Re: [ox-de] Text zu Keimformen bzw. der Entwicklung sozialer Vermittlungsmechanismen
Hans-Gert Gräbe <hgg-/a/s/[email protected]> Wed, 05 Oct 2011 21:01:19 +0200
| Newsgroups | gmane.politics.oekonux.german |
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| Message-ID | <[email protected]> |
Hallo Stefan, Am 30.09.2011 23:35, schrieb Stefan Nagy: > Ich führe das mal etwas aus, ich lass da nämlich die ganze Zeit eine > nicht ganz unwesentliche Zwischenebene weg: Ich betrachte das > gesellschaftliche Ganze als Gesamtheit nicht der Individuen, sondern > aller "Denkkollektive", die ich – in Anlehnung an Ludwik Fleck – als die > eigentlichen Subjekte des Denkens und Erkennens fasse. Das ist ein sehr spannender Gedanke, allerdings wären es für mich mehr die _Kommunkationszusammenhänge_ und die in jenen konstruierten _Denkräume_ statt der Kollektive. Ob man die allerdings als "Subjekte des Denkens und Erkennens" bezeichnen kann und nicht eher als "Denkorte" bezeichnen sollte - ich weiß nicht. Das ist zwar fast derselbe Ansatz, aber doch irgenwie "dual" zu deinem. Das Wort "Denkkollektive" trägt für mich eine unterschwellige Semantik, dass dabei eine Person ganz oder gar nicht dazugehört. Kommunikationszusammenhänge wäre für mich eher thematisch angelegte Konstruktionen, in denen durchaus auch dialektisch widersprüchliche Ansätze (Interessenwidersprüche) bewegt werden können. Ein eigenartiges Zusammenfallen von Konsens und Widerspruch, denn einerseits kann man einen gewissen Widerspruch nicht sprachlich prozessieren, wenn man sich nicht auf eine Sprache (im Sinne der Bindung von Semantiken an Bezeichner) einigen kann, in der dies geschieht. Andererseits bleibt es aber beim (Interessen-) Widerspruch, in dem man nur einen "Waffenstillstand" erreichen kann. Den kann man - im Sinne einer "Einheit der Gegensätze" - dann allerdings auch stehen lassen, um eine gemeinsame Basis für den Diskurs umfassenderer Widersprüche zu haben. Dieser umfassendere Diskurs ist so lange möglich, so lange der "Waffenstillstand" hält. Zerfällt der, so zerfällt auch die Grundlage des umfassenderen Diskurses und muss neu ausgehandelt werden. Es kommt wahrscheinlich eine deutlich fraktalere Struktur heraus als wenn man das in Termini von "Denkkollektiven" versucht zu fassen. Hat viel von dem, was Hoevels in Kapitel 8 "Herrschaft und Memselektion" seines Buchs "Wie unrecht hatte Marx wirklich?" beschreibt. Das mal zwei ct von mir zu diesem Herangehen. Viele Grüße, Hans-Gert ________________________________ Web-Site: http://www.oekonux.de/ Organisation: http://www.oekonux.de/projekt/ Kontakt: [email protected]