[ffii] Deutschland, Bolkesteins Trojanisches Pferd im Rat
Hartmut Pilch <[email protected]> Wed, 19 May 2004 03:15:08 +0200 (CEST)
| Newsgroups | gmane.org.ffii.neues |
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Der Ministerrat hat entschieden. Im Konzert mit der deutschen Delegation ist es Bolkestein gelungen, einen Scheinkompromiss auszuhandeln, der eine knappe qualifizierte Mehrheit auf die Seite des irischen Dokumentes ziehen konnte. Die einzige Errungenschaft dieses Scheinkompromisses besteht darin, dass nun ein "technischer Beitrag" nicht nur "erfinderisch" sondern auch "neu" sein muss. Was ein "technischer Beitrag" sein soll, wird weder definiert noch erklärt, und nach wie vor darf dieser technische Beitrag ganz aus untechnischen Merkmalen, was auch immer das sein mag, bestehen. Bei dem von der Bundesregierung in Brüssel durchgesetzten Dokument handelt es sich um einen Vorschlag zur grenzenlosen Patentierbarkeit und Patentdurchsetzbarkeit, der in seiner Radikalität den ursprünglichen Vorschlag der Kommission in den Schatten stellt. Verschlechterungen sind insbesondere: (1) feste Verankerung der Softwarepatente im System durch Legalisierung von Programmansprüchen (Art 5(2), von Bundesregierung eingeführt und durchgesetzt) (2) Feststellung, dass das Recht auf Interoperation nur auf dem Wege über Kartellverfahren (mit großem Aufwand und geringer Erfolgschance) erstritten werden kann. Die Version der Kommission hatte dies wenigstens offen gelassen. Mit der Version des Parlamentes, die wirklich die bestehende Gesetzeslage bestätigt und dadurch Softwarepatente effektiv verbietet (aber z.B. ABS-Patente erlaubt), braucht man den Text erst gar nicht zu vergleichen. Die Ministerin lässt derweil auf Heise.de die üblichen Verwirrspiele der Patentlobby um "Programm als solches" vs "Programm mit technischem Beitrag" verbreiten. Mehr zu ihrer Argumentation findet sich bereits in der ersten Presseerklärung vom 26. September 2004, http://swpat.ffii.org/papiere/europarl0309/bmj030926/ mit der das BMJ seine Aktivitäten gegen das Europäische Parlament begann. Laut Koalitionsvereinbarung soll Eigentum an Software durch das Urheberrecht und nicht durch das Patentrecht geregelt werden. Diese Vereinbarung ist zweifellos gebrochen worden --- es sei denn man verwendet auf die Auslegung von Vereinbarungen diejenige Methodik, die Frau Zypries und ihre Ministerialbeamten auf die Auslegung des PatG anwenden. Die FDP hat bereits heute morgen, bevor der Brüsseler Schachzug des BMJ bekannt wurde, eine Presseerklärung veröffentlicht, in der sie die Bundesregierung auffordert, Farbe zu bekennen und das europäische Parlament zu unterstützen. Diese Erklärung basiert auf einer recht weit fortgeschrittenen Konsensbildung innerhalb der FDP. Ähnliche Konsensbildung innerhalb der Österreichischen Freiheitlichen hat dazu geführt, dass Minister Gorbach (BMVIT, FPÖ) sich von der Umgarnung durch sein Patentamt ein wenig gelöst und in Brüssel Enthaltung geübt hat. Mehr dazu via http://kwiki.ffii.org/SwpatcninoDe -- Hartmut Pilch, FFII e.V. und Eurolinux-Allianz +49-89-18979927 320.000 Stimmen 2000 Firmen gegen Logikpatente http://noepatents.org/ Innovation statt Patentinflation http://swpat.ffii.org/ _______________________________________________ Nachrichtenverteiler neues (un)subscribe via http://petition.ffii.org/ [email protected] http://lists.ffii.org/mailman/listinfo/neues