[ox-de] keimform.de / Streifzüge: Das gute Lebe n produzieren

Christian Siefkes <[email protected]> Sun, 10 Apr 2011 22:40:56 +0200
Newsgroups gmane.politics.oekonux.german
Message-ID <[email protected]>
This is an OpenPGP/MIME signed message (RFC 2440 and 3156)
--------------enigCAA0C870C32D3A58C46C24D9
Content-Type: text/plain; charset=ISO-8859-1
Content-Transfer-Encoding: quoted-printable

URL: http://www.keimform.de/2011/das-gute-leben-produzieren/

[Ver=F6ffentlicht in: Streifz=FCge Nr. 51
<http://www.streifzuege.org/streifzuge-51-2011-inhaltsverzeichnis>]

Wenn wir =FCber das gute Leben nachdenken, stellen wir uns ein Leben in F=
=FClle
vor -- wo niemand Not leiden muss, wo es genug f=FCr alle gibt und jede/r=

seine oder ihre Bed=FCrfnisse befriedigen kann. Aber geht das =FCberhaupt=
?
Scheitert die M=F6glichkeit eines Lebens in F=FClle nicht zwangsl=E4ufig =
an der
Endlichkeit der Erde? Und wo soll die F=FClle herkommen? Kommt nicht vor =
den
Freuden des Konsums die M=FChsal des Produzierens, vor dem angenehmen "Re=
ich
der Freiheit" das weniger erfreuliche "Reich der Notwendigkeit"? Um diese=

zwei Herausforderungen f=FCr die Vision eines guten Lebens f=FCr alle sol=
l es
im Folgenden gehen.

Der =F6kologische Fu=DFabdruck
--------------------------

Der *=F6kologische Fu=DFabdruck* ist die Fl=E4che auf der Erde, die n=F6t=
ig ist, um
den Lebensstil einer Gruppe von Menschen dauerhaft zu erm=F6glichen. Er
umfasst die Fl=E4che, die ben=F6tigt wird, um die verwendeten Ressourcen
anzupflanzen bzw. abzubauen und um den M=FCll, der w=E4hrend Herstellung,=

Nutzung und Entsorgung der genutzten Produkte anf=E4llt, aufzunehmen und =
zu
absorbieren. Die Ma=DFeinheit f=FCr den =F6kologischen Fu=DFabdruck ist d=
er
"globale Hektar" -- ein Hektar (hundertstel Quadratkilometer) Land von
durchschnittlicher Fruchtbarkeit.

Hier ergibt sich ein Problem, denn der =F6kologische Fu=DFabdruck der
Menschheit betr=E4gt derzeit achtzehn Milliarden globale Hektar, die
insgesamt verf=FCgbare *Biokapazit=E4t* der Erde umfasst aber nur etwa zw=
=F6lf
Milliarden globale Hektar. Das Missverh=E4ltnis ist offensichtlich: So wi=
e
wir heute leben, br=E4uchten wir eigentlich anderthalb Erden. Wir verbrau=
chen
die Ressourcen der Erde schneller, als sie sie erneuern kann, und leben
somit auf Kosten unserer Kinder, denen die =FCbernutzten Ressourcen sp=E4=
ter
fehlen werden.

Das "wir" ist dabei allerdings sehr ungleich verteilt, denn in vielen
L=E4ndern ist der durchschnittliche Fu=DFabdruck pro Person sehr gering. =
In
Bangladesch und Afghanistan betr=E4gt er 0,6 globale Hektar pro Person, i=
n
Indien und dem Jemen 0,9 Hektar, im Irak und auf den Philippinen 1,3
Hektar. All diese L=E4nder liegen unter dem Durchschnittswert, der nachha=
ltig
m=F6glich w=E4re, wenn man die zw=F6lf Milliarden Hektar Biokapazit=E4t a=
uf die gut
sechseinhalb Milliarden heute lebenden Menschen aufteilt: 1,8 Hektar pro
Person.

Der tats=E4chliche weltweite Durchschnitt liegt mit 2,7 Hektar 50% dar=FC=
ber.
Deutschland und =D6sterreich verbrauchen knapp das Doppelte dieses Werts,=

n=E4mlich 5,1 bzw. 5,3 Hektar pro Person. In den anderen europ=E4ischen L=
=E4ndern
sieht es =E4hnlich aus. An der Spitze des Verbrauchs liegen die USA und
einige arabische L=E4nder mit 8,0 oder mehr Hektar (vgl. Wikipedia 2010).=
 Wir
in den hochindustrialisierten L=E4ndern leben also nicht nur auf Kosten
unserer Kinder, sondern auch auf Kosten der Menschen anderswo in der Welt=
=2E
Denn es ist v=F6llig klar, dass wir nur deswegen so leben k=F6nnen, weil =
die
Leute anderswo sehr viel weniger Ressourcen verbrauchen.

Zwei Konzepte von F=FClle
-----------------------

Wenn man =FCber materielle F=FClle f=FCr alle nachdenkt, ist klar, dass d=
iese
F=FClle -- unabh=E4ngig von der Gesellschaftsform, in der sie produziert =
wird
-- im Rahmen der verf=FCgbaren Biokapazit=E4t bleiben muss. Die Grenze vo=
n
derzeit 1,8 Hektar pro Person muss eingehalten werden, sonst geht die F=FC=
lle
f=FCr einige notwendigerweise auf Kosten anderer oder auf Kosten unserer
Kinder. Man mag F=FClle mit der M=F6glichkeit "grenzenloser Verschwendung=
"
assoziieren -- wo man sich z.B. f=FCnf Autos in die Garage stellen oder s=
ich
nach Belieben Dinge aneignen kann, um sie, wenn einer/einem der Sinn dana=
ch
steht, nach kurzer Verwendung wieder wegzuschmei=DFen. Eins ist v=F6llig =
klar:
F=FClle als grenzenlose Verschwendung ist in unserer begrenzten Welt nich=
t
m=F6glich -- jedenfalls nicht f=FCr alle und nicht f=FCr lange Zeit.

