weder Automatisierung noch Umorganisation greifen, ist ein Pool von= unangenehmen Aufgaben denkbar, von denen jede und jeder anteilig einige =C3=BCbernimmt. Wenn sich so alle oder die meisten an der Erledigung dies= er Aufgaben beteiligen, hat niemand sehr viel damit zu tun, und was alle machen m=C3=BCssen, ist erfahrungsgem=C3=A4=C3=9F auch weniger schlimm. Gemeing=C3=BCter und Besitz produzieren ---------------------------------- In jeder Gesellschaft verhalten sich die Menschen zur Natur und zu den Produkten ihres Tuns in einer Weise, die dieser Gesellschaft entspricht. = Im Kapitalismus werden Ideen, Produkte und nat=C3=BCrliche Ressourcen vorwie= gend als Eigentum betrachtet, das nur mit Zustimmung der Eigent=C3=BCmerin ode= r des Eigent=C3=BCmers -- und in aller Regel gegen Geld oder eine andere Gegenl= eistung -- den Besitzer wechseln kann. Bei allgemeiner Peer-Produktion werden sie= dagegen zu Gemeing=C3=BCtern und Besitz, denn wo das Geld =C3=BCberfl=C3=BC= ssig wird, verliert auch das Eigentum, also die Berechtigung, Dinge "zu Geld zu machen", seine Bedeutung. Etwas zu besitzen, bedeutet dagegen, es zu benutzen: Die Wohnung, die ich gemietet habe, ist mein Besitz, aber das Eigentum meines Vermieters. Gemeing=C3=BCter (englisch *commons*) sind G=C3=BCter, die von einer Geme= inschaft produziert oder gepflegt werden und die f=C3=BCr die Nutzerinnen und Nutz= er nach gemeinsam festgelegten Regeln verf=C3=BCgbar sind. Freie Software und Fre= ie Inhalte sind Gemeing=C3=BCter, die alle nicht nur nutzen, sondern auch ve= r=C3=A4ndern und weiterentwickeln d=C3=BCrfen. Wasser, Luft, W=C3=A4lder und Land galt= en oder gelten in vielen Gesellschaften als Gemeing=C3=BCter, die von gr=C3=B6=C3= =9Feren oder kleineren Gruppen genutzt und gepflegt wurden und werden. Peer-Produktion basiert auf Gemeing=C3=BCtern und bringt ihrerseits neue Gemeing=C3=BCter hervor. Deswegen spricht der US-amerikanische Jurist Yoc= hai Benkler, der den Begriff gepr=C3=A4gt hat, auch von *commons-based peer production.* Das von Peers produzierte Wissen -- ob Software, Inhalte ode= r Freies Design, freie Bauanleitungen und Konstruktionspl=C3=A4ne, die die Herstellung, Nutzung und Wartung materieller G=C3=BCter dokumentieren -- = wird zum Gemeingut, das andere anwenden und weiterentwickeln k=C3=B6nnen. Aber= Peer-Produktion kann nicht nur Informationen, sondern auch Infrastrukture= n und materielle G=C3=BCter hervorbringen. So sind in vielen St=C3=A4dten F= reie Funknetze entstanden, die allen in der Umgebung kostenlosen drahtlosen Internetzugang erm=C3=B6glichen. H=C3=A4ufig sind diese Projekte als "Mes= h-Netzwerke" organisiert, die ohne privilegierte Server auskommen -- alle beteiligten Computer sind gleichberechtigt. Mittels solcher dezentraler, selbstorganisierter Netzwerke k=C3=B6nnen sich die Menschen nicht nur mit= Kommunikationsm=C3=B6glichkeiten versorgen, sondern auch mit Energie und = Wasser. Selbstorganisierte commonsbasierte Projekte zur Wasserversorgung existier= en beispielsweise in S=C3=BCdamerika. Gleichzeitig sind auch erste offene Einrichtungen f=C3=BCr die Produktion= materieller G=C3=BCter entstanden. Hackerspaces und Fab Labs werden von Freiwilligen betrieben und verf=C3=BCgen oft =C3=BCber computergesteuerte= Maschinen -- z.B. Fr=C3=A4smaschinen und sogenannte 3D-Drucker oder Fabber --, die = eine weitgehend automatisierte Produktion kleiner St=C3=BCckzahlen erm=C3=B6gl= ichen. Die Baupl=C3=A4ne der verwendeten Maschinen werden nach M=C3=B6glichkeit selb= st als Freies Design offengelegt, und man arbeitet daran, dass sich mit ihnen wiederum mindestens gleichwertige Maschinen herstellen lassen. So schafft= sich die commonsbasierte Peer-Produktion selbst die Basis f=C3=BCr ihre w= eitere