Re: [ox-de] Oekonux Kritik auf http://marx101.blogspot.com/
Stefan Meretz <stefan-/[email protected]> Sat, 31 Oct 2009 14:07:10 +0100
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
|---|---|
| Message-ID | <[email protected]> |
Danke, Franz! Ich habe den Artikel nochmal formatiert, weil er wirklich gar so schrecklich zu lesen war: http://www.keimform.de/2009/10/31/repost-ueber-den-commonismus/ Ciao, Stefan On 2009-10-31 09:28, Franz Nahrada wrote: > Folgendes fand ich im Weblog einer Seite von der man 30 Jahre lang > verleichsweise wenig gehört hat, der Konstanzer Wertformanalyse. Obs > auch wirklich von dort ist weià ich allerdings nicht. Interessant zu > lesen ist es jedenfalls. Der Autor greift die Unterscheidung > zwischen einfach und doppelt freier Software zunächst *an*, um sie im > nächsten Schritt selber positiv *auf*zugreifen. Dabei zeigt er > tatsächlich ein paar theoretische Leerstellen auf. > > (Die unsägliche Formatierung im Weblog http://marx101.blogspot.com/ > mit den reinvermantschten Fussnoten macht das Lesen des Aufsatzes > allerdings nicht gerade leicht, aber hier sind mal zentrale Zitate:) > > > "Bislang galt: Freie Software wird ausschlieÃlich in ÂNischen > kapitalistischer Vergesellschaftung geschaffen (Uni, private > Selbstausbeutung), die ohne die kapitalistische Lohnarbeit nicht > existieren würden. Zu Beginn der Entstehung von Freier Software war > dies tatsächlich so. Inzwischen gibt es jedoch eine Reihe von sog. > Global Players (IBM, Sun Microsystems, Intel, etc.) welche > EntwicklerInnen hauptberuflich für die Produktion Freier Software > beschäftigen. Neben den bereits erwähnten Vorteilen bedeutet es für > diese Firmen auch, dass wenn sie sich an der Entwicklung eines > selbständigen freien Softwareprojekts beteiligen, sie einen Fuà in > der Tür dieses Projekts haben und sowohl die Entwicklungsrichtung > mitbestimmen als auch von der Arbeit der Community profitieren > können. Die Beteiligung groÃer Software-Konzerne an Freier Software > hat einen vergleichbaren strategischen Stellenwert wie die Mitarbeit > derselben Konzerne in Standardisierungsgremien." (13) > > > "Gerade in ihren entwickeltesten Bereichen werden die Potenziale > immer wieder durch Produktionsverhältnisse begrenzt, die teilweise > anachronistisch wirken. Im Bereich der Informationstechnologien > scheint selbst das Kapital zu der Einsicht zu gelangen, dass neue > Formen der dezentral vernetzten Zusammenarbeit wie sie durch > Informationstechnologien ermöglicht werden, profitabler sind als > traditionelle Formen entfremdeter Arbeit unter den Prämissen des > Ausschlusses und der Arbeitsteilung, selbst wenn damit Teilautonomie > und Selbstorganisation Einzug in die Arbeitsorganisation halten. Die > Modelle zur Arbeitsorganisation in Softwareprojekten wie bspw. SCRUM, > Extreme Programming oder Agile Softwareentwicklung füllen die Seiten > der Managementliteratur zumindest für den Sektor der > Informationswirtschaft und lösen hinsichtlich ihres Hypes ältere > toyotistische Managementmodelle, die zuerst in der > Automobilproduktion Verwendung fanden, wie Lean Production, > Just-in-time-Produktion, etc. ab bzw. entwickeln sie weiter. " (14) > > "Ist das Entwicklungsmodell Freier Software nur ein Hobby innerhalb > einer gesellschaftlichen Nische und somit Teil der kapitalistischen > Produktionsweise, so wie Tätigkeiten innerhalb der Familie oder > ehrenamtliche Freiwilligenarbeit? Oder ist es schon eine Keimform für > etwas neues innerhalb des Alten? Oder sehen wir am Ende gar nur eine > erneuerte, d.h. renovierte Variante des Kapitalismus damit aufziehen? > Wie lässt sich die folgende Feststellung erklären? ÂIm Gegensatz zu > allen früheren Beispielen konnte sich freie Software aber nicht nur > eine Nische sichern, sonder wächst im Gegenteil immer weiter und wird > nach und nach zu einer ernsten Bedrohung für die proprietäre > Software (Meretz/Merten 2005: 298). Bringt Freie Software eine > Voraussetzung für einen Verein unmittelbarer Produzenten? Entspricht > Peer-Ãkonomie bzw. Commonismus dem Kommunismus bzw. der > kommunistischen Produktionsweise wie Marx sie entwarf?" > > "Teile dieser periodisierenden Abfolge von fünf qualitativen > Entwicklungschritten erinnern entfernt an das gramscianische > Hegemoniekonzept, mit dem