Re: [ox-de] Freies Projekt "Premium Cola"
Stefan Merten <[email protected]> Mon, 11 Apr 2011 11:33:44 +0200
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
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| Message-ID | <[email protected]> |
--=-=-= Content-Type: text/plain; charset=iso-8859-1 Content-Transfer-Encoding: quoted-printable Hi Liste und Uwe! Hierzu ein ausf=FChrlicher Kommentar von mir. Uwe ist =FCbrigens jetzt auch auf unserer Mailing-Liste und ist sehr an einer Diskussion interessiert :-) . 6 minutes ago Stefan Merten wrote: > Seit 2001 vertreibt ein dezentrales Kollektiv eine ganz besondere > Cola: Premium Cola ist ein korrektes Produkt, das hei=DFt sie hat einen > hohen Koffeingehalt f=FCr den ultimativen Kick. Und sie wird unter > korrekten Bedingungen hergestellt und vertrieben, das hei=DFt ohne > Gewinnerzielung und konsequent selbstverwaltet. Das erinnert sehr an PeerProduction - wobei ich "selbstverwaltet" nicht als Begriff verwenden w=FCrde, sondern eher so etwas wie Maintainer-Prinzip - s.u. Dezentral, ohne Gewinnabsicht und an einem gemeinsamen Interesse orientiert, so etwas ist eigentlich immer die Basis f=FCr PeerProduction-Projekte. > Das Kollektiv, dessen > Mitglieder bundesweit verstreut leben, produziert nicht selbst, > sondern managed ein ausgefeiltes Betriebssystem. Sie produzieren also nicht selbst, sondern organisieren quasi "nur" Produktion und Vertrieb. Wenn ich hier eine Analogie in Freier Software suche, dann fallen mir am ehesten Distributionen wie Debian ein. Es gibt ja unter uns ein paar Leute, die stets die Bedeutung der materiellen Produktion betonen. Ich sehe das ja etwas gelassener und eher als Gegenstand eines historischen Prozesses, aber dieses Premium-Cola zeigt recht sch=F6n, was an gesellschaftlich notwendiger Arbeit jenseits des schieren materiellen Produktionsprozesses noch so n=F6tig ist. Noch ein Grund die materielle Produktion nicht =FCberzubewerten. > Elisabeth Vo=DF > interviewte Uwe L=FCbbermann, den Gr=FCnder von Premium Cola. An dieser Stelle auch ein Dank an Elisabeth, deren Artikel in der Contraste f=FCr mich oft die interessantesten sind :-) . > Aus o.g. rund 600 Stakeholdern > sind derzeit 108 Personen in einer Mailingliste, die sich selbst > meistens als Kollektiv bezeichnen. In der Mailingliste werden alle > Entscheidungen getroffen, die Umsetzung wird unregelm=E4=DFig von einem > Teil dieses Kollektivs aus ca. 20 Personen =FCbernommen, und von diesen > wiederum gibt es eine Art harten Kern aus einer handvoll Leute, die > regelm=E4=DFig Arbeit =FCbernehmen. Auch das sind Strukturen, die wir aus anderen PeerProduction-Projekten kennen: Eine virtuelle Organisationsform (Mailing-Liste) und innerhalb dieser ganz unterschiedliche Mitwirkungstiefen. Auch die Zahlen sind =FCblich: 20 Personen, die was tun und eine wesentlich gr=F6=DFere Zahl, die nur beraten und sich punktuell einbringen, ist oft zu beobachten. Aus den Angaben von Uwe w=FCrde ich aus herauslesen, dass die eigentlichen *NutzerInnen* sich auf der Mailing-Liste nicht gro=DF beteiligen. Auch das ein verbreitetes Ph=E4nomen: Die NutzerInnen sind schlie=DFlich am Produkt interessiert und nicht an dessen Herstellung / Vertrieb. Aber ebenso stelle ich mir vor, dass die NutzerInnen sich schon auch dort melden k=F6nnen. > Da bin ich quasi der h=E4rteste, bei mir > landet effektiv am meisten. Uwe ist das, was ich als Maintainer