[ffii] ISO von Microsoft gekapert

Geza Giedke <[email protected]> Sat, 05 Apr 2008 00:44:14 +0200
Newsgroups gmane.org.ffii.neues
Message-ID <[email protected]>
Pressemitteilung - [Europa / Wirtschaft / Innovation]

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ISO von Microsoft gekapert
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=DCbersetzung der englischen FFII-Pressemitteilung "ISO captured by vendor =

Microsoft" (gek=FCrzt)

Br=FCssel, den 2. April 2008 - Die Mitglieder der Internationale =

Organisation f=FCr Normung (ISO) haben das Office Open XML (OOXML) Format =

nicht abgelehnt und es ist Microsoft somit gelungen, seinen Standard im =

Eilverfahren durchzudr=FCcken. Die ISO wurde durch die von Microsoft =

genutzten unfairen Praktiken blo=DFgestellt: der Software-Konzern f=FCllte =

die technischen Aussch=FCsse in zahlreichen L=E4ndern mit eigenen Vertreter=
n =

auf und veranla=DFte die Intervention von h=F6chsten Regierungsstellen in =

das Standardisierungsverfahren.

Eine Abstimmung durch die nationalen Mitglieder der ISO ergab eine =

Mehrheit f=FCr das umstrittene Format. OOXML erhielt 75 Prozent Zustimmung =

der P-Mitglieder von JTC1, darunter viele Nationen mit fragw=FCrdiger =

Expertise in Normungsfragen. Im September 2007 war ein erster Versuch =

zur Annahme des 6000seitigen Standards an =FCber 2300 eingereichten =

Kommentaren gescheitert. Wie schon im September wurden viele der neuen =

Ja-Stimmen durch Interventionen in hohen Regierungskreisen und die =

Dominanz des Softwareanbieters in den nationalen technischen Aussch=FCssen =

gewonnen.

Das vehemente Dr=E4ngen auf eine Standardisierung von OOXML begann mit der =

Verabschiedung des OpenDocument-Formats (ODF) als ISO-Standard f=FCr =

Office-Dokumente (ISO 26300:2006). Der Monopolist Microsoft sieht den =

offenen ODF-Standard als eine Bedrohung f=FCr sein Flaggschiff-Produkt =

Microsoft Office an. Weltweit wechseln Regierungen zur ISO-Norm ODF als =

Standard-Format f=FCr Office-Dokumente, denn er ist ein =

herstellerneutraler offener Standard. Zur Verteidigung seines Monopols =

brachte Microsoft daraufhin sein inkompatibles alternatives Format OOXML =

mittels ECMA International ins ISO-Eilverfahren. Obwohl das OOXML-Format =

noch nicht ausgereift ist, gelang es Microsoft den ganzen ISO-Prozess zu =

kapern und die technische =DCberpr=FCfung des Formats wurde durch die =

politische Einmischung des Urhebers in die ISO-Prozesse stark behindert.

Die Pr=E4senz von Microsoft-Gesch=E4ftspartnern in technischen Aussch=FCsse=
n =

wurde in folgenden L=E4ndern beobachtet: Belgien, Brasilien, Kolumbien, =

D=E4nemark, =C4gypten, Italien, Elfenbeink=FCste, Kenia, Mexiko, Nigeria, =

Portugal, Slowenien, Schweden, der Schweiz und den USA. Au=DFerdem wurde =

berichtet, dass Microsoft in Regierungen und Ministerien zahlreicher =

L=E4nder wie z.B. Frankreich und Malaysia darauf gedr=E4ngt hatte, die =

Entscheidung der technischen Aussch=FCsse gegen OOXML zu =FCbergehen oder =

umzusto=DFen.

Jan Wildeboer, Solution Architect bei Red Hat, erkl=E4rt: "OOXML wurde =

ausschlie=DFlich f=FCr die Verwendung in Microsoft-Anwendungen kreiert. Es =

ist derzeit nicht als internationaler Standard geeignet, denn es kann =

von niemandem ohne Zugang zu Insider-Informationen vollst=E4ndig =

implementiert werden. Obwohl die Beschreibung des Standards =FCber 6000 =

Seiten lang ist, bezieht er sich auf vieles, das blo=DF in =

Microsoft-Software definiert ist, aber nicht in der Spezifikation selbst."