Ausbreitung und gleichzeitig f=C3=BCr die Versorgung der Menschen mit dem= , was sie zum Leben brauchen. Wo die Dinge als Gemeing=C3=BCter und Besitz produziert werden, wird die = Frage der Verteilung, die letzte noch offene Geldfunktion, viel entspannter. Ic= h kann beliebig viele Lebensmittel verkaufen, aber nur eine sehr begrenzte Anzahl essen. Dasselbe gilt f=C3=BCr alle anderen G=C3=BCter: Jedes Bed=C3= =BCrfnis, sie zu nutzen, ist tendenziell begrenzt. Grenzenlos ist nur die M=C3=B6glichkeit= und gegebenenfalls das Interesse, sie zu Geld zu machen. Aber diese M=C3=B6gl= ichkeit verschwindet in einer Welt, wo die Produktion bed=C3=BCrfnisorientiert er= folgt und niemand kaufen und verkaufen muss. Gemeinsam gute Entscheidungen f=C3=A4llen ------------------------------------ Peers produzieren f=C3=BCr sich und andere. Ich tue etwas f=C3=BCr die an= deren und vertraue darauf, dass die anderen etwas f=C3=BCr mich tun. Alle suchen si= ch die Bereiche aus, die ihnen wichtig sind oder gut gefallen. Auch wenn einige gar nichts machen, ist das kein Problem, solange nur gen=C3=BCgend andere= aktiv werden. Dabei funktioniert Peer-Produktion immer nur dann, wenn man die anderen tats=C3=A4chlich als Peers, als ebenb=C3=BCrtig begreift. Einzeln= e k=C3=B6nnen sich nicht auf Kosten der anderen verwirklichen, weil die anderen nicht dumm sind und sie dabei nicht unterst=C3=BCtzen werden -- und ohne Unters= t=C3=BCtzung kommt man nicht weit. Auch eine peer-produzierende Gesellschaft wird entscheiden m=C3=BCssen, w= ie die vorhandenen Ressourcen eingesetzt werden -- produziert man lieber Lebensmittel f=C3=BCr alle oder Biosprit, damit einige nach Ersch=C3=B6pf= ung der =C3=96lvorr=C3=A4te weiter Auto fahren k=C3=B6nnen? Setzt man f=C3=BCr di= e Energieversorgung lieber auf dezentrale erneuerbare Energiequellen oder auf Atomkraftwerke,= die die Menschen in ihrer Umgebung einem unkalkulierbaren Risiko aussetze= n und die kommenden Generationen jahrtausendelang mit Verpflichtungen belasten? Baut man am sch=C3=B6nsten Punkt der K=C3=BCste lieber ein Kult= urzentrum, das alle nutzen k=C3=B6nnen, oder ein Schloss f=C3=BCr jemanden, der sich= f=C3=BCr etwas Besseres h=C3=A4lt? Wer verstanden hat, wie und warum Peer-Produktion funktioniert, wird wohl wenig Zweifel haben, wie die Antworten auf diese Fragen ausfallen d=C3=BCrften. Aber das Wichtigste ist, dass sie gestellt= und beantwortet werden k=C3=B6nnen von denen, die sie angehen -- uns allen.=E2= =80=82 Herzliche Gr=C3=BC=C3=9Fe Christian --=20 |------- Dr. Christian Siefkes ------- [email protected] ------- | Homepage: http://www.siefkes.net/ | Blog: http://www.keimform.de/ | Peer Production Everywhere: http://peerconomy.org/wiki/ |---------------------------------- OpenPGP Key ID: 0x346452D8 -- If we do not have the strength to grasp our hands with everyone's hands, if we do not have the tenderness to hold in our arms the children of the world, if we do not have to will to clean the Earth of all its armies; this small planet will be a dry and black body in a black space. -- Oswaldo Guayasam=C3=ADn --------------enigB1679DF60B29E2BE12192428 Content-Type: application/pgp-signature; name="signature.asc" Content-Description: OpenPGP digital signature Content-Disposition: attachment; filename="signature.asc" -----BEGIN PGP SIGNATURE----- Version: GnuPG v1.4.10 (GNU/Linux) Comment: Using GnuPG with Mozilla - http://enigmail.mozdev.org/ iEYEARECAAYFAk3O/oYACgkQ301HxjRkUtiCCACfWfRNwo+JNie14UqGgtDbfBi8 SQ8An3Xxi8cUWk/XrlbkTBIAOq4hOxL5 =TR6Y -----END PGP SIGNATURE----- --------------enigB1679DF60B29E2BE12192428-- ________________________________ Web-Site: http://www.oekonux.de/ Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ Kontakt: [email protected]