bezeichnen w=FCrde. Auch das passt. > Je nach Sichtweise ist Premium also ein > reines Steuerungs-und Entscheidungskollektiv aus allen Stakeholdern > mit ein paar wenigen Leuten f=FCr die reale Arbeit, oder eine > Einzelfirma (mit ein paar Helfern), in die alle diese Stakeholder als > quasi virtueller Aufsichtsrat reinreden k=F6nnen. Klingt durchaus > kompliziert, und ist es auch... Na ja - ein PeerProduction-Projekt eben ;-) . Kompliziert ist es m.E. nur deswegen, weil die Vorgehensweise von PeerProduction-Projekten gesellschaftlich noch nicht so verinnerlicht ist wie beispielsweise eine repr=E4sentative Demokratie - die sich ja auch nicht von selbst organisiert. Aber es w=E4chst ja an verschiedenen Stellen - auch unabh=E4ngig voneinander. Insofern bin ich guter Hoffnung, dass das kommen wird. Und die Avantgarde hat's halt immer schwer... > Uwe L=FCbbermann: Ob jemand von Premium leben kann, entscheidet er/sie > =FCberwiegend selbst durch die langfristigen aktiven Beitr=E4ge; wir haben > alles bis zur einzelnen Flasche pro Person und Aufgabe > runtergerechnet, sodass viel reale Aktivit=E4t sich meistens auch in > entsprechende Summen umsetzen lie=DFe. Das sehe ich als Besonderheit in diesem Projekt an, die sich in anderen PeerProduction-Projekten so nicht findet: Das ganze Projekt dreht sich ja um eine gelddominierte Form und insofern ist das Thema Bezahlung der Aktiven hier sicher sehr viele naheliegender als wenn auch das Produkt selbst Frei w=E4re. > Bisher lebe allerdings nur ich > komplett von Premium, und das auch erst seit April 2010 obwohl es > Premium =FCber neun Jahre gibt. Das liegt u.a. an unserer fr=FCheren > Maxime, dass noch niemand ganz von Premium leben sollte um nicht > abh=E4ngig zu sein. Aber erfreulich: Der verderbliche Einfluss des Geldes auf PeerProduction-Projekte wurde auch hier intuitiv erkannt :-) . > Uwe L=FCbbermann: Um KollektivistIn zu werden, reicht es im Prinzip, > Stakeholder zu sein, also mal eine Flasche getrunken zu haben. Das ist das, was wir als interne Offenheit bezeichnen: Die Mitmachh=FCrden sind sehr niedrig. > Zur > Eigensicherung haben wir aber noch den Schritt eingebaut, dass > mindestens eine vorhandene Person im Kollektiv die neue pers=F6nlich > kennen gelernt haben muss. Das ist alles. Ein freiwilliger Ausstieg > ist dann nat=FCrlich jederzeit m=F6glich, und wir haben auch > Not-Ausschlussregelungen f=FCr den Fall, dass jemand das Netzwerk massiv > sch=E4digt; siehe http://www.premium-cola.de/betriebssystem/schutz Sehr n=FCtzlich und in links dominierten Projekten leider zu selten praktiziert. Da - wenn ich es richtig verstehe - das Projekt selbst kein oder wenig Kaptial hat, stellt sich auch die Frage der Ausstiegskosten nicht. Das w=E4re anders, wenn die Aktiven Geld investiert h=E4tten. Diese =DCberlegungen gelten auch hinsichtlich eines etwaigen Forks, der nur mit den von anderen PeerProduction-Projekten bekannten Schwierigkeiten verbunden ist. Insofern hat Premium-Cola ein zentrales Problem nicht, dass bei stark kapitalbasierten Projekten immer auftritt. > CONTRASTE: Wie hoch ist der Frauenanteil in eurem Kollektiv? >=20 > Uwe L=FCbbermann: Leider sehr gering, bei unter zehn Prozent. Ich habe > bis heute keine Idee, warum das so ist. [...] > Also: unsere Frauenquote > ist trotz dieser Sensibilit=E4t leider gering, ich wei=DF nicht wieso und > bedaure das sehr. Na ja, meine Position ist halt: Es ist wie es