Re: [ox-de] Freies Projekt "Premium Cola"
Stefan Merten <[email protected]> Mon, 11 Apr 2011 11:15:42 +0200
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
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| Message-ID | <[email protected]> |
--=-=-= Content-Type: text/plain; charset=iso-8859-1 Content-Transfer-Encoding: quoted-printable Hi Liste! Last week (11 days ago) Stefan Merten wrote: > Ich habe gerade in der der Contraste ein recht interessantes > Interview mit dem Premium-Cola-Gr=FCnder und - wie wir hier wohl sagen > w=FCrden - Maintainer Uwe L=FCbbermann gelesen. [...] > Leider ist der Contraste-Artikel wieder mal nicht online :-( . Dank der Hilfe von Uwe habe ich den Text jetzt direkt von Elisabeth bekommen :-) :-) . Ich habe das Ganze mal als Plain-Text aufbereitet, so dass es besser f=FCr die Liste geeignet ist. Gr=FC=DFe Stefan =3D=3D=3D 8< =3D=3D=3D 8< =3D=3D=3D 8< =3D=3D=3D 8< =3D=3D=3D 8< =3D=3D=3D = 8< =3D=3D=3D 8< =3D=3D=3D 8< =3D=3D=3D 8< =3D=3D=3D 8< =3D=3D=3D Premium Cola - Ein Betriebssystem gegen den Strom =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Die korrekte Cola =2D---------------- Aus http://www.contraste.org/ Ausgabe Januar 2011 Seit 2001 vertreibt ein dezentrales Kollektiv eine ganz besondere Cola: Premium Cola ist ein korrektes Produkt, das hei=DFt sie hat einen hohen Koffeingehalt f=FCr den ultimativen Kick. Und sie wird unter korrekten Bedingungen hergestellt und vertrieben, das hei=DFt ohne Gewinnerzielung und konsequent selbstverwaltet. Das Kollektiv, dessen Mitglieder bundesweit verstreut leben, produziert nicht selbst, sondern managed ein ausgefeiltes Betriebssystem. Elisabeth Vo=DF interviewte Uwe L=FCbbermann, den Gr=FCnder von Premium Cola. CONTRASTE: Wie viele Mitglieder hat euer Kollektiv, was sind das f=FCr Leute und was machen sie konkret? Uwe L=FCbbermann: Die Anzahl h=E4ngt von der Sichtweise ab. Insgesamt betrachtet haben wir rund 600 plus X Stakeholder, also Beteiligte im Sinne von Produzenten, Spediteuren, Gro=DFh=E4ndlern, H=E4ndlern, Gastronomen und so weiter. Hinzu kommen die Endkunden als =BBplus X=AB, rein zahlenm=E4=DFig sicher eine noch gr=F6=DFere Gruppe, wie viele das gen= au sind, k=F6nnen wir aber nur sch=E4tzen. Aus o.g. rund 600 Stakeholdern sind derzeit 108 Personen in einer Mailingliste, die sich selbst meistens als Kollektiv bezeichnen. In der Mailingliste werden alle Entscheidungen getroffen, die Umsetzung wird unregelm=E4=DFig von einem Teil dieses Kollektivs aus ca. 20 Personen =FCbernommen, und von diesen wiederum gibt es eine Art harten Kern aus einer handvoll Leute, die regelm=E4=DFig Arbeit =FCbernehmen. Da bin ich quasi der h=E4rteste, bei mir landet effektiv am meisten. Je nach Sichtweise ist Premium also ein reines Steuerungs-und Entscheidungskollektiv aus allen Stakeholdern mit ein paar wenigen Leuten f=FCr die reale Arbeit, oder eine Einzelfirma (mit ein paar Helfern), in die alle diese Stakeholder als quasi virtueller Aufsichtsrat reinreden k=F6nnen. Klingt durchaus kompliziert, und ist es auch... CONTRASTE: Ist Premium Cola ein Hobby f=FCr den Zuverdienst nebenbei, oder gibt es auch Leute, die davon leben? Gibt es Angestellte oder arbeiten alle selbstst=E4ndig? Uwe L=FCbbermann: Ob