Re: [ox-de] Oekonux Kritik auf http://marx101.blogspot.com/
Helmuth Supik <[email protected]> Sat, 31 Oct 2009 12:53:53 +0100
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
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| Message-ID | <[email protected]> |
Franz Nahrada schrieb: > Folgendes fand ich im Weblog einer Seite von der man 30 Jahre lang > verleichsweise wenig gehört hat, der Konstanzer Wertformanalyse. Obs auch > wirklich von dort ist weiß ich allerdings nicht. Interessant zu lesen ist > es jedenfalls. Der Autor greift die Unterscheidung zwischen einfach und > doppelt freier Software zunächst *an*, um sie im nächsten Schritt selber > positiv *auf*zugreifen. Dabei zeigt er tatsächlich ein paar theoretische > Leerstellen auf. > > (Die unsägliche Formatierung im Weblog http://marx101.blogspot.com/ mit > den reinvermantschten Fussnoten macht das Lesen des Aufsatzes allerdings > nicht gerade leicht, aber hier sind mal zentrale Zitate:) > > > "Bislang galt: Freie Software wird ausschließlich in „Nischen“ > kapitalistischer Vergesellschaftung geschaffen (Uni, private > Selbstausbeutung), die ohne die kapitalistische Lohnarbeit nicht > existieren würden. Zu Beginn der Entstehung von Freier Software war dies > tatsächlich so. Inzwischen gibt es jedoch eine Reihe von sog. Global > Players (IBM, Sun Microsystems, Intel, etc.) welche EntwicklerInnen > hauptberuflich für die Produktion Freier Software beschäftigen. Neben den > bereits erwähnten Vorteilen bedeutet es für diese Firmen auch, dass wenn > sie sich an der Entwicklung eines selbständigen freien Softwareprojekts > beteiligen, sie einen Fuß in der Tür dieses Projekts haben und sowohl die > Entwicklungsrichtung mitbestimmen als auch von der Arbeit der Community > profitieren können. Die Beteiligung großer Software-Konzerne an Freier > Software hat einen vergleichbaren strategischen Stellenwert wie die > Mitarbeit derselben Konzerne in Standardisierungsgremien." (13) > > > "Gerade in ihren entwickeltesten Bereichen werden die Potenziale immer > wieder durch Produktionsverhältnisse begrenzt, die teilweise > anachronistisch wirken. Im Bereich der Informationstechnologien scheint > selbst das Kapital zu der Einsicht zu gelangen, dass neue Formen der > dezentral vernetzten Zusammenarbeit wie sie durch Informationstechnologien > ermöglicht werden, profitabler sind als traditionelle Formen entfremdeter > Arbeit unter den Prämissen des Ausschlusses und der Arbeitsteilung, selbst > wenn damit Teilautonomie und Selbstorganisation Einzug in die > Arbeitsorganisation halten. Die Modelle zur Arbeitsorganisation in > Softwareprojekten wie bspw. SCRUM, Extreme Programming oder Agile > Softwareentwicklung füllen die Seiten der Managementliteratur zumindest > für den Sektor der Informationswirtschaft und lösen hinsichtlich ihres > Hypes ältere toyotistische Managementmodelle, die zuerst in der > Automobilproduktion Verwendung fanden, wie Lean Production, > Just-in-time-Produktion, etc. ab bzw. entwickeln sie weiter. " (14) > > "Ist das Entwicklungsmodell Freier Software nur ein Hobby innerhalb einer > gesellschaftlichen Nische und somit Teil der kapitalistischen > Produktionsweise, so wie Tätigkeiten innerhalb der Familie oder > ehrenamtliche Freiwilligenarbeit? Oder ist es schon eine Keimform für > etwas neues innerhalb des Alten? Oder sehen wir am Ende gar nur eine > erneuerte, d.h. renovierte Variante des Kapitalismus damit aufziehen? Wie > lässt sich die folgende Feststellung erklären? „Im Gegensatz zu allen > früheren Beispielen konnte sich freie Software aber nicht nur eine Nische > sichern, sonder wächst im Gegenteil immer weiter und wird nach und nach zu > einer ernsten Bedrohung für die proprietäre Software“ (Meretz/Merten 2005: > 298). Bringt Freie Software eine Voraussetzung für einen Verein > unmittelbarer Produzenten? Entspricht Peer-Ökonomie bzw. Commonismus dem > Kommunismus bzw. der kommunistischen Produktionsweise wie Marx sie > entwarf?" > > "Teile dieser periodisierenden Abfolge von fünf qualitativen > Entwicklungschritten erinnern entfernt an das gramscianische > Hegemoniekonzept, mit dem Machtgewinnungs- und -ausübungsformen zwischen > Staaten, Gruppen von Staaten und Gruppen innerhalb von Staaten (z.B. > zwischen herrschenden und subalternen Klassen) analysiert werden, ohne > jedoch die