[ffii] Stoiber, Wuermeling und der "Anziehungsmagnet Microsoft"
PILCH Hartmut <[email protected]> Tue, 4 Feb 2003 22:02:19 +0100 (CET)
| Newsgroups | gmane.org.ffii.neues |
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| Message-ID | <[email protected]> |
Microsoft Deutschland feierte am 28. Januar 2003 in München den 20.
Geburtstag. Darüber wurde an verschiedenen Stellen berichtet.
Interessant sind Aussagen von Otto Schily und insbesondere Edmund
Stoiber, über die in unterschiedlichen Formen berichtet wird.
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-28.01.03-014/
[...]
Der SPD-Politiker verglich die kulturelle Bedeutung des Personal
Computers mit der Erfindung des Buchdrucks. "Der PC ist nicht nur
ein neues Arbeitswerkzeug, sondern hat eine neue Kulturtechnik
begründet." Microsoft habe den Markt von Software unabhängig von
Hardware erst möglich gemacht. "Microsoft steht aber im
Softwaremarkt kein natürliches Monopol zu."
Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber betonte, Microsoft habe mit
seiner Entscheidung, 1983 nach Bayern zu gehen, ein wichtiges Signal
gegeben. "Ohne den Ansiedlungsmagneten Microsoft würde der IT-Standort
in dieser GröÃe und Bedeutung nicht existieren."
[...]
http://de.news.yahoo.com/030129/12/38i8k.html
[...]
Das Innenministerium hat im vergangenen Jahr auch aus
Sicherheitsgründen beschlossen, einen Teil der Computer in der
Verwaltung mit dem freien Betriebssystem Linux auszustatten, das in
scharfer Konkurrenz zum Microsoft-System Windows steht. Anlässlich
des Jubiläums lobte Schily den Beitrag von Microsoft zur Entwicklung
der PC-Software, fügte aber unter Hinweis auf Linux hinzu: «Natürlich
heiÃt das nicht, dass Microsoft eine Art natürliches Monopol
zusteht.»
Der bayerische Ministerpräsident Eduard Stoiber erwiderte: «Im
Gegensatz zur Bundesregierung arbeitet die bayerische Staatsregierung
sehr intensiv mit Microsoft.» Die deutsche Niederlassung des
Software-Konzerns in UnterschleiÃheim sei ein Anziehungsmagnet, ohne
den der IT-Standort München in diesem Umfang nicht existieren würde.
[...]
[Anmerkung: Herr Stoiber hat den Vornamen Edmund, nicht Eduard.
Hoffentlich stimmt der Rest des Beitrags.]
Hörfunkbeitrag in B5 aktuell (Bayerischer Rundfunk) am Sonntag
2. Februar 2003, Gedächtnisniederschrift des Endes des Beitrags kurz
vor 10:30 Uhr:
[...]
Edmund Stoiber versicherte, man bleibe beim Marktführer. Man will
es sich nicht mit dem Ansiedlungsmagneten verscherzen.
Die letzten beiden Versionen bieten Ansatzpunkte, die einmal zu
hinterfragen wären. Ist Microsoft als "Anziehungsmagnet" vielleicht
ein Grund, warum die CSU in Gestalt von MdEP Dr. Würmeling sich so
vehement für die Interessen der Patentlobby stark macht (vor allem,
wenn man mit Microsoft und Siemens eins und eins zusammenzählt ...)?
Vertritt die CSU hier also aus speziellen Gründen
GroÃindustrie-Interessen gegen den Mittelstand, den sich die Union ja
so auf die Fahnen geschrieben hatte?
Wie unsere neueren Statistiken zeigen, meldet Microsoft seit 2002 beim
Europäischen Patentamt mit Abstand mehr Softwarepatente an als irgend eine
andere Firma an:
http://swpat.ffii.org/akteure/microsoft/
http://swpat.ffii.org/patente/zahlen/
IBM ist indes weit abgeschlagen. Auch wenn IBM gegenüber seinen
Aktionären zum neuen Jahr wieder fleiÃig den gegenteiligen Eindruck zu
erwecken versuchte: die Zeiten, wo IBM die Statistik der EPA-Patente
anführte und die Hauptrolle bei der politischen Durchsetzung von
Softwarepatenten in Europa spielte, sind vorbei. S. auch
http://swpat.ffii.org/akteure/ibm/
Bei aller demonstrierten Microsoft-Ferne der Bundesregierung ist nicht
zu vergessen, dass die Bundesregierung eine Spitzenposition unter den
Verfechtern der Softwarepatente in Brüssel einnimmt und seit Jahren
hinter den Kulissen eingenommen hat. Mit ihren Forderungen nach
Programm-Ansprüchen
http://swpat.ffii.org/papiere/eubsa-swpat0202/dkpto0209/
übertrifft die Bundesregierung die Europäische Kommission -- und
wahrscheinlich auch die CSU -- an Gehorsam gegenüber der
Führungsriegen der Patentämter und ihrer Beiräte aus
GroÃunternehmens-Patentjuristen, die sich auch aktiver (wenn auch eher
versteckter) politischer Unterstützung durch Microsoft-Lobbyarbeit in
Berlin und Brüssel erfreuen.
--
Hartmut Pilch, FFII e.V. und Eurolinux-Allianz +49-89-12789608
135000 Stimmen 400 Firmen gegen Logikpatente http://www.noepatents.org/
Bundesregierung Treiber der Textpatente in EU http://swpat.ffii.org/
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