jemand von Premium leben kann, entscheidet er/sie =FCberwiegend selbst durch die langfristigen aktiven Beitr=E4ge; wir haben alles bis zur einzelnen Flasche pro Person und Aufgabe runtergerechnet, sodass viel reale Aktivit=E4t sich meistens auch in entsprechende Summen umsetzen lie=DFe. Bisher lebe allerdings nur ich komplett von Premium, und das auch erst seit April 2010 obwohl es Premium =FCber neun Jahre gibt. Das liegt u.a. an unserer fr=FCheren Maxime, dass noch niemand ganz von Premium leben sollte um nicht abh=E4ngig zu sein. Insofern gibt es zwar diverse o.g. Aktive, die einen Teil bzw. die H=E4lfte ihres Lebensunterhalts mit Premium erarbeiten, aber eben nur mich als erste ganz davon lebende Person. Angestellte gibt es nicht, alle Beteiligten arbeiten frei, wir hatten allerdings mal aus formalen Gr=FCnden zwei 400-Euro-Arbeitsverh=E4ltnisse (und haben das wegen der unfassbaren B=FCrokratie daf=FCr sehr bereut). CONTRASTE: Wie kommen neue KollektivistInnen zu euch? Und gibt es Ausstiegsregelungen? Uwe L=FCbbermann: Um KollektivistIn zu werden, reicht es im Prinzip, Stakeholder zu sein, also mal eine Flasche getrunken zu haben. Zur Eigensicherung haben wir aber noch den Schritt eingebaut, dass mindestens eine vorhandene Person im Kollektiv die neue pers=F6nlich kennen gelernt haben muss. Das ist alles. Ein freiwilliger Ausstieg ist dann nat=FCrlich jederzeit m=F6glich, und wir haben auch Not-Ausschlussregelungen f=FCr den Fall, dass jemand das Netzwerk massiv sch=E4digt; siehe http://www.premium-cola.de/betriebssystem/schutz CONTRASTE: Wie hoch ist der Frauenanteil in eurem Kollektiv? Uwe L=FCbbermann: Leider sehr gering, bei unter zehn Prozent. Ich habe bis heute keine Idee, warum das so ist. Es gibt keinerlei Geschlechter-Auswahl, o.g. Zugangsschritt ist neutral, ich als zentraler Organisator bin sehr offen f=FCr weibliche Beteiligung, weil die in der Regel zuverl=E4ssiger ist und das Kollektiv auch inhaltlich bereichert... Mir ist schleierhaft, warum so wenige Frauen mitreden oder mitmachen wollen. Es gibt eine relativ ausgepr=E4gte Sexismus- Sensibilit=E4t im Kollektiv, so sehr dass schon kleinste Nebens=E4tze von Beteiligten zwei umfangreiche und ziemlich erm=FCdende Sexismus-Debatten zwischen M=E4nnern =FCber Definitionsmacht usw. usf. angesto=DFen haben, was h=F6chst =E4rgerlicherweise dazu f=FChrte, dass Frauen ausgestiegen sind, u.a. weil sie das Thema ange=F6det hat... Also: unsere Frauenquote ist trotz dieser Sensibilit=E4t leider gering, ich wei=DF nicht wieso und bedaure das sehr. CONTRASTE: Trefft ihr eure Entscheidungen ausschlie=DFlich per Mail oder gibt es auch Kollektivversammlungen, auf denen ihr euch pers=F6nlich begegnet? Entscheidet ihr mit Mehrheit oder im Konsens? Uwe L=FCbbermann: Diskussionen und Entscheidungen laufen meistens per Mail, mit einzelnen Beteiligten per Telefon oder pers=F6nlich, und es gibt einmal pro Jahr ein Kollektivtreffen in der echten Welt. Der Modus ist Konsensdemokratie, was bedeutet dass theoretisch jede/r ein Veto zu allen Fragen einlegen kann. Die Idee dahinter war, dass so Ausbeutung von Einzelnen praktisch unm=F6glich wird; das Veto wird aber vermehrt f=FCr andere Dinge wie z.B. (grafische) Geschmacksfragen benutzt. So