Flexibilität des Hegemoniebegriffs zu erreichen oder die > Menschen und ihre Handlungsfähigkeit im gleichen Ausmaß in den Mittelpunkt > zu stellen. Immerhin kann mit der Keimformthese aber ein dialektisches > Nebeneinander unterschiedlicher und widersprüchlicher Produktionsweisen > innerhalb einer Gesellschaft beschrieben werden und somit das Problem > vermieden werden, das Kurz wie folgt beschreibt: Die angebliche Blindheit > des Marxismus für die „Frage des Übergangs, der praktischen > Transformationsbewegung, des berühmten ‚Herankommens‘ an eine > nicht-wertförmige Reproduktion“ (Kurz 1997). > > Während Kurz es in seinem Artikel von 1997 noch nicht gelingt, zu > entwickeln, wie die „Mikroelektronik als universelle Rationalisierungs- > und Kommunikationstechnologie“ (ebda.) die Transformation zu einer neuen > Gesellschaft befördern kann, meinen Meretz und Merten beinahe ein > Jahrzehnt später in dem Entwicklungsmodell für Freie Software eine > gesellschaftliche Form gefunden zu haben, die die kapitalistische > Produktionsweise in Frage stellt, sich in ihr zur Reife entwickelt und > darüberhinaus das Potenzial besitzt, das Zeitalter einer kommunistischen > Produktionsweise einzuläuten. Mit Hintergrundwissen aus der Informatik, > Erfahrungen aus der Praxis der Freien Softwareentwicklung und einem Schuss > utopischen Voluntarismus gelingt es ihnen, die bei Kurz noch vorhandene > Lücke zu schließen und mit einem konkreten Fallbeispiel einer Keimform auf > dem letzten Stand der Produktivkraftentwickung im hochtechnologischen > Kapitalismus zu argumentieren. " (20(21) > > "Fazit Die These der nicht Warenförmigkeit Freier Software und die These > der Keimform einer nichtkapitalistischen Produktionsweise, lässt sich bei > näherem Hinschauen nur mit diversen Kunstgriffen aufrecht erhalten. Die > mannigfaltigen, von den Vertretern dieser These erkannten > Erscheinungsformen der Verwertbarkeit von Freier Software im Rahmen der > kapitalistischen Produktionsweise werden von ihnen oft als > Ausnahmeerscheinungen abgetan. So werden die meisten (GPL-artigen) Open > Source Varianten von vorneherein aus der These ausgeklammert und selbst > bei der Freien Software, bei der alle Voraussetzungen wie freie > Verfügbarkeit, freie Quellen, freie Änderbarkeit und freie Verteilbarkeit > erfüllt sind, müssen sie noch unterscheiden zwischen „einfach freier > Software“ (Software, die unter Lohnarbeitsverhältnissen entwickelt wird) > und „doppelt freier Software“ (die in der Freizeit und unter Bedingungen > freier Selbstentfaltung zustande kommt) um die These aufrecht zu erhalten. > Nicht abgestritten aber vernachlässigt wird die Unsitte der > Doppellizensierung, also der bemerkenswerten Ausbeutung der > unentgeltlichen Arbeit der Open Source Community durch die > Privatwirtschaft und deren Verwertungsinteressen. Das emanzipatorische > Potenzial des Ideals der Freien Softwareentwicklung soll hier nicht in > Frage gestellt werden sondern kritisch die vielfältigen Wege aufgezeigt > werden, wie Freie Software immer besser in die kapitalistische > Produktionsweise integriert wird und keine reale Gefahr für das System des > Kapitalismus mehr darstellt. Man könnte auch, um im Bild der Keimformthese > (Mertez/Merten 2005: 303ff.) zu bleiben, sagen, dass wenn die Keimform > theoretisch zwei Richtungen einschlagen kann, so liegt die „Integration in > das Alte“ sprich in die kapitalistische Produktionsweise immer näher und > unterstreicht die These von Marx, dass für den Kapitalismus „sämtliche > gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren“ geradezu > eine Existenzbedingung ist (MEW 4: 465). Dass es noch möglich ist, den Weg > aus der Restauration des Alten herauszugehen, soll dabei jedoch nicht > ausgeschlossen werden." (24) > > > ________________________________ > Web-Site: http://www.oekonux.de/ > Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ > Kontakt: [email protected] > > imho kann man auf die Kreativität und ManPower der Community nicht verzichten. Auch organisatorisch ist es für die Großen einfacher. Was mich erstaunt, dass relativ Wenige diese Vorteile erkannt haben und nutzen. p&l, Helmuth -- life jazz sound opensource aurobindo ________________________________ Web-Site: http://www.oekonux.de/ Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ Kontakt: [email protected]