[ffii] Amazons Geschenkbestellungspatent wird zum Wiedergänger
[email protected] Wed, 11 Nov 2009 22:56:04 +0100 (CET)
| Newsgroups | gmane.org.ffii.neues |
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| Message-ID | <[email protected]> |
Pressemitteilung - [Europa / Wirtschaft / Innovation] =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Amazons Geschenkbestellungspatent wird zum Wiederg=E4nger =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D M=FCnchen, den 11. November 2009 -- Amazons Verz=F6gerungstaktik war in der Berufungsverhandlung gegen den Einspruch des F=F6rdervereins f=FCr eine freie informationelle Infrastruktur (FFII) zum One-Click Geschenkbestellungspatent erfolgreich: Das Europ=E4ische Patentamt (EPA) spielt mit und verweist den Fall zur=FCck an die Erstinstanz. Amazon kann somit weiterhin Monopolanspr=FCche auf online Geschenk-Bestellung geltend machen. Die Technische Beschwerdekammer beim Europ=E4ischen Patentamt hatte heute =FCber Amazons 'Patent auf Geschenkbestellung' EP0927945, den europ=E4ischen Zwilling von Amazons ber=FCchtigtem One-Click US-Patent zu entscheiden. Im Jahre 2007 wurde das Patent auf Betreiben des FFII und weiterer Beschwerdef=FChrer durch die Einspruchsabteilung des EPA aufgehoben. Gegen die Aufhebung hatte Amazon Berufung eingelegt. Am heutigen 11. November - p=FCnktlich zum Karnevalsanfang - wurde die Entscheidung der Einspruchsabteilung aufgehoben. Das Patent, das in seinen Anspr=FCchen Elemente wie einen Online-Einkaufswagen, die Suche nach Adressdaten im Internet und die Nachfrage via Email nennt, bleibt damit in Kraft. In der Verhandlung fand ein klassischer 'Deal' statt: Der Amazon-Anwalt, der sich zuvor beschwert hatte, dass es "bisher un=FCblich gewesen sei, dass das Patentamt Patente so ganz einfach und g=E4nzlich ohne Reue und Scham wieder aufhebe", zog alle Antr=E4ge bis auf einen zur=FCck. Der verbliebene Antrag war bisher aufgrund von Formm=E4ngeln als unzul=E4ssig erachtet worden. Die Beschwerdekammer aber teilte diese Bedenken nicht. Mit diesem Trick konnte sie die Sache zur neuerlichen Pr=FCfung an die erste Instanz zur=FCckverweisen und die Entscheidung der Einspruchsabteilung aufheben. Das Verfahren um Amazons Geschenkbestellungs-Software zieht sich bereits =FCber 11 Jahre hin. Da der Fall nunmehr an die Unterinstanz zur neuerlichen Befassung zur=FCck geht, ist kein Ende absehbar. Der Fall ist keineswegs eine Ausnahme: Von der Anmeldung bis zur endg=FCltigen Aufhebung von Monsantos Soja-Patent EP301749 dauerte es insgesamt 18 Jahre - die maximale 'Lebensdauer' eines g=FCltigen Patents betr=E4gt 20 Jahre. W=E4hrend dieser Zeit bleibt das mit dem Patent erteilte Monopol voll in Kraft, und konnte im Fall Monsanto genutzt werden, um ein umfangreiches Portfolio von 152 =E4hnlichen Patenten aufzubauen. Nach eigenen Angaben sind beim EPA alleine im Vorjahr 9520 Patentantr=E4ge aus dem Bereich Datenverarbeitung eingelangt. Gegen=FCber 2007 bedeutet dies einen weiteren Anstieg von 4,9%. Dabei r=E4umt das Amt selbst ein, dass es inzwischen kaum noch Technologiefelder gebe, in denen Softwarepatente (in der Diktion des Patentamts als 'computer-implementierte Erfindungen' bezeichnet) keine Rolle spielten. Die Dunkelziffer d=FCrfte somit wesentlich gr=F6=DFer sein als aus den patentamtlichen Statistiken hervorgeht. In der Sache verwahrte sich die Beschwerdekammer dagegen, den materiellen Ausschluss von Patenten auf Software zu diskutieren. Da die beanspruchten Abl=E4ufe auf einem Computer stattfinden k=F6nnten, seien sie keine Software als solche, sondern grunds=E4tzlich technisch und damit einer Patentierbarkeit zug=E4nglich. Die Einspruchsabteilung habe zwar zurecht eingewandt, dass es an Erfindungsh=F6he mangele, weil nur eine Gesch=E4ftsmethode auf einem Computer ausgef=FChrt werde. Es werde nichts erfunden, sondern lediglich programmiert. Konsequenzen hatten diese =DCberlegungen aber nicht. Georg Jakob, der den FFII in dem Verfahren vertrat, kommentiert: "Mit der g=E4ngigen Praxis, Software erst einmal zu patentieren und sp=E4ter, falls