Machtgewinnungs- und -ausübungsformen > zwischen Staaten, Gruppen von Staaten und Gruppen innerhalb von > Staaten (z.B. zwischen herrschenden und subalternen Klassen) > analysiert werden, ohne jedoch die Flexibilität des Hegemoniebegriffs > zu erreichen oder die Menschen und ihre Handlungsfähigkeit im > gleichen Ausmaà in den Mittelpunkt zu stellen. Immerhin kann mit der > Keimformthese aber ein dialektisches Nebeneinander unterschiedlicher > und widersprüchlicher Produktionsweisen innerhalb einer Gesellschaft > beschrieben werden und somit das Problem vermieden werden, das Kurz > wie folgt beschreibt: Die angebliche Blindheit des Marxismus für die > ÂFrage des Ãbergangs, der praktischen > Transformationsbewegung, des berühmten ÂHerankommens an eine > nicht-wertförmige Reproduktion (Kurz 1997). > > Während Kurz es in seinem Artikel von 1997 noch nicht gelingt, zu > entwickeln, wie die ÂMikroelektronik als universelle > Rationalisierungs- und Kommunikationstechnologie (ebda.) die > Transformation zu einer neuen Gesellschaft befördern kann, meinen > Meretz und Merten beinahe ein Jahrzehnt später in dem > Entwicklungsmodell für Freie Software eine gesellschaftliche Form > gefunden zu haben, die die kapitalistische Produktionsweise in Frage > stellt, sich in ihr zur Reife entwickelt und darüberhinaus das > Potenzial besitzt, das Zeitalter einer kommunistischen > Produktionsweise einzuläuten. Mit Hintergrundwissen aus der > Informatik, Erfahrungen aus der Praxis der Freien Softwareentwicklung > und einem Schuss utopischen Voluntarismus gelingt es ihnen, die bei > Kurz noch vorhandene Lücke zu schlieÃen und mit einem konkreten > Fallbeispiel einer Keimform auf dem letzten Stand der > Produktivkraftentwickung im hochtechnologischen Kapitalismus zu > argumentieren. " (20(21) > > "Fazit Die These der nicht Warenförmigkeit Freier Software und die > These der Keimform einer nichtkapitalistischen Produktionsweise, > lässt sich bei näherem Hinschauen nur mit diversen Kunstgriffen > aufrecht erhalten. Die mannigfaltigen, von den Vertretern dieser > These erkannten > Erscheinungsformen der Verwertbarkeit von Freier Software im Rahmen > der kapitalistischen Produktionsweise werden von ihnen oft als > Ausnahmeerscheinungen abgetan. So werden die meisten (GPL-artigen) > Open Source Varianten von vorneherein aus der These ausgeklammert und > selbst bei der Freien Software, bei der alle Voraussetzungen wie > freie Verfügbarkeit, freie Quellen, freie Ãnderbarkeit und freie > Verteilbarkeit erfüllt sind, müssen sie noch unterscheiden zwischen > Âeinfach freier Software (Software, die unter > Lohnarbeitsverhältnissen entwickelt wird) und Âdoppelt freier > Software (die in der Freizeit und unter Bedingungen freier > Selbstentfaltung zustande kommt) um die These aufrecht zu erhalten. > Nicht abgestritten aber vernachlässigt wird die Unsitte der > Doppellizensierung, also der bemerkenswerten Ausbeutung der > unentgeltlichen Arbeit der Open Source Community durch die > Privatwirtschaft und deren Verwertungsinteressen. Das > emanzipatorische Potenzial des Ideals der Freien Softwareentwicklung > soll hier nicht in Frage gestellt werden sondern kritisch die > vielfältigen Wege aufgezeigt werden, wie Freie Software immer besser > in die kapitalistische Produktionsweise integriert wird und keine > reale Gefahr für das System des Kapitalismus mehr darstellt. Man > könnte auch, um im Bild der Keimformthese (Mertez/Merten 2005: > 303ff.) zu bleiben, sagen, dass wenn die Keimform theoretisch zwei > Richtungen einschlagen kann, so liegt die ÂIntegration in das Alte > sprich in die kapitalistische Produktionsweise immer näher und > unterstreicht die These von Marx, dass für den Kapitalismus > Âsämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu > revolutionieren geradezu eine Existenzbedingung ist (MEW 4: 465). > Dass es noch möglich ist, den Weg aus der Restauration des Alten > herauszugehen, soll dabei jedoch nicht ausgeschlossen werden." (24) > > > ________________________________ > Web-Site: http://www.oekonux.de/ > Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ > Kontakt: [email protected] -- Start here: www.meretz.de ________________________________ Web-Site: http://www.oekonux.de/ Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ Kontakt: [email protected]