Re: [ox-de] keimform.de: Wie es den Kapitalismus zum Commonismus trei
Stefan Nagy <public-Rkx4Xfb3x/[email protected]> Sun, 13 Mar 2011 23:07:05 +0100
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
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| Message-ID | <1300054025.1822.414.camel@rosa> |
--=-teLi2z72T5lFI1JYr/j1 Content-Type: text/plain; charset="UTF-8" Content-Transfer-Encoding: quoted-printable Hallo Hans-Gert, danke f=C3=BCr deine Antwort. Bin froh dass es diese Liste gibt; bin gedanklich mit alldem ansonsten recht isoliert. Zu deiner Antwort hab ich vor allem einige Verst=C3=A4ndnisfragen =E2=80=93 ich tu mir teilweise = sehr schwer mit deinen Begrifflichkeiten. > Mit dem Begriff "Produktionsweise" kann ich inzwischen nicht mehr viel= =20 > anfangen, weil er zu wenig differenziert. Zuerst geht es mE heute - im= =20 > Zeitalter von "pik everything" - nicht (mehr) um Produktion, sondern um= =20 > Reproduktion, also wenn schon, dann um "Reproduktionsweise". Aber das=20 > kann ich nur im Plural mit Sinn f=C3=BCllen "Reproduktionsweisen", und um= die=20 > Semantik klarer zu machen "Reproduktionsschemata". Ich sehe die gro=C3=9F= e=20 > Herausforderung des 21. Jahrhunderts in der "Domestizierung" der - sich= =20 > in dialektischen Widerspr=C3=BCchen bewegenden - verschiedenen=20 > Reproduktionsschemata der Gesellschaft, wo vielleicht das Wort=20 > "dominant" irgend etwas ausdr=C3=BCckt, was aber verschieden ist von=20 > "wichtig" und "weniger wichtig" auf Sachebene, weil alle=20 > Reproduktionsschemata wichtig sind, wenn man den globalen=20 > Reproduktionszusammenhang "reproduzieren" m=C3=B6chte. F=C3=BCr den es le= ider=20 > keine uns Menschen zug=C3=A4ngliche Sprache gibt und auch nicht geben wir= d,=20 > um ihn vollst=C3=A4ndig zu beschreiben - "Die Materie der Erkenntnis kann= =20 > nicht gedichtet werden". Kannst du den ersten Schritt bitte kurz erl=C3=A4utern, also warum du von Reproduktions- statt Produktionsschemata sprichst? Verstehe ich dich richtig, wenn du meinst dass du das "nur der Plural mit Sinn f=C3=BCllen" kannst, dass Reproduktionsschemata als sich gegenseit= ig erg=C3=A4nzend, bedingend, ineinander greifend begriffen werden m=C3=BCssen= ? Selbst wenn man das so sieht, hei=C3=9Ft das aber doch noch lange nicht, da= ss man gar nicht mehr sinnvoll von einzelnen, von einander zu unterscheidenden Reproduktionsschemata sprechen kann=E2=80=A6 oder? Zu den Reproduktions-'Schemata': Verstehe ich es richtig, dass du die Begrifflichkeit (zu den 'Schemata') =C3=A4nderst, vor allem um vom Marx'sch= en Begriff der 'Produktionsweise' wegzukommen? Ansonsten ist mir nicht klar, warum 'Reproduktionsschema' klarer sein soll als 'Reproduktionsweise'=E2=80=A6 Was meinst du mit der 'Domestizierung der Reproduktionsschemata'? Wenn ich versuche, mir die gesellschaftliche Totalit=C3=A4t als Gesamtheit ineinandergreifender und einander gegenseitig bedingender Reproduktionsschemata zu denken =E2=80=93 dann seh ich eine komplexes Gefle= cht vor mir, in dem kurz gesagt durch St=C3=B6rung