ist. Unter Selbstentfaltungsbedingungen macht es m.E. wenig Sinn auf eine abstrakte Quote zu schielen. Auch die von Uwe ge=E4u=DFerte Zerknirschtheit ist m.E. nicht angesagt - insbesondere wenn das Projekt versucht, menschen(!)freundlich zu sein. > Uwe L=FCbbermann: Diskussionen und Entscheidungen laufen meistens per > Mail, mit einzelnen Beteiligten per Telefon oder pers=F6nlich, und es > gibt einmal pro Jahr ein Kollektivtreffen in der echten Welt. Der > Modus ist Konsensdemokratie, was bedeutet dass theoretisch jede/r ein > Veto zu allen Fragen einlegen kann. Die Idee dahinter war, dass so > Ausbeutung von Einzelnen praktisch unm=F6glich wird; das Veto wird aber > vermehrt f=FCr andere Dinge wie z.B. (grafische) Geschmacksfragen > benutzt. So l=E4hmen wir uns teilweise selbst, es wird viel diskutiert > und wenig umgesetzt, deshalb ist gerade in der Diskussion, ob das > Veto-Recht =BBnur=AB noch f=FCr Betroffene von Entscheidungen gelten soll= te. Auch das klingt nach PeerProduction-Projekten, in denen der Maintainer auf den "rough consensus" angewiesen ist. Allerdings - und das kenne ich aus meiner anarchistischen Zeit - ist das Veto ein sehr scharfes Schwert, das man auch beherrschen muss. Auch dies m.E. eine Kulturtechnik, die noch wenig verbreitet ist. Wir haben uns vor Zeiten auf die Formulierung verst=E4ndigt: KeineR *muss* widersprechen. Damit war genau der gegen=FCber der Sachfrage entfremdeter Missbrauch von Vetos ausgeschlossen. > Die Menge an Informationen ist aus > meiner Sicht aber nicht so das Problem, sondern eher die > Zusammenh=E4nge. Da habe ich meistens den besten Durchblick und versuche > immer alles zu erkl=E4ren, werde daher manchmal Erkl=E4rb=E4r genannt... > Viele Kollektivisten wollen sich aber auch gar nicht so intensiv in > die Zusammenh=E4nge bei=DFen, habe ich zumindest den Eindruck. Siehe oben zu unterschiedlichen Mitwirkungstiefen. Auch das ist typisch f=FCr PeerProduction-Projekte: Ich kann mir ein Eckchen suchen, in dem ich mich wohlf=FChle und muss mich nicht mit der ganzen Komplexit=E4t rumschlagen - weil es andere gibt, die das f=FCr mich machen. > Uwe L=FCbbermann: Auch dazu nur meine Sichtweise mit der Anregung, die > Mailingliste zu fragen. die Meinung von mir hat h=E4ufig Gewicht wegen > der o.g. Zusammenh=E4nge, ein gewisser Respekt vor den Jahren der > Aufbau-Arbeit ist auch zu sp=FCren, aber gl=FCcklicherweise gilt nicht 1:1 > was ich sage oder m=F6chte (auch wenn mich das manchmal kolossal nervt > wenn die Dinge dann nicht vorangehen). Da spricht der Maintainer... > Rein formal geh=F6rt die Marke > mir, aber wir haben da schon eine Reihe sehr eigenst=E4ndiger K=F6pfe > dabei, die sich nicht um Formalit=E4ten scheren. Wir haben auch keine > schriftlichen Vertr=E4ge, also k=F6nnte jede/r jederzeit aussteigen. Ohne > die Stakeholder und das Kollektiv g=E4be es Premium gar nicht, insofern > sind beide Seiten gleich m=E4chtig / meine formale Macht ist eher > theoretischer Natur, und ich habe sie auch noch nie genutzt. Das Maintainer-Prinzip in Aktion... > Es gab im > Gegenteil von mir =FCber Jahre immer wieder die Anregung, im Interesse > der Risikobegrenzung eine kollektivere Rechtsform zu finden, was auch > gar nicht so einfach ist. mittlerweile kann ich mit der Form > allerdings gut leben und w=E4re z.B. auch nicht bereit, mit Personen, > die fast nur reden, in eine Rechtsform zu gehen, die durch aktive > Arbeit