Re: Digitales Signaturfeld
Julius Müller (via tex-d-l Mailing List) <[email protected]>
| Newsgroups | gmane.comp.tex.german |
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| Message-ID | <[email protected]> |
Hallo Axel, Am 15.11.22 um 00:31 schrieb Axel Berger (via tex-d-l Mailing List): > "Julius Müller (via tex-d-l Mailing List)" wrote: >> Eine Prüfung des Zertifikats-Inhalts gibt es also nicht. > OK, ich weiß zugegeben nicht, was ein Zertifikat ist. Ich kenne das Prinzip > der digitalen Unterschrift. Die erstelle ich auch selbst als Paar von einem > privaten Schlüssel, den ich behalte, und einem öffentlichen, den ich > weitergebe. Mit dem öffentlichen kann jeder überprüfen, daß eine Datei mit > dem privaten signiert wurde, aber ohne den ist es praktisch unmöglich, eine > veränderte Version in eine Form zu bringen, die der Prüfung mit dem > öffentlichen standhielte. > > Ich nahm an, das Zertifikat sei so etwas. Ein Zertifikat basiert auf der Technik eines Schlüsselpaares aus öffentlichem und privatem Schlüssel, das ist korrekt. Es bietet erst einmal dieselbe Möglichkeit: Es enthält den öffentlichen Schlüssel eines Schlüsselpaares. Was mit dem öffentlichen Schlüssel verschlüsselt wird, kann nur die Person entschlüsseln, die den privaten Schlüssel hat, und was mit dem öffentlichen Schlüssel entschlüsselt werden kann, muss von der Person verschlüsselt worden sein, die den privaten Schlüssel hat. Für die Person, die den privaten Schlüssel hat und sicher ist, dass niemand sonst diesen haben kann, ist die Situation damit klar. Aber woher weiß die Gegenseite, dass der öffentliche Schlüssel, den sie verwendet, wirklich zu genau dieser Person gehört? Dieses Problem wird bei PGP mit dem "Web of Trust" gelöst, auf das ich hier nicht weiter eingehen möchte. Bei Zertifikaten wird das darüber gelöst, dass es spezielle Zertifizierungsstellen gibt, die das Vertrauen genießen, mit den Zertifikaten, die sie ausstellen, keinen Unfug zu treiben. Diese Zertifizierungsstelle prüft jetzt die Eigentumsverhältnisse – sie prüft, ob die Person, die über das Ver- und Entschlüsseln den Besitz des privaten Schlüssels beweist, auch Kontrolle über die Daten hat, die zusätzlich zum öffentlichen Schlüssel im Zertifikat stehen. Im Endeffekt geht es hier um Identitätsfeststellung. Im einfachsten Fall (bekanntestes Beispiel ist Let's Encrypt) wird nur geprüft und zertifiziert, dass die Person, die den privaten Schlüssel hat, zum Zeitpunkt der Zertifizierung Kontrolle über den Webserver hatte, dessen Name im Zertifikat eingetragen ist. Die hochwertigsten Zertifikate prüfen zusätzlich zum Beispiel den Personalausweis, prüfen über Meldedaten die eingetragene Adresse, etc. Die Informationen zur Person zu dem privaten Schlüssel und die Angabe der Zertifizierungsstelle werden im Zertifikat erst einmal im Klartext eingetragen, und damit das nicht gefälscht werden kann, signiert die Zertifizierungsstelle diese Daten elektronisch, verschlüsselt sie also zusätzlich mit ihrem eigenen privaten Schlüssel (OK, die Details sind etwas komplexer, aber auf Verschlüsseln mit dem privaten Schlüssel läuft es hinaus). Wer jetzt das Zertifikat erhält, nimmt sich als erstes den öffentlichen Schlüssel der Zertifizierungsstelle und prüft die elektronische Signatur. Stimmt sie mit den im Klartext enthaltenen Daten überein, dann ist der im Zertifikat enthaltene Schlüssel zur angegebenen Person gehörig (im Rahmen dessen, was geprüft wurde) und kann nun für die Kommunikation mit dieser Person genutzt werden. Tatsächlich wurde das Problem verschoben: Zur Nutzung wird ein öffentlicher Schlüssel mit einem anderen öffentlichen Schlüssel geprüft. Dazu muss also der öffentlichen Schlüssel der Zertifizierungsstelle (aus unabhängiger Quelle!) bekannt sein. Um aber alle kennen zu können, gibt es zu viele Zertifizierungsstellen. Aus diesem Grund gibt es eine Hierarchie der Zertifizierungsstellen: Auch der öffentliche Schlüssel der meisten Zertifizierungsstellen wird in Form eines Zertifikats verteilt, ausgestellt von speziellen Zertifizierungsstellen. Das reduziert die Zahl der öffentlichen Schlüssel, die im Vorfeld bekannt sein müssen. Für diese paar wenigen gibt es Distributionswege, die unabhängig von möglichen Netz-Manipulationen sind. Über die kann man sie sich beschaffen und ihnen dann entsprechend vertrauen. Ob man diesen Aufwand betreiben möchte, muss man selbst entscheiden. Die meisten Nutzer verlassen sich an dieser Stelle auf die Pakete der Hersteller bzw. Distributoren der von ihnen genutzten Betriebssysteme. Gruß, Julius -- FAQ: http://texfragen.de/ Durchsuchbares Archiv: https://www.listserv.dfn.de/sympa/arc/tex-d-l Unsubscribe/Verwaltung: https://www.listserv.dfn.de/sympa/info/tex-d-l