Re: [ox-de] Re: [ox-de] keimform.de: Wie es den Kapitalismus zum Commonismus t

"Franz Nahrada" <[email protected]> Tue, 08 Mar 2011 18:06:53 +0100
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Hi Stefan!

Schön dass wieder mal Diskussion aufkommt hier!

Stefan Nagy schreibt:
>Hallo Franz & alle,
>
>Am Montag, den 07.03.2011, 22:15 +0100 schrieb Franz Nahrada: 
>> Ich halte den Fabber übrigens für ein schlechtes universelles
>> Produktionsparadigma. Wir sollten ihn lediglich als Metapher für
>> dezentrale Produktzion verstehen, aber nicht ernsthaft glauben dass
>alles
>> gefabbert werden wird. 
>
>Ich sehe es auch so, dass Fabber mehr als Metapher herhalten können –
>aber bei mir in einem ganz anderen Sinn als bei Franz. Bitte um Geduld
>mit mir, beteilige mich hier erstmals aktiv an der Diskussion…
>
schaun wir uns an
>
>Das Bild von Gesellschaftsentwicklung, mit dem hier generell operiert
>wird (wenn ich mich nicht irre), ist ja eines, in dem Keimformen nicht
>nur denkbar, sondern vielmehr notwendig sind – d.h. Neues muss im bzw.
>aus dem Alten entstehen (woher sollte es schließlich sonst kommen?).
>Also ich hoffe ich habe aufmerksam genug mitgelesen, um davon mal
>ausgehen zu können.

Ich denke das ist weitgehend konsensual und macht den Sinn dieser Liste
aus:
Inwiefern wir eine Keimform identifizieren können in den Praktiken die
z.B.
im Freien Softwarebereich entstanden sind.
>
>
>1. Ich möchte jetzt auf die "andere Seite" des Prozesses und die Frage
>nach dem Alten im Neuen stellen. Ich habe in meinem Bild also nicht eine
>Produktionsweise · einen Bruch · und dann eine andere Produktionsweise,
>sondern jeweils eine gesellschaftlich dominante bei gleichzeitigem
>Bestehen anderer (darunter auch ehemalig und/oder zukünftig
>"dominanter").

Das klingt aber jetzt furchtbar abstrakt. Historisch ist sicher oft genug
dieses
"Persisistieren alter Formen" festzustellen. Aber es gibt jedesmal auch
struktuelle
Gründe dafür, warum etwas überlebt....
>
>
>Daher steht für mich eigentlich fest, dass die Warenproduktion nicht
>einfach mit einem Fingerschnippen verschwindet, sondern (wenn auch
>veränderter Form) als Altes im Neuen fortbesteht. Die wesentliche
>Veränderung im Zuge eines revolutionären Prozesses besteht m.E. darin,
>dass die ehemalig dominante Produktionsweise ihre zentrale Rolle für die
>Gesellschaft einbüßt, dass sie also lediglich in *dieser zentralen
>Rolle* abgelöst wird.

Der revolutionäre Punkt ist eigentlich nichts anderes als der Punkt wo
das Neue
stark genug ist die zentrale Rolle zu übernehmen. Er ist nie abstrakt
bestimmbar,
es spielt auch immer der subjektive Faktor eine große Rolle, das Begehren,
die wahrgenommene Möglichkeit....
>
>
>2. Das Problem der Übertragbarkeit der Produktionsweise Freier Software
>(oder wie immer man sie nennen mag) betrifft nun meiner Ansicht nach
>lediglich (zumindest ab einem bestimmten Entwicklungsstand der
>Communities) jenen der Materialisierung des kollektiv Geschaffenen. Und
>dieses Problem hat vor allem damit zu tun, dass in diesen Bereich viele
>Tätigkeiten fallen, die nicht selbst als Mittel der
>Bedürfnisbefriedigung in Frage kommen – Tätigkeiten, die man eben nur
>dann bereit ist auszuführen, wenn man dafür etwas bekommt, womit man
>sich Zugang zu anderen Mitteln der Bedürfnisbefriedigung verschaffen
>kann; also sozusagen externe Anreize gesetzt werden.

