[ox-de] Re: Erkenntnisinteresse
Hans-Gert Gräbe <hgg-/a/s/[email protected]>
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
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| Message-ID | <[email protected]> |
Hallo Stefan, Stefan Meretz wrote: > Es sind kleine Worte, die ganze Verhältnisse zu scheitern bringen > können. Mein Wort hier ist das der "Prägung". Es kommt aus der Münzerei > oder Verwandtem und ist für eine Beschreibung des Verhältnisses von > Mensch und Gesellschaft unangebracht (weil im strengen Sinne falsch, > aber wer benutzt es im Alltag nicht). "A prägt B", nein, so ist es > nicht. Es sind zwei Seiten derselben Medaille und im Ansatz der Koevolution (also einer dynamischen Betrachtungsweise) durchaus sinnvoll zu fassen. Individualentwicklung als kurzwelliger und Gesellschaftsentwicklung als langwelliger Prozess. Die allein schon aus diesem Unterschied in der Zeitschiene ihre gegensätzliche Grundcharakteristik beziehen: Gesellschaftsentwicklung in ihrer nivellierenden, normierenden Wirkung auf Indivudalentwicklung (als Extrapolation der Erfahrungen der Vergangenheit) und Individualentwicklung in ihrer subversiven, Grenzen auslotenden und überschreitenden Wirkung auf die Gesellschaftsentwicklung (als Eintrag der Wahrnahme der heutigen Praxis). Insofern ist m.E. der Ausdruck "prägt" fehl am Platze, wenn er mechanisch-materialistisch verstanden wird, spiegelt aber die Realität durchaus in erster Näherung richtig wider, wenn man ihn als Element eines "geistig-lebendigen Kosmos" eines Mehrskalenmodells nimmt. > Natürlich wirst du nicht bestreiten, dass die Klein-Subjekte > andererseits eben jene beschriebene Gesellschaft re/produzieren. Das > nehme ich jetzt mal an. Wie bekommst du es nun aber logisch > zusammengedacht, dass die Klein-Subjekte jenes Big-Subjekt produzieren, > dessen Präge-Ergebnis sie sind? Das ist - nur auf der logischen Ebene - > ein infiniter Regress, ein unendlicher Zyklus. Ist es auch, denn die Klein-Subjekte finden das aus dem Gestern überlassene Big-Subjekt vor und produzieren das morgige. Damit hast du automatisch einen Gradient beim Big-Subjekt drin und auch die einzig mögliche Art der Einflussnahme: Die "je Klein-Subjekte" haben Zugriff nicht auf die EntwicklungsgröÃen des Big-Subjekts, sondern nur auf deren Ableitung. Das ist aber in (mathematischen) Modellen dynamischer Systeme allgegenwärtig. Viele GrüÃe, hgg -- Prof. Dr. Hans-Gert Graebe, Inst. Informatik, Univ. Leipzig Augustusplatz, D-04109 Leipzig, Raum 5-53 tel. : +49 341 97 32248 email: graebe-jNDFPZUTrfTw9Zu3TmXbXSJk02hg1TJes0AfqQuZ5sE@public.gmane.org Home Page: http://www.informatik.uni-leipzig.de/~graebe ________________________________ Web-Site: http://www.oekonux.de/ Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ Kontakt: [email protected]