[ffii] Softwarepatent-Kritiker erhält Nobelpreis

Stephan Uhlmann <[email protected]> Mon, 22 Oct 2007 23:08:53 +0200
Newsgroups gmane.org.ffii.neues
Organization FFII e.V.
Message-ID <[email protected]>
=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=
=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D
Softwarepatent-Kritiker erh=E4lt Nobelpreis
=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=
=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D=3D

=DCbersetzung der englischen FFII-Pressemitteilung
http://press.ffii.org/Press_releases/Economist_Critic_of_Software_Patents_g=
ets_Nobel_Prize


Br=FCssel, 17.Oktober 2007 - Der FFII gratuliert Eric S. Maskin, einem =

Wirtschaftswissenschaftler, der schon seit langer Zeit die Patentierung von =

Software kritisiert, zur Ehrung mit dem Nobelpreis f=FCr Wirtschaft 2007. =

Professor Maskin und zwei seiner Kollegen erhalten den Preis f=FCr ihre =

Forschungen zum optimalen Design wirtschaftlicher Mechanismen. Durch =

Anwendung dieser Theorie auf die IT-Branche demonstrierte Maskin, "dass in =

einer derart dynamischen Industrie Patent-Schutz Innovation in ihrer =

Gesamtheit verringern k=F6nnte". =


Der FFII hat in gleicher Weise dargelegt, dass das Patent-Modell mit =

weitreichenden Monopol-Rechten =FCber einen Zeitraum von 20 Jahren hinweg f=
=FCr =

den schnelllebigen Software-Sektor v=F6llig ungeeignet ist. In seinen Kampa=
gnen =

gegen Software-Patente hat der FFII stets betont, dass sie ein =

Innovationshemmnis sind. FFII-Pr=E4sident Pieter Hintjens stellt =

fest: "Softwarepatente blockieren Innovation in all jenen Gebieten, in dene=
n =

sie massiv zum Einsatz kommen, wie etwa Multimedia oder GSM. In Bereichen =

ohne Patente, wie E-Mail, Web, Messaging oder Peer-to-Peer, ist Innovation =

schnell, wertsch=F6pfend und wettbewerbsf=F6rdernd." Kleine und mittelst=E4=
ndische =

Unternehmen sind besonders bedroht, f=FChrt Hintjens aus: "Gro=DFe Firmen k=
=F6nnen =

sich sowohl die rechtlichen Strukturen, als auch die massiven Kosten von =

Patentierung und Prozessen leisten. Kleine innovative Firmen k=F6nnen dies =

nicht und werden so aus dem Markt verdr=E4ngt." =


Aktuelle Studien in den USA haben dar=FCber hinaus gezeigt, dass weniger al=
s 20% =

neuer Software-Unternehmen in den ersten vier Jahren nach Finanzierung durc=
h =

Wagniskapital tats=E4chlich Software-Patente anmelden. FFII-Gr=FCnder Hartm=
ut =

Pilch erkl=E4rt: "Software-Patente werden von Giganten wie Microsoft und =

IP-Trollen wie Acacia verwendet. Wir sehen nicht, dass damit irgendein Wert =

f=FCr die Gesellschaft oder Wirtschaft erzeugt wird, au=DFer f=FCr einige A=
nw=E4lte." =

Die Einf=FChrung von Softwarepatenten in den USA stellt einen seltenen =

experimentellen Test von Maskins Theorie dar: "... als der Patentschutz in =

den 1980ern auf Software erweitert wurde, h=E4tten sich der =

Standard-Argumentation zufolge die Intensit=E4t von Forschung und Entwicklu=
ng =

sowie die Produktivit=E4t bei patentierenden Unternehmen steigern m=FCssen.=
 In =

=DCbereinstimmung mit unserem Modell war dies jedoch nicht der Fall." =


Der Nobelpreis unterstreicht die fundierte wissenschaftliche und =

wirtschaftliche Basis, auf der der FFII ein modernes und =

innovationsfreundliches Patentsystem fordert. Dank solcher Wissenschaftler =

wie Prof. Maskin hat sich unser Verst=E4ndnis f=FCr die Wirkungen des =

Patentsystems weiterentwickelt. Dennoch setzt sich die Europ=E4ische Kommis=
sion =

immer noch f=FCr mehr und einfacher zu erreichende Monopolrechte ein, bar j=
eder =