Wobei auch diese Grenzte nicht absolut ist; in einer Gesellschaft wo jeder
jedem jeden
Handgriff bezahlen muss wird sich viel weniger leicht jemand solcher
Tätigkeiten 
freiwillig annehmen. In einer Notsituation spüren die Leute oft wie sehr
sie in
diese Absurdität sich hineingelebt haben und wie leicht es auch ganz
anders ginge.
>
>
>Die Begeisterung für Fabber ist so groß (wenn ich es richtig verstehe),
>weil diese perspektivisch die Drecksarbeiten übernehmen können/sollen
>–
>und damit (zumindest gedanklich) die ganz Problematik "der Arbeit" (im
>Sinne von Mühsal) vom Tisch gefegt wird.

Arbeit im Sinn von Mühsal sagst Du richtig. Das ist natürlich jene Seite
der Arbeit
die wir los werden wollen. Es gibt auch eine andere Seite von Arbeit, die
man als
"planmäßige Tätigkeit" beschreiben könnte, und die geht jetzt erst so
richtig los....
>
>
>3. Wenn ich nun diese beiden kurz skizzierten Stränge verbinde; also
>einerseits davon ausgehe, dass im Neuen ebenso notwendig Altes besteht
>wie im Alten Neues, andererseits unser wesentliches Problem die
>Materialisierung ist, dann komme ich jetzt endlich zu "meiner"
>Fabber-Metapher:

an der ich nun tatsächlich meine Zweifel kriege.....
>
>
>Für mich ist der Fabber ein Bild für die Funktion und Rolle der
>Warenproduktion im Neuen; und diese besteht lediglich in der
>Materialisierung kollektiv geschaffener Dinge. Nicht dass ich ihr auch
>nur irgendetwas abgewinnen könnte, aber diese Rolle behält die
>Warenproduktion m.E. eben so lange und muss sie – schlicht aufgrund des
>oben benannten Charakters bestimmter Tätigkeiten – behalten, bis quasi
>"echte Fabber" sie übernehmen können.
>
Jetzt trennst Du zwischen "echten" und "unechten" Fabbern.....

ich sehe den Fabber als niedrigskaliertes Materialisierungsgerät im
Bereich 
des Anwenders.

Ich bin mir nicht so sicher ob nicht die hochspezialisierte Fabrik die
bessere
Metapher für die persistierende Warenproduktion ist.
>
>Mich wundert einfach, dass ich zwar immer wieder vom Neuen im Alten
>lesen – aber nie etwas vom Alten im Neuen. Nachdem ich weiß, das
>zweitere Behauptung deutlich unpopulärer ist, ziehe ich jetzt einfach
>mal die Arschkarte ;) Ich denke aber nunmal auch, dass die erste
>Behauptung (die "ganze Keimform-Sache") ohne der zweiten kaum haltbar
>ist.

Kein Problem., Meiner Ansicht wird es in vielen Sektoren noch lange Waren-
produktion geben, der "Umsturz" der Produktionsverhältnisse eher von den
Rändern
als vom Zentrum kommen. Gerade die hochskalierte Toolproduktion wie z.B.
Computer
ist am schwierigsten gemeinschaftlich zu organisieren.

Aber auch das ist nicht unmöglich.
>
>
>Vielleicht noch als Ergänzung (was den "Ablösungsprozess" betrifft): Ich
>sehe das Verhältnis von Communities & warenproduziernden Firmen als
>gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis, das früher oder später
>zugunsten
>ersterer kippt – d.h. um sich die Zusammenarbeit sowie Absatzmärkte zu
>sichern müssen Firmen mit Communities kooperieren. Erste derartige
>Entwicklungen zeichnen sich m.E. schon jetzt im Software-Bereich ab. Wie
>es dann weiter geht… soweit bin ich gedanklich noch nicht ;)

Muss auch nicht sein, aber es wäre schön wenn Du das "gegenseitige
Abhängigkeits-
verhältnis" mal genauer beschreiben könntest.

Das ist nämlich in der Tat ein heißes Thema! Nur von dort kann eine
Stabilisierung
unserer Bemühungen kommen.
>
>
>Würde mich sehr interessieren was ihr von alldem haltet, vor allem wie
>Argumente gegen Altes im Neuen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der
>Keimform-Idee aussehen könnten.
>
der Satz macht für mich logisch keinen Sinn


Franz




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