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Hi Stefan,
komme gerade abgekämpft aus der 3-Tage-Woche...
Also mal gerade so viel: dass C+C grandios gescheitert sind wundert
mich überhaupt nicht, und mehr sag ich jetzt an dieser Stelle nicht
dazu, aber dass die Planbarkeit viel angenehmere weil beherrschbarere
Dimensionen annehmen könnte mit Hilfe der hier angedachten
Fertigungstechnologien möchte ich durchaus bei Gelegenheit mal zur
Debatte stellen.
Dass der Tausch (zuerst) durch eine andere soziale Form ersetzt werden
könnte - kann ich auch so einfach gerade nicht sehen!
Aber: ich habe Deinen Tourneeplan studiert, und da du am Samstag in HH
bist, komm ich natürlich vorbei!
Also, CU, bin sehr gespannt,
Grüsse allerseits,
Ludger
-----Original-Nachricht-----
Subject: Re: [ox-de] Re: [ox-de] Ãkonux und Politix
Date: Wed, 12 May 2010 08:14:28 +0200
From: Stefan Meretz <stefan-/[email protected]>
To: [email protected]
Hi Ludger und alle,
On 2010-05-12 00:07, [email protected] wrote:
> Also: eine "Bewegung sozialen Widerstands" in "Ãberwindung der
> Warenform transformieren" - habe ich das richtig verstanden?
Im Prinzip ja, früher nannte man das Revolution. Es ist das etwas
angestaubte Gegenkonzept zum Keimformmodell, von dem sich Kurz
abgesetzt
hat.
> Ich war
> der Meinung, ein Konsumgut, das der eine herstellt, um es auf einem
> Markt mit jemand anderem gegen etwas zu tauschen - meistens Geld -
> ist eine Ware. Das Tauschenwollen des einen, und das Erwerbenwollen
> des anderen macht es zur Ware, die Tatsache, dass der eine damit
> rechnen kann dass er einen Abnehmer findet (sofern er was
> durchschnittlich Brauchbares produziert hat), und der andere damit
> rechnen kann dass er auf dem Markt einen Produzenten findet, der
> etwas hergestellt hat was er sich nicht selbst herstellen kann,
> macht dieses Produkt des Produzenten zur Ware
Das ist kein Wollens-, sondern ein Müssensprozess: Getrennte
Privatproduzenten _müssen_ tauschen, wenn ihre Produktion nicht für
die
Katz gewesen sein soll.
> - und das ist überall
> so wo solche Dinge hergestellt und getauscht werden, und war auch in
> der DDR und der Sowjetunion und auf Kuba und in Manchester so und
> ist auf einem türkischen Basar so und auf jedem dörflichen
> Wochenmarkt.
Ja.
> Da wird kein sozialer Widerstand etwas daran ändern.
Richtig, dieser kann bei Erfolg nur die schlimmsten Spitzen abknicken.
Selbst wenn es ihm gelänge, die Warenform abzuschaffen (dahingestellt,
wie), bleibt die Frage, was an die Stelle der Warenproduktion tritt.
Am
nächsten Tag ist sie wieder da, wenn es keine andere Form gibt, in der
die Menschen ihre Lebensmittel (im umfassenden Sinne verstanden)
herstellen.
> Das wird sich eben genau dann und nur dann ändern, wenn nicht mehr
> getauscht werden muss - und das geht ohne Verlust des erreichbaren
> Qualitätsniveaus eben nur mit den hier öfter mal diskutierten
> technischen Hilfsmitteln.
Hier ist umstritten, welche Rolle die technischen Hilfsmittel
tatsächlich spielen. Der Tausch als Kern der kapitalistischen
Vergesellschaftungsform muss zuförderst durch eine andere _soziale_
Form
ersetzt werden. Das nehmen uns die technischen Mittel nicht ab.
> Jedenfalls können diese Hilfsmittel die
> zentralen, also wichtigsten, verbreitetsten "Produktionsvorgänge"
> in einer Gesellschaft so verändern, dass sie sich - ich sage mal
> "hinreichend" - weit vom puren blossen Tausch der einen Sache gegen
> ein Quantum Tauschmittel auf der anderen Seite unterscheiden. Es
wird
> möglicherweise ein "Beitrag", ein Input des einen von einer
> bestimmten Qualität gegen "Leistungen" oder "Bezugsrechte" oder
> Ansprüche einer bestimmten Quantität (auch Qualität oder beides)
> tauschbar sein - aber das unterscheidet sich von der gewöhnlichen,
> in einer Gesellschaft die basale Produktion bestimmenden Transaktion
> Tausch, so sehr, dass eine Gesellschaft von den Prinzipien des
> Warentausches, des Wachstums, des Kapital- und Geldverkehrs eben
> nicht mehr völlig beherrscht sein muss.
Auch das ist umstritten. Ich bin der Meinung, dass jede Tauschform,
also
Leistung gegen Leistung, am Ende die Warenlogik hervorbringt. Deswegen
bieten alle Tausch- oder Geldmodifikationen (Kurz: "Geldpfuscher")
grundsätzlich keine Alternative. Das sieht auch HGG anders, der gerne
am
Wert als Regulator festhalten möchte.
> Und das Argument lässt sich
> noch weiter ausbauen, es geht auch um die Steuerungsprinzipien die
> dann möglich sind, und die viel grössere Planungsgenauigkeit und
> -sicherheit und Steuerbarkeit gewährleisten als sie heute mit den
> mehr oder weniger rein fiskalischen
> Steuerungsmassnahmen erreichbar sind.
Na, das ist die Frage. Solche Modelle haben C&C versucht
runterzudeklinieren und sind m.E. grandios gescheitert:
http://www.keimform.de/2010/02/14/digital-ist-besser/
Aber es ist im Kern die richtige Frage: Welche soziale Form der
gesellschaftlichen Vermittlung tritt an die Stelle der Waren-/
Wertform?
Die Zentralplanungsidee hat sich historisch als nicht gangbar gezeigt.
Gleichwohl wird geplant werden, nur dezentral etc.
> Markt- Zwänge lassen immer potentere und immer universalere
> Produktionsmittel gedeihen - bis sie eben eines Tages kein Geschäft
> mehr sind, weil es eben Sinn macht, dass diese Dinger beim
> Konsumenten im Keller stehn. Mit dem HP Fabber für 15000 Dollar
> gehts ja vielleicht langsam los. Und irgendwann muss dann nichts
> mehr getauscht werden. Fast nichts.
Die neue Vergesellschaftsform kommt sicher nicht, in dem alle
Prosumenten dann so einen Fabber im Keller stehen haben. Fabber sind
aus
meiner Sicht vor allem Kreativitätsmaschinen. Massenkreativität können
Unternehmen nicht schlagen (das wissen sie auch: siehe Crowdsourcing).
So ein RepRap kostet übrigens nur ein paar hundert Euro:
http://www.keimform.de/2010/02/18/reprap-at-fosdem-2010-in-brussels/
Ich bin jetzt übrigens auf Vortragstour, vielleicht sehn wir uns:
http://www.keimform.de/2010/04/09/vortragstour-zu-commons-und-
eigentum/
Ciao,
Stefan
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