[ffii] Wirtschaftliche Mehrheit gegen Softwarepatente
Christian Cornelssen <[email protected]> Mon, 20 Jun 2005 22:03:19 +0200
| Newsgroups | gmane.org.ffii.neues |
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| Message-ID | <[email protected]> |
FFII-Pressemitteilung =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Wirtschaftliche Mehrheit gegen Softwarepatente =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Br=FCssel, 20. Juni 2005 - Die "Wirtschftliche Mehrheit" spricht sich deutlich gegen Softwarepatente aus. Zum offiziellen Start der Kampagne z=E4hlen bereits =FCber 800 Unternehmen mit mindestens 17.000 Mitarbeitern und mehr als 1,5 Mrd. Euro Jahresumsatz zu ihren Unterst=FCtzern. Die Kampagne schaltet sich damit in die Debatte zur EU-Softwarepatentrichtlinie ein, die derzeit im Europ=E4ischen Parlament zur zweiten Lesung ansteht. Hunderte europ=E4ischer Unternehmen der Software-Wirtschaft, gemeinsam mit einer Handvoll US-amerikanischer Unternehmen, haben sich zusammengeschlossen, um die Behauptung der Europ=E4ischen Kommission, es g=E4be eine "wirtschaftliche Mehrheit" f=FCr die Patentierbarkeit von Software, zu widerlegen. Die Kommission hat diese Behauptung als Ergebnis einer Umfrage aufgestellt, die sie im Jahr 2000 durchf=FChrte und bei welcher sich =FCber 90% der Antworten gegen Softwarepatente aussprachen. Die bizarre Schlu=DFfolgerung der Kommission wurde mit der Unterstellung begr=FCndet, dass die meisten der Antwortenden wirtschaftlich nicht repr=E4sentativ seien. Das daraufhin im Jahr 2002 gestartete EU-Richtlinienprojekt zur "Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen" ist bis heute heftig umstritten. Der Webauftritt der Kampagne enth=E4lt mittlerweile 47 Zitate verschiedener Unternehmer, die beschreiben, wie Softwarepatente ihre Gesch=E4fte beeintr=E4chtigen w=FCrden. "Softwarepatente sind Enteignung, eine Beschlagnahmung urheberrechtlich gesch=FCtzter Werke mit zweifelhaften Rechtsmitteln.", so Pieter Hintjens, Gesch=E4ftsf=FChrer des belgischen Unternehmens iMatix, dessen Produkt sms@ sofortigen Einsatz web-administrierter SMS-Dienste erm=F6glicht. Tats=E4chlich ist die "Gewissheit, dass wir das besitzen, was wir schreiben" eines der Hauptanliegen, die auf den Webseiten der Kampagne formuliert werden. Softwarepatente werden h=E4ufig als Erg=E4nzung zum Urheberrecht dargestellt, indem sie Anspr=FCche auf die zugrundeliegenden Ideen - im Gegensatz zu den urheberrechtlichen Anspr=FCchen auf deren Umsetzung in Computerprogramme - erm=F6glichen. In der Praxis f=FChrt dies jedoch dazu, dass sie eben deswegen die Einsatzm=F6glichkeiten der anderen Formen des "Geistigen Eigentums" gef=E4hrden. Sowohl die Gesch=E4ftsmodelle als auch die Innovationsf=E4higkeit der meisten europ=E4ischen Software-Hersteller beruhen auf dem gewerblichen Schutz von konkreten Programmen, Markennamen und Gesch=E4ftsgeheimnissen in einer Weise, die eine rasche Markteinf=FChrung nicht behindert. Patente sind hingegen viel zu breit, zu kostspielig und zu langsam in der Erteilung, als dass sie der mittelst=E4ndisch gepr=E4gten und sich schnell weiterentwickelnden Software-Branche nutzen k=F6nnten. Winfried Sch=E4fer, Gesch=E4ftsf=FChrer der deutschen Pentaprise !GmbH, erkl=E4rt: "Bei der Entwicklung eigener Software [ist] auch jederzeit die Gefahr gegeben, dass man viel Zeit in die Konzeption und auch Realisierung von softwaretechnischen Mechanismen aufwendet und sich erst sp=E4ter herausstellt, da=DF dieser