eines bestehenden Gleichgewichts Neuordnungsprozesse ausgel=C3=B6st werden. Auf Anhieb vermut= e ich jetzt mal, dass du mit 'Domestizierung' eben diesen Neuordnungsprozess bezeichnest =E2=80=93 auffallend w=C3=A4re dann, dass du= einen Begriff w=C3=A4hlst, der nach einem Subjekt verlangt. Und da w=C3=A4re (in = Bezug auf die Makroebene) interessant, wer da deines Erachtens herausgefordert ist, wer domestizieren soll. > In diesem Sinne gibt es "Fabber" seit =C3=BCber 2.000 Jahren. Die meisten= =20 > waren "menschengetrieben" (sofern du - ahistorisch - Sklaven im alten=20 > Rom als Menschen ansiehst) und haben auch damals schon 'die ganze=20 > Problematik "der Arbeit" (im Sinne von M=C3=BChsal) vom Tisch gefegt' -= =20 > allerdings nur f=C3=BCr eine kleine Zahl von Menschen (mehr "Mehrprodukt"= -=20 > Achtung, ganz andere Semantik als die wohlfeile =C3=B6konomietheoretische= =20 > einer Marxschen AWT! - war eben nicht da). Hauptaugenmerk jener - in der= =20 > traditionsmarxistischen Terminologie - "Herrschenden" war die=20 > "Reproduktion" ... der Verh=C3=A4ltnisse (was das auf Sachebene auch imme= r=20 > bedeutet). >=20 > Nun sind wir seit 300 Jahren, wenigstens im erweiterten Westeuropa, in= =20 > Verh=C3=A4ltnissen, wo jeder sowohl - als Produzent in der Industriemasch= ine=20 > - /im/ Fabber t=C3=A4tig ist als auch - als Konsument - /Nutznie=C3=9Fer/= der=20 > Fabber ist in genau deinem Sinn, dass aus jener Konsumentenperspektive= =20 > "die Drecksarbeiten [gekapselt] und damit zumindest gedanklich die ganze= =20 > Problematik 'der Arbeit' (im Sinne von M=C3=BChsal) vom Tisch gefegt" ist= .=20 > Wobei die Perspektive der Lohnarbeiter als "Untertagearbeiter im Fabber"= =20 > und der Unternehmer als Dirigenten dieser (mit Menschen best=C3=BCckten)= =20 > Fabber sehr verschieden ist. Das Verh=C3=A4ltnis der Unternehmer ist ein= =20 > instrumentelles zu diesen Fabbern (und den Menschen =3D Lohnarbeitern=20 > darin), so wie ich bei dir ein instrumentelles Verh=C3=A4ltnis zu den=20 > Fabbern, wenigstens den "echten", herauslese. >=20 > Deine These impliziert, dass es - in diesem Sinn - in einer Freien=20 > Gesellschaft eine Perspektivverschiebung von der Lohnarbeiter- zur=20 > Unternehmerperspektive als Ausdruck einer solchen Verschiebung von einer= =20 > produktiven zu einer reproduktiven Sichtweise geben wird (und ich denke,= =20 > die ist im Bereich der Freien Software auf der nichtmonet=C3=A4ren Ebene = mehr=20 > als deutlich zu sehen). Die gibt es aber seit 300 Jahren in dieser=20 > Gesellschaft auch (schon). Im =C3=9Cbrigen hat man mE auch in=20 > vorkapitalistischen Zeiten deutlich reproduktiver gedacht. Da komme ich nicht ganz mit. Ich beschreibe mein wesentlichstes Problem damit mal ganz banal: Der instrumentelle Charakter, den du bei mir in Bezug auf 'echte' Fabber herausliest, bezieht sich auf die M=C3=B6glichkeit der unmittelbaren 'Ausgabe' von Mitteln der Bed=C3=BCrfnisbefriedigung. Der instrumentelle Charakter von Fabriken f=C3=BCr UnternehmerInnen bezieht sic= h doch aber auf