Aber man kann sich unter "F=FClle" auch etwas anderes vorstellen, n=E4mli=
ch:
"genau was ich brauche, wenn ich es brauche". Mit Dingen, die man schnell=

wegwirft, kann man sich nicht mehr Bed=FCrfnisse befriedigen als mit Ding=
en,
die man l=E4nger beh=E4lt, und mit f=FCnf Autos kommt man nicht unbedingt=

schneller und bequemer zum Ziel als mit einem -- oder mit komfortablen
=F6ffentlichen Verkehrsmitteln, sofern sie existieren. Dieses zweite Konz=
ept
von F=FClle orientiert sich nicht an der Anh=E4ufung von Dingen, sondern =
an der
Befriedigung von Bed=FCrfnissen.

Kann man auf dieser endlichen Erde so produzieren, dass f=FCr alle genug =
da
ist, dass alle nutzen k=F6nnen, was sie brauchen, wenn sie es brauchen? F=
=FCr
eine Antwort muss man auf die Form der Gesellschaft gucken, in der
produziert wird.

F=FCr unsere heutige Gesellschaft, den Kapitalismus, ist die Frage zu
verneinen. Zwar bringt sie offensichtlich F=FClle f=FCr einige hervor, ab=
er
diese geht auf Kosten anderer -- insbesondere der Menschen in der Dritten=

Welt, in den armen L=E4ndern, die von der kapitalistisch produzierten F=FC=
lle
gro=DFteils ausgeschlossen sind. F=FClle f=FCr alle ist unter kapitalisti=
schen
Verh=E4ltnissen grunds=E4tzlich nicht m=F6glich. Daf=FCr gibt es mehrere =
Gr=FCnde.

Zum einen geht es im Kapitalismus immer um *Kapitalverwertung,* also daru=
m,
aus Geld mehr Geld zu machen. Das geht aber nur, wenn ich produziere, als=
o
Ressourcen einsetze. Wenn die Geldvermehrung funktioniert, das vorhandene=

Kapital gewachsen ist, muss es neu angelegt werden und noch weiter wachse=
n.
Dieser permanente Wachstumszwang muss dazu f=FChren, dass die Ausnutzung =
der
Biokapazit=E4t zwangsl=E4ufig =FCber die dauerhaft m=F6glichen Grenzen hi=
naus
getrieben wird. Dass wir heute mehr Biokapazit=E4t vernutzen, als nachhal=
tig
verf=FCgbar ist, ist also systembedingt. Unter kapitalistischen Bedingung=
en
ist nichts anderes m=F6glich, denn ohne Wachstum kommt es zur Krise: die
Verwertung mancher Kapitalien scheitert, Firmen gehen Pleite, Menschen
werden arbeitslos und damit von der kapitalistisch produzierten F=FClle
weitgehend ausgeschlossen. Es gibt somit nur zwei schlechte Alternativen:=

Krise ist schlecht f=FCr die Menschen, aber dauerhaftes Wachstum geht
notwendigerweise auf Kosten der Natur.

Zweitens ist F=FClle f=FCr alle auch deswegen ausgeschlossen, weil
kapitalistisch produzierte G=FCter verkauft werden m=FCssen -- andernfall=
s kann
man damit kein Geld verdienen. Verkaufen kann man Dinge aber nur, wenn si=
e
*knapp* sind, es nicht genug davon gibt. Andernfalls tendiert der Preis
gegen null. Dann gehen Hersteller Pleite, die Verwertung scheitert, und d=
er
entsprechende Bereich wird f=FCr die kapitalistische Wertverwertung
uninteressant, sofern nicht durch "Marktbereinigung" wieder Knappheit
hergestellt werden kann. Vor diesem Problem steht heute die Musikindustri=
e,
da man Musik Dank des Internets so leicht mit anderen teilen kann, dass s=
ie
im =DCberfluss vorhanden ist.

Zum dritten besteht ein Konflikt zwischen F=FClle f=FCr alle und einem we=
iteren
Grundprinzip des Kapitalismus: der *Konkurrenz.* Konkurrenz bedeutet, das=
s
die Gewinne der einen die Verluste der anderen sind. Ganz gleich ob Firme=
n
um Marktanteile konkurrieren oder Menschen um Arbeitspl=E4tze: Durchsetze=
n
k=F6nnen sich nur einige, f=FCr die anderen bleibt die Pleite oder die
Arbeitslosigkeit. F=FClle gibt es vielleicht f=FCr die, die gewinnen, abe=
r den
Verlierer/innen im Konkurrenzkampf bleiben nur bescheidene staatliche
Almosen.