effektiven Begrenzung in Bezug auf patentierbaren Gegenstand oder =

Innovationsh=F6he, und das EPA "interpretiert" weiterhin europ=E4isches =

Patentrecht derart, dass j=E4hrlich Tausende rechtlich fragw=FCrdiger =

Softwarepatente erteilt werden. Beide Institutionen geben vor, dass dies im =

Interesse von Innovation und Produktivit=E4t in Europa sei, w=E4hrend es =

tats=E4chlich europ=E4ischen Innovatoren und der gesamten Industrie schadet=
. =


Der FFII ruft die Kommission auf, endlich die Einsichten von Forschern wie =

Prof. Maskin anzuerkennen und ihre naive Politik der Patentinflation =

aufzugeben: "Wieviel mehr an Beweis ist noch n=F6tig? IT-Fachleute, =D6kono=
men, =

Unternehmer, und nun auch ein Nobelpreistr=E4ger stimmen darin =FCberein, d=
ass =

Softwarepatente schlecht f=FCr Unternehmen und Innovation sind; die Kommiss=
ion =

sollte dies endlich einsehen und sich daf=FCr einsetzen, Software-Patente =

abzuschaffen." =



Hintergrundinformation
----------------------

Gemeinsam mit seinen Kollegen Leonid Hurwicz und Roger Myerson ist Eric Mas=
kin =

mit dem "Sveriges Riksbank Preis der Wirtschaftswissenschaften in Erinnerun=
g =

an Alfred Nobel 2007" ausgezeichnet worden, der gemeinhin (und ungenau) als =

der "Nobelpreis der Wirtschaftswissenschaften" bezeichnet wird. =

In einem gemeinsam mit James Bessen verfassten Artikel legt Maskin dar, das=
s =

die =FCblichen Argumente f=FCr Patentierung auf die Software- und =

Computer-Industrie nicht anwendbar sind. Wenn Innovation "sequentiell und =

komplement=E4r" erfolgt (wie es im IT-Sektor der Fall ist), "wird Imitation=
 ein =

Antrieb zur Innovation, w=E4hrend strenges Patentrecht zum Hemmnis wird". =

Die Europ=E4ische Kommission hat den Versuch der Legalisierung von =

Softwarepatenten mit der Softwarepatent-Direktive in den Jahren 2004/05 und =

2007 mit ihrer Unterst=FCtzung f=FCr EPLA, den Vorschlag des Europ=E4ischen =

Patentamts (EPO) f=FCr ein Patentstreitregelungsabkommen offen vorangetrieb=
en. =

Der FFII war unter den f=FChrenden Kr=E4ften der erfolgreichen Kampagnen ge=
gen =

beide Anl=E4ufe, die Schleusentore f=FCr Softwarepatente in Europa weit zu =

=F6ffnen. =




Links
-----

* Ank=FCndigung der Nobelpreisverleihung (engl.)
http://nobelprize.org/nobel_prizes/economics/laureates/2007/press.html

* Bessen, James E. and Maskin, Eric S., "Sequential Innovation, Patents, An=
d =

Imitation" (January 2000). MIT Dept. of Economics Working Paper No. 00-01
(engl.) =

http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3D206189

* Artikel auf "Digital Majority" =FCber wagniskapitalfinanzierte =

Startup-Unternehmen der Softwarebranche (engl.) =

http://www.digitalmajority.org/forum/t-13940/study-shows-most-vc-funded-sof=
tware-startups-don-t-patent



Kontakt
-------

Benjamin Henrion =

FFII Br=FCssel =

+32-2-414 84 03 =

+32-484-566109 =

bhenrion at ffii.org =

(Franz=F6sisch/Englisch) =

 =

FFII Deutschland =

de-help (at) ffii.org =

+49-89-18979927 =

http://www.ffii.de/ =




=DCber den FFII
-------------

Der FFII ist ein in mehreren europ=E4ischen L=E4ndern eingetragener gemeinn=
=FCtziger =

Verein, der die Entwicklung =F6ffentlicher Informationsg=FCter auf Grundlag=
e des =

Urheberrechts, freien Wettbewerbs und offener Standards unterst=FCtzt. =DCb=
er 850 =

Mitglieder, 3.500 Unternehmen und 100.000 Unterst=FCtzer haben den FFII =

beauftragt, ihre Interessen bez=FCglich Eigentumsrechten im Bereich der =

Datenverarbeitung zu vertreten.



Diese Pressemitteilung im Internet
----------------------------------

http://www.ffii.de/wiki/PmNobelpreisMaskin071018De

_______________________________________________
Nachrichtenverteiler neues =

[email protected]
https://lists.ffii.org/mailman/listinfo/neues