l=E4hmen wir uns teilweise selbst, es wird viel diskutiert und wenig umgesetzt, deshalb ist gerade in der Diskussion, ob das Veto-Recht =BBnur=AB noch f=FCr Betroffene von Entscheidungen gelten sollte. CONTRASTE: Ihr habt einen hohen Anspruch an allseitige Transparenz, der so weit geht, dass alle online Einblick in das Firmenkonto nehmen k=F6nnen. Wie verhindert ihr, dass die KollektivistInnen von der Menge der Informationen =FCberfordert werden? Uwe L=FCbbermann: Die Firmenkonto-Einsicht f=FCr alle mussten wir wegen des Datenschutzgesetzes auf ein paar Personen reduzieren, die sich freiwillig f=FCr diese Kontrolle gemeldet und eine Verschwiegenheitserkl=E4rung f=FCr Details, wie z.B. Bankdaten von anderen Personen, unterschrieben haben. Die Menge an Informationen ist aus meiner Sicht aber nicht so das Problem, sondern eher die Zusammenh=E4nge. Da habe ich meistens den besten Durchblick und versuche immer alles zu erkl=E4ren, werde daher manchmal Erkl=E4rb=E4r genannt... Viele Kollektivisten wollen sich aber auch gar nicht so intensiv in die Zusammenh=E4nge bei=DFen, habe ich zumindest den Eindruck. CONTRASTE: Wie ist das bei euch mit dem Eigentum geregelt? So weit ich wei=DF, bist du offiziell der Firmeninhaber. z=E4hlt dann nicht (zumindest informell) deine Meinung mehr als die anderer KollektivistInnen? Ist es ein Thema bei euch, die Eigentumsstruktur zu =E4ndern und die Kollektivit=E4t, die ihr faktisch lebt, auch formal umzusetzen? Uwe L=FCbbermann: Auch dazu nur meine Sichtweise mit der Anregung, die Mailingliste zu fragen. die Meinung von mir hat h=E4ufig Gewicht wegen der o.g. Zusammenh=E4nge, ein gewisser Respekt vor den Jahren der Aufbau-Arbeit ist auch zu sp=FCren, aber gl=FCcklicherweise gilt nicht 1:1 was ich sage oder m=F6chte (auch wenn mich das manchmal kolossal nervt wenn die Dinge dann nicht vorangehen). Rein formal geh=F6rt die Marke mir, aber wir haben da schon eine Reihe sehr eigenst=E4ndiger K=F6pfe dabei, die sich nicht um Formalit=E4ten scheren. Wir haben auch keine schriftlichen Vertr=E4ge, also k=F6nnte jede/r jederzeit aussteigen. Ohne die Stakeholder und das Kollektiv g=E4be es Premium gar nicht, insofern sind beide Seiten gleich m=E4chtig / meine formale Macht ist eher theoretischer Natur, und ich habe sie auch noch nie genutzt. Es gab im Gegenteil von mir =FCber Jahre immer wieder die Anregung, im Interesse der Risikobegrenzung eine kollektivere Rechtsform zu finden, was auch gar nicht so einfach ist. mittlerweile kann ich mit der Form allerdings gut leben und w=E4re z.B. auch nicht bereit, mit Personen, die fast nur reden, in eine Rechtsform zu gehen, die durch aktive Arbeit getragen werden muss. CONTRASTE: Wie viele KollektivistInnen sind im Kern des Unternehmens, das hei=DFt in der Gesamtkoordination, t=E4tig? Gibt es irgendwelche Informationen, die nicht kollektiv=F6ffentlich sind und =FCber die nur diese ManagerInnen verf=FCgen? Uwe L=FCbbermann: Die Gesamtkoordination liegt (leider) fast ausschlie=DFlich bei mir. Ich werde durch einen Buchhalter und eine Orga-Hilfe unterst=FCtzt, weiterhin gibt es einen sehr aktiven Schweizer, der sich dort =FCberwiegend um die H=E4ndlerstruktur k=FCmmert. Dann gibt es noch mehr oder wenige aktive SprecherInnen in