Gemeinsam produzieren statt gegeneinander arbeiten
--------------------------------------------------

Es braucht also eine andere Produktionsweise, und das bringt uns zu der
zweiten zu Beginn aufgeworfenen Frage, ob den Freuden des Konsums nicht
notwendigerweise die Plage des Produzierens "im Schwei=DFe deines Angesic=
hts"
vorangehen muss. Im Kapitalismus wird die Arbeit als Mittel zum Zweck
betrachtet -- Firmen besch=E4ftigen Arbeiter/innen, um verkaufbare Waren =
zu
produzieren, und die Menschen arbeiten, um Geld zu verdienen, das sie zum=

Leben brauchen. Wenn Politiker/innen sagen, dass die "Anreize zum Arbeite=
n
erh=F6ht werden m=FCssen", meinen sie damit Sanktionen gegen Menschen, di=
e
(vermeintlich oder tats=E4chlich) nicht arbeiten wollen. Arbeiten scheint=

etwas zu sein, was man nur gezwungenerma=DFen macht, sodass das "gute Leb=
en"
immer dann pausiert, wenn man den Arbeitsplatz betritt.

Aber muss das so sein? Schaut man sich um, beispielsweise im Internet,
stellt man fest, dass schon heute vieles auf eine Weise produziert wird,
die der g=E4ngigen Vorstellung von Arbeit als etwas, das man nur gegen
[Schmerzens-]Geld erledigt, widerspricht. Zahllose Menschen schreiben
freiwillig und ohne Bezahlung an der freien Enzyklop=E4die Wikipedia mit;=
 sie
stellen Freie Texte und Freie Musik ins Internet, die jede/r nicht nur
lesen bzw. anh=F6ren, sondern auch weitergeben und ver=E4ndern darf; sie
entwickeln Freie Software wie das Betriebssystem GNU/Linux, den Webserver=

Apache und den Webbrowser Firefox; sie bauen Freie Funknetze auf, die all=
en
in der Umgebung kostenlosen Internetzugang erm=F6glichen; sie entwerfen
M=F6bel, Kleidungsst=FCcke, Maschinen und viele andere Dinge und stellen =
die
Baupl=E4ne zur freien Verwendung und Weiterentwicklung ins Internet.

Diese *commonsbasierte Peer-Produktion* ist dabei l=E4ngst keine
Randerscheinung mehr, sondern ein unabdingbarer Bestandteil der modernen
Welt (vgl. die *Streifz=FCge*-Kolumne "Immaterial World" von Stefan Meret=
z
sowie Siefkes 2010). Das Internet w=FCrde ohne Freie Software nicht
funktionieren, und die Wikipedia hat sich f=FCr viele Menschen zur
Informationsquelle Nr. 1 entwickelt.

Peer-Produktion basiert auf dem *Bed=FCrfnisprinzip:* Im Gegensatz zur
herk=F6mmlichen kapitalistischen Produktion geht es nicht um den abstrakt=
en
Zweck der Geldvermehrung, sondern die konkreten Bed=FCrfnisse, W=FCnsche =
und
Ziele der Beteiligten bestimmen, was passiert. Dadurch =E4ndert sich auch=
 der
Charakter des Tuns: Viele der Beteiligten arbeiten an solchen Projekten
nicht mit, weil sie damit Geld verdienen (obwohl es das auch gibt), sonde=
rn
weil ihnen gef=E4llt, was sie da tun, aus Interesse an den Dingen, die da=

entstehen, weil man etwas dabei lernt oder weil man den anderen etwas
zur=FCckgeben m=F6chte. Die Wikipedia z.B. funktioniert nur deshalb, weil=
 hier
die anstrengende und monotone Arbeit des Enzyklop=E4die-Schreibens durch
etwas ersetzt ist, was viele Menschen gerne und freiwillig machen.

"Commonsbasiert" ist die Peer-Produktion, weil sie auf *Gemeing=FCtern*
(engl. *Commons*) aufbaut und ihrerseits neue Gemeing=FCter herstellt ode=
r
die vorhandenen verbessert und betreut. Gemeing=FCter sind G=FCter, die v=
on
einer Gemeinschaft entwickelt und gepflegt und den Nutzer/innen zur
Verf=FCgung gestellt werden. Die Gemeinschaft, die sich um ein Gemeingut
k=FCmmert, legt fest, wer es nutzen kann -- mindestens die Mitglieder der=

Community, oft aber auch viele andere, im Falle von Freier Software und
anderen Formen Freien Wissens sogar die ganze Welt. Das wird durch Freie
Lizenzen (wie die GNU GPL und die Creative-Commons-Lizenzen) formell
festgeschrieben.

Da die Mitarbeit bei Peer-Projekten freiwillig ist, muss niemand
vorbestimmte Aufgaben =FCbernehmen. Die Aufgabenverteilung erfolgt gem=E4=
=DF dem
*Stigmergie-Prinzip* (vgl. Heylighen 2007). Die Beteiligten hinterlassen
Hinweise auf begonnene oder gew=FCnschte Arbeiten, die andere dazu anrege=
n,
sich darum zu k=FCmmern. Zu solchen Hinweisen geh=F6ren etwa To-Do-Listen=
 und
Bug-Reports in Softwareprojekten und "rote Links" (auf noch nicht
existierende Artikel) in der Wikipedia. Viele der Neueinsteiger/innen
orientieren sich an den Hinweisen, ebenso jene, die eine bestimmte Arbeit=

abgeschlossen haben und neue Aufgaben suchen. Je mehr Beteiligten eine
Sache am Herzen liegt, desto sichtbarer werden die Hinweise und desto
gr=F6=DFer die Chance ihrer Bearbeitung.