getragen werden muss. Klingt vertraut... > CONTRASTE: Wie viele KollektivistInnen sind im Kern des Unternehmens, > das hei=DFt in der Gesamtkoordination, t=E4tig? Gibt es irgendwelche > Informationen, die nicht kollektiv=F6ffentlich sind und =FCber die nur > diese ManagerInnen verf=FCgen? >=20 > Uwe L=FCbbermann: Die Gesamtkoordination liegt (leider) fast > ausschlie=DFlich bei mir. Nochmal Maintainer pur... > Ich werde durch einen Buchhalter und eine > Orga-Hilfe unterst=FCtzt, weiterhin gibt es einen sehr aktiven > Schweizer, der sich dort =FCberwiegend um die H=E4ndlerstruktur k=FCmmert. > Dann gibt es noch mehr oder wenige aktive SprecherInnen in den > einzelnen St=E4dten, die teilweise die lokale Orga im Blick haben. Auf > dem letzten Jahrestreffen war auch ein Thema, dass meine zentrale > Rolle durch mindestens eine weitere Person erg=E4nzt werden soll, denn > abgesehen davon, dass mir manchmal der Kopf platzt, ist es einfach > auch riskant, wenn eine Struktur so sehr an einer einzelnen Person > h=E4ngt. Es gibt Backup-Mechanismen wie einen zweiten Banklogin, zweite > Server-Admins und so weiter, sogar ein Testament, das ist aber alles > keine L=F6sung f=FCr den laufenden Betrieb. Ich habe immer wieder > versucht, Verantwortung abzugeben, meistens kamen die Jobs aber wie > Bumerangs zu mir zur=FCck. da gibt es im Kollektiv auf jeden Fall das > WG-Ph=E4nomen: alle sind total daf=FCr, dass die K=FCche besser geputzt > wird von allen Beteiligten, und dann nimmt doch keiner den Lappen in > die Hand... So sieht das wohl in den meisten PeerProduction-Projekten aus. > CONTRASTE: Wie bringt ihr Gelder f=FCr Investitionen zusammen? Ich habe > mal gelesen, du h=E4ttest privat 10.000 Euro eingebracht? >=20 > Uwe L=FCbbermann: Das stimmt und betrifft die ersten Aufbau-Jahre, da > habe ich nach und nach Geld reingesteckt so wie es eben gerade > vorhanden war. Einmal musste ich meinen Drucker verkaufen um Etiketten > drucken lassen zu k=F6nnen. Mittlerweile sind wir zwar auch nicht > wirklich reich, es gibt aber einen Cent pro Flasche f=FCr R=FCcklagen, aus > denen wir z.B. neue Kisten vorfinanzieren k=F6nnen. Uwe ist wohl auch der Gr=FCnder des Projekts und auch das ist nicht ganz untypisch, dass einE Gr=FCnderIn auch erstmal investiert. Allerdings nicht im finanziellen Sinn einen Return On Investment anstrebt. Wenn es um die Selbstentfaltung geht, dann kann das auch mal was (finanziell) kosten. Das ist bei irgendwelchen normalen Hobbies ja auch nicht anders. > CONTRASTE: Ihr habt den Anspruch, im Sinne eines korrekten > Wirtschaftens Einfluss auf alle Glieder der Wertsch=F6pfungskette zu > nehmen. Kannst du kurz benennen, was ihr unter =BBkorrektem Wirtschaften= =AB > versteht und ein paar Beispiele nennen, wo es euch gelungen ist, in > anderen Unternehmen etwas zu ver=E4ndern? Solchen Anspruch haben nicht alle PeerProduction-Projekte... > Ein paar Kollektivisten haben ihre eigenen > L=E4den nach Premium-Gesichtspunkten umgepolt, ein paar andere > Getr=E4nkemarken schneiden sich einzelne Scheiben bzw. Module aus > unserem Betriebssystem heraus, ein Zahnb=FCrsten- und ein > T-Shirt-Hersteller wollen gr=F6=DFere Teile =FCbernehmen, und k=FCrzlich > durften wir sogar 14 europ=E4ischen Social Banks erz=E4hlen was aus > unserer Sicht da anders laufen sollte... >=20 > Ich nenne das immer den virtuellen Einfluss, der erfreulicherweise > besteht, aber mit etwas mehr