[ffii] EP-Entscheidung für Echte Begrenzung der Paten tierbarkeit
Hartmut Pilch <[email protected]> Thu, 25 Sep 2003 09:01:34 +0200 (CEST)
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FFII-Nachrichten -- zur sofortigen Freigabe -- Weiterverbreitung erwuenscht
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EU-Parlament stimmt für echte Begrenzung der Patentierbarkeit
Straßburg 2003/09/24
Zur sofortigen Freigabe
In der Abstimmung am 24. September hat das Europäische Parlament die
Richtlinie über "Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen"
mit einer Reihe von Änderungsanträgen angenommen, welche deutlich die
Nicht-Patentierbarkeit von Programm- und Geschäftslogik unterstreicht,
und freie Veröffentlichung sowie Interoperabilität sichert.
Hintergründe
Am Tag vor der Abstimmung hatte der Beauftrafte der Europäischen
Kommission, Fritz Bolkenstein, damit [15]gedroht die Kommission und
der Rat würden die Richtlinie zurückziehen und die Fragestellung an
die nationalen Patentbeauftragten im Ausschuss des Europäischen
Patentamts (EPA) zurückverweisen, falls das Parlament für die
Änderungsanträge stimmen sollte, die es heute angenommen hat. "Es wird
sich zeigen ob die Europäische Kommission tatsächlich an einer
"Harmonisierung und Klarstellung" interessiert ist, oder nur den
Interessen von Patentinhabern folgen wollte", sagt Hartmut Pilch,
Vorsitzender des FFII. "Das ist jetzt auch unsere Richtlinie. Wir
müssen dem Eurpäischen Parlament helfen sie zu verteidigen."
"Der Richtlinientext mit den Änderungen des Parlaments ist unglaublich
gut! Ich konnte es kaum glauben als ich es Artikel für Artikel auf
Slashdot gepostet habe. Es wird immer besser, und es ist in sich
unglaublich konsistent. Ich denke wir haben diese Woche etwas
wunderbares erreicht", begeisterte sich James Herald, ein Mitglied der
Arbeitsgruppe zu Softwarepatenten des FFII/Eurolinux, als er die
angenommenen Änderungsanträge zu einer [16]konsolidierten Version
zusammensetzte.
"Mit den neuen Vorkehrungen in Artikel 2 ist eine
computerimplementierte Erfindung kein Trojanisches Pferd mehr, sondern
eine Waschmaschiene", erklärt Erik Josefsson von der SSLUG und dem
FFII, der die Schwedischen Abgeordneten in den letzten Wochen über die
Richtlinie beraten hat. Dass die Mehrheiten für die angenommenen
Änderungsanträge Unterstützung aus sehr unterschiedlichen politischen
Gruppen hatten, spiegelt die beschwerliche politische Debatte wieder,
die vorher einen zweifachen Aufschub erzwungen hatte.
Wenn über 78 Änderungsanträge innerhalb von 40 Minuten abgestimmt
wird, sind jedoch einige Verwirrungen nicht zu vermeiden: "Die
Erwägungen wurden nicht gründlich Abgeändert. Eine davon behauptet
immer noch dass Algorithmen patentierbar sind, wenn sie ein
technisches Problem lösen.", bemerkt Jonas Maebe, Belgischer Vertreter
des FFII, der zur Zeit im Europäischen Parlament arbeitet. "Aber wir
haben alle Zutaten für eine gute Richtlinie. Wir konnten die grobe
Form vorgeben. Die Nachbearbeitung kann jetzt folgen. Der Geist der
Europäischen Patentübereinkunft wurde zu 80% bestätigt, und das
Parlament ist in einer guten Ausganglage die verbleibenden
Widersprüche in der zweiten Lesung auszubessern."
Die Richtlinie wird weiteren Beratungen des Ministerrates standhalten
müssen, die eher informell und somit weniger öffentlich sind als
Vorgänge im Parlament. In der Vergangenheit hat der Ministerrat
Entscheidungen über Patentpolitik seiner "Arbeitsgruppe für
Patentpolitik" überlassen, die aus Patentrechtsexperten besteht,
welche auch im Verwaltungsrat des Europäischen Patentamts sitzen.
Diese Gruppe hat sich hervorgetan als einer der entschiedensten
Beführworter grenzenloser Patentierbarkeit in Europa, einschließlich
von Programmansprüchen.