Mit Peer-Produktion zum guten Leben?
------------------------------------

Peer-Produktion kommt der Idee des guten Lebens zweifellos n=E4her als di=
e
kapitalistische Produktion -- man beteiligt sich freiwillig an Projekten,=

die einer/einem wichtig sind, und arbeitet dabei mit anderen
gleichberechtigt (als "Peers") zusammen, statt sich einem Chef oder einer=

Obrigkeit unterordnen zu m=FCssen. Aber kann die Peer-Produktion, was der=

Kapitalismus nicht kann: F=FClle in dem oben genannten zweiten Sinne
produzieren, also "was man braucht, wenn man es braucht"? Und zwar nicht
nur in einigen Bereichen (z.B. Software) und nicht nur f=FCr manche Mensc=
hen,
sondern in allen Bereichen und f=FCr alle?

Um dies m=F6glich zu machen, muss die Peer-Produktion den Sprung von der
immateriellen in die materielle Welt schaffen, sodass nicht nur
Informationsg=FCter, sondern auch materielle G=FCter und Dienstleistungen=

peer-produziert werden. Aber geht das =FCberhaupt -- funktioniert
Peer-Produktion nicht nur deshalb, weil Informationen so einfach kopiert
und bearbeitet werden k=F6nnen?

Auch wenn nicht wenige Autor/innen glauben, dass die leichte Kopierbarkei=
t
den Informationen inh=E4rent ist, handelt es sich tats=E4chlich eher um e=
ine
Frage der richtigen *Infrastruktur.* Noch vor 30 Jahren war etwa die
verlustfreie Vervielf=E4ltigung von Musik Konzernen mit teuren
Spezialmaschinen vorbehalten, wie Glyn Moody (2010) betont. Erst die
Verbreitung von Internet-Breitbandanschl=FCssen und hinreichend gro=DFen
Datentr=E4gern hat sie allt=E4glich gemacht.

=C4hnliche Entwicklungen sind f=FCr die Herstellung materieller Dinge nic=
ht nur
denkbar, sondern in bestimmten Bereichen schon im Gange. Die
Vervielf=E4ltigung materieller Dinge ist unter drei Voraussetzungen m=F6g=
lich:
Man muss =FCber die *gesamten Baupl=E4ne* sowie =FCber die *ben=F6tigten
Produktionsmittel* und *Ressourcen* verf=FCgen. Im folgenden Abschnitt so=
ll
kurz skizziert werden, wie eine verallgemeinerte Peer-Produktion diese
Voraussetzungen erf=FCllen kann.

Bausteine einer verallgemeinerten Peer-Produktion
-------------------------------------------------

Die Betrachtung der heutigen Formen der Peer-Produktion zeigt, dass die
verwendeten Ressourcen und Produktionsmittel im Allgemeinen *Gemeing=FCte=
r*
oder *verteilter Besitz* sind. Bei digitaler Peer-Produktion sind Wissen
und Informationen die wichtigsten Ressourcen. Sie gelten dabei als
Gemeing=FCter, die von allen genutzt und weiterentwickelt werden k=F6nnen=
=2E
Exemplarisch f=FCr eine bei Peer-Produzierenden weitverbreitete Ansicht
formuliert die *Wikimedia Foundation,* die hinter der Wikipedia steht,
sogar den Anspruch, dass alles =F6ffentlich relevante Wissen Gemeingut se=
in
sollte:

  Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder Mensch freien Zugang zur
  Gesamtheit allen Wissens hat. Das ist unser Ziel. (Wikimedia Foundation=

  2010, eigene =DCbersetzung)

Eine Form Freien Wissens ist *Freies Design,* auch *Open Hardware* genann=
t.
Open-Hardware-Projekte entwerfen materielle Dinge und teilen ihre Baupl=E4=
ne
und Konstruktionsbeschreibungen mit der ganzen Welt. Dieser Bereich der
Peer-Produktion ist noch relativ jung, aber in den letzten Jahren sind
zahlreiche neue Projekte entstanden. Das US-amerikanische Magazin *Make*
hat Ende 2009 einen gro=DFen Report zum Thema ver=F6ffentlicht (Make 2009=
), der
weit =FCber hundert Projekte enthielt -- seitdem d=FCrften es noch deutli=
ch
mehr geworden sein. Dieses *Freie Produktionswissen* dar=FCber, wie Dinge=

hergestellt werden (aber auch, wie man sie benutzt, wartet, repariert und=

schlie=DFlich fachgerecht recycelt), ist der erste Baustein der materiell=
en
Peer-Produktion.

Die wesentlichen Ressourcen -- bei digitaler Peer-Produktion das Wissen -=
-
werden in der Logik der Peer-Produktion also als Gemeing=FCter behandelt.=
 F=FCr
die materielle Peer-Produktion, die nicht nur Wissen, sondern auch
nat=FCrliche Ressourcen ben=F6tigt, bedeutet dies, dass gem=E4=DF der Log=
ik der
Peer-Produktion die Naturressourcen ebenfalls als Gemeing=FCter zu betrac=
hten
sind. Die entsprechende Schlussfolgerung hat schon Karl Marx gezogen:

  Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen
  Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigent=FCmer der Erde. Sie =
sind
  nur ihre Besitzer, ihre Nutznie=DFer, und haben sie als boni patres
  familias [gute Familienv=E4ter] den nachfolgenden Generationen verbesse=
rt
  zu hinterlassen. (Marx 1894)

Dass nat=FCrliche Ressourcen gem=E4=DF dieser Logik zum Gemeingut werden,=

bedeutet, dass niemand Exklusivrechte auf sie erheben, sie verwerten oder=

verkaufen kann. Sie m=FCssen in ihrer Substanz erhalten bleiben, d=FCrfen=
 also
genutzt, aber nicht aufgebraucht werden. Jede/r hat in diesem Rahmen das
Recht auf anteilige Nutzung, wobei der =F6kologische Fu=DFabdruck oder
verwandte Messgr=F6=DFen Richtwerte vorgeben k=F6nnen. Bei der heutigen
Bev=F6lkerungsgr=F6=DFe k=F6nnten die von einer Person genutzten G=FCter =
also
nat=FCrliche Ressourcen im Umfang von maximal 1,8 globalen Hektar erforde=
rn.
Nur so kann mit der ersten Herausforderung, der Begrenztheit der irdische=
n
Ressourcen, auf eine Weise umgegangen werden, bei der niemand zu kurz
kommt.