den einzelnen St=E4dten, die teilweise die lokale Orga im Blick haben. Auf dem letzten Jahrestreffen war auch ein Thema, dass meine zentrale Rolle durch mindestens eine weitere Person erg=E4nzt werden soll, denn abgesehen davon, dass mir manchmal der Kopf platzt, ist es einfach auch riskant, wenn eine Struktur so sehr an einer einzelnen Person h=E4ngt. Es gibt Backup-Mechanismen wie einen zweiten Banklogin, zweite Server-Admins und so weiter, sogar ein Testament, das ist aber alles keine L=F6sung f=FCr den laufenden Betrieb. Ich habe immer wieder versucht, Verantwortung abzugeben, meistens kamen die Jobs aber wie Bumerangs zu mir zur=FCck. da gibt es im Kollektiv auf jeden Fall das WG-Ph=E4nomen: alle sind total daf=FCr, dass die K=FCche besser geputzt wird von allen Beteiligten, und dann nimmt doch keiner den Lappen in die Hand... Zur=FCck zur Frage, in dieser zentralen Rolle landen nat=FCrlich eine Menge Information bei mir und den Unterst=FCtzern, von denen erstmal keine geheim ist. Im Gegenteil, ich muss sie sogar m=F6glichst weitgehend =F6ffnen, um Vorschl=E4ge und Entscheidungen gut zu begr=FCnden. Ausnahmen gibt es nur bei Infos die mir =BBunter 3=AB gegeben werden, also mit der Ansage sie nicht weiterzugeben. Das kann verschiedenes sein, z.B. der Verdacht, dass ein H=E4ndler hintenrum einen anderen austrickst, oder auch private Probleme, die sich so auf eine Person auswirken, dass sie ihren Job nicht machen kann. So etwas behalte ich dann f=FCr mich, und bei einigen Themen bitte ich auch darum, gar nicht erst informiert zu werden, um nicht zwischen zwei Personen zu stehen. CONTRASTE: Wie bringt ihr Gelder f=FCr Investitionen zusammen? Ich habe mal gelesen, du h=E4ttest privat 10.000 Euro eingebracht? Uwe L=FCbbermann: Das stimmt und betrifft die ersten Aufbau-Jahre, da habe ich nach und nach Geld reingesteckt so wie es eben gerade vorhanden war. Einmal musste ich meinen Drucker verkaufen um Etiketten drucken lassen zu k=F6nnen. Mittlerweile sind wir zwar auch nicht wirklich reich, es gibt aber einen Cent pro Flasche f=FCr R=FCcklagen, aus denen wir z.B. neue Kisten vorfinanzieren k=F6nnen. CONTRASTE: Ihr habt den Anspruch, im Sinne eines korrekten Wirtschaftens Einfluss auf alle Glieder der Wertsch=F6pfungskette zu nehmen. Kannst du kurz benennen, was ihr unter =BBkorrektem Wirtschaften=AB versteht und ein paar Beispiele nennen, wo es euch gelungen ist, in anderen Unternehmen etwas zu ver=E4ndern? Uwe L=FCbbermann: Korrektes Wirtschaften bedeutet f=FCr uns unter anderem, fair und ehrlich zu verhandeln, transparent und ohne Gewinn in der Kalkulation zu rechnen, schnell zu bezahlen, darauf zu achten, dass auch bei Zulieferern und Produzenten niemand ausgebeutet wird und so weiter. Hier kann das Kollektiv wirklich punkten, denn durch die diversen Leute an den Stakeholder-Schnittstellen kriegen wir viele Sachen mit. Au=DFerdem haben wir sogar einen Aufruf auf der Homepage, der sagt, dass wir =FCber Probleme informiert werden wollen, um die dann zu verfolgen. gro=DFspurig ausgedr=FCckt geben wir so z.B. kleinen Leergutsortierern bei Gro=DFh=E4ndlern vier Kettenglieder hinter uns eine st=E4rkere Stimme =FCber die =BBIndustrie=AB in ausnahmsweise nicht gewinnorientierter Form. Speziell