Laurent Richard von der belgischen Association Electronique Libre (AEL), =

sagt: "Die Auseinandersetzung =FCber Dateiformate f=FCr B=FCrosoftware hat =

eben erst begonnen, die Zertifizierung als ISO-Standard ist nicht =

entscheidend. Vor allem geht es um den Einsatz von OOXML durch =

Regierungen und Verwaltungen. Sollte sich Microsoft durchsetzen, werden =

sich alle B=FCrger wieder eine Kopie von Microsoft Office kaufen m=FCssen, =

um herauszufinden, was die Entscheidungstr=E4ger tun. Wir werden die =

Europ=E4ische Kommission auffordern, dieses Format gr=FCndlich zu pr=FCfen =
und =

zu sicherzustellen, dass f=FCr alle Wettbewerber vollst=E4ndige =

Interoperabilit=E4t mit Microsoft Office gew=E4hrleistet ist. F=FCr den =

aktuellen OOXML Pseudo-Standard ist das nicht der Fall."

Benjamin Henrion, Initiator der Kampagne <NO>OOXML, ist emp=F6rt =FCber die =

Taktiken, deren Zeuge er =FCber die letzten Monate wurde: "Um sein Format =

durch die ISO zu bringen, musste der Softwarekonzern Aussch=FCsse f=FCllen, =

Minister lobbyieren, Gesch=E4ftspartner mobilisieren und die ISO-Regeln =

umschreiben - einen soliden und unabh=E4ngig implementierbaren =

Standardentwurf vorzulegen war nach all diesem Aufwand nicht mehr =

n=F6tig." Henrion erg=E4nzt: "Microsoft hat die ISO mit seinem =

Office-Dateiformat =FCberw=E4ltigt und eine Normungs-Organisation in =

Tr=FCmmern hinterlassen. Mit ihrer ganzen Kampagne und den schmutzigen =

Taktiken, die sie verwenden mussten, um ihren kaputten Standard =

durchzuboxen, hat Microsoft ein Heer w=FCtender OOXML-Gegner geschaffen. =

Diese Wut wird nicht verschwinden und Microsoft wird einiges Gl=FCck =

ben=F6tigen, damit ihr Format von den Regierungen auch angenommen wird. =

Der Ruf von Microsoft ist mit diesem Verfahren jedenfalls ruiniert."

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Hintergrundinformationen
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Berichte =FCber weitere Unregelm=E4=DFigkeiten sind hier zusammengestellt (=
engl.):
http://www.noooxml.org/irregularities

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Links
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Homepage der <NO>OOXML.org Kampagne (engl.)
http://www.noooxml.org

Link zu dieser Pressemitteilung:
https://www.ffii.de/wiki/PmOOXMLvonISOangenommen080403De_ISO_von_Microsoft_=
gekapert

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Kontakt
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Benjamin Henrion
<NO>OOXML campaign
FFII Br=FCssel
+32-2-414 84 03
+32-484-566109
bhenrion (at) ffii.org
(Franz=F6sisch/Englisch)


FFII Deutschland
de-help (at) ffii.org
+49-89-18979927
http://www.ffii.de/

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=DCber den FFII
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Der FFII ist ein in mehreren europ=E4ischen L=E4ndern eingetragener =

gemeinn=FCtziger Verein, der die Entwicklung =F6ffentlicher =

Informationsg=FCter auf Grundlage des Urheberrechts, freien Wettbewerbs =

und offener Standards unterst=FCtzt. =DCber 850 Mitglieder, 3.500 =

Unternehmen und 100.000 Unterst=FCtzer haben den FFII beauftragt, ihre =

Interessen bez=FCglich Eigentumsrechten im Bereich der Datenverarbeitung =

zu vertreten.

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=DCber <NO>OOXML
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Die Petition gegen die Standardisierung von Microsofts kaputtem =

OOXML-Format hat weltweit =FCber 87000 Unterschriften gesammelt. =

NoOOXML.org wurde von Benjamin Henrion im Januar 2007 als Kampagne gegen =

die Standardisierung von Microsofts firmeneigenen Dateiformaten =

gestartet. Die Kampagne war Teil eines globalen Projekts der =

Arbeitsgruppe "Offene Standards" des FFII, die Aktivisten in =FCber =

achtzig L=E4ndern umfasst. NoOOXML.org wird unterst=FCtzt durch den FFII, =

die Shuttleworth Foundation, das Open Society Institute, OpenForum =

Europe, FTISA, iMatix Corporation und ESOMA.

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