Die Bewahrung und Nutzung der nat=FCrlichen Ressourcen als Gemeing=FCter =
ist
der zweite Baustein der materiellen Peer-Produktion. Die Durchsetzung
dieser Logik ist wahrscheinlich die gr=F6=DFte Herausforderung f=FCr die
Verallgemeinerung der Peer-Produktion, da sie mit der heutigen Auffassung=

praktisch aller Dinge, einschlie=DFlich gro=DFer Teile der Natur, als
Privateigentum radikal bricht.

Jede Produktion ist auf Produktionsmittel angewiesen -- zum Beispiel auf
die Maschinen, mit denen etwas produziert wird. Im Bereich der digitalen
Peer-Produktion geh=F6ren die Produktionsmittel meist vielen verschiedene=
n
Leuten. Zum Schreiben von Freier Software verwende ich meinem eigenen
Computer, der offiziell mein *Eigentum* ist. Ich d=FCrfte ihn verkaufen o=
der
auch vermieten, aber das tue ich nicht, sondern ich *benutze* ihn. Dies
wird als *Besitz* bezeichnet: Besitz ist, was man benutzt. Die Wohnung, d=
ie
ich gemietet habe, ist mein Besitz, aber das Eigentum meines Vermieters.

Bei digitaler Peer-Produktion fallen Besitz und Eigentum bei den
materiellen Produktionsmitteln meist zusammen, aber worauf es ankommt, is=
t
der Besitz. Die Produktionsmittel werden benutzt, nicht verwertet. Dabei
ist dieser Besitz =FCber viele Menschen verteilt. Es gibt keine Einzelper=
son
oder kleine Gruppe von Personen, die alle Rechner kontrolliert, die die a=
m
Linux-Projekt Beteiligten benutzen. Durch die Verteilung des Besitzes
werden einseitige Abh=E4ngigkeitsverh=E4ltnisse verhindert. Niemand kann =
die
anderen blockieren, indem er die Nutzung der Produktionsmittel verweigert=

oder unter Bedingungen stellt.

Die Entwicklung im Bereich materieller Peer-Produktion geht in eine
=E4hnliche Richtung: Dezentrale produktive Infrastrukturen entstehen, die=

sich die Beteiligten zum Zweck ihrer Bed=FCrfnisbefriedigung organisieren=
=2E Es
geht darum, zu produzieren, was man haben m=F6chte, oder zu tun, was man
gerne tut, nicht ums Geldverdienen. Dabei sind die produktiven
Infrastrukturen so verteilt, dass niemand den Zugang zu diesen
Produktionsmitteln kontrollieren kann.

Ein Beispiel sind *Mesh-Netzwerke.* Das klassische Modell eines Netzzugan=
gs
ist hierarchisch: Ein Provider bietet Tausenden oder Hunderttausenden von=

Menschen Zugang zum Internet. Der Provider kann jeder/m Einzelnen gezielt=

den Zugang nehmen; er kann Zug=E4nge zensieren und =FCberwachen, was die
Nutzer/innen machen; und wenn ihm selbst der Zugang abgeschnitten wird,
sind alle seine Kund/innen offline. Dagegen sind Mesh-Netzwerke dezentral=
e
Netzwerke, in denen alle beteiligten Computer gleich sind: Jeder kann mit=

allen anderen direkt per Funk kommunizieren, sofern sie in seiner
Reichweite sind; wenn nicht, suchen sich die betroffenen Rechner einen
m=F6glichst schnellen Weg =FCber andere Computer in ihrer N=E4he. Es gibt=
 keine
zentralen Server, die abgeschaltet werden k=F6nnten, und wenn einzelne
Rechner ausfallen, sucht sich das Netzwerk andere Wege um die fehlenden
Rechner herum. Es gibt also keine zentrale Instanz, die das Netzwerk oder=

Teile davon kontrollieren k=F6nnte.

Die Einwohner/innen der s=FCdafrikanischen Stadt Scarborough organisieren=

sich mittels eines solchen Mesh-Netzwerks Internet und Telefonie. Die
n=F6tige Hardware ist =FCber viele Leute verteilt -- wer beitragen m=F6ch=
te,
kauft sich einen WLAN-Router, eine Antenne oder andere n=F6tige Hardware.=
 Es
gibt niemand, dem das ganze Netz oder ein gr=F6=DFerer Teil davon geh=F6r=
t;
niemand, der es abschalten oder zensieren k=F6nnte. Die ben=F6tigte Softw=
are
und ein Teil der n=F6tigen Hardware wird als Freie Software und Open Hard=
ware
entwickelt, kann also selber angepasst und ggf. hergestellt werden (vgl.
Rowe 2010).

Was heute in einigen St=E4dten schon f=FCr Internet und Telefon funktioni=
ert,
ist auch f=FCr die dezentrale Versorgung mit (Solar- und Wind-)Energie od=
er
Wasser denkbar. Selbstorganisierte Projekte zur Wasserversorgung existier=
en
beispielsweise in S=FCdamerika (vgl. De Angelis 2010).