zu dem Thema gab es zwei F=E4lle, bei denen wir einem Gro=DFh=E4ndler mit dem Rauswurf gedroht haben, wenn er die unhaltbaren 1,70 Euro Stundenlohn f=FCr Flaschensortierer nicht abstellt. Wir haben dann zwar den Rauswurf bzw. den Aufbau einer Alternative auch mangels kollektiver Beteiligung versemmelt, er hat aber sp=E4ter trotzdem die L=F6hne auf 7,60 Euro angehoben. Diese Grundhaltung f=FChrt an sich (hoffentlich) schon zu einem gewissen Druck, sich im Netzwerk ordentlich zu benehmen, dar=FCber hinaus gibt es auch einige K=F6pfe, in denen was passiert ist. Ein paar Kollektivisten haben ihre eigenen L=E4den nach Premium-Gesichtspunkten umgepolt, ein paar andere Getr=E4nkemarken schneiden sich einzelne Scheiben bzw. Module aus unserem Betriebssystem heraus, ein Zahnb=FCrsten- und ein T-Shirt-Hersteller wollen gr=F6=DFere Teile =FCbernehmen, und k=FCrzlich durften wir sogar 14 europ=E4ischen Social Banks erz=E4hlen was aus unserer Sicht da anders laufen sollte... Ich nenne das immer den virtuellen Einfluss, der erfreulicherweise besteht, aber mit etwas mehr realem Einfluss als nur 0,5 Promille Marktanteil auch deutlich gr=F6=DFer sein k=F6nnte. Mir macht dieser Teil auf jeden Fall am meisten Spa=DF. CONTRASTE: Euer Konzept erinnert mich an das =BBGr=FCnden mit Modulen=AB, wie es G=FCnter Faltin, der Erfinder der Teekampagne, propagiert. Was unterscheidet euer =BBOpen Franchise=AB davon? Uwe L=FCbbermann: Es ist ein paar Monate her, dass ich das Buch gelesen habe, ein paar Teile kamen mir da durchaus bekannt vor. Der Ansatz ist aber m.e. ein bisschen zu einfach, wenn behauptet wird, dass sich Unternehmen immer auf Basis von bestehenden Dienstleistern gr=FCnden lassen. das stimmt zwar punktuell, aber irgendjemand muss ja auch die Dienstleistungen erbringen. Es kann also nicht nur rein virtuelle Unternehmen geben. Was mir (bei allem Respekt) an dem Ansatz von G=FCnter Faltin fehlt, ist die Verantwortung f=FCr die eigenen Dienstleister bzw. die Bedingungen dort. die werden einfach ausgeklammert. Da wird evtl. der andere Ansatz von uns sichtbar; es geht gar nicht mehr so sehr um das Produkt, Tee oder Cola, unser Produkt ist die Organisationsleistung im Interesse aller Stakeholder, das ist also fest im System integriert und aus unserer Sicht auch unbedingt n=F6tig. =BBOpen Franchise=AB hei=DFt dann nur, dass wir das Syst= em kostenlos ver=F6ffentlichen, weil es zu gut ist um es f=FCr uns zu behalten, und weil wir uns andere Unternehmen w=FCnschen, die =E4hnlich Stakeholder-Konsens-orientiert arbeiten. Nat=FCrlich wollen wir dann aber auch genannt werden, um Premium an sich bekannter zu machen, deshalb eben Open Franchise. CONTRASTE: Seid ihr mit der Alternativ-/Solidar=F6konomischen Szene vernetzt, oder bewegt ihr euch eher in eurer eigenen Welt? Uwe L=FCbbermann: Was ist denn genau die Alternativ-/Solidar=F6konomische Szene? Es gibt ein paar Ber=FChrungspunkte, Gastvortr=E4ge bei Kongressen zur Solidarischen =D6konomie, Kontakte zu einzelnen aktiven Leuten, die an anderer Stelle versuchen, was Gutes zu machen, sowas. Ich pers=F6nlich habe den Eindruck, dass es einigen Personen in diesen Zusammenh=E4ngen mehr um den Austausch als um konkrete Aktivit=E4ten geht, was ja auch gut