Re: [ox-de] Text zu Keimformen bzw. der Entwicklung sozialer Vermittlungsmechanismen

Hans-Gert Gräbe <hgg-/a/s/[email protected]> Sat, 01 Oct 2011 16:15:57 +0200
Newsgroups gmane.politics.oekonux.german
Message-ID <[email protected]>
Hallo Stefan Meretz,

Am 29.09.2011 12:17, schrieb Stefan Meretz:
> Nun diskutierst du Beispiele und erklärst mir: Das ist so für mich.
> Dagegen gibt es kein Argument. Ich kann dein Empfinden schlechterdings
> nicht bezweifeln. Ich kann nur auf einer allgemeinen Ebene behaupten,
> dass das so ist, weil es in dieser Gesellschaft notwendig so ist. Die
> Entfremdung von und gegenüber der Gesellschaft tritt auch gegenüber
> konkreten anderen Personen auf. Auch diese werden jeweils als Fremde
> (bis in die Sprache hinein) erlebt, anstatt als Eigene, als Menschen wie
> jeweils ich. In einer Gesellschaft, die in Partialinteressen zerfällt,
> in der der Eine gegen die Andere steht und umgekehrt, ist es auch nicht
> anders möglich. Wir können durchschnittlich strukturell einander nicht
> vertrauen. Dies jedoch ist keine Eigenschaft der Personen oder der
> Gesellschaft als solcher, sondern der historisch besonderen From der
> Vermittlung. Diese Überlegung schließt ein, dass es nicht so sein muss
> (siehe meinen ersten Kommentar mit einigen Überlegungen dazu).

Das halte ich für blauäugig. Die Natur selbst ist voller 
widerstreitender Interessen und - das seit langem meine (und nicht nur 
meine) These - es sind gerade diese widerstreitenden Interessen, welche 
die Welt im Innersten antreiben. Die historische Form der Vermittlung 
wird also _immer_ eine Vermittlung zwischen derartigen widerstreitenden 
Interessen sein. Auf die Bedeutung des Geldes als _zivilisierter_ Form 
der Vermittlung widerstreitender Interessen (und als Informationsträger, 
wie Wolf Göhring hier immer wieder betonte) weise ich dazu mal nur in 
Parenthese hin.

Zweitens kann ich mit deiner Dichotomie Individuum - Gesellschaft nichts 
anfangen, weil dies die fraktale Struktur der partiellen 
Vertrauensverhältnisse und deren fragile Dynamik schlicht nicht zur 
Kenntnis nimmt. Adornos Frage nach der Möglichkeit eines richtigen 
Lebens im Falschen und Blochs Antwort: "Nein, aber wir haben gar keine 
andere Chance als es zu versuchen" weisen auf komplexe Bewegungsformen 
hin, wenn es um die Genese einer "Noosphäre" geht.

Aber das sind alles olle Kamellen, wo unsere Diskussion seit Jahren auf 
der Stelle tritt, deshalb muss ich das hier auch nicht weiter 
ausbreiten. Aber ein weiteres Mal gesagt haben wollte ich es schon.

Viele Grüße, hgg






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