Ein weiteres Beispiel sind die im Bereich der digitalen Peer-Produktion
weitverbreiteten *Hackerspaces* (siehe <http://hackerspaces.org>) --
selbstorganisierte R=E4ume (wie sie auch in der linken Szene existieren),=
 wo
sich Menschen treffen, um beispielsweise Freie Software zu schreiben oder=

zur Wikipedia und anderen Freien Projekten beizutragen. Hackerspaces sind=

immer auch Lernr=E4ume, wo man Workshops veranstalten oder sein Wissen
informell teilen und an andere weitergeben kann; zudem dienen sie der
Entspannung und Erholung. Finanziert werden sie =FCblicherweise durch
freiwillige Beitr=E4ge der Benutzer/innen -- laufende Kosten wie die Miet=
e
werden =FCber einen Verein gedeckt, an den jede/r ein paar Euro pro Monat=

=FCberweist. Die Nutzung des Raums ist dabei aber =FCblicherweise nicht a=
n eine
Vereinsmitgliedschaft gebunden, sondern steht allen frei.

Im Bereich der materiellen Produktion wurden in Dutzenden von St=E4dten
sogenannte *Fab Labs* <http://fab.cba.mit.edu> eingerichtet -- im
deutschsprachigen Raum gibt es schon sechs davon, n=E4mlich in Aachen,
Berlin, K=F6ln, M=FCnchen, Wien und Luzern. Von der Idee her sind Fab Lab=
s
=E4hnlich wie Hackerspaces selbstorganisierte R=E4ume, wobei sie heute no=
ch
teuer sind und meist von Universit=E4ten oder anderen gr=F6=DFeren Organi=
sationen
gesponsert werden m=FCssen. In solchen Labs gibt es eine ganze Reihe von
Produktionsmaschinen, die von den Menschen in der Umgebung benutzt werden=

k=F6nnen. Fab Labs verf=FCgen u.a. =FCber *CNC-Maschinen,* die computerge=
steuert
Materialbl=F6cke zurechtschneiden oder -fr=E4sen k=F6nnen, sowie =FCber *=
Fabber*
(auch 3D-Drucker genannt), die Gegenst=E4nde umgekehrt aus vielen Schicht=
en
aufbauen, wobei die einzelnen Schichten quasi "ausgedruckt" werden und
daraus Schicht f=FCr Schicht ein dreidimensionaler Gegenstand entsteht.

Fast alle heutigen Produktionstechniken werden tendenziell kleiner und eh=
er
verf=FCgbar f=FCr begrenzte Gruppen (beispielsweise f=FCr Leute, die Hack=
erspaces
betreiben), ohne dass diese daf=FCr viel Geld ausgeben m=FCssten. Heute s=
ind
die Fab Labs noch teuer, weil sie auf propriet=E4re Maschinen setzen, die=
 auf
dem Markt eingekauft werden m=FCssen und entsprechend viel kosten. Dies
=E4ndert sich aber allm=E4hlich, da in den letzten Jahren diverse Peer-Pr=
ojekte
entstanden sind, die CNC-Maschinen, 3D-Drucker und andere Produktionsmitt=
el
entwerfen und ihre Ergebnisse als Open Hardware ver=F6ffentlichen. Solche=

Freien Produktionsmittel -- kleine CNC-Maschinen wie *Contraptor*
<http://www.contraptor.org> und *Valkyrie*
<http://letsmakerobots.com/node/9006>, kleine Fabber wie *RepRap*
<http://reprap.org> und *Fab@Home* <http://fabathome.org> -- sind noch
nicht konkurrenzf=E4hig mit der kapitalistischen Massenproduktion, aber i=
n
bestimmten Bereichen auch nicht mehr so weit davon entfernt.

Sobald die Maschinen selber das Ergebnis von Peer-Produktion sind und im
Rahmen solcher produktiver Zentren selbst wiederum hergestellt, also
vervielf=E4ltigt werden k=F6nnen, wird es spannend. Denn so wird eine par=
tielle
Abkoppelung vom Markt m=F6glich, wo man die Dinge nicht mehr kaufen muss,=

sondern sie in Peer-Produktion gemeinsam herstellen kann. Die
selbstorganisierte Bereitstellung und Verwendung von Produktionsmitteln i=
st
der dritte Baustein der materiellen Peer-Produktion.

All das w=FCrde nie zustande kommen ohne die Menschen, die in freiwillige=
r
Selbstauswahl n=FCtzliche Dinge entwerfen und ihr Wissen teilen, nat=FCrl=
iche
Ressourcen zug=E4nglich machen und erhalten sowie selbstorganisierte
Produktionsinfrastrukturen einrichten und betreiben. Die freiwilligen
Beitr=E4ge der Beteiligten, die -- jede/r auf die Art und Weise, die ihre=
n
oder seinen Bed=FCrfnissen und Interessen entspricht -- dazu beitragen, d=
ass
Peer-Projekte (sei es f=FCr Software oder materielle Produktion) erfolgre=
ich
sind, sind der vierte und zweifellos wichtigste Baustein.

Fairness-Fragen
---------------

Kann eine Gesellschaft auf der Basis von Peer-Produktion und
Selbstorganisation tats=E4chlich aus eigener Kraft funktionieren? Oder is=
t
sie in bestimmten Bereichen der gesellschaftlichen Organisation auf
herk=F6mmliche Elemente der Vergesellschaftung -- wie Staat, Polizei, Mar=
kt
-- angewiesen? Der Ruf nach einer zentralen Regulierungsinstanz kommt
besonders schnell bei Fragestellungen auf, die sich unter dem Begriff der=

Fairness (oder Gerechtigkeit) fassen lassen.