ist, aber eben mal zwei volle Tage Wochenend-Freizeit kosten kann, die ich nicht frei habe. Weiterhin ist unser Ansatz, bewusst in problematische M=E4rkte zu gehen, wie z.B. Cola und Bier, um dort was zu ver=E4ndern. Stichwort Systemwandel statt Systemwechsel. Bei vielen Aktiven aus linken Zusammenh=E4ngen steht aber eher ein Systemwechsel im Vordergrund, den ich uns Zwergen nicht zutraue. Einen Systemwandel voranzutreiben, ist auch auf jeden Fall deutlich mehr Arbeit als =BBnur=AB einen Systemwechsel zu fordern, aber ich schweife ab... Man kann schon sagen, dass wir mit der Szene wenig vernetzt sind, aber das liegt nicht daran, dass wir das nicht wollten, sondern eher daran, dass manchmal einfach nicht die Zeit ist, sich auch noch darum zu k=FCmmern. Wer wei=DF, evtl. =E4ndert ja dieses Interview etwas. Denn immer wenn wir mit Leuten aus solchen Ecken reden, sind die eigentlich begeistert, also sollten wir das evtl. doch aktiver machen, nur wann ist eben die Frage... CONTRASTE: Habt Ihr bisher grundlegende =C4nderungen an eurem Unternehmenskonzept durchgef=FChrt, und wenn ja: welche und warum? Uwe L=FCbbermann: Das Konzept bzw. Betriebssystem ist eigentlich in laufender Entwicklung, der aktuelle Stand ist das Ergebnis von mehr als neun Jahren Kopfarbeit und realer Erprobung. =C4nderungen bzw. Entwicklungen gibt es daher immer wieder. Zuletzt haben wir zwei neue Module eingef=FChrt, die erstmals leichte Konsequenzen wie den tempor=E4ren Verlust des Vetorechts f=FCr Personen definieren, die Jobs zusagen und sie dann doch nicht machen (siehe Bereich =BBSchutz=AB, ganz unten). Die Folge war aber leider nicht, dass Zusagen =F6fter eingehalten w=FCrden, sondern dass weniger Zusagen gegeben werden... Boing. Also m=FCssen wir uns was anderes einfallen lassen. Das Grundkonzept bzw. die Idee ist allerdings unver=E4ndert und wurde beim letzten Jahrestreffen in folgenden Satz gegossen: =BBPremium will die Welt verbessern, indem wir ein menschliches und nachhaltiges Wirtschaftssystem funktionierend und tragf=E4hig vorleben und verbreiten.=AB Da steht erstmals das Wort =BBverbreiten=AB drin, aber wie das geschehen soll, ist aktuell wieder Thema von unendlichen Diskussionen... Auch dazu m=FCssen wir evtl. andere Modi finden. CONTRASTE: Gibt es aktuell ungel=F6ste Probleme in eurem Betriebssystem? Uwe L=FCbbermann: Insgesamt funktioniert das System, aber es gibt nat=FCrlich auch Probleme. Schonungslos aus dem Bericht vom Treffen: =BBPremium ist teilweise instabil, abh=E4ngig von einzelnen, laberig, teilweise unzuverl=E4ssig, teils inkonsequent, teils unorganisiert und nur wenig verbreitet. Wir haben mangelnde Liquidit=E4t und teilweise lange Entscheidungszeiten, l=E4hmen uns also an vielen Stellen selbst.=AB Typische WG-Probleme eben. Wir haben dazu eine Reihe L=F6sungsans=E4tze erarbeitet, im Moment geht es darum diese dann auch umzusetzen... CONTRASTE: Was ratet ihr anderen, die ein Unternehmen nach dem Modell eures =BBOpen Franchise=AB aufbauen m=F6chten? Welche konkrete Unterst=FCtz= ung bietet ihr ihnen an? Uwe L=FCbbermann: Es gibt dazu auch ein Modul im Bereich =BBTransfer=AB, das je nach =DCbereinstimmung mit unseren Ideen weitreichende Hilfe wie z.B. inhaltliche Begleitung, Anpassung des