Re: [ox-de] Re: [ox-de] keimform.de: Wie es den Kapitalismus zum Commonismus trei
Stefan Nagy <public-Rkx4Xfb3x/[email protected]> Tue, 08 Mar 2011 15:53:32 +0100
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
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| Message-ID | <1299596012.2056.255.camel@rosa> |
--=-W4WaNY76RC4FTLewUhPw Content-Type: text/plain; charset="UTF-8" Content-Transfer-Encoding: quoted-printable Hallo Franz & alle, Am Montag, den 07.03.2011, 22:15 +0100 schrieb Franz Nahrada:=20 > Ich halte den Fabber =C3=BCbrigens f=C3=BCr ein schlechtes universelles > Produktionsparadigma. Wir sollten ihn lediglich als Metapher f=C3=BCr > dezentrale Produktzion verstehen, aber nicht ernsthaft glauben dass alles > gefabbert werden wird.=20 Ich sehe es auch so, dass Fabber mehr als Metapher herhalten k=C3=B6nnen = =E2=80=93 aber bei mir in einem ganz anderen Sinn als bei Franz. Bitte um Geduld mit mir, beteilige mich hier erstmals aktiv an der Diskussion=E2=80=A6 Das Bild von Gesellschaftsentwicklung, mit dem hier generell operiert wird (wenn ich mich nicht irre), ist ja eines, in dem Keimformen nicht nur denkbar, sondern vielmehr notwendig sind =E2=80=93 d.h. Neues muss im b= zw. aus dem Alten entstehen (woher sollte es schlie=C3=9Flich sonst kommen?). Also ich hoffe ich habe aufmerksam genug mitgelesen, um davon mal ausgehen zu k=C3=B6nnen. 1. Ich m=C3=B6chte jetzt auf die "andere Seite" des Prozesses und die Frage nach dem Alten im Neuen stellen. Ich habe in meinem Bild also nicht eine Produktionsweise =C2=B7 einen Bruch =C2=B7 und dann eine andere Produktions= weise, sondern jeweils eine gesellschaftlich dominante bei gleichzeitigem Bestehen anderer (darunter auch ehemalig und/oder zuk=C3=BCnftig "dominanter"). Daher steht f=C3=BCr mich eigentlich fest, dass die Warenproduktion nicht einfach mit einem Fingerschnippen verschwindet, sondern (wenn auch ver=C3=A4nderter Form) als Altes im Neuen fortbesteht. Die wesentliche Ver=C3=A4nderung im Zuge eines revolution=C3=A4ren Prozesses besteht m.E. d= arin, dass die ehemalig dominante Produktionsweise ihre zentrale Rolle f=C3=BCr d= ie Gesellschaft einb=C3=BC=C3=9Ft, dass sie also lediglich in *dieser zentrale= n Rolle* abgel=C3=B6st wird. 2. Das Problem der =C3=9Cbertragbarkeit der Produktionsweise Freier Softwar= e (oder wie immer man sie nennen mag) betrifft nun meiner Ansicht nach lediglich (zumindest ab einem bestimmten Entwicklungsstand der Communities) jenen der Materialisierung des kollektiv Geschaffenen. Und dieses Problem hat vor allem damit zu tun, dass in diesen Bereich viele T=C3=A4tigkeiten fallen, die nicht selbst als Mittel der Bed=C3=BCrfnisbefriedigung in Frage kommen =E2=80=93 T=C3=A4tigkeiten, die = man eben nur dann bereit ist auszuf=C3=BChren, wenn man daf=C3=BCr etwas bekommt, womit = man sich Zugang zu anderen Mitteln der Bed=C3=BCrfnisbefriedigung verschaffen kann; also sozusagen externe Anreize gesetzt werden. Die Begeisterung f=C3=BCr Fabber ist so gro=C3=9F (wenn ich es richtig vers= tehe), weil diese perspektivisch die Drecksarbeiten =C3=BCbernehmen k=C3=B6nnen/so= llen =E2=80=93 und damit (zumindest gedanklich) die ganz Problematik "der Arbeit" (im Sinne von M=C3=BChsal) vom Tisch gefegt wird. 3. Wenn ich nun diese beiden kurz skizzierten Str=C3=A4nge verbinde; also einerseits davon ausgehe, dass im Neuen ebenso notwendig Altes besteht wie im Alten Neues, andererseits unser wesentliches Problem die Materialisierung ist, dann komme ich jetzt endlich zu "meiner" Fabber-Metapher: F=C3=BCr mich ist der Fabber ein Bild f=C3=BCr die Funktion und Rolle der Warenproduktion im Neuen; und diese besteht lediglich in der Materialisierung kollektiv geschaffener Dinge. Nicht dass ich ihr auch nur irgendetwas abgewinnen k=C3=B6nnte, aber diese Rolle beh=C3=A4lt die Warenproduktion m.E. eben so lange und muss sie =E2=80=93 schlicht aufgrund= des oben benannten Charakters bestimmter T=C3=A4tigkeiten =E2=80=93 behalten, b= is quasi "echte Fabber" sie =C3=BCbernehmen k=C3=B6nnen. Mich wundert einfach, dass ich zwar immer wieder vom Neuen im Alten lesen =E2=80=93 aber nie etwas vom Alten im Neuen. Nachdem ich wei=C3=9F, d= as zweitere Behauptung deutlich unpopul=C3=A4rer ist, ziehe ich jetzt einfach mal die Arschkarte ;) Ich denke aber nunmal auch, dass die erste Behauptung (die "ganze Keimform-Sache") ohne der zweiten kaum haltbar ist. Vielleicht noch als Erg=C3=A4nzung (was den "Abl=C3=B6sungsprozess" betriff= t): Ich sehe das Verh=C3=A4ltnis von Communities & warenproduziernden Firmen als gegenseitiges Abh=C3=A4ngigkeitsverh=C3=A4ltnis, das fr=C3=BCher oder sp=C3= =A4ter zugunsten ersterer kippt =E2=80=93 d.h. um sich die Zusammenarbeit sowie Absatzm=C3= =A4rkte zu sichern m=C3=BCssen Firmen mit Communities kooperieren. Erste derartige Entwicklungen zeichnen sich m.E. schon jetzt im Software-Bereich ab. Wie es dann weiter geht=E2=80=A6 soweit bin ich gedanklich noch nicht ;) W=C3=BCrde mich sehr interessieren was ihr von alldem haltet, vor allem wie Argumente gegen Altes im Neuen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Keimform-Idee aussehen k=C3=B6nnten. Liebe Gr=C3=BC=C3=9Fe, Stefan. --=20 E-Mails signieren & verschl=C3=BCsseln! -> https://ueberwachungsdruck.org/argumentieren -> https://ueberwachungsdruck.org/e-mail -> http://de.wikipedia.org/wiki/GNU_Privacy_Guard Mein =C3=B6ffentlicher OpenPGP-Schl=C3=BCssel: -> http://stefan-nagy.at/public-key.asc --=-W4WaNY76RC4FTLewUhPw Content-Type: application/pgp-signature; name="signature.asc" Content-Description: This is a digitally signed message part -----BEGIN PGP SIGNATURE----- Version: GnuPG v1.4.10 (GNU/Linux) iEYEABECAAYFAk12QuoACgkQiORgA3WuZIa+6ACcCtF3GUFxJCpcyoMId5sxdFJV iJUAn3cG/es96w39VQyQYfalhz/F/ku7 =Dx7h -----END PGP SIGNATURE----- --=-W4WaNY76RC4FTLewUhPw-- ________________________________ Web-Site: http://www.oekonux.de/ Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ Kontakt: [email protected]