Re: [ox-de] Text zu Keimformen bzw. der Entwicklung sozialer Vermittlungsmechanismen
Stefan Nagy <public-Rkx4Xfb3x/[email protected]> Wed, 07 Sep 2011 21:58:44 +0200
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
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| Message-ID | <1315425525.7973.252.camel@rosa> |
--=-Ov5F/wlG2OG2RQ7DCSaA Content-Type: text/plain; charset="UTF-8" Content-Transfer-Encoding: quoted-printable Hallo Hans-Gert, danke f=C3=BCr die Links =E2=80=93 werd sie mir bei Gelegenheit n=C3=A4her = ansehn. > Deinem Argument "... ebenso wenig als kulturelles Ph=C3=A4nomen zu fassen= wie=20 > ein Ameisenstaat oder jede andere emergente Entit=C3=A4t; oder anders ges= agt:=20 > sie w=C3=A4re nicht als menschengemacht zu begreifen." halte ich entgegen= ,=20 > dass die denkenden Ameisen ihren Ameisenstaat auf dieselbe Weise als von= =20 > Ameisen gemacht identifizieren w=C3=BCrden/sollten/m=C3=BCssten als es di= e=20 > Menschen mit ihrer "Kultur" tun. Kulturelle Ph=C3=A4nomene sind also in d= em=20 > Sinne nichts anderes als Naturph=C3=A4nomene der menschlichen Gesellschaf= t,=20 > die _innerhalb_ der durch menschliche Kommunikation konstituierten=20 > Reflexionssph=C3=A4re reflektiert werden. Ich wei=C3=9F nicht, ob ich dich da richtig verstehe =E2=80=93 deswegen hat= s auch so lange mit der Antwort gedauert. Ich antworte jetzt einmal auf Grundlage dessen, was ich glaube verstanden zu haben=E2=80=A6 Mir ist aufgefallen, dass ich in dem Text selbst zwischen Natur und Kultur unterscheide; mir ist eigentlich klar, dass wir nichts anderes als Kultur kennen, weil wir die Dinge an sich nicht erkennen k=C3=B6nnen un= d jede Wahrnehmung bereits als Produkt unserer selbst begriffen werden muss. Ebenso bin ich mir dessen bewusst, dass es absurd ist den Menschen gedanklich aus seinen Kontexten zu l=C3=B6sen bzw. ihn sogar in einen Gegensatz zu diesen zu setzen. Es gilt also grunds=C3=A4tzlich, die Dichotomie Natur/Kultur in beide Richtungen aufzul=C3=B6sen. Ich habe mich im Text und auch bei der von dir zitierten Stelle auf die unmittelbare Wahrnehmungsebene bezogen; eben jene, auf der ich mich und andere als Subjekte erlebe =E2=80=93 wenn ich mich nicht irre, dann ist es = eben diese Ebene, in der du die "Reflexionssph=C3=A4re" ansiedelst. Auf eben dieser Ebene ist das Begriffspaar Natur/Kultur m.E. durchaus n=C3=BCtzlich insofern, als ich auf dessen Grundlage =C3=BCber Handlungsopt= ionen reflektieren kann. Und ja, man kann offensichtlich ein Projekt wie oekonux gr=C3=BCnden, man kann einen Text wie diesen schreiben, etc. Und andererseits nein, die Ebene des grundlegenden gesellschaftlichen Vermittlungszusammenhangs ist (hier und damit =C3=BCberhaupt) nicht verhandelbar. Auf der Mirkoebene nehme ich mich nicht einfach nur aus Lust und Laune als Subjekt wahr, sondern mein Denken & Handeln ist immer auch eine Art der Vergewisserung meines eigenen Subjekt-Status. Ich stimme dem hier naheliegenden Einwand schon zu, dass ich zwar tun, aber nicht wollen kann was ich will =E2=80=93 also auch ich leugne die Existenz eines freien Willens. Aber ich glaube nicht, dass das f=C3=BCr unsere Diskussion hier ei= ne Rolle spielt. Ich betrachte in meinem Text ja die Makroebene und bestreite zuerst einmal deren Verhandelbarkeit. Aber nicht nur das, ich meine (mit Marx, wie ich ihn verstehe) auch, dass sie nicht als Ergebnis der ganz