Re: [ox-de] Re: Nochmal: gesellschaftliche Natur
Hans-Gert Gräbe <hgg-/a/s/[email protected]>
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
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| Message-ID | <[email protected]> |
Hallo Jac, danke für deine sehr klaren Ergänzungen, insbesondere noch einmal der Betonung, dass es auch aus deiner Sicht primär auf die interpersonalen Beziehungen unter Berücksichtigung *beider* Enden ankommt. Jac wrote: > Das Wesen der Gesellschaft sind die interpersonalen Beziehungen der > Individuen untereinander. "Einzelinstanz einer Gemeinschaft" bedeutet > hier, daà von den Individuen interpersonale Beziehungen eingegangen > oder verweigert werden, zum Begreifen dieser Beziehungen aber immer > die Betrachtung von mindestens zwei Instanzen oder Individuen einer > Gemeinschaft gehört - von Sender und Empfänger, wenn man so will. > > Man sollte hier nicht die gesellschaftliche Wirkung interpersonaler > Beziehungen auf das Wesen des Individuums mit der Betrachtung der > Gesellschaft als ihrem Wesen nach ein Geflecht interpersonaler > Beziehungen vermengen. Sonst kommen da solche Scheinargumente > wie oben heraus, durch die ihr beide lange aneinander vorbeireden > könnt. ------ > Wobei die Verwertungslogik nur eine Verschleierung der Logik des > Machtmodelles ist. Ãbe ich Macht aus, um ein mir zusagendes > Verhalten eines anderen zu erzwingen, welches dieser mir gegenüber > augenblicklich nicht zeigt bzw. auch nicht auf die Idee kommt, es mir > gegenüber jetzt zu zeigen, so verwerte ich ihn. Ich handle stark > narzisstisch, indem ich den anderen zu benutzen suche wie ein > Körperteil von mir, indem ich ihn und sein mir zusagendes, von ihm > erzwungenes Verhalten zur Funktion meines Wohles mache. In diesem Sinne transportiert die Verwertungslogik etwas und ist nicht "das Ãbel" selbst. Wenn ich für eine genauere Analyse der Wertform plädiere, dann will ich das endlich mal sauber auseinandernehmen und nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Und habe hierzu seit längerem klare Thesen. Dass ich hier mit anderen "Ossis" was gemeinsam habe ist mir durchaus ein Trost: (Stefan Meretz am 19.9.) > Das ist völlig nachvollziehbar, dass auch Heinz P. genauso wie du und > Ruben und die wahrscheinlich übergroÃe Mehrheit der Ossis (die das > überhaupt noch interessiert) so argumentieren. Es ist - und das wurde > von Seiten der unterschiedlichen Richtungen der Wertkritik bis in die > kleinsten Winkelzüge ausargumentiert - trotzdem nicht haltbar. Es ist > menschlich und aus der Geschichte der Theorieentwicklung im Osten > völlig nachvollziehbar, aber trotzdem falsch. (Ja, ja, das ist _meine_ > Meinung etc. pp.) Ich glaube nicht, dass diese "Ossis" (etwa Ruben - im Ãbrigen auch "Südis" wie Peter Fleissner) die Wertkritik nicht sehr genau studiert haben. Scheint ihnen (wie mir) trotzdem nicht plausibel zu sein. Mit der Kategorie "falsch" habe ich in dem Zusammenhang meine Schwierigkeiten. Sie riecht so sehr nach letzten Wahrheiten. Kann sein, dass da meine Ossi-Nase in 40 Jahren (na gut, bei mir nur 35) besonders geschädigt wurde. > Das Dilemma dieser Gesellschaft besteht auch darin, die gesellschaftliche > Produktion des Lebens gröÃtenteils verkürzt auf die ökonomische Produktion > zu begreifen, in den Begriffen der Ãkonomie zu denken und sich der weiter > gehenden Dimension der Produktion des Lebens im reflexiven Bereich zu > verweigern. Die Produktion des Lebens erzeugt ein dialektisches Verhältnis > zwischen der Persönlichkeit des gesellschaftlichen Individuums und der > sozial-ökonomischen und reflexiven Struktur der Gesellschaft. Es werden > Individuen geformt, die nicht einfach "die Gesellschaft beliebig neu erfinden > können", eben weil ihr Leben in der alten Gesellschaft ihr ganzes Wesen so > geformt hat, daà es ohne Therapie, ohne ein Anknüpfen an den Prozess der > Entwicklung eigener Autonomie (als Ãbereinstimmung mit allen Gefühlen, > Wünschen und Bedürfnissen) nur in die alte Gesellschaft paÃt. Zustimmung. Womit wir relativ zügig thematisch beim Potsdamer Manifest sind. >> s.mz: Diese schlieÃt ein, auch "nein" sagen zu können - und das tue >> ich an der Stelle. Der Grund dafür ist, dass ich diverse >> Rechtfertigungs- und reziproke Vorwurfsrunden für nicht sinnvoll >> halte. Ich habe meinen Eindruck geschildert und Hans-Gert seinen - >> und gut ist es (erstmal). > > Womit Du durch die Hintertür die Illusion einer Unabhängigkeit von der > Formung des Wesens des Menschen durch die Gesellschaft - seiner > Persönlichkeit - wieder einführst. Nein, Jac, dieses "Nein"-Sagen ist m.E. diskursiv motiviert und eine Form des "Ich"-Sagens, für das du gerade eben noch vehement eine Lanze gebrochen hast. AUÃerordentlich sinnvoll als Reaktion auf meinen Diskursteil, um die Debatte wirklich auf die analytische Ebene zu bekommen. Sozusagen "kühlen Kopf zu bewahren." Gerade Stefan eine solche "Illusion" zu unterstellen halte ich für abwegig. Viele GrüÃe, hgg -- Prof. Dr. Hans-Gert Graebe, Inst. Informatik, Univ. Leipzig Augustusplatz, D-04109 Leipzig, Raum 5-53 tel. : +49 341 97 32248 email: graebe-jNDFPZUTrfTw9Zu3TmXbXSJk02hg1TJes0AfqQuZ5sE@public.gmane.org Home Page: http://www.informatik.uni-leipzig.de/~graebe ________________________________ Web-Site: http://www.oekonux.de/ Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ Kontakt: [email protected]