Laura Creighton, eine Softwareunternehmerin und Venture-Kapitalgeberin
welche die Kampange von FFII/Eurolinux mit Spenden unterstützt hat,
und mehrmals von Schweden nach Brüssel gereist ist um sich an
Konferenzen und Treffen mit Abgeordneten zu beteiligen, sagt:
Jetzt werden die Leute, die behauptet haben, ein Schlamassel nach
US-Vorbild vermeiden zu wollen, aber in wirklichkeit den Entwurf
nur deswegen mochten weil er genau sowas ermöglicht hätte, ihr
wahres Gesicht zeigen müssen. Ich wage die Vorhersage dass ein
guter Teil davon behaupten wird dass wir es in der jetzigen Form
nicht durchsetzen dürfen, weil wir ein Gesetz brauchen was uns den
USA und Japan ähnlicher macht, um unsere Handelspartner nicht zu
verärgern.
Jetzt ist die zeit gekommen Europäische Politiker aufzufordern Mut
zu zeigen und eine weltweite Führungsrolle einzunehmen, indem sie
für die Richtline stimmen, den sich die Amerikanischen Bürger,
Regierung, KMUs und Alan Greenspan wünschen würden, anstatt des
jetzigen Schlamassels. Sollen sie sich an Europa anpassen. Die
Abgeordneten des Europäischen Parlaments verdienen dank für ihre
Bemühungen, die sozialen Konsequenzen dieser zugegebener Maßen
schwierigen technischen entscheidung zu begreifen. Das ist bisher
noch nirgendwo anders in der Welt passiert. Wir Europäer können
stolz auf diese politische Errungenschaft sein, und ich hoffe
unsere Politiker teilen diesen Stolz.
Ansprechpartner für Medien
E-Post:
pr at ffii org
Telefon:
Hartmut Pilch +49-89-18979927
Jonas Maebe +32-485-369645
Erik Josefsson +46-707-696567
Alex Macfie +44 7901 751753
Weitere Ansprechpartner werden auf Nachfrage genannt
Über den FFII -- www.ffii.org
Der FFII ist ein in München eingetragener gemeinnütziger Verein für
Volksbildung im Bereich der Datenverarbeitung. Der FFII unterstützt
die Entwicklung öffentlicher Informationsgüter auf grundlage des
Urheberrechts, freien Wettbewerbs und offener Standards. Über 300
Mitglieder, 500 Firmen und 30.000 Unterstützer haben den FFII mit der
Vertretung ihre Interessen im Bereich der Gesetzgebung zu
Software-Eigentumsrechten beauftragt.
Über die Eurolinux-Allianz -- www.eurolinux.org
Das Eurolinux Bündnis für eine Freie Informationelle Infrastruktur ist
eine offene Koalition von Firmen und Verbänden, die gemeinsam eine auf
dem Urheberrecht, offenen Standards, freiem Wettbewerb und
quelloffener Software wie Linux aufbauende kraftvolle europäische
Softwarekultur fördern und schützen wollen. Firmenmitglieder und
Förderer von EuroLinux entwickeln oder verkaufen Software für
Betriebsssysteme wie GNU/Linux, MacOS oder MSWindows unter freien,
halb-freien oder proprietären Lizenzbestimmungen.
Permanente Netzadresse dieser Mitteilung
http://swpat.ffii.org/neues/03/plen0924/index.de.html
Kommentierte Verweise
-> [17]Links zu Dokumenten die sich mit der Abstimmung befassen
Enthält die Ergebnisse der Abstimmung
-> [18]Europarl 2003/09 Softwarepatent-Änderungsanträge: Echte und
Scheinbare Begrenzungen
Ergebnisse der Abstimmung, die in die Tabelle einzutragen sind
-> [19]Bolkensteins Drohung
-> [20]McCarthy 03-02-19: Verweigert dem EP sein recht die Regeln
vorzugeben
McCarthy hat die gleichen Drohungen bereits im Februar
geäußert. Die Analyse des FFII zu ihrem Schriftstück zeigt auf
dass sie diese nicht geäußert haben könnte, wenn jemand aus der
Europäischen Kommission sie nicht decken würde. Jetzt wissen
wir wer das war.
siehe [21]Frits Bolkestein and Software Patents
-> [22]Abstimmungsliste von McCarthy
Diese Abstimmungsliste basiert auf einem Kompromiss innerhalb
der PSE. Sie führt diverse Änderungsanträge ein, die dem Geist
des [23]Berichts des Juri zum Entwurf widersprechen. Trotzdem
hat nur ein drittel der Abgeorneten aus der PSE sich an diese
Liste gehalten. Der Rest hat eine eigene Liste erstellt, die
näher an den Empfehlungen des FFII liegt. McCarthy wurde auf
diese Weise völlig marginalisiert.