sich trotz der damit verbundenen M=FChen und Kosten einmal jemand beschwert und Einspruch erhebt, jahrelang hin und her zu pr=FCfen, werden nur Ressourcen verschwendet sowie Rechtsunsicherheiten geschaffen. Die Fakten m=FCssten zu einer Ablehnung in einem viel fr=FCheren Stadium f=FChren, denn sie zeigen, dass es sich hier schlicht und einfach um Software geht - und die ist nach dem Europ=E4ischen Paten=FCbereinkommen (EP=DC) kein patentf=E4higer Gegenstand." Jakob schlie=DFt: "Es geht hier nicht zuletzt darum, wie weit man zul=E4sst, dass ein Amt den Willen des Gesetzgebers entstellt. Dieser Wille ist wiederholt klar zum Ausdruck gebracht worden, etwa durch die Weigerung der Diplomatischen Konferenz zum EP=DC im Jahr 2000, das Verbot der Softwarepatentierung zu streichen, sowie durch die Ablehnung der Softwarepatent-Richtlinie 2005 im Europ=E4ischen Parlament. Wenn die Patentlobby das nicht akzeptieren will, dann muss der Gesetzgeber noch unmissverst=E4ndlicher werden und zu einer materiellen Patentrechtsreform schreiten, die mit Missbrauch ein f=FCr alle mal aufr=E4umt." Der Pr=E4sident des FFII, Benjamin Henrion fordert eine wirksame Kontrolle des Patentamts: "Dieser Fall zeigt einmal mehr, dass es einfach nicht funktioniert, dem Patentsystem die Kontrolle =FCber sich selbst zu =FCberlassen. Zu glauben, das Patentamt w=E4re in der Lage zwischen der Rolle als Dienstleister an seinen Kunden, den Patentinhabern, und der einer objektiven Kontrollinstanz nach Bedarf zu wechseln, ist einfach illusorisch. Das EPA muss unter eine echte richterlichen Kontrolle und zwar durch unabh=E4ngige Gerichte. In den Vereinigten Staaten kontrolliert der Supreme Court das Patentamt in letzter Instanz, in Europa k=F6nnte das der EuGH =FCbernehmen. Jede Art von `Spezialgericht' aber w=FCrde die gegenw=E4rtigen inzestu=F6sen Tendenzen nur noch verst=E4rken." =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Hintergrund und weitere Informationen: =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D * Geschenkbestellungspatent EP0927945 (engl.): http://v3.espacenet.com/textclam?DB=3DEPODOC&IDX=3DEP0927945&CY=3Dep&QPN=3D= EP0927945 * Verbot der Patentierung von Programmen f=FCr Datenverarbeitungsanlagen: http://www.epo.org/patents/law/legal-texts/html/epc/2000/d/ar52.html * Verfahren zu Amazons Geschenkbestellungspatent: https://www.ffii.de/wiki/EinspruchGeschenkPatent * Presseerkl=E4rung von Greenpeace zum Monsanto-Soja-Patent: http://www.greenpeace.de/themen/gentechnik/nachrichten/artikel/bleibt_gen_s= oja_monsanto_soja/ * No Patents on Seeds zum Monsanto-Soja-Patent (engl.): http://www.no-patents-on-seeds.org/index.php?option=3Dcom_content&task=3Dvi= ew&id=3D23&Itemid=3D20 * Die Diplomatische Konferenz zum EP=DC im Jahr 2000: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/4/4308/1.html * Petition des FFII f=FCr eine nachhaltige Patentreform in Europa: http://stopsoftwarepatents.eu/ * Dauerhafter Link zu dieser Pressemitteilung: https://www.ffii.de/wiki/PmAmazonOneClick091111De =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Kontakt: =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Georg Jakob gjakob at ffii.org (Deutsch/Englisch/Italienisch) FFII e.V. Gesch=E4ftsstelle M=FCnchen Blutenburgstrasse 17 80636 M=FCnchen Telefon: +49-30-41722597 Fax Service: +49-721-509663769 Email: muenchen-help at ffii.org https://www.ffii.de =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D =DCber den FFII =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Der FFII ist ein in mehreren europ=E4ischen L=E4ndern eingetragener gemeinn=FCtziger Verein, der die Entwicklung =F6ffentlicher Informationsg=FCter auf Grundlage des Urheberrechts, freien Wettbewerbs und offener Standards unterst=FCtzt. =DCber 1000 Mitglieder, 3.500 Unternehmen und 100.000 Unterst=FCtzer haben den FFII beauftragt, ihre Interessen bez=FCglich Eigentumsrechten im Bereich der Datenverarbeitung zu vertreten. _______________________________________________ Nachrichtenverteiler neues = [email protected] https://lists.ffii.org/mailman/listinfo/neues