Systems, Vermitteln von Kontakten und Erfahrungen, ggf. sogar Kooperationen im laufenden Betrieb oder sogar Finanz-Starthilfe umfasst. Diese Unterst=FCtzung findet nat=FCrlich da ihre Grenzen, wo wir uns thematisch auch nicht auskennen, andererseits gibt es schon besagte Zahnb=FCrsten- und Shirt-Hersteller, die mit den Ans=E4tzen was machen, auch die Social Banks sind drauf abgefahren... Da w=E4re also der Einzelfall anzugucken. CONTRASTE: Ihr feiert in diesem Jahr euer 10-j=E4hriges Bestehen. worauf seid ihr besonders stolz? Uwe L=FCbbermann: Neben den offensichtlichen Problemen gibt es nat=FCrlich auch eine ganze Reihe positiver Seiten, die man so von innen manchmal gar nicht mehr sieht: Die sehr geringe Fluktuation w=E4re so etwas; die meisten Leute bleiben sehr, sehr lange bei Premium, und selbst wenn sie zwischendurch mal aussteigen wegen anderer Lebensphasen oder Stress mit der Freundin oder sonst was, kommen sehr viele doch irgendwann wieder. Beeindruckend ist auch die sehr geringe Ausfallquote bei Forderungen; es gab in all den Jahren nur zwei Totalausf=E4lle, und da war bei einem sogar noch h=F6here Gewalt dahinter... Die regelm=E4=DFige Medien-Berichterstattung, die Einladungen zu Vortr=E4gen wie zum Beispiel bei Bionade sind auf jeden Fall auch Zeichen daf=FCr, dass wir hier schon was Gro=DFes geschafft haben, trotz der genannten Probleme. Mensch stelle sich vor, wo Premium ohne diese w=E4re bzw. sein k=F6nnte. CONTRASTE: Und was findet ihr selbst besonders gelungen an eurem Betriebskonzept? Uwe L=FCbbermann: Mein Lieblinsmodul ist der Anti-Mengenrabatt: gro=DFe H=E4ndler verdienen eh schon mehr durch sinkende Transportkosten pro Einheit, brauchen also keinen zus=E4tzlichen Mengenrabatt. Den brauchen die kleinen H=E4ndler und bekommen ihn auf Wunsch bei uns, wenn die Transportkosten f=FCr kleine Mengen eben zu hoch sind. So werden nicht nur kleine H=E4ndler gef=F6rdert, es wird auch der Einstieg erleichtert, und kleine St=E4dte, die sonst gar nicht beliefert werden k=F6nnten, lassen sich auch erschlie=DFen. Man sieht also, dass aus dem eigentlich sozialen Wunsch nach mehr Gerechtigkeit f=FCr kleine H=E4ndler auch konkrete Vorteile in der Praxis werden k=F6nnen. Die ist ja letztlich auch der finale Pr=FCfstand. nur wenn das System in der Realit=E4t funktioniert, wird es f=FCr Nachahmer interessant. Nach =FCber neun Jahren Premium d=FCrfte der Beweis erbracht sein. F=FCr mich z=E4hlt auch die Freiheit, arbeiten zu k=F6nnen wann, wo, mit wem und wie ich will, das ist auf jeden Fall ein richtiger Luxus und der vierte Lohn; neben dem Flaschen-Anteil an sich, der Stabilit=E4t des Systems und dem Gef=FChl, f=FCr eine sinnvolle Sache zu arbeiten. Info: http://www.premium-cola.de/ --=-=-= Content-Type: application/pgp-signature -----BEGIN PGP SIGNATURE----- Version: GnuPG v1.4.10 (GNU/Linux) iQCVAwUBTaLGvAnTZgC3zSk5AQKikgP+I/GUA7xEdaclBLqOsMS/M6dOeZ7j1JDW Jz9nkna+DCTMWvpg0Q0hS1/+XfDf+41PFi/jm/2Xew+QreF7TSrRo4jdeWV8ijw8 kpt+05/1bH7O7HxmL0HTjvUT4ERQ5hq9PaCVBMSsgntYZ8T4jO2POLQI9NofpaDO C7cARhJrTJc= =nydX -----END PGP SIGNATURE----- --=-=-=-- ________________________________ Web-Site: http://www.oekonux.de/ Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ Kontakt: [email protected]