Dies betrifft zum einen den Zugang zu Ressourcen. Gem=E4=DF der Logik der=

Peer-Produktion k=F6nnen Ressourcen genutzt werden, sofern sie in ihrer
Substanz f=FCr die Nachwelt erhalten bleiben und sofern f=FCr die anderen=

jeweils =E4hnlich viel da ist wie f=FCr eine/n selbst. Doch was geschieht=
, wenn
sich einige =FCber diese Begrenzungen hinwegsetzen und langfristig so vie=
l
verbrauchen, dass sie die durchschnittlich pro Person verf=FCgbare
Biokapazit=E4t deutlich =FCberschreiten und so auf Kosten anderer leben?

Die Verhinderung und Sanktionierung solchen Fehlverhaltens scheint zun=E4=
chst
eine zentrale, staatliche Instanz zu erfordern, doch die Praktiken heutig=
er
Peer-Projekte zeigen, dass es auch anders geht. Die Beteiligten reagieren=

auf Fehlverhalten mit "flaming and shunning", was man auf Deutsch mit
"Schimpfen und Schneiden" wiedergeben k=F6nnte (vgl. Lehmann 2004). Man
beschimpft die =DCbelt=E4ter/in zun=E4chst, es kommt zu "Flames", lautsta=
rk und
=F6ffentlich (z.B. auf Mailinglisten) ge=E4u=DFerter Kritik. Werden diese=

Warnungen ignoriert, kann der/die Betroffene "geschnitten" werden, d.h. m=
an
verweigert die weitere Zusammenarbeit mit ihr oder ihm. Das kann bis zum
Boykott, bis zum zeitweiligen oder dauerhaften Ausschluss aus dem Projekt=

f=FChren.

Nun sind aber in jeder Gesellschaft die Menschen auf andere angewiesen --=

ohne die Zusammenarbeit mit anderen ist das =DCberleben schwierig und ein=

gutes Leben definitiv unm=F6glich. Wenn der allgemeine Konsens dahin geht=
,
bestimmte Verhaltensweisen nicht zu akzeptieren und mit
Kooperationsverweigerung zu sanktionieren, werden sich solche
Verhaltensweisen daher kaum aufrecht halten lassen.

Ein anderer m=F6glicherweise problematischer Bereich betrifft die Verteil=
ung
von Aufgaben. Normalerweise funktioniert Peer-Produktion auf der Basis vo=
n
Selbstauswahl und Stigmergie. Jede/r sucht sich Aufgaben aus, die ihr ode=
r
ihm gefallen oder wichtig sind, und orientiert sich dabei an den Hinweise=
n,
die andere hinterlassen. Doch wie geht man damit um, wenn das bei
bestimmten Aufgaben nicht funktioniert, wenn sich daf=FCr keine Freiwilli=
gen
finden?

Eine erste Frage ist, ob solche Aufgaben tats=E4chlich notwendig sind. We=
nn
sie niemandem so wichtig sind, dass sie oder er zu ihrer Erledigung berei=
t
w=E4re, dann kann man darauf vielleicht einfach verzichten? Wenn das nich=
t
der Fall ist, bleibt als weitere M=F6glichkeit zum Umgang mit solchen
unbeliebten Aufgaben die *Automatisierung.* Automatisierung hat seit Begi=
nn
der "industriellen Revolution" ja schon enorme Wirkungen entfaltet; immer=

gr=F6=DFere Teile der Produktion werden ganz oder teilweise automatisiert=
=2E
Besonders gut geeignet f=FCr die Automatisierung sind dabei Aufgaben, die=

eint=F6nig und repetitiv und deshalb wenig beliebt sind. Kreative Aufgabe=
n,
die menschliche Intelligenz und Intuition erfordern, bleiben =FCbrig, sin=
d
erfahrungsgem=E4=DF aber auch weniger problematisch, da sie spannend und
reizvoll sind.

Allerdings stellt im Kapitalismus der Lohn eine Grenze der Automatisierun=
g
dar -- je schlechter bezahlt ein Job ist, desto schwieriger wird es, ihn
ohne Mehrkosten zu automatisieren. Viele undankbare T=E4tigkeiten wie z.B=
=2E
das Putzen werden aber so schlecht bezahlt, dass unter kapitalistischen
Umst=E4nden ihre Automatisierung wenig sinnvoll ist. Wenn es dagegen bei
Peer-Produktion Aufgaben gibt, an deren Erledigung alle oder viele
interessiert sind, die aber niemand selber erledigen will, dann ist der
Anreiz, sie ganz oder teilweise zu automatisieren, sehr hoch. Und da die
Automatisierung von T=E4tigkeiten selbst eine spannende und herausfordern=
de
Besch=E4ftigung ist, sind die Chancen, daf=FCr Freiwillige zu finden, seh=
r viel
besser.

In vielen F=E4llen lassen sich T=E4tigkeiten auch so *umorganisieren und
umgestalten,* dass sie interessanter und angenehmer werden. Im Kapitalism=
us
finden die undankbaren Arbeiten meist unter sehr schlechten Bedingungen
statt (z.B. B=FCros putzen um 4 Uhr morgens), aber diese Rahmenbedingunge=
n
sind der Aufgabe nicht inh=E4rent. Bei Peer-Produktion entscheiden die
Freiwilligen, unter welchen Umst=E4nden sie eine Aufgaben =FCbernehmen un=
d wie
sie sie ausgestalten. Sie k=F6nnen also sagen: "Wir machen das tags=FCber=
, und
wenn das den anderen nicht passt, sollen sie's selber machen."

