[ffii] Breite Kritik an Patentpolitik - "Letzte Chance" für das Europäische Patentamt
"Ivan F. Villanueva B." <[email protected]> Sat, 18 Apr 2009 15:21:51 +0200
| Newsgroups | gmane.org.ffii.neues |
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| Message-ID | <20090418132151.GE21406@artificialidea> |
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Unter den Rednern waren Repr=E4sentanten von Greenpeace, No Patents on Seeds, Misereor, der bayrische Umweltminister Markus S=F6der und der Gr=FCnder der Free Software Foundation, Richard Stallman. Stallman (konsekutiv =FCbersetzt von FFII-Gr=FCnder Hartmut Pilch) kritisierte die Praxis des EPA auf sch=E4rfste und verglich das Programmieren in Zeiten von Softwarepatenten mit dem Gang durch ein Minenfeld: "Jeder einzelne (Programmier)schritt mag gut gehen, da aber so viele Schritte n=F6tig sind, ist das =DCberqueren des Felds aussichtslos." Um zu verdeutlichen, was Software-Patente f=FCr Programmierer bedeuten, verwendet er die Analogie mit Komponisten. Wie h=E4tte Beethoven seine Symphonien komponieren k=F6nnen, wenn es f=FCr Musik Patente statt Urheberrecht gegeben h=E4tte und Motive, Instrumentenkombinationen oder lediglich der Gebrauch des Notenschemas patentiert gewesen w=E4ren? Stallman rief dazu auf, dem EPA den "vorauseilenden Respekt" zu versagen. Institutionen m=FCssten an ihrem tats=E4chlichen Nutzen gemessen, anstatt bedingslos und sogar im Falle des Mi=DFbrauchs ihrer Befugnisse akzeptiert zu werden. Da sich das EP als "b=F6swillig und korrupt" gezeigt habe, forderte er nachdr=FCcklich dessen Abschaffung. Beim M=FCnchener Aktionstag handelte es sich um die erste gemeinsame Aktion von Software- und Biopatent-gegnern. Die Zusammenarbeit dieser beiden Interessengruppen im Kampf gegen sch=E4dliche Patente sieht Georg Jakob als vom FFII als naheliegenden Schritt: "Softwarepatente und Biopatente haben mehr gemeinsam, als man zun=E4chst vermuten w=FCrde. Die DNA ist schlie=DFlich die Software der Natur." Bei der abendlichen Podiumsdiskussion im Hackerhaus er=F6ffneten sich weitere gemeinsame Problemfelder. Ruth Tippe von "Kein Patent auf Leben" e.V. und Christoph Then von Greenpeace berichteten nicht nur von Patenten auf Zuchtverfahren f=FCr K=FChe, Schweine und Saatgut, sondern sogar von Anspr=FCchen auf Datenbanken, welche bei der Auswertung von Zuchteigenschaften, Milchleistung etc. benutzt werden. Die Monopolanspr=FCche auf Software und Leben im gleichen Patent (wie z.B. EP0637200) erschweren Bauern die Ausf=FChrung eines trivialen und selbstverst=E4ndlichen Schrittes. Prof. Meindl (Klinikum rechts der Isar und Ludwig-Maximilians Universit=E4t) kritisierte in der Diskussion Patente in der medizinischen Grundlagenforschung. Diese f=FChrten dazu, dass zunehmend Gier statt wissenschaflicher Neugier und dem Wunsch, Patienten zu helfen, die Forscher motiviere. Er schilderte, wie der Steuerzahler, der die Forschung schon an der Uni finanziert hat, von den Patentinhabern nochmal zur Kasse gebeten werde: Gewinne w=FCrden privatisiert, Verluste der Allgemeinheit aufgeb=FCrdet. Richard Stallman und Hartmut Pilch erkl=E4rten, warum Bio- und Softwarepatente besonderen Widerstand verdienen, weit mehr als "klassische" Patente z.B. auf technische Entwicklungen in der industriellen Fertigung: Hierbei handele es sich um einen schwerwiegenden Eingriff in die Freiheit sehr vieler B=FCrger, der Bauern, Programmierer, Softwarenutzer und Verbraucher, welcher durch keinen wirtschaftlichen Nutzen aufgewogen werden k=F6nne. Georg Jakob, der die Teilnahme des FFII und den Besuch von Richard Stallman in M=FCnchen organisiert hat, sieht das EPA in Zugzwang: "Das Europ=E4ische Patentamt ist - im Gegensatz zu den europ=E4ischen Landwirten - noch nicht im