Re: [ox-de] keimform.de: Wie es den Kapitalismus zum Commonismus treibt

"Franz Nahrada" <[email protected]> Thu, 10 Mar 2011 08:34:42 +0100
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Hallo Stefan N!

Ja, der Fabber ist eine schlechte Metapher, aber ich glaub ich hab Dein
Anliegen verstanden.

Stefan Nagy schreibt:
>
>Mir ging es um nicht mehr als eine Verbildlichung der Rolle der
>Warenproduktion im Rahmen einer neuen dominanten Produktionsweise – also
>deren Beschränkung auf den Bereich der Materialisierung von kollektiv
>Geschaffenem; quasi die Reduktion ihrer Funktion auf die eines
>Ausgabegerätes. Ich hätte also ebenso gut einen Drucker, einen Plotter,
>eine Bildschirm etc. für mein Bild verwenden können, naheliegend war der
>Fabber nur deswegen, weil er eben 3D-Gegenstände ausgibt.

Du sprichst das zentrale Problem der "Materialisierung" an, lass uns
genauer hinsehen.
Denn Du sagts selbst: die beste Metapher ist immer noch die Fabrik selbst:
>
>
>Eigentlich geht es mir in diesem Bild ja um den Rest; also alles, was
>diesem "Ausgabegerät" vorgelagert ist – den gesamten Produktionsprozess
>mit Ausnahme der anfallenden manuellen Tätigkeiten, also jenen im
>Bereich der unmittelbaren Materialisierung (sorry, ich finde dafür
>keinen guten Begriff…). Umsturz der Produktionsverhältnisse heißt für
>mich also schrittweise Übernahme aller sonstigen Teile der Produktion
>durch das Kollektiv/Communities.

OK, darüber sind wir uns also einig, und auch darüber....
>
>
>Ich hab jetzt lang probiert diese Vorstellung konkreter auszuführen,
>aber ich bin mir da mit mir selbst noch zu uneinig – da sind einfach
>noch zu viele Konjunktive…

...dass das keine leichteSache ist !!

Christian setzt das einfach voraus, wenn er sagt dass die PM immer kleiner
und flexibler
werden und auch individuell/kollektiv angeeignet werden können.
( Die Rückeroberung der Produktionsmittel hat begonnen.)
Das hat ihm von vielen Seiten, auch von dem von mir sehr geschätzten
Wolfram Pfreundschuh,
die Kritik eingebracht an der realen Produktion vorbeizugehen.
>
>
>Ganz grob gesagt gehe ich in meinen recht wirren Vorstellungswelten –
>ausgehend von einer Zunahme der Transparenz in Bezug auf
>Produktionsprozesse – von der Bildung von Communities/Kollektiven aus,
>die sich mit Fragen rund um diese Produktionsprozesse auseinandersetzen,
>diesbezüglich (sinn-orientierte) Kriterien entwickeln & zu deren
>Realisierung lose Symbiosen mit WarenproduzentInnen eingehen (das waren
>die gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisse von denen ich fabuliert
>habe): sie pushen bestimmte Waren, die ihren Vorstellungen am ehesten
>entsprechen und die ProduzentInnen dieser Waren setzen das in
>Materialität um, was diese Kollektive sich so vorstellen. 

Naja, in meinen Vorstellungswelten läuft das so ähnlich :-)

Ohne dass es zu einer "temporären Allianz" von Communities und im Sinn der
stofflichen Resultate produktivem Kapital kommt, wird sich hier nichts
schieben.

Warenproduzentinnen sind nun mal Kapitalistinnen, nenns doch beim Namen.
Und die müssen einen  lohnenden Ertrag einfahren oder zumindest in einer 
Welt der Konkurrenz überleben können,

Beide Seiten (C+K) können einander hochpushen.  Dann wird soches Kapital
auch 
lohnend bleiben.......Aber wie?

Ich suche auch verzweifelt nach Anknüpfungspunkten in der "wirklichen
Welt".