Falls aber weder Automatisierung noch Umorganisation greifen, k=F6nnen di=
e
Betroffenen Faustregeln zur *fairen Aufteilung* dieser Aufgaben entwickel=
n.
Alle, die an der Erledigung Interesse haben, =FCbernehmen hin und wieder =
im
Wechsel eine der Aufgaben. Auf diese Weise hat niemand allzu viel damit z=
u
tun.

Peer-Produktion ist kein Allheilmittel zur L=F6sung aller gesellschaftlic=
hen
Probleme, aber sie er=F6ffnet vielf=E4ltige M=F6glichkeiten, sich mit and=
eren
zusammenzutun und sich gemeinsam der Dinge anzunehmen, die einer/einem
wichtig sind. Unter kapitalistischen Umst=E4nden ist kein gutes Leben f=FC=
r
alle m=F6glich. Die Voraussetzungen der verallgemeinerten Peer-Produktion=

sind sehr viel besser, weil sie auf dem *Bed=FCrfnisprinzip* basiert:
Menschen tun sich zusammen und produzieren etwas, weil es ihren produktiv=
en
oder konsumtiven Bed=FCrfnissen entspricht. Anders als im Kapitalismus, w=
o
sich im Konkurrenzkampf jede/r strukturell gegen die anderen durchsetzen
muss, muss bei gemeinsamer Produktion Bed=FCrfnisbefriedigung aber weder =
auf
Kosten anderer noch auf Kosten der Natur gehen. Im Gegenteil:
Peer-Produktion funktioniert deshalb so gut, weil sich die Menschen
gegenseitig bei der Befriedigung ihrer Bed=FCrfnisse unterst=FCtzen, was =
f=FCr
alle Beteiligten von Vorteil ist.

Literatur
---------

* De Angelis, Massimo (2010): *Water Umaraqa.* URL:
  <http://www.commoner.org.uk/blog/?p=3D241> (5.1.2011).
* Heylighen, Francis (2007): Warum ist Open-Access-Entwicklung so
  erfolgreich? In: Bernd Lutterbeck, Matthias B=E4rwolff, Robert A. Gehri=
ng
  (Hg.), *Open Source Jahrbuch 2007.* Lehmanns Media, Berlin. URL:

<http://www.opensourcejahrbuch.de/portal/articles/pdfs/osjb2007-02-04-hey=
lighen.pdf>
  (20.1.2011).
* Lehmann, Frauke (2004): FLOSS Developers as a Social Formation. *First
  Monday,* 9(11). URL:

<http://firstmonday.org/htbin/cgiwrap/bin/ojs/index.php/fm/article/view/1=
186/1106>
  (25.1.2011).
* Make (2009): *Open Source Hardware 2009.* URL:

<http://blog.makezine.com/archive/2009/12/open_source_hardware_2009_-_the=
_def.html>
  (5.1.2011).
* Marx, Karl (1894): *Das Kapital. Dritter Band.* MEW 25. Dietz, Berlin
  1983.
* Moody, Glyn (2010): *Ethics of Intellectual Monopolies.* Keynote auf de=
r
  FSCONS 2010.
* Rowe, David (2010): *Baboons, Mesh Networks, and Community.* URL:
  <http://www.rowetel.com/blog/?p=3D124> (5.1.2011).
* Siefkes, Christian (2010): Peer Produktion: Wie im Internet eine neue
  Produktionsweise entsteht. *Widerspruch -- M=FCnchner Zeitschrift f=FCr=

  Philosophie,* Heft 52. URL:
  <http://www.keimform.de/2011/peer-produktion/> (19.1.2011).
* Wikimedia Foundation (2010): *Homepage.* URL:
  <http://wikimediafoundation.org/wiki/Home> (5.1.2011).
* Wikipedia (2010): *List of countries by ecological footprint.* URL:
  <http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_ecological_footprint=
>
  (11.1.2011).


Herzliche Gr=FC=DFe
	Christian

--=20
|------- Dr. Christian Siefkes ------- [email protected] -------
| Homepage: http://www.siefkes.net/ | Blog: http://www.keimform.de/
|    Peer Production Everywhere:       http://peerconomy.org/wiki/
|---------------------------------- OpenPGP Key ID: 0x346452D8 --
Take sides. Neutrality helps the oppressor, never the victim.
Silence encourages the tormentor, never the tormented.
        -- Elie Wiesel


--------------enigCAA0C870C32D3A58C46C24D9
Content-Type: application/pgp-signature; name="signature.asc"
Content-Description: OpenPGP digital signature
Content-Disposition: attachment; filename="signature.asc"

-----BEGIN PGP SIGNATURE-----
Version: GnuPG v1.4.10 (GNU/Linux)
Comment: Using GnuPG with Mozilla - http://enigmail.mozdev.org/

iEYEARECAAYFAk2iFdgACgkQ301HxjRkUtikhACcCh8zNhXiiCGo2Mykgl+rqSYC
nYUAoJnPc8QF4Shl5IeaPAI15UM/sHYM
=krHu
-----END PGP SIGNATURE-----

--------------enigCAA0C870C32D3A58C46C24D9--
________________________________
Web-Site: http://www.oekonux.de/
Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/
Kontakt: [email protected]