Schlaraffenland? (was: Re: [ox-de] schlaraffenland)
Stefan Merten <[email protected]> Thu, 27 May 2010 09:31:55 +0200
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
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| Message-ID | <[email protected]> |
Hi Hans-Gert, Alfred, Ludger, Franz, alle! BTW: Ich halte Schlaraffenland übrigens für eine ganz schlechte Metapher. Erstens geht es nicht darum Überfluss zu schaffen, der ja auch schnell mit Verschwendung assoziiert wird. Es genügt völlig Ausreichendheit (engl. ampleness) zu erreichen. D.h. Nachfrage und Angebot können und sollten durchaus aufeinander abgestimmt sein. Zweitens enthält der Begriff der Selbstentfaltung durchaus Mühe. Es ist ja nicht mühelos etwas gesellschaftlich Sinnvolles zu schaffen - ganz im Gegenteil! Diese Mühe kommt im Schlaraffenland aber nicht vor. Last month (29 days ago) Hans-Gert Gräbe wrote: > wieso bereitet mir eure Vision eines vollautomatisierten > Schlaraffenlands immer mehr Herzdrücken, gerade auch mit Blick auf die > Kollateralschäden bereits heutiger Automatisierung, die sich mit eurer > "universal programmierbaren Produktionsmaschine" ja nur potenzieren > können? Vor allem, wenn "jeder potentielle Konsument so ein Ding > besitzt"? In eurer Utopie scheint es keinerlei Konflikte mehr zu > geben? Ich jedenfalls denke nicht, dass es keine Konflikte mehr geben wird. Ich denke aber sehr wohl, dass die Konflikte * andere Gründe haben werden, Ganz platt deswegen, weil die Profitinteressen weg sind. Das ermöglicht, dass endlich sachlogische Gründe im Vordergrund stehen. * andere Verlaufsformen haben werden, Weil der gesellschaftliche Rahmen, in dem diese Konflikte ablaufen werden, anders sein wird. * andere Akteure haben werden. Die realen ProduzentInnen werden hier eine sehr viel größere Rolle spielen - einfach weil es keine Verwerter mehr gibt, die sich in den Vordergrund schieben. Und die NutzerInnen werden auch eine größere Rolle spielen, da es ja deren Nutzen ist, der gesteigert werden soll. Und damit reden wir hier über eine ganz andere Nummer. Ich will hier auch mal wieder darauf hinweisen, dass wir mit Freier Software und Wikipedia ja schon Beispiele für Keimformen haben, die es sich auf in diesem Fall immer mal wieder lohnt anzusehen. Konflikte existieren da sehr wohl und sie werden da *ganz anders* ausgetragen als in der Tauschgesellschaft. Was für mich immer der wichtigste Aspekt ist: Die Governance in Peer Production bezieht sich stets auf das Ziel des jeweiligen Projekts - und das ist bei Peer Production stets die Maximierung des Nutzens. 3 weeks (25 days) ago Hans-Gert Gräbe wrote: > Am 04/28/10 22:07, schrieb alfred morhammer: >> ich bin nämlich überzeugt, dass in der welt schon längst alles >> existiert, um ein schlaraffenland für alle zu sein. > > Ja, Atomkraftwerke für die Energieerzeugung, Nano-Materialien mit > unklaren Wirkungen, weil sie die Blut-Hirn-Barriere leicht > durchbrechen können, große Chemie-Anlagen, wo ich lieber nicht wissen > will, was im Falle einer Havarie passieren würde - und nun auch noch > die "Bastler" am LHC in Genf, die sehenden Auges "möglicherweise" > schwarze Löcher produzieren. Was du hier beschreibst ist ja kurzschlüssig. Du postulierst ja letztlich, dass die fortschreitende Verwissenschaftlichung *an sich* das Problem ist und unabänderlich zu den von dir befürchteten Folgen führt. Wäre das so könnte die Antwort nur rückwärts gerichtet sein und letztlich nur auf einen früheren Zustand zurück wollen. Ich glaube aber, dass die fortschreitende Verwissenschaftlichung nicht an sich das Problem ist. Die fortschreitende Verwissenschaftlichung schafft lediglich neue Potentiale. Wie diese Potentiale aber genau genutzt werden, ist letztlich eine gesellschaftliche Entscheidung. Und wenn sich die Gesellschaft fundamental ändert, in unserem Fall insbesondere die Profitmaximierung hinter sich lässt, dann kommen wir überhaupt erst *in die Lage* uns über solche gesellschaftlichen Fragen auf sachlicher Ebene zu befassen. Und sie dann auch auf dieser Ebene zu entscheiden. 2 weeks (16 days) ago Hans-Gert Gräbe wrote: > Mein Punkt war die Janusköpfigkeit (bisher) jeder Technologie, und > dass es (bisher) viel menschliche (Kopf- und Hand-)Arbeit erfordert, > um diese Janusköpfigkeit einzufangen. Mal anders gefragt: Was lässt dich den glauben, dass unter Bedingungen von Peer Production diese Janusköpfigkeit weniger eingefangen wird als heute? In den real existierenden Beispielen sehe ich im Gegenteil ein sehr hohes Verantwortungsbewusstsein gerade auch gegenüber solchen Fragen. Wenn ich beispielsweise (auf der CPOV) höre, wie sorgfältig und sachangemessen in Wikipedia mit wirklich schwierigen Problemen umgegangen wird, bin ich schon beeindruckt. Siehst du das nicht so? Grüße Stefan
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