realem Einfluss als nur 0,5 Promille > Marktanteil auch deutlich gr=F6=DFer sein k=F6nnte. Mir macht dieser Teil > auf jeden Fall am meisten Spa=DF. ... aber so ein kleiner Schuss Weltverbesserung ist uns hier ja auch nicht fremd ;-) . > =BBOpen Franchise=AB hei=DFt dann nur, dass wir das System > kostenlos ver=F6ffentlichen, weil es zu gut ist um es f=FCr uns zu > behalten, und weil wir uns andere Unternehmen w=FCnschen, die =E4hnlich > Stakeholder-Konsens-orientiert arbeiten. Nat=FCrlich wollen wir dann > aber auch genannt werden, um Premium an sich bekannter zu machen, > deshalb eben Open Franchise. Ich bin nicht sicher, ob ich das richtig verstanden habe, aber wenn, dann ist quasi das Konzept das Freie Produkt dieses Projekts. BTW: Was ich dem Interview nicht entnehmen konnte: Ist die Rezeptur von Premium-Cola Frei? > CONTRASTE: Seid ihr mit der Alternativ-/Solidar=F6konomischen Szene > vernetzt, oder bewegt ihr euch eher in eurer eigenen Welt? >=20 > Uwe L=FCbbermann: Was ist denn genau die Alternativ-/Solidar=F6konomische > Szene? Es gibt ein paar Ber=FChrungspunkte, Gastvortr=E4ge bei Kongressen > zur Solidarischen =D6konomie, Kontakte zu einzelnen aktiven Leuten, die > an anderer Stelle versuchen, was Gutes zu machen, sowas. Ich > pers=F6nlich habe den Eindruck, dass es einigen Personen in diesen > Zusammenh=E4ngen mehr um den Austausch als um konkrete Aktivit=E4ten geht, > was ja auch gut ist, aber eben mal zwei volle Tage Wochenend-Freizeit > kosten kann, die ich nicht frei habe. Weiterhin ist unser Ansatz, > bewusst in problematische M=E4rkte zu gehen, wie z.B. Cola und Bier, um > dort was zu ver=E4ndern. Stichwort Systemwandel statt Systemwechsel. > Bei vielen Aktiven aus linken Zusammenh=E4ngen steht aber eher ein > Systemwechsel im Vordergrund, den ich uns Zwergen nicht zutraue. Einen > Systemwandel voranzutreiben, ist auch auf jeden Fall deutlich mehr > Arbeit als =BBnur=AB einen Systemwechsel zu fordern, aber ich schweife > ab... Dem kann ich mich nur anschlie=DFen... > Man kann schon sagen, dass wir mit der Szene wenig vernetzt sind, aber > das liegt nicht daran, dass wir das nicht wollten, sondern eher daran, > dass manchmal einfach nicht die Zeit ist, sich auch noch darum zu > k=FCmmern. Wer wei=DF, evtl. =E4ndert ja dieses Interview etwas. Denn imm= er > wenn wir mit Leuten aus solchen Ecken reden, sind die eigentlich > begeistert, also sollten wir das evtl. doch aktiver machen, nur wann > ist eben die Frage... An dieser Stelle m=F6chte ich mal wieder auf den grundlegenden Unterschied zwischen der klassisch (linken) Solidarit=E4t und PeerProduction hinweisen. Zugespitzt: Bei Solidarit=E4t geht es um das gemeinsame Leiden oder dessen Abwehr. Bei PeerProduction geht es dagegen mit dem Ziel und Mittel der Selbstentfaltung um die Abschaffung des Leidens an sich. Ich bin deswegen sehr skeptisch, dass PeerProduction und Solidar=F6konomie viel miteinander zu tun haben. Ja, ich m=FCsste mich mal hinsetzen und das sauber aufdr=F6seln... M=F6glichst noch bevor sich die ganze Diskussion darum wieder in Wohlgefallen aufl=F6st ;-) . > Uwe L=FCbbermann: Das Konzept bzw. Betriebssystem ist eigentlich in > laufender Entwicklung, der aktuelle Stand ist das Ergebnis von mehr > als neun Jahren Kopfarbeit und realer Erprobung. =C4nderungen bzw. > Entwicklungen gibt es daher immer wieder. Auch das klingt sehr vertraut aus vielen PeerProduction-Projekten. > Zuletzt