den erhofften Profit. F=C3=BCr mich scheint es schon einen Unterschied zu machen, *worauf* sich d= er instrumentelle Charakter bezieht. Ich verstehe daher die Gleichsetzung von 'reproduktiver Sichtweise' und UnternehmerInnen-Perspektive nicht wirklich. > Die "echten Fabber" liegen dann vor, wenn die Produktion so weit=20 > "trivialisiert" ist, dass sie sogar ein Automat =C3=BCbernehmen kann? Da= mit=20 > nimmst du aber die produktive und nicht die reproduktive Perspektive ein= =20 > und blendest die Frage aus, was zu tun ist, damit dir die "Fabber" nicht= =20 > um die Ohren fliegen. Mir ging es in der Metapher nicht darum, 'die Produktion' so weit zu trivialisieren, dass sie von einem Automaten =C3=BCbernommen werden kann = =E2=80=93 ganz im Gegenteil. Es geht mir in dem Bild ja eigentlich nicht um den Fabber, sondern um alle anderen Produktionsprozesse, die der 'Materialisierung' vorgelagert sind. Anders gesagt: Ich stelle ja nicht ein Peripherieger=C3=A4t ins Zentrum=E2=80=A6 > > Mich wundert einfach, dass ich zwar immer wieder vom Neuen im Alten > > lesen =E2=80=93 aber nie etwas vom Alten im Neuen. Nachdem ich wei=C3= =9F, das > > zweitere Behauptung deutlich unpopul=C3=A4rer ist, ziehe ich jetzt einf= ach > > mal die Arschkarte ;) Ich denke aber nunmal auch, dass die erste > > Behauptung (die "ganze Keimform-Sache") ohne der zweiten kaum haltbar > > ist. >=20 > Wie gesagt, =C3=BCber diese Perspektive denke ich seit langem nach und bi= n in=20 > der Konsequenz zu der - sehr kompakt formulierten - Erkenntnis vom=20 > "Kapitalismus als pubert=C3=A4rer Form der Freien Gesellschaft" gekommen,= =20 > denn wenn man genau hinschaut, dann ist die Verquickung von Neuem und=20 > Altem viel enger als du es dir vielleicht (noch - war bei mir ein=20 > durchaus l=C3=A4ngerer Prozess) vorstellst. Und es kann ja auch gar nicht= =20 > anders sein, wenn - siehe Thiel - der Umbruch auf der Mikroebene die=20 > Form ist, in der sich Evolution auf der Makroebene vollzieht. Eine=20 > Google-Suche nach 'pubert=C3=A4re Form site:oekonux.de' mag dir einen=20 > Eindruch der damalige Debatte vermitteln. Danke f=C3=BCr die Links & Hinweise =E2=80=93 ich werd mir das in n=C3=A4ch= ster Zeit alles mal anschauen. Liebe Gr=C3=BC=C3=9Fe, Stefan. --=20 E-Mails signieren & verschl=C3=BCsseln! -> https://ueberwachungsdruck.org/argumentieren -> https://ueberwachungsdruck.org/e-mail -> http://de.wikipedia.org/wiki/GNU_Privacy_Guard Mein =C3=B6ffentlicher OpenPGP-Schl=C3=BCssel: -> http://stefan-nagy.at/public-key.asc --=-teLi2z72T5lFI1JYr/j1 Content-Type: application/pgp-signature; name="signature.asc" Content-Description: This is a digitally signed message part -----BEGIN PGP SIGNATURE----- Version: GnuPG v1.4.10 (GNU/Linux) iEYEABECAAYFAk19QAYACgkQiORgA3WuZIZcvwCeL/zSj5aXT+/FFGW7eGD1+w+0 S4UAoLsc+kOA7mDYelN0k1PBNjXxnsuf =/q1t -----END PGP SIGNATURE----- --=-teLi2z72T5lFI1JYr/j1-- ________________________________ Web-Site: http://www.oekonux.de/ Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ Kontakt: [email protected]