vielen Bewegungen auf der Mikroebene begriffen werden kann, sondern genau anders herum; dass die Mikroebene nur im und aus dem Kontext des Gro=C3=9Fe= n und Ganzen verstanden werden kann. D.h. mein Punkt ist eben genau der, dass die Gesamtheit in *keinem Sinne* als "kulturelles Ph=C3=A4nomen" begriffen werden kann. Es geht mir also nicht um eine allgemein kulturmaterialistische Ansage, sondern darum, dass Gesellschaft in ihrer Gesamtheit auch nicht als kulturelles Ph=C3=A4nomen zu fassen ist, *selbst wenn* ich den Subjekt-Status von Individuen auf der Mikroebene und Kollektiven auf der Mesoebene voll und ganz anerkenne. > "Naturgesetz ihrer Bewegung" kann sich also nur auf die=20 > Unreflektiertheit von Vorg=C3=A4ngen beziehen. Ich denke, dass Marx hier = Kind=20 > seiner Zeit ist und jegliche Reflexionsform der "prescience" abwertet.= =20 > Zumal er mit seinem von euch zu untersuchenden Versuch einer=20 > =C3=B6konomietheoretischen Fundierung (auch wenn sie methodisch mit dem= =20 > geringeren Anspruch der "Kritik" daherkommt) nichts anderes erreichen=20 > m=C3=B6chte als auch die =C3=96konomie zur Science zu "adeln". Wenn ich dich richtig verstehe, dann meinst du, dass die Marx'sche Charakterisierung von Gesellschaft und ihrer Bewegung als "Natur" eine tempor=C3=A4re Zuschreibung ist; also dass es gilt, diese Natur zu unterwerfen und in Kultur =C3=BCberzuf=C3=BChren. Das entspr=C3=A4che dann = meiner Argumentation im ersten Drittel des Textes; also von wegen "klassisch modernes Motiv der Naturbeherrschung". Ich glaube da nicht wirklich dran & m=C3=B6chte die Diskussion, wie Marx da= s eigentlich sieht, auch nicht unbedingt f=C3=BChren. Die vielen unterschiedlichen Zitate, die man in diesem Zusammenhang anf=C3=BChren kann= , zeigen meiner Ansicht nach nur eines: n=C3=A4mlich dass es absurd w=C3=A4re= , ihm eine eindeutige Position zu unterstellen. Was den Marx'schen Szientismus betrifft bin ich ein bisschen vorsichtig, weil ich denke dass er sich der zentralen Bedeutung seiner "Methode", oder anders gesagt seiner Axiome (der Dialektik) durchaus bewusst gewesen sein muss. Aber ich kenn mich zu wenig in der Wissenschaftsgeschichte aus, um beurteilen zu k=C3=B6nnen, wie zu Marx' Zeiten Wissenschaft von Nicht-Wissenschaft unterschieden wurde=E2=80=A6 > Ich wei=C3=9F allerdings nicht, ob du mit solchen =C3=9Cberlegungen bei K= arl=20 > Reitter punkten kannst. Ja, ich hoffe er liest nicht alle Arbeiten die er bekommt ;) Liebe Gr=C3=BC=C3=9Fe, Stefan. --=20 E-Mails signieren & verschl=C3=BCsseln: -> https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Datenschutz -> https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/E-Mail#Vergleich_mit_der_= Postkarte -> https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/GNU_Privacy_Guard Mein =C3=B6ffentlicher OpenPGP-Schl=C3=BCssel: -> http://stefan-nagy.at/public-key.asc --=-Ov5F/wlG2OG2RQ7DCSaA Content-Type: application/pgp-signature; name="signature.asc" Content-Description: This is a digitally signed message part -----BEGIN PGP SIGNATURE----- Version: GnuPG v1.4.11 (GNU/Linux) iEYEABECAAYFAk5nzOsACgkQiORgA3WuZIaY6gCgjPFBgA7MuMenPqGQ+NNnUKiz 1bUAnjLFuYvlkdtL0GQXCm3nSLbNi106 =O+X5 -----END PGP SIGNATURE----- --=-Ov5F/wlG2OG2RQ7DCSaA-- ________________________________ Web-Site: http://www.oekonux.de/ Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ Kontakt: [email protected]