haben wir zwei neue > Module eingef=FChrt, die erstmals leichte Konsequenzen wie den > tempor=E4ren Verlust des Vetorechts f=FCr Personen definieren, die Jobs > zusagen und sie dann doch nicht machen (siehe Bereich =BBSchutz=AB, ganz > unten). Die Folge war aber leider nicht, dass Zusagen =F6fter > eingehalten w=FCrden, sondern dass weniger Zusagen gegeben werden... > Boing. Na ja, das hat ja auch was Gutes: Wenigstens ist dann klar, was passiert und was nicht. > Also m=FCssen wir uns was anderes einfallen lassen. Das > Grundkonzept bzw. die Idee ist allerdings unver=E4ndert und wurde beim > letzten Jahrestreffen in folgenden Satz gegossen: =BBPremium will die > Welt verbessern, indem wir ein menschliches und nachhaltiges > Wirtschaftssystem funktionierend und tragf=E4hig vorleben und > verbreiten.=AB Da steht erstmals das Wort =BBverbreiten=AB drin, aber wie > das geschehen soll, ist aktuell wieder Thema von unendlichen > Diskussionen... Auch dazu m=FCssen wir evtl. andere Modi finden. Was mir hier die Sorgenfalten auf die Stirn treibt: Von Selbstentfaltung keine Spur. Es geht nicht darum, dass den Aktiven ihre T=E4tigkeit auch Spa=DF macht, sie selbst weiter bringt. Stattdessen nur die moralinsaure Weltverbesserung. Solche Anspr=FCche sind im linken Umfeld ja an der Tagesordnung - inklusive des Scheiterns. Ein wichtiger Grund, warum ich in PeerProduction sehr viel mehr Potential sehe als in linker Bewegung. > CONTRASTE: Gibt es aktuell ungel=F6ste Probleme in eurem Betriebssystem? >=20 > Uwe L=FCbbermann: Insgesamt funktioniert das System, aber es gibt > nat=FCrlich auch Probleme. Schonungslos aus dem Bericht vom Treffen: > =BBPremium ist teilweise instabil, abh=E4ngig von einzelnen, laberig, > teilweise unzuverl=E4ssig, teils inkonsequent, teils unorganisiert und > nur wenig verbreitet. Wir haben mangelnde Liquidit=E4t und teilweise > lange Entscheidungszeiten, l=E4hmen uns also an vielen Stellen selbst.=AB > Typische WG-Probleme eben. Wir haben dazu eine Reihe L=F6sungsans=E4tze > erarbeitet, im Moment geht es darum diese dann auch umzusetzen... Vielleicht sind einfach zu viele WeltverbessererInnen im Projekt... Aber wenn Weltverbesserung das Ziel ist, ist das auch irgendwie naheliegend... > Die ist ja letztlich > auch der finale Pr=FCfstand. nur wenn das System in der Realit=E4t > funktioniert, wird es f=FCr Nachahmer interessant. Genau! > Nach =FCber neun Jahren > Premium d=FCrfte der Beweis erbracht sein. Sicher. Und mit ihm viele andere PeerProduction-Projekte in anderen Bereichen! > F=FCr mich z=E4hlt auch die > Freiheit, arbeiten zu k=F6nnen wann, wo, mit wem und wie ich will, das > ist auf jeden Fall ein richtiger Luxus und der vierte Lohn; neben dem > Flaschen-Anteil an sich, der Stabilit=E4t des Systems und dem Gef=FChl, > f=FCr eine sinnvolle Sache zu arbeiten. Das klingt dann doch wieder mehr nach Selbstentfaltung :-) . Gr=FC=DFe Stefan --=-=-= Content-Type: application/pgp-signature -----BEGIN PGP SIGNATURE----- Version: GnuPG v1.4.10 (GNU/Linux) iQCVAwUBTaLK9wnTZgC3zSk5AQKZOwP8C8Eg7g6x1jdrhmxUgFl79EqPaPrWMcmR T4FVMrxq8f28ivu6Q4SHBva8h6Ct3Ql9Oc+75D+/7yfsbJmv7PcDeJWmniiMcaXT FBOvjjjg6gpFEVn6ubKjs2p1b3HBDfQCWJU2X9FYm6vlaOV8wDh/rc49eliPxeAa xa056tTr2As= =cp8t -----END PGP SIGNATURE----- --=-=-=-- ________________________________ Web-Site: http://www.oekonux.de/ Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ Kontakt: [email protected]