* IBM, HP und andere Firmen die sich auf das Prinzip freier
Softwareentwicklung eingelassen haben
* van Hippel und die ganze Welt des "User led Designs"

... es fehlt uns ein "Observatorium" dafür , auch bei Michel Bauwens p2p
Foundation fehlt *diese*
systematische Forschungstätigkeit!

>Je besser
>diese Symbiose für die WarenproduzentInnen-Seite funktioniert (also im
>Sinne der Verwertung), desto eher steigt auch die Bedeutung der
>Kollektive in Bezug auf den jeweiligen Produktionsbereich und anders
>herum – & diesen selbstverstärkenden Prozess treibe ich dann gedanklich
>so weiter, bis die warenproduzierende Seite auf die Rolle des
>"Ausgabegerätes" reduziert ist.

Du denkkst ganz genau wie Frithjof Bergmann, der will freilich gleich eine
eigene
Welt von regulären Unternehmen schaffen, die "Produktionscafés"
betreiben.
(oder franchisen wie Mc Donalds)

Der will sichs gar nicht anders vorstellen ... soll auch recht sein, in
diesem Sinn 
ist er "Realist".
>
>
>Naja, das nur zur Erläuterung wo ich so herumschwirre; argumentieren
>kann ich das derzeit definitiv nicht – das hab ich jetzt lange genug
>probiert… ;)

Es ist auch schwierig ohne materialle Basis.

Ich sehe den Knackpunkt und das Problem darin, dass die Menschen die sich
an solchen Entwicklungsprozessen beteiligen genügend Kraft, Muße,
Qialifikation und Kommunikationsmittel besitzen müssen. An allen diesen
vier Punkten knackt es.

Ich sehe sogar verratene und beschissene Communities, wie die von Emporio,
wo hunderte Menschen rund um die Welt in ihrer Freizeit dazu aufgestachelt
wurden, ihr ganzes Geld in Recherchen und Photos zu investieren, nur damit
sich dann ein paar Leute am Börsenwert der weltgrößten
Gebäudedatenbank gesundstoßen konnten.

Ich sehe eine Verletzlichkeit und Labilität der Communities die sie oft
nicht in die Lage versetzt mit dem kontinuierleichen Entwicklungsweg
komplexer Produkte Schritt zu halten.

Und ich sehe umgekehrt kaum Kapital, das sich wirklich auf diese Basis
einzulassen willens ist.

Grundsätzlich gbt es verschiedene Wege hier nach Lösungen zu suchen.

* Stefan Merten forciert die freien Potentiale aktiver Professionalität,
er vertraut drauf dass die Leute die einen Job und eine Existenz haben mit
der Bildung und Duldung ihrer "Atbeitgeber" sich freien Projekten zuwenden
und die Resultate im internen Prozess ihren Firmen zukommen lassen....

* Meine Lösung sind die "Globalen Dörfer", quasi "Reproduktionsinseln"
im kapitalistischen Alltag, die schon nach einer demonetären Logik
funktionieren und daher dauerhaft intellektuelle Kapazitäten freistellen
können und sich an globalen Entwickler- und DesignConnunities beteiligen
können (Kloster-Metapher). Hier gibt es Ansätze wie Marcin Jakubowskis
"Global Village Construction Set", aber die laufen sehr Low Tech und
absolutistisch. Und sie finden im Bereich schon existierender physischer
Communities kaum Resonanz.

Nur wenn die Communities genügend Eigenmacht und Stabilität besitzen,
werden Warenproduzenten auch auf siesetzen. Das ist unser "Realparadox"
das wir zu lösen haben.,

Komm doch mal bei mir in Wien vorbei. Es gibt genug Entwicklungsarbeit und
Überzeugungsarbeit zu leisten.
>


Franz Nahrada
GIVE Forschungsgesellschaft
Labor für Globale Dörfer
Wien - Jedlesee



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