-> [24]McCarthy Press Release
Die Berichterstatterin der britischen PSE-Gruppe, deren harte
Patent-beführwortende Linie von keiner politischen Gruppe
befolgt wurde, stellt ihre Niederlage als Sieg dar, ohne es
sich dabei nehmen zu lassen gegen die
"Fehlinformations-Kampange" auszukeilen, die von einer
ungenannte Gruppe geführt worden sein soll, vermutlich der
"freien Software Allianz".
siehe [25]Free Software Alliance
-> [26]Plenary Debate 03/09/23
Rough Transcript of the Speeches given in the Plenary Debate of
2003/09/23.
-> [27]Wer hat wie gestimmt?
Tabellarische Auflistung auf Basis des [28]MSWord Original von
der Europarl Webseite.
-> [29]Analyse des Abstimmverhaltens
Bericht über alles MdEP aus Belgien. 100% steht für
vollständige Befolgung der [30]FFII-Abstimmliste. Eine ähnliche
Analyse wird derzeit für alle MdEP gemacht. Erste Ergebnisse
zeigen, dass viele Abgeordnete der EVP sich eher an Kauppi
(gegen Softwarepatente) als an Wuermeling (für Softwarepatente)
orientierten.
-> [31]FFII News Archive
könnte aktuelle Neuigkeiten enthalten
-> [32]FFII News Archive
könnte aktuelle Neuigkeiten enthalten
-> [33]REU/DKPMA 2002/09/23: Änderungsvorschläge zum
Softwarepatente-Richtlinienentwurf
2002 haben die Patentbeauftragten des Rats auf unbegrenzte
Patentierbarkeit gedrängt, obwohl sie laut den Verfahrensregeln
des EU-Gesetzgebung garnicht an der Reihe waren. Genauso wie
der Binnenmarkt-Ausschuss der Europäischen Kommission, ist die
"Arbeitsgruppe für Patentrecht" des Rates eine Institution auf
welche die Patentabteilungen großer IT-Konzerne zählen können.
Ihre Mitglieder sind immer dazu bereit, entgegen schriftlicher
Anweisungen ihrer eigenen Regierungen zu handeln, falls der
Konsens der Patentlobby dies verlangt.
http://swpat.ffii.org/neues/03/plen0924/index.de.html
[37]© 2003/09/25 (2003/09/24) [38]Arbeitsgruppe
deutsche Version 2003/09/24 von [39]Olaf Buddenhagen
Verweise
15. http://swpat.ffii.org/papiere/eubsa-swpat0202/plen0309/deba/index.en.html#bolk
16. http://swpat.ffii.org/papiere/eubsa-swpat0202/plen0309/resu/index.de.html
17. http://swpat.ffii.org/papiere/eubsa-swpat0202/plen0309/index.de.html#links
18. http://swpat.ffii.org/papiere/eubsa-swpat0202/plen0309/index.de.html
19. http://swpat.ffii.org/papiere/eubsa-swpat0202/plen0309/deba/index.en.html#bolk
20. http://swpat.ffii.org/papiere/eubsa-swpat0202/amccarthy0302/index.de.html#altern
21. http://swpat.ffii.org/akteure/bolkestein/index.en.html
22. http://swpat.ffii.org/neues/03/plen0924/amccvotlst0309.pdf
23. http://swpat.ffii.org/neues/03/juri0617/index.de.html
24. http://swpat.ffii.org/neues/03/plen0924/amccarthy-pr030924.pdf
25. http://swpat.ffii.org/akteure/fsa/index.en.html
26. http://swpat.ffii.org/papiere/eubsa-swpat0202/plen0309/deba/index.en.html
27. http://mond.at/swpat/voting.txt
28. http://www.europarl.eu.int/direct/documents/fr/vote/Resultats/Mercredi/Appels%20nominaux%202003-09-24.doc
29. http://www.student.kun.nl/dieter.vanuytvanck/swpat/rapport.html
30. http://swpat.ffii.org/papiere/eubsa-swpat0202/plen0309/vote/index.en.html
31. http://lists.ffii.org/archive/mails/neues/index.html
32. http://lists.ffii.org/archive/mails/news/index.html
33. http://swpat.ffii.org/papiere/eubsa-swpat0202/dkpto0209/index.de.html
34. http://swpat.ffii.org/neues/03/plen0626/index.en.html
35. http://swpat.ffii.org/neues/03/plen0620/index.en.html
36. http://swpat.ffii.org/neues/03/linu0922/index.en.html
37. http://www.gnu.org/licenses/fdl.html
38. http://swpat.ffii.org/gruppe/index.de.html
39. http://lists.ffii.org/mailman/listinfo/berlin-parl/
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