Informationszeitalter angekommen. Die kommenden Trends liegen in synthetischer Biologie, Bio-Computing und programmierbarer DNA. Damit bekommt die Kombination von Bio- und Softwarepatenten eine zus=E4tzliche Dimension mit unabsehbaren Folgen f=FCr uns alle. Das EPA muss endlich beginnen, sich als Dienstleister an den Menschen und nicht an den Patentantragstellern zu sehen." Jakob erg=E4nzt: "Diese breite Koalition, an der wir vom FFII uns sehr freuen, teilnehmen zu d=FCrfen, zeigt, dass das Europ=E4ische Patentamt zu weit gegangen ist. Auch ohne gleich von Abschaffung des EPA zu reden, steht nun fest: Das EPA muss seinen Kurs korrigieren." =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Hintergrund: =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Sowohl Patente auf Software wie Patente auf Leben fallen unter die Ausschlussklauseln =A752 des Europ=E4ischen Patent=FCbereinkommens (EP=DC).= In beiden F=E4llen versuchte die Europ=E4ische Kommission durch Erlass einer Richtlinie die Patentierbarkeit auf diese Felder auszudehnen. W=E4hrend die Softwarepatent-Richtlinie 2005 endg=FCltig scheiterte, wurde die Biopatent-Richtlinie vom Europ=E4ischen Parlament verabschiedet. Art. 8 (2) der Biopatent-Richtlinie, Der Schutz eines Patents f=FCr ein Verfahren, das die Gewinnung eines aufgrund der Erfindung mit bestimmten Eigenschaften ausgestatteten biologischen Materials erm=F6glicht, umfa=DFt das mit diesem Verfahren unmittelbar gewonnene biologische Material und jedes andere mit denselben Eigenschaften ausgestattete biologische Material, das durch generative oder vegetative Vermehrung in gleicher oder abweichender Form aus dem unmittelbar gewonnenen biologischen Material gewonnen wird. =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Links: =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D * Das Patent EP 1651777 "Verwendung eines Einzelnukleotid-Polymorphismus im codierenden Bereich des Leptinrezeptor-Gens aus Schwein zur Verbesserung der Schweinefleischproduktion" (pdf) https://publications.european-patent-office.org/PublicationServer/getpdf= .jsp?cc=3DEP&pn=3D1651777&ki=3DB1 PM von Greenpeace zur Erteilung des Patents: http://www.greenpeace.de/tip/themen/meere/presseerklaerungen/artikel/umf= assendes_patent_auf_schweine_erteilt/ Die Darstellung des EPA: http://www.epo.org/about-us/press/releases/archive/2009/20090409_de.html * Das Patent EP 0637200 "Verwaltungsverfahren f=FCr Rinderherde" (pdf) https://publications.european-patent-office.org/PublicationServer/getpdf= .jsp?cc=3DEP&pn=3D0637200&ki=3DB1 * Kein Patent auf Leben e.V. http://www.keinpatent.de/ * Aktionstag gegen Bio- und Software-Patente (Fotos und Videos) https://www.ffii.de/wiki/AktionstagMuenchen090415 =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Kontakt =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Georg Jakob gjakob (at) ffii.org FFII Deutschland de-help (at) ffii.org Tel.: +49-30-417-22-597 Fax B=FCroservice: +49 721 509663769 https://www.ffii.de/ FFII Berliner Gesch=E4ftsstelle Malm=F6er Str. 6 10439 Berlin Deutschland =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D =DCber den FFII =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Der FFII ist ein in mehreren europ=E4ischen L=E4ndern eingetragener gemeinn=FCtziger Verein, der die Entwicklung =F6ffentlicher Informationsg=FCter auf Grundlage des Urheberrechts, freien Wettbewerbs und offener Standards unterst=FCtzt. =DCber 1000 Mitglieder, 3.500 Unternehmen und 100.000 Unterst=FCtzer haben den FFII beauftragt, ihre Interessen bez=FCglich Eigentumsrechten im Bereich der Datenverarbeitung zu vertreten. _______________________________________________ Nachrichtenverteiler neues = [email protected] https://lists.ffii.org/mailman/listinfo/neues