Ansatz patentrechtliche Probleme aufwirft." Die Wirtschaftliche Mehrheit spricht sich deswegen daf=FCr aus, das Patentsystem streng auf Gebiete der angewandten Naturwissenschaft zu begrenzen. Andrej Mertelj, Gesch=E4ftsf=FChrer von Datalab, einem slovenischen Hersteller von ERP-L=F6sungen, beschreibt die Auswirkungen des Vorsto=DFes der Europ=E4ischen Kommission auf die Wagniskapitalsuche: "Der h=E4rteste Schlag kam von den Kapitalgebern. Da das Umfeld der Software-Entwicklung sich mit der m=F6glichen Festschreibung von Softwarepatenten grundlegend zu =E4ndern drohte, waren die Zukunftsaussichten ungewiss. Unser Unternehmen sah sich dazu veranlasst, auf die Suche nach weiteren Risikokapitalgebern zu gehen. Aufgrund der Unsicherheiten und der hohen Streitwerte bei m=F6glichen Prozessdrohungen durch etablierte Gro=DFunternehmen m=FCssen wir unsere R=FCcklagen erh=F6hen, was letztlich bedeutet, dass weniger Kapital einsetzbar ist." Mittlerweile ist der Richtlinienentwurf in der zweiten Lesung im Europ=E4ischen Parlament. Heute hat der Rechtsausschuss des Europ=E4ischen Parlaments (JURI) =FCber =C4nderungsantr=E4ge zur Softwarepatent-Richtlinie abgestimmt. Dem Ergebnis zufolge soll die Richtlinie nicht mehr von "computerimplementierten", sondern von "computergest=FCtzten" Erfindungen sprechen, und "Technik" wird als "angewandte Naturwissenschaft" definiert. Viele weitere =C4nderungsantr=E4ge, die den Bedenken der mittelst=E4ndischen Software-Branche Rechnung tragen, verfehlten im Rechtsausschuss jedoch knapp die n=F6tige Mehrheit. Am 5. Juli soll die Vollversammlung des Europaparlaments =FCber die Richtlinie und =FCber die n=F6tigen =C4nderungsantr=E4ge entscheiden. Der FFII und die Kampagne der Wirtschaftlichen Mehrheit stellen den Abgeordneten daf=FCr eigene Abstimmungsempfehlungen zur Verf=FCgung. =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Weitere Informationen =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D * Webseiten der Kampagne "Wirtschaftliche Mehrheit gegen Softwarepatente": - http://Wirtschaftliche-Mehrheit.de - http://economic-majority.com * Zitate der Teilnehmer: - http://economic-majority.com/testimony/ * Online-Meldung des FFII zur Kampagne: - http://wiki.ffii.org/Empr050620En (englisch) - http://wiki.ffii.org/Empr050620De (deutsch) * Informationen zur Richtlinie: - http://europarl.ffii.org =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Kontakt =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D * Erik Josefsson, FFII Brussels Representative, +32-484-082063, <erjos at ffii.org> * Steffen Maas, FFII Brussels Organisation, +32-484-561020, <ffii at kmu-software.de> =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D =DCber den FFII -- http://www.ffii.org =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D= =3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D Der FFII ist ein in M=FCnchen eingetragener gemeinn=FCtziger Verein f=FCr Volksbildung im Bereich der Datenverarbeitung. Der FFII unterst=FCtzt die Entwicklung =F6ffentlicher Informationsg=FCter auf Grundlage des Urheberrechts, freien Wettbewerbs und offener Standards. =DCber 500 Mitglieder, 1400 Firmen und 80000 Unterst=FCtzer haben den FFII mit der Vertretung ihre Interessen im Bereich der Gesetzgebung zu Software-Eigentumsrechten beauftragt. _______________________________________________ Nachrichtenverteiler neues (un)subscribe via http://petition.ffii.org/ [email protected] http://lists.ffii.org/mailman/listinfo/neues